Lingg | Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 2 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 59 Seiten

Lingg Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 2


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7448-4919-7
Verlag: BoD E-Short
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, 59 Seiten

ISBN: 978-3-7448-4919-7
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Die Völkerwanderung von Hermann Lingg ist ein Nachdruck der Originalfassung in 3 Bänden (1866-1868). Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 2 umfasst: Vierter Gesang. Die Hunnenschlacht. Fünfter Gesang. Maximus und Eudoxia.

Hermann Lingg (1820-1905) gehörte dem Dichterkreis um König Max II. an und war ein berühmter bayerischer Epiker und Lyriker.
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Vierter Gesang. Die Hunnenschlacht.


Schon war es kühl geworden in den Forsten, 
Der Winter kam, und Stock und Stein gefror, 
Die Adler flogen hungrig aus den Horsten, 
Nicht minder gierig aber brach hervor 
Geharnischt Kriegsvolk, Pfeil mit Eberborsten, 
Geschuppte Reiter, die den Speer empor, 
Und die Thors Hammer aus den Schultern trugen, 
Und andre, die mit Schwert und Streitaxt schlugen.

Zu gleicher Zeit, gleich mächtig, Rott' an Rotte 
Hochbord'ger Schiffe, breit und starken Baus, 
Drang von Karthagos Hafen eine Flotte, 
Die Flotte Geiserichs durchs Meergebraus. 
Manch hölzern Bild von einem alten Gotte 
Sah da vom Hochdeck auf die Fluth hinaus, 
Und aus der Flagge schnoben Schlangenrachen, 
Einhörner, Basilisken, Panther, Drachen.

Die Höhe von Sicilien erreichend, 
Gewahrten sie, daß nah dem Küstenland 
Der Fahrwind kaum die Segel noch bestreichend, 
Allmählig sank, und Gegenwind entstand. 
Es kam ein heft'ger Nord, der nimmer weichend 
Zurück die Schiffe trieb. Damit entschwand 
Die Hoffnung, noch vor Winterszeitbeginnen 
Die Küste von Italien zu gewinnen.

»Kennt uns nicht mehr der alte Gott im Norden?« 
Sprach Geiserich und blickt zum Himmel auf, 
Und siehe da, ein Raum war leer geworden, 
Die Stelle, wo gestrahlt in seinem Lauf 
Der mächtige Komet. »Wenn nun die Horden 
Ihn nicht mehr leuchten sehn, ich schwör' darauf, 
Sie werden dann auch uns versunken glauben, 
Und ganz allein Italien durchrauben.«

Als ob er durch den Sturm ihr Heulen hörte, 
Drang's ihm zu Sinn; »Ha, wenn nun zu dem Raub 
Der Hunne früher käm' und Rom zerstörte, 
Und uns nichts übrig ließ' als Schutt und Staub? 
Wie wär's, wenn ich sein grimmig Herz bethörte? 
Sonst niemals war er meinen Planen taub. 
Ich lenk' ihn ab, noch trotzen seinen Fahnen 
Die Mächtigsten der westlichen Germanen.«

So schrieb er denn: »Wir hörten schon erschallen 
Von deinem Nahn der Lüfte Reich, jedoch 
Gebeutst du den Germanen noch nicht allen; 
Der Gothe höhnt, der Franke flieht dein Joch. 
Erst strafe die, die von dir abgefallen, 
Der Raub Italiens bleibt uns immer noch. 
Die reichen Städte sollen's erst bezahlen, 
Die sich im Rhein im goldnen Wellbild malen.«

Wer aber wird die Botschaft überbringen? 
»Wer ist so kühn und beut im Ruderboot 
Den Stürmen Trotz, und wagt es durchzudringen 
Durch Feindes Land?« »Ich will's,« sprach Verimod. 
»Mit Muth und Klugheit soll es uns gelingen.« 
Er wählt sich die Gefährten, schwärzt das Roth 
Des hellen Haares, löst das Boot vom Borde 
Und ringt sich muthig durchs Gebraus der Norde.

Und wieder in des alten Tempels Halle, 
Worin, seitdem verflossen Jahr um Jahr, 
Gewuchert rings die Spuren vom Verfalle, 
Trat am zerbrochnen heidnischen Altar 
Zu Verimod Aëtius. Wachten alle 
Die alten Schauer auf? Wie damals war 
Gewitternacht, und um die Tempelsäulen 
Schoß Blitz auf Blitz und brauste Windesheulen.

»Zu wem« – sprach Verimod, »und wer mich sendet, 
Enthüllt' ich dir, und beider Helden Plan. 
Nun sieh, nach welcher Seite hingewendet, 
Sich dir erschließt die reichste Thatenbahn, 
Und wem du helfen willst, denn groß vollendet 
Hast du noch Alles was du je gethan, 
Und deutlich ist, daß etwas Riesengroßes 
Sich jetzt entringt der Nacht des Zeitenschooßes.«

Aëtius erhob sich an den Stufen 
Des öden Altars, oben schoß durchs Dach 
Des Wetterleuchtens Gluth. Er sprach: »Wie rufen 
Doch deine Worte die Erinnrung wach 
An Thaten, die so großes Unheil schufen! – 
Im Donner, im geschwollnen Regenbach 
Vernehm' ich aus den Gräbern Derer Klage, 
An deren Tod ich schwere Mitschuld trage.

»Sie sind dahin und ihre wahren Leben 
Bringt nichts zurück mehr in die Gegenwart, 
Nur ihre Schatten seh' ich mich umschweben, 
Von ihren kalten Blicken angestarrt. 
Doch jetzt ist mir der Augenblick gegeben, 
Den ich mit Sehnsucht, den ich längst erharrt, 
Und was mir auch in diesem großen Ringen 
Bestimmt mag sein, ich will es groß vollbringen.

Du geh' nun hin und bring', wie dir befohlen, 
Dem Hunnen deine Botschaft, hoff' er dann 
In Gallien seine Beute sich zu holen, 
Es sei, wenn ich nur Rom erretten kann.« 
Hier hielt Aëtius inn' und sah verstohlen 
Auf Verimod, der sich indeß besann 
Und sprach: »Mögst du, was du nur willst beginnen, 
Wenn nur auch wir uns deinen Dank gewinnen.«

»Das sollt ihr, ja, daß Geiserich es wisse, 
Ich ehr' ihn, schuf er gleich uns große Noth; 
Doch Attila, der Fürst der Finsternisse 
Ist uns verhaßter als der bittre Tod.« 
Er sprach's und bot, da durch der Wölbung Risse 
Nun wieder Sternlicht schien, dem Verimod 
Die Hand zum Abschied. Dieser nun vollführte 
Den Auftrag Geiserichs, wie sichs gebührte.

Er stellt dem Hunnenkönig vor: schon rüste 
Mit altem Haß der Gothe gegen ihn; 
Ihm würden, wenn er nicht zu strafen wüßte, 
Die unterworfnen Völker sich entziehn, 
Die längst nach Unabhängigkeit gelüste. 
Die Thüringer und Franken, wie es schien, 
Vereinten sich den Gothen, auch Burgunden 
Und Sueven hätten sich dazu verbunden.

Vom Nordseestrand, wo jene nie gejochten 
Uralten Stämme hausten und vom Rhein, 
Wo stets der Völker Freiheit ward verfochten, 
Dring' überall der gleiche Ruf herein. 
Die Römerstädte dort, die stolzen, pochten 
Auf ihren Glanz und Reichthum, auf den Schein 
Der Rechte, die von Alters her noch dauern, 
Auf ihren Ruhm und ihre festen Mauern.

Und Attila erregt zu wildem Grolle 
Bei dem Gedanken schon, daß irgend wer 
Noch seiner Macht und Waffe trotzen wolle, 
Befiehlt sogleich nach Westen hin sein Heer. 
Da brachen auf aus unwirthbarer Scholle 
Die Horden alle vom asow'schen Meer, 
Von Nord und Osten stießen zu dem Zuge 
Der Scythe, der Gepide und der Rüge.

Die Könige Scythiens und die Völkerschaften 
Vom Lauf der Wolga, von der Donau Strand, 
Thüringer, Sueven und Ostgothen rafften 
Zum Mitzug ihre Waffen auf. Bald stand 
Am Rhein der Hunnen Heer, und sie verschafften 
Sich Uebergang nach Gallien. – Winterland, 
Halb zugefrorne Ström' und Sturm in Wäldern, 
Und zahllos Heervolk aus den öden Feldern.

Der Purpur eines rothen Wollebandes 
Umflog den Speer, wo Etzel führt sein Heer, 
Wie vor der Windsbraut eine Rolle Sandes, 
Zog seine Völkerschaar im Flug daher. 
Wie dichte Saat auf einer Scholle Landes 
So wogte unabsehbar Speer an Speer, 
Der Wandervogel vor dem Wind die Wolke 
Sind Boten vor dem pfeilgeschwinden Volke.

Es hat die Nacht ein Leuchten, ihr nur eigen, 
Und eigne Thiere hat das Winterjahr, 
Die Sterne wie die Menschenherzen neigen 
Zu gleichem Glück, verbunden durch Gefahr. 
In bleicher Schneenacht mag der Wolf sich zeigen, 
Auf braunen Fels baut seinen Horst der Aar, 
Ereignisse gehorchen ihrer Richtung, 
Wie Stein und Erz der Lagerung und Schichtung.

Um den Bedrohten reihen sich die Schwachen, 
Und zum Erobrer heult die Schlachtenwuth, 
Wenn ausgesetzt die Jungfrau wird dem Drachen, 
Dann kommt der Retter, dann erwacht der Muth. 
Und sättigt nichts mehr eines Unthiers Rachen, 
So ist's ein Blick, der mehr als alles thut; 
Ein Sandkorn oft nur auf des Schicksals Wage 
Stellt wieder her das Gleichgewicht der Tage.

Aëtius, beseelt von dem Gedanken, 
Der Schirmherr seiner Zeit zu sein – Gefahr 
Rings um ihn her, vereinigt seine Flanken; 
Er bietet die Westgothen auf, sogar 
Die Sachsen, die Burgunder und die Franken, 
Des Meroväus Volk mit langem Haar, 
Die schwarze Rüstung trugen, schwarze Ringe, 
Ein Kreuz der Schwertgriff und ein Blitz die Klinge.

Zur Sonntagsfeier läuteten die Glocken 
Am Hof des Gothenkönigs zu Toulous', 
Die Mandelbäume streuten Blüthenflocken 
Den schönen Frau'n und Jungfrau'n vor den Fuß, 
Das Aug' der Königstochter nur blieb trocken, 
Nie wieder bot der Tag ihr einen Gruß. 
Es hatte Geiserich in blindem Hassen 
Die Gattin seines Sohnes blenden lassen.

So saß sie, eine andere Sibylle 
Und sah in sich und alles was geschah, 
Und rings umher war Nacht und Todtenstille. 
Da sagte sie: »Von Rom ist jemand da, 
Der uns bedeuten will, was Gottes Wille. 
Er trete ein, den ich im Geiste sah, 
Heil dir, Aëtius! dem klugen, frommen, 
Dich grüßt das Auge, dem das Licht genommen.«

Mit klugem und beredtem Wort begründet 
Der Römer seiner Sendung hohen Werth. 
»Der Krieg,« so spricht er, »hat sein Reich entschlündet, 
Und ich befürchte, wenn ihr nicht gewährt, 
Daß sich mit uns der Gothen Macht...



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