Beutel / Doering / Leichsenring Psychodynamische Psychotherapie

Störungsorientierung und Manualisierung in der therapeutischen Praxis
2., überarbeitete Auflage 2020
ISBN: 978-3-8409-2939-7
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Störungsorientierung und Manualisierung in der therapeutischen Praxis

E-Book, Deutsch, Band 1, 189 Seiten

Reihe: Praxis der psychodynamischen Psychotherapie - analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

ISBN: 978-3-8409-2939-7
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Der Band vermittelt konzeptuelles und methodisches Grundlagenwissen zur psychoanalytischen und psychodynamischen Praxis. Zunächst werden die psychoanalytischen Behandlungstechniken auf dem Hintergrund ihrer jeweiligen theoretischen Konzepte und Anwendungsbereiche dargestellt und Unterschiede der wichtigsten psychodynamischen Verfahren aufgezeigt. Ferner wird auf die störungsorientierte psychoanalytische Therapie eingegangen, und es werden Fragen nach Technik vs. Beziehung sowie nach Kurz- vs. Langzeittherapie diskutiert.
Ein weiteres Kapitel erörtert die Grundlagen evidenzbasierter Psychotherapie auch unter wissenschaftstheoretischen Überlegungen. Die Wirksamkeit von psychodynamischer Therapie wird ausführlich anhand der vorliegenden Psychotherapiestudien, störungsspezifischen Behandlungsmodelle und vorliegenden Therapiemanuale dargestellt. Die vorliegende Neuauflage berücksichtigt aktuelle Studien und geht auf neuere Entwicklungen, wie transdiagnostische Verfahren und Online-Therapie, ein.
Abschließend reflektieren die Autoren den Einfluss der Psychotherapieforschung auf die klinische Praxis. Dabei geht es zunächst um die Wirkfaktoren von Psychotherapie, bevor die Bedeutung manualisierter Therapieansätze für die Praxis, Psychotherapieausbildung und für die Erstellung von Behandlungsleitlinien diskutiert wird.

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Zielgruppe


Tiefenpsychologisch fundiert arbeitende Psychotherapeuten, Psychoanalytiker, Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Ärzte mit der Zusatzausbezeichnung Psychotherapie sowie Ausbildungskandidaten, Weiterbildungsteilnehmer sowie Studierende und Lehrende der Medizin, Psychologie, Pädagogik und Sozialwissenschaften.

Weitere Infos & Material


1;Inhaltsverzeichnis;7
2;Einleitung;9
3;1Entwicklung von Psychoanalyse und psychoanalytisch begründeten Therapieverfahren;13
3.1;1.1Differenzierungen und Veränderungen der psychoanalytischen Behandlungstechnik;13
3.2;1.2Parameter in der psychoanalytischen Behandlung;15
3.3;1.3Der Einfluss der Ich-Psychologie;17
3.4;1.4Niederfrequente analytische Psycho­therapie nach Sven O. Hoffmann;25
3.5;1.5Der Einfluss der Objektbeziehungstheorien;26
3.6;1.6Einflüsse der Selbstpsychologie;30
3.7;1.7Die Entwicklung interpersoneller Ansätze in der psychodynamischen Psychotherapie;33
3.8;1.8Mentalisierungsbasierte Therapie schwerer Persönlichkeitsstörungen;45
3.9;1.9Eklektische Ansätze;47
3.10;1.10Psychoanalytische Kurzzeittherapie;51
3.11;1.11 Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen psychoanalytischen Psycho­therapien und modifizierten Verfahren;61
3.12;1.12Transdiagnostische Manuale;64
4;2Evidenzbasierung in der Psychotherapie;66
4.1;2.1Anforderungen und Grenzen evidenzbasierter Psychotherapie;66
4.2;2.2Zur Kontroverse um randomisierte kontrollierte vs. naturalistische Studien;68
4.3;2.3Diskussion;81
5;3Psychoanalyse und psychodynamische Therapien aus Sicht der Psychotherapieforschung;85
5.1;3.1Forschung zur Psychoanalyse;85
5.2;3.2Wirksamkeitsforschung zu psycho­dynamischer Psychotherapie anhand störungsspezifischer Behandlungs­modelle und Therapiemanuale;108
5.3;3.3Neurobiologische Veränderungen durch psychodynamische Psychotherapie;133
5.4;3.4Zur Wirksamkeit von psychodynamischen Online-Interventionen;133
6;4Psychotherapieforschung und psychotherapeutische Praxis;136
6.1;4.1Wirkfaktoren der Psychotherapie;136
6.2;4.2Konsequenzen für die psychotherapeutische Praxis;144
6.3;4.3Bedeutung der psychotherapeutischen Technik im Licht der Psychotherapie­forschung;145
6.4;4.4Manuale in der psychotherapeutischen Praxis;148
6.5;4.5Psychotherapieausbildung;151
6.6;4.6Evidenzbasierte Behandlungsleitlinien;152
6.7;4.7Psychotherapeuten als Teilnehmer von Therapiestudien;154
7;5Ziele der Manualreihe;156
7.1;5.1Zielsetzungen;156
7.2;5.2Aufbau und Format der Reihe;157
7.3;5.3Kriterien für den Einschluss von Behandlungsmanualen;158
7.4;5.4Bisherige Erfahrungen;158
7.5;5.5Ausblick;160
8;Literatur;161


|11|1 Entwicklung von Psychoanalyse und psychoanalytisch begründeten Therapieverfahren
1.1 Differenzierungen und Veränderungen der psychoanalytischen Behandlungstechnik
Seit ihren ersten Anwendungen wurde das behandlungstechnische Vorgehen in der Psychoanalyse und später in den analytischen Psychotherapien immer wieder den jeweiligen Störungsbildern, dem Behandlungsprozess und nicht zuletzt den äußeren Lebensumständen von Patienten angepasst. Freud selbst machte hier den Anfang. So formulierte er, „dass die verschiedenen Krankheitsformen, die wir behandeln, nicht durch dieselbe Technik erledigt werden können“ (Freud, 1919, S.?191). Dabei bezog er sich auch auf Patienten, „die so haltlos und existenzunfähig sind, dass man bei ihnen die analytische Beeinflussung mit der erzieherischen vereinigen muss“ (Freud, 1919, S.?190). Freud selbst variierte seine Position zwischen Modifizierung und Kodifizierung, unter anderem aufgrund der in der Frühzeit der Psychoanalyse vorkommenden gravierenden Abstinenzverletzungen sowie der Probleme, die die „wilde Analyse“ für Patienten und den Ruf dieser vielfach angefeindeten neuen Therapie erbrachte. Gleichzeitig war es ihm ein Anliegen, die Psychoanalyse für bisher nicht erreichte Leidende verfügbar zu machen. „Andererseits lässt sich vorhersehen: Irgend einmal wird das Gewissen der Gesellschaft erwachen und sie mahnen, dass der Arme ein ebensolches Anrecht auf seelische Hilfestellung hat wie bereits jetzt auf lebensrettende chirurgische. Und dass die Neurosen die Volksgesundheit nicht minder bedrohen als die Tuberkulose und ebenso wenig wie diese der ohnmächtigen Fürsorge der Einzelnen aus dem Volke überlassen werden können. Dann werden also Anstalten oder Ordinationsinstitute errichtet werden, an denen psychoanalytisch ausgebildete Ärzte angestellt sind, um die Männer, die sich sonst dem Trunk ergeben würden, die Frauen, die unter der Last der Entsagungen zusammen|12|zubrechen drohen, die Kinder, denen nur die Wahl zwischen Verwilderung und Neurose bevorsteht, durch Analyse widerstands- und leistungsfähig zu erhalten. (…) Es mag lange dauern, bis der Staat diese Pflichten als dringende empfindet (…) aber irgend einmal wird es dazu kommen (…). Wir werden wahrscheinlich auch sehr genötigt sein, in der Massenanwendung unserer Therapie das reine Gold der Analyse reichlich mit dem Kupfer der direkten Suggestion zu legieren, und auch die hypnotische Beeinflussung könnte dort wie bei der Behandlung der Kriegsneurotiker wieder eine Stelle finden“ (S.?193). Vorschläge zur Modifikation der psychoanalytischen Technik bezogen sich von Beginn an auf folgende Aspekte: Eine Verkürzung der Dauer psychoanalytischer Behandlungen, obwohl diese in den 1920er, 1930er und 1940er Jahren oft nicht über ein Jahr hinausgingen. Freuds Hysterie-Behandlungen könnten durchaus als „hochfrequente Kurzzeitanalysen“ bezeichnet werden (Rüger & Reimer, 2006a, S.?4). Eine Intensivierung des psychoanalytischen Prozesses. Eine Erweiterung auf bisher nicht oder nur unzureichend behandelbare oder behandelte Patientengruppen, z.?B. auf die Behandlung älterer Patienten (Abraham, 1919). Dabei spielten folgende Aspekte, die im Weiteren detaillierter behandelt werden, eine wesentliche Rolle: Die Einführung von Verhaltensaufforderungen, die die spezifische Abwehr, z.?B. das Vermeiden bei Angstneurotikern, direkt angehen sollte. Die zunehmende Berücksichtigung der Ich-Struktur und deren Störungen sowohl bei den „klassischen Übertragungsneurosen“ wie bei anderen Störungsbildern mit „Ich-Schwächen“. Die Erfahrung, dass hauptsächlich durch Aktualkonflikte (d.?h. nicht durch langfristige neurotische Entwicklungen) bedingte Störungen in kürzeren Therapien behandelt werden konnten. Die zunehmende Berücksichtigung der Interaktionsmuster von Patienten innerhalb wie außerhalb der therapeutischen Beziehung und die Nutzung von deren Bearbeitung für den therapeutischen Prozess. Modifikationen der psychoanalytischen Technik waren lange Zeit mit dem Verdikt der „Dissidenz“ versehen. Cremerius (1984c) zeigt auf, dass Freud selbst in seiner Behandlungstechnik „dissidenter“ war, als viele seiner engeren Schüler und Nachfolger. Die Entwicklung der Psychoanalyse zeigt, dass Konzepte und technische Überlegungen, die zunächst als „dissident“ galten, im Verlaufe der Zeit zumindest partiell Eingang in den psychoanalytischen „mainstream“ fanden. Dies gilt für Alexanders und Frenchs „korrigierende emotionale Erfahrung“ ebenso wie für Kohuts Konzept des |13|Selbstobjekts (vgl. auch Mertens, 1990; Thomä & Kächele, 2006). Kaum jemand wird heute ernsthaft bestreiten, dass eine gelungene psychoanalytisch begründete Psychotherapie auch eine verändernde emotionale Erfahrung und oft auch eine neue Selbstobjekt-Erfahrung ist. Beispielsweise ist das bei wirksamen Therapien beim Patienten vorhandene oder zunehmende Gefühl von Sicherheit eine solche notwendige Erfahrung mit einem bedeutenden anderen (vgl. auch Thomä & Kächele, 2006, S.?358). Erhellend ist in diesem Zusammenhang auch das Schicksal der Bindungstheorie, der hieraus folgenden Bewertung der äußeren Beziehungsrealität sowie deren Verarbeitung und die mit diesem Ansatz verbundenen therapeutischen Konsequenzen. Obwohl empirisch und konzeptuell überaus fruchtbar, wurde das Konzept Bowlbys (1960) zunächst von prominenten Psychoanalytikern zurückgewiesen (Anna Freud, 1960; Max Schur, 1960; René Spitz, 1960) und über Jahrzehnte kaum zur Kenntnis genommen, so dass sich die Weiterentwicklung der Bindungstheorie und -forschung außerhalb der psychoanalytischen Gemeinschaft vollzog. Heute ist sie jedoch, nicht zuletzt durch die Beiträge Fonagys und Mitarbeiter (2003, 2004), weitgehend ein integraler Bestandteil psychoanalytischer Entwicklungstheorie geworden. Fonagys Konzept der „Mentalisierung“, das bindungstheoretische Grundlagen hat, wird von vielen Psychoanalytikern und psychodynamisch arbeitenden Therapeuten in ihren Fallkonzeptionen und Behandlungen berücksichtigt. Hieraus hat sich inzwischen eine eigene modifizierte psychoanalytische Therapiemethode schwerer Störungen entwickelt (Bateman & Fonagy, 2008). 1.2 Parameter in der psychoanalytischen Behandlung
Freud selbst setzte in seinen Behandlungen direktive Elemente ein, etwa die Terminsetzung beim Wolfsmann (Freud, 1918). Theodor Reik riet er z.?B., eine Patientin, bei der sich keine Übertragungsgefühle zeigten, eifersüchtig zu machen, indem er eine andere Patientin besonders herzlich begrüßte. Eduardo Weiß empfahl er eine Unterbrechung der Therapie einer Patientin, um einem Abbruch zuvorzukommen (vgl. Cremerius, 1984b). Hiermit schlug er eine fraktionierte psychoanalytische Behandlung vor. Aus Unzufriedenheit mit der weitgehend auf Rekonstruktion und Einsicht beruhenden psychoanalytischen Technik entwickelten Ferenczi und Rank (1924) eigene Modifikationen. Ferenczi benutzte in seiner „aktiven Technik“ (1920) Aufforderungen und Verbote, um die Abwehr zu labilisieren und Neuerfahrungen zu ermöglichen. Diese Techniken wurden von ihm wieder zugunsten einer partiellen Befriedigung von Zuwendungswünschen |14|in der Analyse aufgegeben. Ein Beweggrund dabei war, schwerer gestörten Patienten zu helfen, denen mit bisherigen Mitteln nicht geholfen werden konnte. Eine differenzierte Bewertung seiner Verdienste und Irrtümer gibt Cremerius (1979, 1984c). Auf ebenso heftige Kritik wie die Arbeiten Ferenczis und Ranks, der die Genese von seelischen Erkrankungen sehr stark auf die Verarbeitung des Geburtstraumas einengte, stießen die Vorschläge von Alexander und French (1946), die ebenfalls die Bedeutung der Beziehung zwischen Therapeut und Patient gegenüber der Einsicht betonten und die Unterschiede zwischen Psychoanalyse und modifizierten Formen in Frage stellten. All diese Ansätze standen im Gegensatz zu einer von Eissler...



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