E-Book, Deutsch, Band 1722, 160 Seiten
Reihe: Romana
Colter Im Schloss des Märchenprinzen
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-319-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1722, 160 Seiten
Reihe: Romana
ISBN: 978-3-86349-319-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ihr Leben lang hat Prudence auf einen Prinzen gewartet, der sie mit seiner unendlichen Liebe verzaubert. Und nun scheint die Erfüllung ihres Traums ganz nah zu sein. Denn Prudence arbeitet seit kurzem für den attraktiven Prinzen Kaelan auf seinem Märchenschloss. Und sie spürt genau, dass dieser blendend aussehende Adlige, der ihr Herz im Sturm gewonnen hat, sie begehrt. Jeder Tag, den sie in seinem Fürstentum Shannonderry weilt, bringt sie Kaelan näher. Doch nach ihrem ersten zärtlichen Kuss zieht er sich zurück. Gibt es etwas, das ihren Traumprinzen bedrückt?
Cara Colter hat Journalismus studiert und lebt in Britisch Columbia, im Westen Kanadas. Sie und ihr Ehemann Rob teilen ihr ausgedehntes Grundstück mit elf Pferden. Sie haben drei erwachsene Kinder und einen Enkel. Cara Colter liest und gärtnert gern, aber am liebsten erkundet die begeisterte Reiterin auf ihrer gescheckten Stute Dakota die kilometerweiten Waldwege, die direkt an ihrem Haus vorbei- und in die freie Natur führen. Als Autorin von insgesamt 40 Büchern wurde Cara Colter mehrfach ausgezeichnet. 2006 erhielt sie von der Romantic Times einen Sonderpreis für ihre humorvollen Romane, 2007 kam sie erstmalig auf die Bestellerliste von Waldenbooks.
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1. KAPITEL
Prudence hatte sich ein wenig verspätet, was dieses Mal allerdings nicht ihre Schuld war, zumindest nicht allein. Kurz betrachtete sie sich in der Glastür, die in die Hotelhalle des exklusiven Waldorf Towers führte, und seufzte. Sie sah nicht gerade mustergültig aus.
Der Nieselregen hatte ihren Haaren nicht gut getan. Einige besonders widerspenstige Locken hatten sich aus dem Knoten gelöst, den Mrs. Smith ihr zu frisieren aufgetragen hatte. Und der dunkelblaue Trenchcoat wies noch Spuren von Brians Karamellpudding auf.
Der Kleine war seit dem Zwischenfall noch anhänglicher geworden und vorhin todunglücklich über das Ersatzkindermädchen gewesen. Irgendwie hatte er es geschafft, ihr beim Abschied etwas von seiner Süßspeise auf den Mantel zu spucken. Sie hatte zwar versucht, die Flecken zu entfernen, was ihr aber nicht ganz gelungen war und sie wertvolle Minuten gekostet hatte.
Welch ein toller Typ, dachte sie, während sie auf den jungen blonden Mann an der Rezeption zuging, und musste ein Lächeln unterdrücken. Seit sechs Monaten hatte sie kein einziges Date mehr gehabt, jedoch galt es, noch ein weiteres halbes Jahr durchzuhalten. Diese Zeit der Askese hatte sie sich selbst verordnet.
„Ich bin hier, um … Kaelan Prinz zu treffen.“
Vorhin am Telefon war Mrs. Smith untypisch gesprächig gewesen und zugleich ausweichend. Sie, Prudence, hatte allerdings so viel verstanden, dass ein Mann wegen des Zeitungsartikels mit ihr reden wollte und sie pünktlich sein sollte. Außerdem sollte sie einen guten Eindruck machen und einen Rock anziehen, der bis über die Knie reichte.
Eigentlich hatte sie gar nicht herkommen wollen. Seit dem Finanzskandal nach dem Tod ihres Vaters hatte sie sich erfolgreich darum bemüht, nicht mehr ins Visier der Presseleute zu geraten. Glücklicherweise hatte auch bislang niemand das heldenhafte Kindermädchen namens Winslow mit dem zusammengebrochenen Winslow-Imperium in Verbindung gebracht. Und so sollte es bleiben! Leider war Mrs. Smith nur ziemlich unerbittlich gewesen.
„Tun Sie es mir und dem Institut zuliebe“, hatte sie gesagt und Prudence unnötigerweise daran erinnert, wie viel sie ihr verdankte. Mrs. Smith war für sie da gewesen wie wenige andere.
„Kaelan Prinz“, wiederholte sie, als sie die verwirrte Miene des Rezeptionisten bemerkte.
„Kaelan Prinz? Oh, Sie meinen vermutlich Prinz Ryan Kaelan.“
„Wen immer.“ Fast jeder hält sich heutzutage für einen Star, dachte sie und sah auf ihre Armbanduhr. Verflixt, sie hatte sich um zehn Minuten verspätet.
„Die jungen Frauen dort drüben wollen ebenfalls einen Blick von ihm erhaschen.“ Er nickte in Richtung der Lifte, in deren Nähe eine Schar kichernder Teenager stand.
„Ich werde erwartet“, erklärte sie hoheitsvoll, konnte noch immer die Tochter ihres Vaters sein. Ihr Ton verfehlte seine Wirkung nicht.
„Wie ist Ihr Name, Miss?“ Schon streckte er die Hand nach dem Telefonhörer aus, informierte kurz darauf die Person am anderen Ende der Leitung, dass eine Miss Winslow eingetroffen sei, und legte einige Momente danach wieder auf. „Jemand wird sogleich herunterkommen, um Sie nach oben zu geleiten.“
„Vielen Dank.“
Große Güte, man wollte sie hinaufeskortieren? Handelte es sich tatsächlich um einen Star? Allerdings wäre es gänzlich untypisch für Mrs. Smith, sich von einer Berühmtheit beeindrucken zu lassen.
Prudence beobachtete, wie die jungen Leute sich auf den Aufzug stürzten, kaum dass die Türen auseinanderglitten. „Wird er heute hier unten erscheinen? Was macht Gavin?“, riefen sie durcheinander, und eines der Mädchen, es war bestenfalls zwölf oder dreizehn, schwenkte ein Plakat, auf dem zu lesen war: Eines Tages wird mein Prinz kommen.
Unwillkürlich erinnerte sie sich an sich selbst in dem Alter. Sie hatte sich damals in eine Fantasiewelt geflüchtet, weil sie sich im wirklichen Leben so einsam und allein gefühlt hatte. Ich glaube, du und ich, wir sollten mal ein Wörtchen miteinander reden, dachte sie und wurde dann von dem älteren Mann abgelenkt, der in dunkelgrüner Uniform mit goldenen Schulterstücken gemessen auf sie zuschritt. Auf seiner Brust prangte ein Wappen, das einen Drachen zeigte, der sich um ein Musikinstrument, möglicherweise eine Laute, wand.
Er nickte kaum merklich. „Miss Winslow? Wenn Sie mir folgen wollen … Ignorieren Sie sie“, meinte er leise, als sie zwischen den Teenagern hindurchgingen, und stellte sich dann als Ronald vor, sobald sich die Fahrstuhltüren schlossen und sie allein waren. „Sind Sie ins Protokoll eingeführt worden?“
„Entschuldigung?“
„Neben Pünktlichkeit werden von Besuchern gewisse Verhaltensweisen erwartet“, sagte er in einer Art, die die Tatsache entschärfte, dass er sie wegen der Verspätung leicht tadelte. „Zu knicksen ist nicht länger nötig, sollten Sie es jedoch wollen …“
„Das ist ein Scherz, oder?“ Sie lachte und beobachtete dann, wie sich in seiner würdevollen Miene leise Kränkung spiegelte. Außerdem fiel ihr wieder ein, dass der Rezeptionist sie hinsichtlich des Namens korrigiert hatte. „Soll das heißen“, erkundigte sie sich bedächtig, „dass ich einem echten Prinzen gegenübertreten werde?“
„Ja, Miss. Es tut mir leid. Ich glaubte, Sie wären unterrichtet.“
Warum hatte Mrs. Smith es ihr nicht erzählt? Oder hatte sie ihr diese Information irgendwann in dem wirren Telefonat gegeben und sie hatte sie nicht in sich aufgenommen?
Verflixt, das Leben war entsetzlich unfair und das Schicksal schrecklich gemein! Wie das Mädchen unten in der Hotelhalle hatte auch sie, Prudence, von Prinzen geträumt. Sie war verrückt nach Liebesgeschichten gewesen, hatte Bücher und Filme gesammelt und sich nach dem gesehnt, wovon diese handelten.
Seit sie mit vierzehn entdeckt hatte, wie viele Männer sie mochten, war sie auf der Suche nach ihrem Prinzen gewesen. Sie hatte tief in ihrem Herzen gewusst, dass ihr eigenes Märchen beginnen würde, wenn sie den Richtigen küssen würde. Aber bislang hatte sie tausend Frösche geküsst – und nicht einer hatte sich in einen Prinzen verwandelt.
Nach dem Tod ihres Vaters im letzten Jahr hatte sie dann schmerzlich erkannt, dass es die Liebe jenes unnahbaren Menschen gewesen war, nach der sie sich immer verzehrt hatte. Eine Liebe, die sie nie mehr würde bekommen können.
Sie hatte eine neue Seite im Buch ihres Lebens aufgeschlagen und beschlossen, sich zwölf Monate lang mit keinem Mann zu verabreden und erst recht keinen zu küssen. Ihr war klar geworden, dass sie sich selbst irgendwann verloren hatte, während sie verzweifelt Ausschau nach ihrem Prinzen gehalten hatte. Und in letzter Zeit hatte sie den Eindruck gewonnen, dass sie dabei war, sich wiederzufinden.
Die Mächte der Welt stellen mich auf die Probe, schoss es ihr durch den Kopf, und sie fühlte deutlich, dass sie keinem Prinzen begegnen wollte. Sie war noch nicht bereit dazu, getestet zu werden. Ihr Blick schweifte zu dem Schaltbrett mit dem Notstoppknopf.
Im nächsten Moment spürte sie eine Hand an ihrem Arm. Sie sah auf und unmittelbar in Ronalds freundlich blickende Augen. „Sie brauchen keine Angst zu haben“, erklärte er leise.
„Angst?“, wiederholte sie nun abwehrend. Sie, Prudence Winslow, hatte sich noch vor nichts gefürchtet. Es sei denn davor, einsam und allein zu enden.
Doch selbst daran zu denken erfüllte sie nicht mehr so mit Panik, wie es das einst getan hatte. Trotzdem lenkte sie ihre Gedanken lieber von diesem Thema weg und auf die freiwillige Hilfe, die sie mittlerweile leistete. Kurz nach dem Tod ihres Vaters, bevor Mrs. Smith sie als Kindermädchen aufgenommen hatte, war sie hungrig und gedemütigt bei Loaves and Fishes, einer Suppenküche für Bedürftige, gelandet. Und nun schenkte sie jede Minute ihrer Freizeit und jeden Cent, den sie erübrigen konnte, dieser wunderbaren Organisation, die nicht nur die Hungrigen speiste, sondern ihnen auch die Würde ließ.
Ja, sie hatte wieder festen Boden unter den Füßen. Allerdings war sie noch nicht so weit, diese neue Herausforderung zu bestehen. „Verdammt“, stieß sie hervor und versuchte, einige der widerspenstigen Locken in den Knoten zurückzuschieben.
Ronald betrachtete sie mit leichtem Unbehagen. „Natürlich fluchen wir in Gegenwart Seiner Hoheit nicht.“
„Natürlich.“ Prudence gab es auf, ihre Haare in Ordnung zu bringen, und verschränkte die Arme sittsam vor der Brust.
„Die korrekte Anrede bei der Vorstellung lautet Eure Hoheit, nicht Prinz Ryan. Anschließend dürfen Sie ihn mit Sir ansprechen.“
„Ah, ja. Aber ein Knicks muss nicht sein.“
„Nur wenn Sie möchten“, bestätigte er und ließ nicht im Mindesten erkennen, ob er den leisen Sarkasmus mitbekommen hatte.
„Glauben Sie mir, das möchte ich nicht.“
Er seufzte kaum hörbar, bevor der Lift hielt. „Ich glaube Ihnen“, versicherte er ihr und geleitete sie über einen dicken Teppich den Korridor entlang auf eine Doppeltür zu, die in den Wohnbereich einer luxuriösen Hotelsuite führte.
Kurz ließ Prudence den Blick durch den Raum schweifen, in dem sogar ein Konzertflügel stand. Die Sofas waren mit edlem Seidenstoff bezogen, an der Decke funkelte ein Lüster, und in dem offenen Kamin brannte ein Feuer. Die Luft war vom Duft frischer Lilien erfüllt, von denen mehrere prächtige Sträuße das Zimmer schmückten.
„Darf ich Ihnen aus dem Mantel helfen?“
Nein, sie wollte ihn trotz der...




