Buch, Deutsch, 352 Seiten, Paperback, Format (B × H): 1520 mm x 2110 mm, Gewicht: 511 g
Die Suche nach der Wahrheit kann tödlich enden
Buch, Deutsch, 352 Seiten, Paperback, Format (B × H): 1520 mm x 2110 mm, Gewicht: 511 g
ISBN: 978-3-940808-19-6
Verlag: Belletris-Verlag
Zwei brutale Morde in einem Franziskanerkloster in Venedig versetzen die Terrorismusfahnder von Interpol in Alarmbereitschaft. Bei einem der Toten werden Fragmente einer mysteriösen Landkarte gefunden. Offenbar ist darauf die Route einer mit Gold und Edelsteinen beladenen Karawane verzeichnet, die vor Jahrhunderten in der Sahara verschollen ist. Aber was hat der Pater des Ordens Hagia Maria Sion aus Jerusalem damit zu tun? Und warum wird das Sion-Dossier in einem Museum in Lissabon als STRENG GEHEIM klassifiziert?
Die Fahndung nach dem skrupellosen arabischen Auftragskiller führt den italienischen Commissario Toscanelli und Terrorismusexperten des deutschen Bundeskriminalamts alsbald zu einer islamistischen Bruderschaft in Ägypten, zu christlich-orthodoxen Mönchen auf einer Klosterinsel in Äthiopien – und zu dem deutschen Geografen und Landkartensammler Peter Föllmer.
Die islamistische Bruderschaft möchte der geheimnisvollen Landkarte ebenso mit allen Mitteln habhaft werden wie Peter Föllmer. Dann taucht die ebenso attraktive wie mysteriöse äthiopische Religionswissenschaftlerin Jahzara auf. Gemeinsam mit Peter versucht sie, Licht in ein dunkles Geheimnis der katholischen Kirche und der Päpste Roms zu bringen. Ihre Suche nach Wahrheiten führt die beiden schließlich auf die Spur der legendären Bundeslade, einem der größten Mysterien für Christen, Moslems und Juden. Plötzlich schweben Peter und Jahzara in Lebensgefahr ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Jahzara traute sich nicht, in die U-Bahn einzusteigen. Sie stand auf dem Bahnsteig. Die Türen des Waggons waren geöffnet. Sie schaffte es jedoch nicht, sich zu bewegen. Sie hatte den Schock über die jüngsten Ereignisse noch nicht verdaut. Was in ihrem Haus mit dem einbeinigen Federico passiert war, hatte sie in eine Welt aus Angst und Schrecken versetzt. Der offiziellen Version über das, was da eine Etage unter ihr geschehen war, schenkte sie keinen Glauben. Den Schuss aus der Schrotflinte hatte sie nur im Unterbewusstsein, im Tiefschlaf wahrgenommen. Doch dieser panische Hilfeschrei des Hausmeisters hatte sie in ihrem Bett erstarren lassen. Der Araber! Der Verfolger! Der Mörder von Charles Bahri! Das waren ihre ersten Gedanken gewesen. Dann waren Schreie von anderen Mietern durch das Haus gehallt. Jemand hatte »Policia! Policia!« geschrien. Tatsächlich war wenig später die Polizei gekommen. Angeblich hatte Federico einen Einbrecher überrascht und auf ihn geschossen. Blutspuren im Treppenhaus und auf der Straße ließen den Schluss zu, dass er getroffen hatte.
Die Polizei neigte zu der These, dass es sich um einen Dieb gehandelt hatte. Jahzara glaubte jedoch kein Wort davon, denn da gab es etwas, was die Polizisten im Treppenhaus gefunden hatten: eine Drahtschlinge mit zwei hölzernen Griffen. Der Eindringling hatte sie im Treppenhaus verloren. Sie hatte gehört, wie einer der Polizisten zu seinem Kollegen gemeint hatte, wie ungewöhnlich es sei, dass ein Einbrecher eine Scarpia dabeihabe, eine jener Drahtschlingen, mit denen professionelle Killer ihre Opfer erdrosseln. So wie bei den Mafiosi in Italien. Das hatte Jahzara in Panik versetzt, zumal der einbeinige Hausmeister den Polizisten auch noch gesagt hatte, dass er das Gesicht des Hünen gesehen habe. Und dass er glaube, der Hüne sei ein Araber. Seitdem fühlte sich Jahzara wie gelähmt vor Angst. Sie traute sich nicht, den Polizisten mitzuteilen, was sie vermutete: Dieser Mann hatte sie vielleicht töten wollen.
Sie zitterte innerlich. Erst dieser Araber in Venedig. Und nun ein weiterer hier, in dem Haus, in dem sie wohnte. Was wollten diese Männer von ihr? Hatten sie etwas mit Charles zu tun? Seit Venedig wusste sie, wo sie wahrscheinlich Antworten finden würde: in Santa Maria de Belem. Dort hinzukommen, stellte sie jedoch vor große Probleme. Es war eine Art Klaustrophobie, die sie daran hinderte, die U-Bahn zu betreten. Panikattacken schüttelten sie. Eine Stunde brauchte Jahzara schließlich mit dem Fahrrad, das sie sich von einer Freundin geliehen hatte. Am Rio Tejo entlang, unterhalb des Bairro Alto, war sie Richtung Belem gestrampelt. Erschöpft von der langen Fahrt, stand sie schließlich vor dem Eingang des Museu de Marinha, am Ende des Westflügels des Mosteiro dos Jerónimos. Das prachtvolle Kloster, das Manuel I. Anfang des 16. Jahrhunderts hatte bauen lassen, um den in Spanien angesiedelten Hieronymus-Orden nach Portugal zu holen, entfaltete im sanften Morgenlicht seine wahre Pracht. Das rote Dach schimmerte unnatürlich intensiv. Der Sakralbau aus hellem Kalkstein, der auf wundersame Weise Stilelemente aus der Renaissance mit gotischen und orientalischen Einflüssen einte, war einer ihrer Lieblingsplätze in Lissabon. Oft hatte sie schon in dem orientalisch anmutenden Kreuzgang vor dem Springbrunnen gesessen und die einzigartige Atmosphäre dieses kolossalen und doch so verspielt wirkenden Bauwerks auf sich wirken lassen. Im Marinemuseum war sie allerdings noch nie gewesen. Der Museumsdirektor aus Venedig hatte ihr jedoch dringend geraten, es zu besuchen.
Die prächtige Eingangshalle mit dem fantastischen Kreuzgewölbe und den farbenprächtigen Bleiglasfenstern wurde geprägt von einer überdimensionalen, aus weißem Marmor modellierten Statue. Gänsehaut lief ihr über den Rücken. Da war er! Der Mann, der ganz offensichtlich in diesem Puzzle von Charles Bahri eine so große Rolle spielte: Infante Dom Henrique! Der legendäre Heinrich der Seefahrer, sie ahnte es, war der Schlüssel zum Verständnis all jener Dinge, die in den Büchern und Dokumenten geschrieben standen. Das alte portugiesische Buch las sich zwar eher wie ein Roman, aber was, wenn der Museumsdirektor aus Venedig die Wahrheit gesagt hatte? Dann würde sie hier in der Biblioteca Central da Marinha Dokumente finden, die all das bestätigten. Dann wäre die Sensation perfekt.