Lingg | Die Völkerwanderung: Band 1, Teil 2 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 77 Seiten

Lingg Die Völkerwanderung: Band 1, Teil 2


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7448-4912-8
Verlag: BoD E-Short
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, 77 Seiten

ISBN: 978-3-7448-4912-8
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Die Völkerwanderung von Hermann Lingg ist ein Nachdruck der Originalfassung in 3 Bänden (1866-1868). Die Völkerwanderung: Band 1, Teil 2 umfasst: Vierter Gesang. Audogar und Sigune. Fünfter Gesang. Die griechische Insel. Sechster Gesang Gesang. Das Opfer. Siebenter Gesang. Alarich und Stelico.

Hermann Lingg (1820-1905) gehörte dem Dichterkreis um König Max II. an und war ein berühmter bayerischer Epiker und Lyriker.
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Fünfter Gesang. Die griechische Insel.


An einer Küste, wo in blauen Buchten 
Zum schönsten Strand die Meereswelle geht, 
Verschließt das Eiland hinter unbesuchten 
Berghöhn ein Thal von Blumenduft durchweht. 
Der Eppich überwuchert Fels und Schluchten; 
Am Abhang, wo die schlanke Palme steht, 
Blühn dicht und wild die Lilien und Päonien, 
Und milde Lüfte wehn vom nahen Ionien.

Cypressengänge führen vom Gestade 
Zur heitern, hochgelegnen Wohnung hin. 
Mit Hermen prangt Hofmauer und Arkade, 
Die Pinie breitet ihren Baldachin 
Ums platte Dach, und hoch wirft die Cascade 
Ihr schirmend Netz von zitterndem Rubin. 
Den Garten schließt in seinen kühlen Schatten 
Ein Portikus, belegt mit Porphyrplatten.

Von hier kann man durch dunkle Rebgelände 
Ins Innre dämmernder Gemächer schaun, 
Wo sich in Arabesken heitre Wände, 
Was zwischen ihnen vorgeht, anvertraun. 
Im Bade lacht, als ob er mitempfände, 
Aus dunkler Nische keck der Marmorfaun; 
Gemalte Früchte, Wildpret, Vögel, Fische 
Verkünden dort die reichbesetzten Tische.

Hier unter epheulaubumrankter Linde, 
Im Arm den jungen Bacchus, lacht Silen; 
Der Alte beugt sich nach dem schönen Kinde, 
Und läßt ihn, neckend, reife Trauben sehn. 
Wie lockt den jungen Gott das Rebgewinde! 
Wie schön müßt' ihm ein Kranz von Trauben stehn! 
Schon will er, scheint's, im kindischen Entzücken 
Die Feuergeister aus der Beere drücken.

Der Fruchtbarkeit Geheimniß zu bedeuten, 
Glänzt Ceres dort, und weiter rechts und links, 
Die Tatzen aufgehoben zum Erbeuten, 
Mit schlafenden Gesichtern Sphinx und Sphinx, 
Ein Herkules mit Keul' und Löwenhäuten, 
Und Hirt und Heerde, Flöten und Syrinx; 
Diana ruht, ermüdet von der Birsche, 
Auf einem Fels und liebkost ihre Hirsche

Dort sieh, der Sonnengott, er spannt den Bogen, 
Furchtbar und schön, es droht sein hoher Blick, 
Erhabner Zorn sträubt seine Lockenwogen 
Vom Glanz der Stirn um Schulter und Genick, 
Und rings um ihn, vom Immergrün umzogen, 
Sieht man die holden Töchter der Musik, 
Aus jedem Buschwerk lacht, aus jeder Grotte 
Das Marmorbild von einem holden Gotte.

Hier wohnt ein Römer, einst des Kaisers Sklave, 
Dann Freigelassner, dann sein Günstling, jetzt 
Vom bangen Rom in ein Asyl zur Strafe 
Von Rom – und in ein Paradies versetzt. 
Und seine Schuld? Vielleicht sah einst im Schlafe 
Der Cäsar sich von einem Mann verletzt, 
Der Jenem ähnlich war, und Schmeichler kamen, 
Und warnten ihn vor seines Freundes Namen.

Im Herzen war er Heide stets geblieben, 
Gebot war ihm der Christusglaube nur, 
Wie konnt' er dauernd ein Bekenntniß lieben, 
Wozu kein Drang der innersten Natur, 
Wozu ihn nur Befehl und Furcht getrieben? 
Und hier, wo nimmermehr der Hof erfuhr, 
Was angebetet ward in diesen Gründen, 
Beschloß er, neu den Götterdienst zu gründen.

Er wagt's, auf eines Tempels öden Schwellen 
Ein Leben, dem die Zeit sich abgewandt, 
Aus eignem Machtspruch wieder herzustellen, 
Und sieh, der Himmel, den das Kreuz verbannt 
Beginnt aufs neue sich ihm aufzuhellen! 
Des Altars Opfergluth, schon ausgebrannt, 
Erfüllt noch einmal, eh' sie lischt für immer, 
Das schöne Inselland mit seinem Schimmer.

Und ihn, wie einst den greisen Labdakiden, 
Als auf Kolonos er gebeugt und blind, 
Ins Dunkel trat des Hains der Eumeniden, 
Begleitete sein schön und einzig Kind. 
Auf ihrer Stirne lag ein ernster Frieden, 
Ihr Herz war noch, wie Kinderherzen sind, 
Schuldlos und priesterlich umwallt vom Schleier, 
Vollbrachte sie Gebet und Opferfeier.

Oft, wenn sie mit den goldnen Weiheschalen 
Zum frommen Dienst bekränzt im Tempel stand, 
Wenn sich das Purpurlicht der Frührothstrahlen 
Mit ihrer Wangen Andachtsgluth verband, 
Und schneeweiß auf die reichen Goldsandalen 
Herniederfloß ihr schimmerndes Gewand, 
Erstand im Volk der alte Glaube wieder, 
Es stiegen Himmlische zur Erde nieder.

Sie stund am Meer allein und unbeachtet, 
Wenn sanft des Abends letzter Glanz zerstob, 
Und von den seidnen Wimpern übernachtet, 
Durchflog den Blick, wenn sie das Haupt erhob, 
Ein Feuer, wie aus Sapphos Liedern schmachtet, 
Ein Feuer, dem sich sanfter Schmerz verwob. 
Denn als schon bald die Winterstürme tobten, 
Hielt ihr das Meer noch ferne den Verlobten.

Telestes war's, in Sikyon geboren, 
Wohin einst mit dem reichen Hausaltar, 
Nachdem die Freiheit in Athen verloren, 
Sein mächtiges Geschlecht entflohen war. 
Zum Bräutigam der Römerin erkoren 
Von beiden Eltern, war er manches Jahr 
Auf Reisen fern gewesen, um die Lehren 
Der Schulen Roms und in Athen zu hören.

Doch er, der in so manchem Feuerliede 
Von Freiheit und vergangner Größe sprach, 
Der späte Sohn Athens war kein Pelide, 
Er sah, ein thatenloser Telemach, 
Gelähmt von Roms allmächtiger Aegide, 
Dem großen Vorbild seiner Ahnen nach; 
Bald wanden um das Haupt des Hoffnungslosen 
Statt wilder Lorbeern, Myrten sich und Rosen.

Der Sonnenglanz, der einst Athen verklärte, 
Schien noch in ihrem seelenvollen Blick, 
Der Schmerz, der nagend seine Brust verzehrte, 
Der Schmerz um die gefallne Republik; 
Er wußte, daß auch sie im Busen nährte 
Den Jammer um der Heimath Wehgeschick, 
Und beider Herzen band im Liebesbande 
Die Liebe zum verlornen Vaterlande.

Vor Anker lag ein Fahrzeug ihm gerüstet, 
Das reichlich von den reichsten Waaren trug, 
Womit Corinth auf seinem Markt sich brüstet; 
Geschmeide, Seidenstoff und Schmuck genug, 
Darnach die Augen einer Braut gelüstet. 
Sobald ein guter Wind die Segel schlug, 
Durchflog sein Schiff, da kaum der Tag erschienen, 
Aegeas Fluth, begleitet von Delphinen.

Allein das Meer, durch das am Tag in stiller 
Und heitrer Fluth das Schiff geruhig schwamm, 
Verwandelt sich vor Nacht in dunklen Schiller 
Und rollt empor den weißen Drachenkamm; 
Der Regen strömt, die Winde pfeifen schriller, 
Furchtbar droht hier und dort ein Klippendamm, 
Bald überspült, bald aufgedeckt von Wogen, 
Durch welche pfeilschnell kommt das Schiff gezogen.

Und angstvoll mit dem vorgebeugten Segel 
Bemüht sich's durch die wilde Wetterschlacht, 
Es zückt in die gethürmten Wellenkegel 
Der Blitz herab; der Mast, die Planke kracht; 
Unheimlich flattern graue Sturmesvögel, 
Wie Schatten in der ungeheuren Nacht – 
Als wollten sie den Schiffern prophezeien, 
Und klagend sie dem Wellentode weihen.

Indessen fleht zum höchsten Segensspender, 
Zu Zeus, die Braut, gewarnt durch manchen Traum, 
Es steigt ihr Opferrauch dem Blitzentsender, 
So oft Gewitter ziehn am Himmelssaum. 
Sie ruft den Sonnengott, den Heilvollender, 
Und alle Götter in dem Aetherraum, 
Vor allen aber Aphroditens Güte, 
Daß ihre Huld den Bräutigam behüte.

Es spricht zu ihr der Greis; »O Kind, Cythere 
Sei gnädig! Kränz' mit Rosen und Akanth 
Ihr Bild, auf daß Telestes wiederkehre! 
Mir bangt für ihn, sein Schiff ist leicht bemannt, 
O sieh, wie dunkel wird es auf dem Meere! 
Von Knidos hat er Boten mir gesandt.« 
Die Wolken rollen dunkler sich zusammen 
Und nah' und näher glühn die Wetterflammen.

Sie kniet am Ufer, dran die Wogen prallen; 
Wo eines Tempels Wölbungen durchstöhnt 
Der wilde Sturm, läßt sie die Locken wallen, 
Vom Wetterleuchten wunderbar verschönt. 
Da ist's, als ob ein sanfter Laut von allen 
Den Götterbildern zu ihr niedertönt. 
»Sei ruhig!« scheinen sie ihr zuzusprechen, 
»Bald wird Neptun die Macht der Woge brechen.

Doch hör', o Liebliche! nicht Stürme werden 
Dir je so schrecklich sein als jener Geist, 
Der uns Olympiern die Macht auf Erden, 
Der euch den heitern Jugendtraum entreißt, 
Wenn euer armes Herz in Schuldbeschwerden 
Ein dunkles Jenseits halb mit Klagen preist; 
Dann Sterbliche, dann sehnet euch zurück 
Nach eurer Götterzeit verlornem Glück!«

So klang's herab, und sie mit bangem Schritte 
Wankt vom Altar. »Was war's, das ich gehört? 
Als ob ein tönend Weh' die Luft durchschnitte, 
Als ob ein Stern, in seiner Bahn zerstört, 
Ein Klaglied sang! – Doch horch! hat meine Bitte 
Den Sturm nicht übertönt? Ich bin erhört?« 
Und heller schon, so sehr die Wogen branden, 
Erschallt der frohe Ruf: »Sie sind's, sie landen.«

Sie kommen schon, und wie noch halb mit Bangen 
Die Jungfrau nach dem Strand eilt, drängt Telest 
Sich aus dem Volk und eilt, sie zu empfangen, 
Und hält sie jubelnd an sein Herz gepreßt. 
Sein fluthbethautes Haar netzt ihre Wangen, 
Er hält sie freudig mit den Armen...



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