Christ | Das Leben ist ein Film | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 436 Seiten

Christ Das Leben ist ein Film

Wenn ich den erwische, der das Drehbuch geschrieben hat!
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-4085-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wenn ich den erwische, der das Drehbuch geschrieben hat!

E-Book, Deutsch, 436 Seiten

ISBN: 978-3-7519-4085-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Ich glaube, ich bin im falschen Film!" Wie oft ist Ihnen dieser oder ein ähnlicher Gedanke schon einmal durch den Kopf geschossen? Manchmal sind es tragische, manchmal eher komische, zumeist aber hoch emotionale Momente, in denen man sich diese Frage stellt. Bisweilen braucht es einen Einschnitt im Leben, möglicherweise aber auch nur einen Augenblick, in dem man einmal vom Alltag entschleunigt, um sich den elementaren Fragen zu widmen: "Was mache ich hier eigentlich? Und: Wie bin ich bloß bis hierhin gekommen?" Den von einer leichten Midlife-Crisis gequälten Familienvater treffen diese Fragen eines Tages urplötzlich auf dem Weg zur Arbeit. Die Moseltalbücke auf der Autobahn A61 zwischen Koblenz und Mainz, 136 Meter über dem Talgrund, an einem trüben Herbstmorgen. Langsam steuert der nicht mehr ganz aktuelle Familien-Van auf den Standstreifen und bremst ab. Als er zum Stillstand gekommen ist, steigt der Fahrer vorsichtig aus. Auch er ist nicht mehr ganz aktuell. Thorben Willems ist ein Mann in den besten Jahren, Anfang Fünfzig. Er ist müde, sehr müde. Eigentlich ist er auf dem Weg zur Arbeit, aber schon die ganze Fahrt über spürt er, wie seine Energie mehr und mehr schwindet. Er braucht eine Pause, er muss erstmal Kraft tanken. Flusslandschaften hat er immer so geliebt und hier hat man einen grandiosen Blick auf die Weinterrassen der Mosel. Bedächtig steigt er über die Leitplanke und tritt an das Geländer der Brücke. Bilder, Gedanken und Gefühle strömen auf ihn ein. Sein privates Kopf-Kino lädt zur Vorstellung: Ein Leben in Kurzfilmen.

Über den Autor Thomas Christ, geboren 1965, arbeitet als Lehrer für Maschinenbautechnik und Deutsch an einer Berufsschule am Mittelrhein. Obwohl er immer mal wieder mit dem Schreiben angefangen hat, ist "Das Leben ist ein Film" sein erstes Buch. Auch wenn Teile des Inhaltes und einige Filmsequenzen älteren Ursprungs sind, gab den Anstoß zu diesem Buch letztlich eine eher zufällige Begegnung. Der Autor lebt mit seiner Familie im nördlichen Rheinland-Pfalz.

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Die erste Filmsequenz:
Das Medieninstitut der Länder präsentiert pädagogisch wertvolle Filme für Wissenschaft und Unterricht (FWU)
Kleine Typenkunde Kaum hat der leise öffnende Vorhang die Leinwand freigegeben, da erscheint auch schon die offizielle Internetseite des Medieninstituts der Länder in seinem Blickfeld. Das kreisrunde, orangefarbene FWU-Logo erfüllt seinen gesamten inneren Bildschirm. Als es endlich langsam und fließend ausgeblendet wird, beginnt eine rasante filmische Flugreise durch die deutsche (Bildungs-)Landschaft. Durch das Objektiv einer Kameradrohne blickt der einzige Zuschauer dieses Kopfkinos auf den deutschesten aller Flüsse. Im pfeilschnellen Überflug schießt die Drohne den gesamten Flusslauf, vom Rheinfall bei Schaffhausen ausgehend, nordwärts. Untermalt von klassischer Musik überfliegt die kleine Maschine mit ihrer Kamera den Oberrhein und schießt dann förmlich das schöne Mittelrheintal entlang, biegt endlich kurz vor Köln links ab und steuert auf eine Universitätsstadt zu. Seine Universitätsstadt. Die Türen des bekannten altehrwürdigen Hauptgebäudes am Aachener Templergraben schwingen auf und lassen das langsam abbremsende Fluggerät passieren. Doch im Inneren des Foyers hat sich etwas verändert, auf einem Sockel vor dem Treppenaufgang zur Aula, der Aachener und Münchner Halle, grüßt die Büste eines altrömischen Philosophen den Besucher. Aus dem Off erklingt nun die sonore Stimme eines Moderators: „´Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.´ Kaum eine andere pädagogische Weisheit wurde, teils bewusst und in voller Absicht, teils einfach aus Unkenntnis des originalen Textes, so oft und so gern so falsch zitiert wie diese hier und an dieser Stelle. Dabei sind die Worte des Lucius Annaeus Seneca aus seinem 106. Brief an Lucilius aus dem Jahr 62 n. Chr. klar und sehr eindeutig überliefert: ´Non vitae, sed scholae discimus.´“ Der mittelalte Mann ist der Verzweiflung nahe, seine Gedanken überschlagen sich. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Typisch Lehrer. Kopfgesteuert bis zum bitteren Ende. Da hocke ich hier 136 Meter über dem Talgrund der Mosel und warte auf den Film meines Lebens und dann kommt mir die Regie mit einem pädagogischen Schulungsfilm, denkt er. Ich ticke wirklich nicht mehr ganz sauber. Doch der Sprecher seines persönlichen Lehrfilmes fährt erbarmungslos fort: „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir, heißt es also im Original. Klar, dass dies in den Ohren von idealistischen, neue Theorien zur Schule und zum Lernen zu verbreiten sich anschickenden Pädagogen nicht ganz so schön klingt. Bedauerlicherweise aber steckt im eigentlichen Ausspruch Senecas auch 2000 Jahre später noch mehr Wahrheit, als Lehrerinnen und Lehrern lieb ist. Dabei ist das geringfügig nach Resignation klingende Original-Zitat des altrömischen Oberlehrers sicherlich teilweise durch das zumindest als angespannt zu beschreibende Lehrer-Schüler-Verhältnis zwischen Seneca und Nero zu erklären.“ Erst recht, wenn man die Umstände des Todes des Urhebers dieser antiken pädagogischen Bestandsaufnahme bedenkt, ergänzt Thorben Willems im Geiste. Gerade einmal drei Jahre nach seinem berühmten Zitat beging Seneca nämlich auf Geheiß seines ehemaligen Schülers und inzwischen zum Kaiser aufgestiegenen Imperators Nero Selbstmord, wohl um seiner bevorstehenden Verhaftung und einem mutmaßlich noch schlimmeren Schicksal zu entgehen. Insofern erscheint es dem angeschlagenen Pädagogen fraglich, inwieweit dieser pädagogische Extremfall verallgemeinert werden kann. Trotzdem veranschaulicht der persönliche Briefwechsel des römischen Philosophen sehr plastisch, dass Schule schon vor knapp 2.000 Jahren durchaus reformbedürftig war und wahrscheinlich heute noch ist, denkt Thorben leicht frustriert. Es ist schon ein relativ ernüchterndes Fazit angesichts zweier Jahrtausende pädagogischer Reformbemühungen. Noch immer aus dem Off setzt der Moderator seine Erläuterungen inzwischen beinhart fort: „Dabei könnte es so einfach sein. Ein Blick in die Natur zeigt, dass viele Tierkinder hauptsächlich im und durch das Spiel lernen, beispielsweise ein Wurf junger Katzen. Im Herumtollen lernen sie alles, was sie für ihr späteres Leben brauchen. Jagdinstinkt mag angeboren sein, Strategien zur Jagd hingegen muss der Beutegreifer erst einmal trainieren. Auch die Einordnung in eine Rangordnung und die Interaktion mit Artgenossen will geübt sein. Das gesamte Sozialverhalten, von der Auseinandersetzung um die Eroberung eines Reviers über die Brautwerbung bis hin zu den Vorgängen, die letztlich die Erhaltung der Art sichern und die Aufzucht des Nachwuchses gewährleisten. All das wird im Spiel erlernt. Lernpsychologen haben diese Zusammenhänge natürlich längst erkannt und ausführlich beschrieben, dass auch das Gehirn des Menschen ähnlich wie das der Katze in einer spielerischen und stressfreien Atmosphäre tatsächlich den effektivsten Lernzuwachs realisieren kann.“ Das klingt ja alles ganz stimmig, kommentiert Thorben bei sich, aber wenn man das Jagdverhalten der Katze näher betrachtet: Das Spiel mit der Maus erscheint aus menschlicher Perspektive schon ein wenig grausam. Die Maus sieht das vermutlich ähnlich. Insofern ist der räuberische Stubentiger wohl doch kein so gutes Beispiel, verehrter Herr Kollege von der Moderation. Andererseits ist auch meine Bewertung des Verhaltens der Katze beim Beuteschlag letztlich ungerecht, möglicherweise gar allzu überheblich, kommt sie doch von einem Vertreter jener Gattung, die für die Erfindung des Stierkampfes, der Religionskriege, der Hexenverbrennungen, des Rassenhasses und nicht zuletzt für einige der krassesten Reality-Formate im TV, wie etwa Frauentausch und Dschungelcamp, verantwortlich zeichnet. Sichtlich unbeeindruckt von der Reaktion seines Ein-Mann-Publikums kehrt der Moderator hingegen thematisch zur Schule zurück: „Ganz anders sieht die Lernwelt in deutschen Schulen aus. Diese sind nämlich allzu oft ein Ort verbissener Ernsthaftigkeit und des immensen Leistungsdruckes – und zwar nicht nur für die Schülerinnen und Schüler. Höchste Zeit also für eine kleine anthropologische Klassifizierung der verschiedenen Vertreter der mithin zweitwichtigsten Hominiden innerhalb unserer Schulen, der Lehrerinnen und Lehrer. Dazu also jetzt ein kurzer Blick auf die Gattung Mensch als solche …“ Au weia, das kann ja heiter werden: Lehrer unter dem Mikroskop der Wissenschaft. Sokrates, steh mir bei, denkt Thorben noch. Aber da zitiert der gnadenlose Moderator bereits aus dem Schatz der Weisheit, aus dem allwissenden Internet-Lexikon: „Der Mensch (lateinisch: Homo sapiens - also: verstehender, verständiger oder weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch) ist nach der biologischen Systematik ein höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten, das zur Unterordnung der Trockennasenprimaten und dort zur Familie der Menschenaffen gehört.“ Zitiert nach der Internetseite www.wikipedia.de Okay, das mit den Trockennasenprimaten kann ich aus mehr als fünfzig Jahren Lebenserfahrung und nach fast fünfundzwanzig Jahren im Schuldienst nun wieder durchaus bestätigen, ergänzt der Lehrer auf der Brücke leise. Mittlerweile macht sich bei ihm ein bisschen Sarkasmus breit, während der Moderator seine Analyse fortsetzt: „Nach wissenschaftlicher Genealogie wäre demnach der lehrende Mensch (lateinisch: Homo sapiens pädagogis) eine Untergattung dieser Hominiden, innerhalb derer man wiederum verschiedene Arten und Sektionen differenzieren kann. Beginnen wir also mit unseren Betrachtungen an der Spitze der schulischen Hierarchie, bei den Schulleiterinnen und Schulleitern. Der Schulleiter, wissenschaftlich korrekt gern als Homo sapiens pädagogis directoris klassifiziert, stellt beiderlei Geschlechtes die höchste Sektion, wenn auch bedauerlicherweise nicht immer die höchste Entwicklungsstufe innerhalb der Gattung des lehrenden Menschen dar.“ Ups, denkt Thorben, die gehen aber ran! Hier müsste doch nun eigentlich ein rechtlicher Hinweis folgen, in etwa so: Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen realen Personen und Handlungen sind durchaus nicht zufällig, sondern absolut gewollt und für die Betroffenen bisweilen schmeichelhaft, in Einzelfällen möglicherweise aber auch höchst bedauerlich und verstörend. Andererseits stimmt es ja schon: Der Fisch stinkt vom Kopf! Thorben hat es in Berufsleben mit sechs oder sieben Vertretern der Sektion des Homo sapiens pädagogis directoris zu tun bekommen, sie alle hatten ihre Eigenheiten. Wenn die Wissenschaft nun also folgerichtig gleich mehrere Unterarten, die sich durch zum Teil sehr spezifische Besonderheiten auszeichnen, unterscheidet, so hat sie vermutlich Recht. Wenigstens drei davon wüsste er auf Anhieb zu benennen. Sein personalisiertes Kopfkino läuft jetzt erst richtig an. In der...



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