Blaschke | Spielfeld der Herrenmenschen | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Blaschke Spielfeld der Herrenmenschen

Kolonialismus und Rassismus im Fußball
2. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7307-0700-5
Verlag: Die Werkstatt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kolonialismus und Rassismus im Fußball

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-7307-0700-5
Verlag: Die Werkstatt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Europäisches Überlegenheitsdenken: Kolonialismus im Fußball
Ausgezeichnet als »Fußballbuch des Jahres 2024«

Rassismus wird im Fußball oft auf Neonazis reduziert. Doch wer die Ursachen verstehen will, muss viel weiter zurückgehen: Kolonialmächte wie England, Frankreich, Portugal aber auch Deutschland wollten durch Sport ihre Untertanen "zivilisieren". Ihre "Rassenlehre" ist längst widerlegt, doch bis heute hält sich ein europäisches Überlegenheitsdenken. Für die Reportagen in diesem Buch war der Journalist Ronny Blaschke auf fünf Kontinenten unterwegs. Und er analysiert strukturellen Rassismus in Europa: Schwarze Menschen gelten als kraftvolle Athleten, aber als Trainer oder Vorstände erhalten sie kaum Chancen. Blaschke erklärt neokoloniales Denken in Talentförderung, Sponsoring, Medien. Und er stellt Menschen vor, die den Antirassismus auf ein neues Niveau heben wollen.

• Das erste Buch zum brandaktuellen Thema
• Mehr als 120 Interviews bilden die Basis des Buches
• Wie prägt rassistisches Denken bis heute den europäischen Fußball?

Wie lässt sich der Fußball dekolonisieren? Mit "Spielfeld der Herrenmenschen" möchte Autor Ronny Blaschke eine Debatte anstoßen

Dank vieler Reisen und über 120 Gesprächen ist Autor Ronny Blaschke ein Buch mit vielen lebendigen Reportagen aus ganz unterschiedlichen Ländern gelungen: Er war in Brasilien, Portugal, USA, Indien, Namibia, Chile sowie in Frankreich, England und Deutschland unterwegs.

Fußball als politische Bildung!

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EINLEITUNG
DAS SYSTEM IST DER SKANDAL, NICHT DER EINZELFALL
Das Spiel im Estadio Mestalla von Valencia gerät außer Kontrolle. Zum wiederholten Mal wird Vinícius Júnior von Fans rassistisch beleidigt. Der Spieler von Real Madrid steht mit aufgerissenen Augen an der Seitenlinie und deutet auf die Tribüne, wo die mutmaßlichen Täter sitzen. Das heimische Publikum verhöhnt Vinícius Júnior weiter. Gegnerische Spieler eilen herbei und geben ihm zu verstehen, er solle aus einer Kleinigkeit kein Drama machen. Der Schiedsrichter wirkt überfordert und lässt weiterspielen. In den Wochen danach, im Frühjahr 2023, wird Vinícius Júnior abermals diskriminiert, bedroht, eingeschüchtert. Der brasilianische Nationalspieler setzt sich zur Wehr und bezeichnet Spanien in den sozialen Medien als „Land der Rassisten“. Immer wieder fordert er härtere Strafen gegen Täter und eine bessere Prävention. Vinícius Júnior erfährt in jenen Wochen auch viel Unterstützung und Solidarität. Internationale Medien greifen das Thema auf. Politiker*innen laden zu Gesprächsrunden ein. Und der Weltfußballverband FIFA kündigt neue Maßnahmen an. Für einige Wochen steht Rassismus im Fußball im Fokus einer großen Öffentlichkeit. Für einige Wochen, doch dann kehrt Ruhe ein. Wieder einmal. Es ist ein Muster, das sich seit den 1990er-Jahren wiederholt. Schwarze Fußballer stehen als Opfer für einige Tage oder Wochen im Zentrum von „Rassismus-Skandalen“, wie es Boulevardmedien gern formulieren. Funktionäre sprechen von „Schande“, von „so genannten Fans“ und von „gesellschaftlichen Problemen“, die der Fußball „ausbaden“ müsse. Als hätten wir es mit einer losen Folge von Einzelfällen zu tun, ohne historischen Kontext. Tatsächlich aber wird auch die Fußballindustrie von rassistischen Strukturen zusammengehalten. Das System ist der Skandal, und nicht der einzelne Vorfall. Auch in Spanien wird das nach den Angriffen gegen Vinícius Júnior deutlich. Javier Tebas, Präsident der spanischen Liga, macht aus dem Opfer einen Täter, indem er sagt, dass Vinícius Júnior sich besser informieren solle, bevor er den Fußball verleumde. Tebas könne es nicht zulassen, dass der Ruf eines Wettbewerbs geschädigt werde, „der ein Symbol der Vereinigung zwischen den Völkern“ sei. An anderer Stelle wird Tebas von Journalisten gefragt, ob in der Geschäftsstelle von La Liga Schwarze Mitarbeitende tätig sind. Tebas lacht, druckst, zögert. Er sagt, dass er auf die Hautfarbe nicht achten und Schwarze Menschen nicht zählen würde. Auch das ein bekanntes Muster: Funktionäre wie Tebas wollen sich „farbenblind“ und bewusst tolerant geben. Tatsächlich überdecken sie ihre Ignoranz und Inkompetenz. Für ein tieferes Verständnis von rassistischen Strukturen müssen wir uns intensiver mit dem Kolonialismus befassen. Spätestens seit dem Mord an George Floyd 2020 in den USA und dem Erstarken von Black Lives Matter haben Netzwerke in mehreren Regionen der Welt Debatten angestoßen. Sie erinnern auch daran, wie die europäischen Kolonialmächte ab dem 16. Jahrhundert viele Millionen Menschen versklavten, ihre Kulturschätze raubten und ihnen ihre Religion aufzwangen. Politiker*innen in London oder Paris geben inzwischen dem öffentlichen Druck nach und befassen sich mit den Gewaltherrschaften, die in ihren Ländern noch nicht allzu lange zurückliegen. Berühmte Museen in Berlin oder Amsterdam erwägen Maßnahmen, die vor zehn Jahren noch unrealistisch erschienen: die Rückgabe gestohlener Objekte in die Herkunftsländer. „Spielfeld der Herrenmenschen“ soll diese Diskussion fortführen und nimmt dafür die wohl einflussreichste Alltagskultur unserer Zeit in den Blick. Denn auch die globale Verbreitung des Fußballs wäre ohne den Kolonialismus undenkbar gewesen. Über Generationen wurden romantisierende Beschreibungen des Sports weitergetragen. England gilt bis heute als ehrbares „Mutterland des Fußballs“. Französische Funktionäre wie Jules Rimet, einst FIFA-Präsident und Initiator der Weltmeisterschaft, wollten mit Hilfe des Fußballs die „Verständigung zwischen den Völkern“ stärken. Eine Phrase, die etliche Sportfunktionäre noch heute nutzen. Hinter dieser idealisierenden Fassade stoßen wir auf Gewalt, Ausbeutung, Überlegenheitsdenken. Dieses Buch beschreibt anhand von Reportagen in früheren Kolonien, wie sehr Menschen unter dem Siegeszug des Fußballs gelitten haben. In Indien etwa wollten britische Kolonialherren im 19. Jahrhundert ihre „Untertanen“ durch Sport „zivilisieren“. In Algerien ließen französische Soldaten lange nur wenige Muslime mitspielen, um Neid zwischen den Einheimischen zu provozieren. In Mosambik rekrutierten portugiesische Behörden Schwarze Männer für ihre Armee und ihre Fußballklubs, um im internationalen Vergleich als freundlicheres Kolonialreich durchzugehen. Und in Namibia konnten sich Vereine der deutschsprachigen Minderheit besser entwickeln, weil die Schwarze Mehrheit über Jahrzehnte unterdrückt worden war. Die Kolonialisten folgten der damaligen Wissenschaft und glaubten an die Idee von „Menschenrassen“. In ihren Augen waren Schwarze Menschen intellektuell unterlegen und körperlich überlegen. Dieses Buch analysiert im Detail, wie sehr die kolonialen Praktiken aus jener Zeit den Fußball noch heute prägen: Schwarze Fußballer sind als Spielgestalter, denen man Weitsicht und Intelligenz nachsagt, häufig unterrepräsentiert. Auf Positionen, die mit Kraft und Körperlichkeit verknüpft werden, sind sie überrepräsentiert. Neokoloniale Denkmuster finden wir in Fangesängen, Fernsehkommentaren und sogar in Videospielen. Es ist wichtig, den lauten Rassismus in den Stadien zu thematisieren. Aber es ist auch wichtig, über die lautlose Ausgrenzung zu sprechen. In Deutschland hat mehr als ein Viertel der Menschen eine Einwanderungsgeschichte. Doch dieser Anteil ist in Fankurven, Sportredaktionen und Schiedsgerichten niedriger und geht zum Teil gegen null. Auf der Entscheidungsebene erhalten nicht-weiße Trainer*innen, Funktionär*innen oder Schiedsrichter*innen selten eine Chance. Wie müssten sich Verbandswesen, Marketing und Berichterstattung wandeln, damit der Fußball die europäischen Einwanderungsgesellschaften spiegelt? Seit etwa 150 Jahren wird die Geschichte des Fußballs von weißen Männern geschrieben. Auch der Autor dieses Buches ist weiß und muss sich nicht vor rassistischen Kommentaren und musternden Blicken fürchten. Die neun vorliegenden Kapitel sollen nüchtern und differenziert über Ursachen von Rassismus im Fußball aufklären. Das Buch basiert auf Recherchen in neun Ländern auf fünf Kontinenten, mit mehr als 120 Interviews in den Jahren 2020 bis 2023. Ein globaler Fokus ist notwendig, um die Hierarchie zwischen den Erdteilen, die auch nach dem Kolonialismus fortdauert, im Fußball besser zu erfassen. Rassistische Sprache und Bilder sollen in diesem Buch nicht reproduziert werden, aber auch die Kontexte und Schilderungen der Betroffenen können auf Leser*innen verstörend wirken. Das Adjektiv Schwarz wird durchgängig großgeschrieben. Denn es geht dabei nicht um eine tatsächliche Hautfarbe, sondern um eine politische Kategorie. Gemeint sind Menschen, die aufgrund ihres Aussehens von anderen markiert und abgewertet werden. Im Zentrum des Buches stehen jene Menschen, die sich mit Mut und Expertise gegen Diskriminierung stellen: In England vernetzen sich Schwarze Schiedsrichter, um gemeinsam eine stärkere Stimme zu haben. In Brasilien produzieren Reporter*innen einen Podcast für afrobrasilianische Themen im Sport. In den USA streiten Trainer*innen für eine größere Beteiligung von Latinos in Verbänden. Und in Lateinamerika wollen indigene Gruppen nicht mehr für die Symbolik von mehrheitlich weißen Sportklubs herhalten. Die Biografien all dieser Menschen stehen für ein kreatives, konstruktives Engagement gegen Rassismus, das sogar Spaß machen darf. In Deutschland konzentrierten sich Medien seit den 1990er-Jahren immer wieder auf die extreme Rechte: auf die NPD, auf Hooligans oder den rechten Flügel der AfD. Darüber hinaus sollten wir noch mehr auf rassistische Einstellungen in der Gesellschaft schauen, durch die sich Rechtsextreme ja auch legitimiert fühlen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichte 2023 abermals mit der Universität Bielefeld die so genannte „Mitte-Studie“ zu menschenfeindlichen Einstellungen in Deutschland. Demnach war rund ein Drittel der Befragten der Meinung, dass Geflüchtete nur ins Land kämen, um das Sozialsystem auszunutzen. 16 Prozent stimmten folgender Aussage zu: „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen...


Blaschke, Ronny
Ronny Blaschke, Jahrgang 1981, beschäftigt sich als Journalist und Autor mit politischen Themen im Sport, u. a. für Deutschlandfunk, SZ und Deutsche Welle. Die Recherchen für seine Bücher lässt er in politische Bildung einfließen, in Vorträge, Moderationen und Konferenzen. Zudem entwickelt er unterschiedliche Informationsreihen. Blaschke wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet.

Ronny Blaschke, Jahrgang 1981, beschäftigt sich als Journalist und Autor mit politischen Themen im Sport, u. a. für Deutschlandfunk, SZ und Deutsche Welle. Die Recherchen für seine Bücher lässt er in politische Bildung einfließen, in Vorträge, Moderationen und Konferenzen. Zudem entwickelt er unterschiedliche Informationsreihen. Blaschke wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet.



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