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E-Book, Deutsch, 318 Seiten, E-Book

Reihe: Systemisches Management

Berning Soziologie der Unternehmung

Erfolgreiche Führung und Organisation von komplexen Systemen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7910-5833-7
Verlag: Schäffer-Poeschel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erfolgreiche Führung und Organisation von komplexen Systemen

E-Book, Deutsch, 318 Seiten, E-Book

Reihe: Systemisches Management

ISBN: 978-3-7910-5833-7
Verlag: Schäffer-Poeschel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Soziologie der Unternehmung betrachtet die Beschäftigten als Individuen mit eigenem unterschiedlichem, wechselhaftem Verhalten. In diesem Verhalten steckt die Ursache für das Funktionieren oder Nicht-Funktionieren von Unternehmen. Das Buch beleuchtet das menschliche Miteinander und die damit verbundenen Probleme und zeigt Handlungsmöglichkeiten auf. Dabei spielt das Thema Führung eine herausgehobene Rolle.

Anhand eines idealtypischen Unternehmens mit allen erstrebenswerten Management-, Führungs- und Unternehmenswerten werden Handlungsweisen für real-existierende Unternehmen abgeleitet. Dabei bezieht sich der Autor sowohl auf Luhmanns Überlegungen zur Systemtheorie als auch auf Überlegungen zur Complexity Leadership Theory und komplexen adaptiven Systemen.

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2 Systemischer Unternehmensansatz
2.1 Der Beginn aller Unternehmen
Am Anfang eines Unternehmens ist stets die Idee. Der Idee folgen Taten und den Taten folgen Produkte. So sieht – vereinfacht – der Beginn eines jeden Unternehmens aus. Hinter Idee, Taten und Produkten steht der Unternehmensgründer. Unternehmen »werden nicht am grünen Tisch baukastenartig funktionstüchtig entworfen und dann sozusagen per Dekret realisiert. Sie sind gleichermaßen das Resultat eines Gestaltungs- und eines selbstinduzierten und selbstproduzierten Entstehungsprozesses« (Probst & Scheuss, 1984, S. 481, in Schmidt, 2019, S. 54). Der Unternehmensgründer selbst ist Gestalter des Unternehmens und Produzent seiner Produkte, er gestaltet den Produktionsprozess und hält das Unternehmen existenzfähig. Damit steht jedes Unternehmen zu Beginn seines Wirkens in vollständiger Harmonie mit sich selbst da. Es gibt den einen, der weiß, was er kann und was er will. Er kennt den Weg oder hat zumindest konkrete Vorstellungen davon, und er ist überzeugt. Wäre es nicht so, wäre der Gründer mit sich selbst uneins. Das ist eher unwahrscheinlich, will man keine krankhaften Verhaltensweisen unterstellen. In einer solchen Situation muss sich der Firmengründer keine Gedanken über Motivation, Führung, Vertrauen, Kooperation oder Respekt machen. Er ist durch sich und die Sache motiviert, er kennt die Prozesse und weiß, was in welcher Weise wann zu tun ist. Vertrauen spielt ebenfalls keine Rolle, da Wissen Vertrauen ersetzt. Bestenfalls muss er sich selbst vertrauen (i. S. v. zutrauen). Er weiß, dass er sich auf sich selbst verlassen kann. Der Erfolg des Unternehmers ist primär von seiner persönlichen Befähigung abhängig. Schätzt er seine persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten und/oder den Markt mit seinen Absatz- und Nachfragepotenzialen falsch ein, wird er scheitern. Die Erfüllung dieser Anforderungen an den Unternehmer durch den Unternehmer ist unabdingbar. Werden sie erfüllt, kann das Unternehmen bestehen; werden sie nicht erfüllt, wird das Unternehmen in kurzer Zeit untergehen. Das Unternehmen selbst, als geschlossene Einheit, ist mit sich selbst stets in Harmonie – solange eine Existenzgrundlage gegeben ist. Realisiert sich diese Existenzgrundlage aus den Handlungen des Unternehmens (und damit natürlich aus den Handlungen des Unternehmers), existiert das Unternehmen aus sich heraus. Ist dies nicht der Fall, dann sind anderweitige Quellen außerhalb des Systems Unternehmen und damit aus der Umwelt des Unternehmens notwendig, um seine Existenzfähigkeit überhaupt aufrechterhalten zu können. In dem Fall betreibt der Unternehmer aber nichts anderes als Liebhaberei und geht dabei einem hoffentlich schönen Hobby nach. Ist er aber auf die freiwillige und positive Reaktion der Umwelt angewiesen, muss er in der Lage sein, eine möglichst objektive Beobachterposition einzunehmen. Nur dann kann er die freiwillige und positive Reaktion der Umwelt erzeugen oder er stellt sein Unternehmen ein. Inwiefern der Unternehmer diese Kriterien für sich wahrnehmen und auch ausfüllen kann, hängt von seinem persönlichen Reflexionsvermögen ab. Das heißt, die notwendige Interaktion zwischen dem System Unternehmen und seiner Umwelt bedarf einer kritischen »individuell-objektiven« Reflexion. Dabei reflektiert neben dem Unternehmer, respektive dem Unternehmen, auch die Umwelt. Bilden sich dabei Resonanzen heraus, entwickeln sich eine korrelierende Verständnisgrundlage und eine Basis für übereinstimmendes Handeln. Rusch (2019, S. 382) spricht in diesem Zusammenhang von »Intersubjektivitäten«, also von einem gleichen Verständnis innerhalb einer begrenzten Anzahl von Individuen (Unternehmensgründer auf der einen und Individuen der Umwelt des Unternehmens auf der anderen Seite). So wird über die Reflexion Subjektivität zu einer ersten Objektivität. Das Handeln und Verhalten des Unternehmensgründers »wird somit bewusster und rationaler, vermeintliches irrationales Handeln oder Verhalten, das der subjektiven Steuerung zuzurechnen ist, tritt mehr und mehr zurück« (Berning, 2021, S. 209). Ausschlaggebend für erfolgreiches Agieren des Unternehmensgründers sind seine kognitiven und affektiven Fähigkeiten – seine kognitive und emotionale Intelligenz, die er auf intrapersonaler wie auch auf interpersonaler Ebene zum Ausdruck bringt (Pastoors & Ebert, 2019, S. 9 ff.). Die Fähigkeit zur Reflexion ist von elementarer Bedeutung, nur dann ist nicht Instinkt der Treiber, sondern es kann auf äußere Reize mit bewusstem Handeln reagiert werden. Die Reaktion auf »Äußeres« ist eine Reaktion im »Inneren«. Ein Unternehmen, dessen Unternehmensgründer in dieser Weise befähigt ist, hat gute Voraussetzungen, um zu wachsen und am Markt zu bestehen. Ein wie hier zugrunde gelegtes, im Entstehen befindliches Unternehmen hat aus Sicht des zunächst noch alleine agierenden Unternehmers zwei Befähigungsperspektiven: die nach innen gerichtete, systeminterne Befähigung, ein Unternehmen zu managen, und die nach außen auf die Umwelt gerichtete Befähigung, erfolgreich den Markt zu analysieren und am Markt zu agieren. Die nach innen gerichtete Befähigung ist, ja muss per se erfüllt sein. Er – der Unternehmer – ist mit sich selbst zufrieden, da er der einzige und der einzig befähigte Mitarbeiter ist. Die nach außen gerichtete Befähigung ist maßgeblich von seinen Fertigkeiten und kognitiven und affektiven Fähigkeiten abhängig und sollte ebenfalls erfüllt sein. So lässt sich ein erfolgreiches Ein-Mann-Unternehmen zutreffend beschreiben. Hat der Unternehmensgründer mit seiner Idee und ihrer Realisierung Erfolg am Markt, so steigt die Nachfrage. Der Firmengründer wäre kein Unternehmer, wenn er der Nachfrage nicht nachgeben würde. Das geht nur, wenn er mehr produziert. Und das geht wiederum nur, wenn die notwendigen Produktionsressourcen in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Zweifelsfrei ist der Mensch als Produktionsfaktor eine notwendige Ressource. Ohne die Frage der (maschinellen) Automatisierung hier zu diskutieren, ist es grundsätzlich richtig, dass über die Steigerung der Human Resources auch eine Steigerung der Produktion erreicht werden kann. Im Rahmen dieser Unternehmensexpansion gibt es eine ganz spezielle – fiktive – Konstellation, die im Rahmen der weiteren Betrachtungen von elementarer Bedeutung sein wird, um die Erfolgsparameter eines Unternehmens identifizieren und besser verstehen zu können. Mit dieser Konstellation eröffnet sich eine Dichotomie zwischen einem virtuellen, dem »ideal-theoretischen« Unternehmen auf der einen Seite und einem real existierenden Unternehmen auf der anderen Seite. Hier soll zunächst dem Gedanken des »ideal-theoretischen« Unternehmens gefolgt werden, um über die gewonnenen Erkenntnisse auf ein real existierendes Unternehmen überzuleiten. Dabei wird – quasi als Zwischenstation – dieses reale Unternehmen zunächst als »ideales« reales Unternehmen konstruiert, um über Kontrastierungen des Idealen Abweichungen zwischen idealem und realem Unternehmen aufzuzeigen und zu begründen. Nur so lässt sich ein ganzheitliches Verständnis zur Funktionsweise von Unternehmen entwickeln, also darüber, warum ein Unternehmen funktioniert und ein anderes nicht. Abbildung 1 greift diese Gedanken auf und stellt sie schematisch nochmals dar. Abbildung 1: Unternehmenswachstum: Integration neuer Mitarbeiter (Quelle: eigene Darstellung) Expansion im realen Unternehmen erfolgt durch Einstellung neuer Mitarbeiter, die sich an die »Unternehmenspersönlichkeit«, die von der des Unternehmensgründers geprägt ist, anhaften und idealerweise damit verschmelzen. Je vollständiger die Verschmelzung in der Hülle des Unternehmensgründers erfolgt, desto näher kommt das reale Unternehmen dem Idealzustand. Diesen Idealzustand verkörpert in ideal-theoretischer Weise genau das Unternehmen, das über Reproduktion des Unternehmensgründers die Aufstockung weiterer Ressourcen vollzieht. Wissen und Erfahrungen aller Mitarbeiter sind hier identisch und entwickeln sich identisch fort. Das hier ausgeführte Denkmodell des ideal-theoretischen Unternehmens beruht so gesehen auf dem Ansatz, »dass alle Individuen die gleichen Erfahrungen in gleicher Abfolge machen, über gleichlange Bewusstseinsströme verfügen und die gleiche Erlebnistiefe und Erlebnisnähe aufweisen (Schütz & Luckmann 1979: 146)«. (in Miebach, 2014, S. 155). Miebach führt in Anlehnung an Schütz und Luckmann dazu weiter aus, dass es das nicht gibt. Geht man aber genau davon aus – im Sinne einer modellhaften Hypothese –, dann eröffnet sich ein ganz fantastisches...


Berning, Wilhelm
Wilhelm Berning studierte Physik und Mathematik an der Westfälischen-Wilhelms-Universität zu Münster. Diese Ausbildung ergänzte er später mit einem weiteren Abschluss in Business Administration. Während seiner über 25 Jahre dauernden Tätigkeit in unterschiedlichen Sparten eines international aufgestellten Konzerns war er immer wieder in verschiedenen Führungspositionen tätig. Nach seinem Ausscheiden gründete er seine eigene Beratungsgesellschaft, über die er sein Wissen und seine Erfahrungen auf den Gebieten Compliance, Organisation und Führung weitergeben konnte. Mit dem Ausbruch der Corona-Epidemie beendete er seine Beratertätigkeit weitgehend. In verschiedenen Publikationen hat er seine Management-Erfahrungen niedergeschrieben.

Wilhelm Berning

Wilhelm Berning studierte Physik und Mathematik an der Westfälischen-Wilhelms-Universität zu Münster. Diese Ausbildung ergänzte er später mit einem weiteren Abschluss in Business Administration. Während seiner über 25 Jahre dauernden Tätigkeit in unterschiedlichen Sparten eines international aufgestellten Konzerns war er immer wieder in verschiedenen Führungspositionen tätig. Nach seinem Ausscheiden gründete er seine eigene Beratungsgesellschaft, über die er sein Wissen und seine Erfahrungen auf den Gebieten Compliance, Organisation und Führung weitergeben konnte. Mit dem Ausbruch der Corona-Epidemie beendete er seine Beratertätigkeit weitgehend. In verschiedenen Publikationen hat er seine Management-Erfahrungen niedergeschrieben.



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