Besser-Siegmund / Hartmann-Wolff / Siegmund | Zukunfts-Resilienz | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Besser-Siegmund / Hartmann-Wolff / Siegmund Zukunfts-Resilienz

Stark werden in Krisenzeiten
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7495-0506-7
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Stark werden in Krisenzeiten

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-7495-0506-7
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Für einen gestärkten Blick in die Zukunft Zukunftsängste und das Berührtsein von Negativschlagzeilen belasten immer mehr Menschen. Bei vielen wird eine subjektive Untergangsstimmung nicht allein durch objektive Fakten über globale Krisen, sondern auch durch professionell gesteuerte Medienkampagnen erzeugt und aufrechterhalten. Hier benötigen wir als Gegenmittel das Konzept der Zukunfts-Resilienz, um unsere Zukunft kreativ und aktiv gestalten zu können. Das Buch stellt Coaching- und Selbstcoachingmöglichkeiten mit der wingwave-Methode für ein effektives Emotionsmanagement vor, wobei neben den neurobiologischen Grundlagen auch die gezielte Nutzung von ressourcevollen Gehirnaktivitäten eine Rolle spielt. Die Wissenschaftsjournalistin Elke Hartmann-Wolff berichtet über „Doomscrolling“ und über Möglichkeiten, durch bewusstes Medienverhalten für unsere mentale Gesundheit zu sorgen.

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2. Nachrichtenflut und Doomscrolling – der Datenhighway in unser Gehirn
Von Elke Hartmann-Wolff, Wissenschaftsjournalistin Gänzlich unscheinbar wirken die bedruckten Blätter aus dem 16. Jahrhundert, dabei stellen sie eine Erfindung dar, die fortan unsere Vorstellung von der Wirklichkeit maßgeblich bestimmen sollte. Im Jahr 1502 tauchte zum ersten Mal das Wort „Zeytung“ als Überschrift auf einem Druckwerk auf, es bedeutete in jenen Tagen so viel wie „Nachricht“ oder „Botschaft“; schon bald wurde es zu einem Gattungsbegriff. Die Zeitung wurde zum ersten Massenmedium und läutete damit eine beispiellose Erfolgsgeschichte ein. Anfangs lasen fliegende Händler der weitgehend analphabetischen Bevölkerung die Nachrichten auf Marktplätzen vor. Auf die Schlagzeile „Newezeytung von orient und auffgange“ etwa folgte ein Bericht über den Eroberungskrieg der Franzosen auf Lesbos. Man kann sich vorstellen, wie der sprachkundige Händler die versammelten Bürger mit seinen Schilderungen von apokalyptischen Ereignissen wie Kriegen, Hungersnöten, Naturkatastrophen und Seuchen in seinen Bann schlug. Etwa 500 Jahre später tragen wir die Apokalypse in der Hosentasche mit uns herum. Rasch mittels Geheimzahl oder Gesichtserkennung das Smartphone entsperrt, einige wenige Fingerbewegungen auf dem Bildschirm, und schon spielen sich die dramatischen Ereignisse nicht länger in den entferntesten Winkeln unseres Planeten ab, sondern in den subkortikalen Windungen unseres Gehirns. Seit der Einführung des Internets können wir uns rund um die Uhr und nahezu in Echtzeit über das Geschehen in der Welt informieren. Mit der Erfindung des Smartphones zudem an jedem Ort. Wir haben die Wahl aus einem schier unendlichen Angebot. Die Macher sind sowohl professionelle Medienunternehmer als auch mehr oder minder professionelle Amateure. Mitunter lässt sich schwer ausmachen, woher der „Content“, wie Inhalte heutzutage genannt werden, von Websites, Social-Media-Plattformen wie Twitter, Instagram, TikTok, Facebook oder Messenger-Apps wie Signal oder Telegram stammt. Wer fürchtet, auch nur eine Schlagzeile zu verpassen, aktiviert einfach die Benachrichtigungen und bekommt diese mit einem Warnton automatisch auf den Bildschirm geschickt. Die sozialen Medien sind zudem bewusst darauf angelegt, unser Belohnungssystem im Gehirn zu aktivieren. Erhält einer unserer Beiträge ein Like, wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet.1 Der digitale Strom an Informationen wird nicht nur immer breiter, er fließt auch immer schneller und reißt nie ab – aber immer häufiger die Nutzerinnen und Nutzer mit sich. Das noch recht junge psychologische Phänomen trägt den Namen „Doomscrolling“. Der Kunstbegriff setzt sich aus den englischen Wörtern „doom“, was so viel wie „Untergang“ und „Verderben“ bedeutet, und „scrolling“, der Verschiebung des Bildschirms, zusammen. „Doomscrolling oder auch Doomsurfing wird definiert als die übermäßige Zeitspanne, die Menschen der Aufnahme von dystopischen Nachrichten widmen.“ Daraus entwickele sich eine „manchmal suchtähnliche Tendenz, weiterhin durch schlechte Nachrichten zu surfen oder zu scrollen, auch wenn diese Nachrichten traurig, entmutigend oder deprimierend sind“.2 Unser Gehirn ist eine Prognosemaschine, durch die wir erfahren, wo uns Gefahr droht oder Belohnung in Form von Nahrung, sicherer Behausung oder Sex erwartet. Daraus hat sich ein evolutionsbiologisches Programm entwickelt, dem wir uns nicht entziehen können. Sein Fachbegriff lautet Negativitäts-Bias. Der Psychologe Roy Baumeister bringt diesen Verzerrungseffekt mit „Schlecht ist besser als gut“ auf den Punkt: „Organismen, die sich besser auf schlimme Dinge einstellen, dürften eine Bedrohung mit größerer Wahrscheinlichkeit überleben und somit ihre Gene weitergeben.“3 Beim Doomscrolling wendet sich dieser tief verankerte Trieb gegen uns. Auch wenn der Begriff erst seit dem Jahr 2018 im Internet kursiert und dann mit dem Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 in den Alltagswortschatz übergegangen ist, gehen Psychologen, Neurowissenschaftlerinnen und Medienforschende schon länger der Frage nach, welche Folgen der exzessive Medienkonsum nach sich ziehen kann. Mehrere internationale Studien konnten bereits einen negativen Einfluss von Doomscrolling auf unsere mentale und körperliche Gesundheit nachweisen. Ein britisches Forscherteam kam zu dem Schluss: Die ausufernde Informationssuche „reflektiert die psychische Gesundheit der Nutzenden und beeinflusst sie gleichermaßen“, dadurch entstehe eine „Rückkopplungsschleife, die psychische Probleme verstärken und hervorrufen“ kann.4 Doch damit nicht genug. Doomscrolling beeinflusst zudem unsere Wahrnehmung. Der Medienforscher Bryan McLaughlin hat in einer repräsentativen Untersuchung herausgefunden, dass Menschen mit ausuferndem Nachrichtenkonsum „die Welt als ein dunkler, gefährlicher Ort erscheint“. Die Betroffenen verfielen dabei in eine Endzeitstimmung, in der sie alles Positive gar nicht mehr wahrnehmen können, mit gravierenden Folgen für das Wohlbefinden.5 Was geschieht dabei? Um zu begreifen, welche Mechanismen hier wirken, muss man verstehen, wie unser Gehirn mit der modernen Nachrichtenwelt interagiert. Nur die wenigsten Journalisten mögen wissen, was der Negativitäts-Bias bewirkt, dennoch haben die meisten von ihnen das Prinzip „bad is stronger than good“ verinnerlicht. Die Eröffnung eines Kindergartens? – eine Randnotiz. Ein Zugunglück? – Top News! Die schreckliche Nachricht löst eine ähnliche Reaktion aus wie der Säbelzahntiger, der im Blickfeld unserer Vorfahren aufgetaucht ist. Sie triggert unsere interne Alarmanlage, ein Hirnareal namens Amygdala. Sie ist Teil unseres limbischen Systems und in der Lage, uns binnen Sekunden in den Notfallmodus zu versetzen. Dabei unterscheiden die subkortikalen Areale nicht zwischen virtuellen Bildern und der Wirklichkeit, beides löst eine unwillkürliche neurophysiologische Reaktion aus. Forschende konnten diesen Mechanismus in einem breit angelegten Experiment in 17 Ländern nachweisen. Dabei wurden die Versuchspersonen jeweils in zwei Gruppen eingeteilt, eine Gruppe sah Videos mit Nachrichten über Lottogewinner, die andere Gruppe wiederum Aufnahmen von grausamen Kriegshandlungen. Die Wissenschaftler hatten vorab Sensoren an den Körpern der Probanden angebracht, um die elektrische Leitfähigkeit der Haut und die Varianz der Herzfrequenz während der Vorführung zu messen. Während bei den Versuchspersonen in der Lotto-Gruppe beide Parameter gleich blieben, zeigten die Teilnehmer der Kriegsbilder-Gruppe physiologische Reaktionen. So erhöhte sich die Leitfähigkeit der Haut, zudem stieg die Herzfrequenz, beide Parameter sind Indikatoren für eine Stressreaktion.6 Das Experiment beweist: Negative Nachrichten lösen eine komplexe Reaktion aus, bei der Botenstoffe wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet werden. Blitzschnell sind alle Sinne geschärft. Wir sind bereit, um unser Leben zu kämpfen. Flight or fight, flüchten oder fliehen. Ist die Gefahr vorüber, fährt der Körper wieder herunter. Doch diese Entwarnung findet bei Menschen, die ständig nach der nächsten katastrophalen Nachricht Ausschau halten, nicht mehr statt. Der klinische Psychologe Loren Soeiro vermutet, dass vor allem bei außergewöhnlichen und neuartigen Bedrohungen die Amygdala zu schnell und leicht aktiviert und „das dadurch ausgelöste hyperaufmerksame Verhalten zum Zwang wird“. Die Betroffenen, so Soeiro, befänden sich deshalb in einem Zustand der permanenten Anspannung. In der Hoffnung, mehr Nachrichten würden ihnen neues Wissen verschaffen, das ihnen dabei helfen kann, zur Ruhe zu kommen, griffen sie noch häufiger zum Smartphone. Fatalerweise würden die Gestressten jedoch nur noch mit weiteren Hiobs-Botschaften überflutet.7 „Gefangen in einer gefährlichen Welt: Problematischer Nachrichtenkonsum und sein Einfluss auf das psychische und körperliche Wohlbefinden“ lautet der Titel einer groß angelegten Studie der Universität von Texas. Auch Studienleiter Bryan McLaughlin ist der Auffassung, Klimawandel, politische Konflikte und Pandemien lösten bei manchen Menschen einen ständigen Alarmzustand aus, der dann zu einer entgleisten Informationssuche führe. Bei rund 17 Prozent der Teilnehmenden wurde ein „hochproblematischer Nachrichtenkonsum“ festgestellt, sie gelten per Definition als „Doomscroller“. Die Kriterien hierfür: Die Betroffenen checken die Nachrichten mit wenig Kontrolle über ihr Verhalten; sie können sich schwer vom Bildschirm lösen. Gelingt es ihnen doch, kreisen ihre Gedanken danach lange um sie. Die Medienjunkies verloren jede Lebenslust und Lebensfreude. Drei von vier Befragten, die der Gruppe der Doomscroller zugerechnet wurden, berichteten zudem über Ängste, depressive Verstimmungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Magenschmerzen. Anstelle auf bewährte Bewältigungsstrategien wie etwa Sport, Aufenthalte in der Natur, zwischenmenschliche Kontakte oder Entspannungstechniken zurückzugreifen, versuchten die Betroffenen, ihre Anspannung zu mindern, indem sie noch intensiver Nachrichten konsumierten. Die Forscher sehen darin eine „fehlangepasste Bewältigungsstrategie“. Fatalerweise glaubten die derart Gestressten, die Updates würden den Spannungszustand auflösen, was letztlich zu einem „obsessiven Verhalten“ führte, bei dem rund um die Uhr Nachrichten gecheckt wurden. Nicht wenige Doomscroller landeten so in einem „Teufelskreis“.8 Zum gleichen...


Siegmund, Harry
Die Diplom-Psychologen Cora Besser-Siegmund (geb. 1957) und Harry Siegmund (geb. 1956) sind Psychotherapeuten, Lehrtrainer und Supervisoren. Seit über 20 Jahren erarbeiten sie in ihrem Institut im Herzen Hamburgs maßgeschneiderte Interventionen für ihre Klienten und Kunden. Durch ihre bisherigen Veröffentlichungen haben die beiden Autoren das Neurolinguistische Programmieren bereits einem breiten Publikum im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht. Seit vielen Jahren beschäftigt sich das Ehepaar mit dem Thema individuelles Coaching im Spitzenleistungsfeld. EMDR haben beide zunächst für die Behandlung von traumatisierten Menschen erlernt und genutzt und sind inzwischen begeistert von den erstaunlichen Möglichkeiten, welche diese Methode vor allem auch im Coaching erschließt. Cora Besser-Siegmund ist inzwischen anerkannte EMDR-Supervisorin.

Besser-Siegmund, Cora
Die Diplom-Psychologen Cora Besser-Siegmund (geb. 1957) und Harry Siegmund (geb. 1956) sind Psychotherapeuten, Lehrtrainer und Supervisoren. Seit über 20 Jahren erarbeiten sie in ihrem Institut im Herzen Hamburgs maßgeschneiderte Interventionen für ihre Klienten und Kunden. Durch ihre bisherigen Veröffentlichungen haben die beiden Autoren das Neurolinguistische Programmieren bereits einem breiten Publikum im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht. Seit vielen Jahren beschäftigt sich das Ehepaar mit dem Thema individuelles Coaching im Spitzenleistungsfeld. EMDR haben beide zunächst für die Behandlung von traumatisierten Menschen erlernt und genutzt und sind inzwischen begeistert von den erstaunlichen Möglichkeiten, welche diese Methode vor allem auch im Coaching erschließt. Cora Besser-Siegmund ist inzwischen anerkannte EMDR-Supervisorin.

Cora Besser-Siegmund, Harry Siegmund & Lola Siegmund haben eine Vielzahl von Coaching-Standardwerken geschrieben und leiten gemeinsam das Besser-Siegmund-Institut in Hamburg, wo sie maßgeschneiderte Interventionen für ihre Klient:innen und Kund:innen entwickeln.
Elke Hartmann-Wolff ist Redakteurin beim Magazin „Psychologie Heute“ und wingwave-Coach. Sie blickt auf eine langjährige Erfahrung im Nachrichtenjournalismus zurück.



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