Eckart | Medizin in der NS-Diktatur | Buch | 978-3-412-20847-9 | sack.de

Buch, Deutsch, 567 Seiten, Format (B × H): 165 mm x 239 mm, Gewicht: 972 g

Eckart

Medizin in der NS-Diktatur

Ideologie, Praxis, Folgen
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-412-20847-9
Verlag: Böhlau

Ideologie, Praxis, Folgen

Buch, Deutsch, 567 Seiten, Format (B × H): 165 mm x 239 mm, Gewicht: 972 g

ISBN: 978-3-412-20847-9
Verlag: Böhlau


Kaum ein anderes Thema der jüngeren deutschen Medizingeschichte ist so häufig behandelt worden wie das der Medizin im Nationalsozialismus. Doch trotz hoch differenzierter Forschungen und einer Fülle von Büchern gibt es keine aktuelle Gesamtdarstellung. Diese Lücke schließt Wolfgang Uwe Eckart. Er stellt die Medizin des NS-Staats in den Kontext ihrer Ideologien, Praktiken und Konsequenzen.
An der moralischen Verwerflichkeit der NS-Medizin, ihrer menschenverachtenden und verbrecherischen Umsetzung besteht kein Zweifel. Die auf neuesten Forschungsergebnissen beruhende umfassende Analyse des Medizinhistorikers Wolfgang Uwe Eckart setzt bewusst deutlich vor 1933 ein und reicht über das Jahr 1945 hinaus. Fußend auf biopolitischen und erbbiologischen Ideologien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, geprägt durch die Katastrophe des Ersten Weltkriegs, durch Antisemitismus, Völkische Ideologie und Führergedanken definierte die NS-Medizin Wert und Unwert des Menschen. Sie wurde als Rassen- und Leistungsmedizin willfährig zum Werkzeug des totalen staatlichen Zugriffs auf den menschlichen Körper und entfaltete ihre mörderischen Instrumente Zwangssterilisation und Krankenmord. Als forschende Medizin wollte sie modern und konkurrenzfähig sein, am utopischen Entwurf des völkisch-totalitären Rassenstaates teilhaben. Am Kriegsende war sie kaum in der Lage, die Not der Überlebenden, der Flüchtlinge, der durch Holocaust und Kriegsgefangenschaft Traumatisierten zu lindern und stand schließlich für ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht.
Wolfgang Uwe Eckarts Gesamtdarstellung der Medizin in der NS-Diktatur trägt der ungebrochen nachgefragten Thematik Rechnung. Ein Standardwerk – grundlegend und gut verständlich.

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Inhalt
Vorwort
1 Einleitung
2 Ideen, Ideologien und politische Orientierungen bis 1933
2.1 Biopolitische Ideen vor 1914: Malthusianismus, Sozialdarwinismus, Eugenik, »Euthanasie«
2.1.1 Malthusianismus
2.1.2 Lamarckismus
2.1.3 Vom Darwinismus zum Sozialdarwinismus
2.1.4 Sozialdarwinismus und Rassenanthropologie
2.1.5 Rassenantisemitismus
2.1.6 Neue Menschen: Nacktkultur, Eugenik und Völkische Bewegung
2.1.7 Frühe Krankenmordvisionen
2.2 Krieg und Krisenerfahrung – der Erste Weltkrieg
2.2.1 Krieg und Selektionsdiskurs, 1914 – 1918
2.2.2 Im Land der »Kriegskrüppel«, 1914 – 1924
2.2.3 Hungererfahrungen und Lebensmitteldiktatur
2.2.4 Rassenhygiene und Eugenik in den 1920er-Jahren
2.2.5 Die Fortsetzung des »Euthanasiediskurses«
2.3 Frühe NS-Medizin – das biopolitische Programm Hitlers und des »Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes«
2.3.1 Der »Nationalsozialistische Deutsche Ärztebund«
2.4 Gesundheitsinstitutionen der NSDAP
2.4.1 Das »Hauptamt für Volksgesundheit« (HAVG)
2.4.2 Das »Rassenpolitische Amt« der NSDAP (RPA)
3 Biodiktatorische Praxis nach 1933
3.1 »Arisierung«, Gleichschaltung, Verfolgung
3.1.1 Eskalationsstufen der Vertreibung
3.1.2 Institutionelle Auswirkungen
3.1.3 Vertreibung und Vernichtung
3.2 Erbbiologische Praxis: Das »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« (1933)
3.3 Die »Vernichtung lebensunwerten Lebens«: Hungersterben, Krankenmord, 1939 – 1945
3.3.1 Karl Brandt – Biographische Anmerkungen zur Zentralfigur des Krankenmordes
3.3.2 Aktion »T4«
3.3.3 Kindermorde
3.3.4 Die »Aktion Sonderbehandlung 14f13«
3.3.5 Krankenmorde im Sudentengau, im Protektorat Böhmen und Mähren, in Ostpreußen und im besetzten Polen
3.3.6 Die »Aktion Reinhardt«
3.4 Körperkult, Sport, Kraft durch Freude
3.5 Auslese und Fürsorge – Lebensborn und NSV
3.6 »Neue Deutsche Heilkunde« und Gesundheitsführung
3.7 Leistungsmedizin
3.7.1 Die »Führerschule der Deutschen Ärzteschaft« in Alt Rehse
3.7.2 Gesundheitsführung und Leistungsideologie im Arbeitsprozess
3.7.3 Gesundheitsführung in der Hitlerjugend
3.7.4 NS-Frauenbild und Gesundheit in der NS-Frauenschaft
3.8 Nationalsozialistische Krankenpflege
3.8.1 Auflösung der freien Schwesternverbände
3.8.2 »Kamerad Schwester« – vom Primat der Gemeindepflege zum Kriegsdienst
3.8.3 Beteiligung von Schwestern an Massentötungen
3.8.4 Schwestern in Konzentrationslagern
3.9 Völkische Geburtshilfe
3.9.1 Reichshebammenführerin Nanna Conti
3.9.2 Politische Arbeitsfelder der Reichsfachschaft Deutscher Hebammen
3.9.3 Hebammen als Täterinnen
3.10 Leinwandhelden, Herzensnahrung: NS-Medizin und Filmpropaganda
3.10.1 Propaganda im medizinfilmischen Beigepäck
3.10.2 Medizinische Agitationsfilme
4 Medizinische Forschung
4.1 Medizinische Fakultäten
4.2 Staatlich gelenkte Forschung im zivilen und militärischen Bereich
4.3 Zentrale Institutionen und Forschungsfelder
4.3.1 Anatomie und Physiologie
4.3.2 Menschliche Vererbungswissenschaft
4.3.3 Psychiatrische Forschung
4.3.4 Infektiologie und Tropenmedizin
4.3.5 Krebsforschung
4.4 Verbrecherische Humanexperimente im Nationalsozialismus
4.4.1 Der Weg zum Humanexperiment im Nationalsozialismus
4.4.2 Tierversuch und Tierschutz
4.4.3 Tödliche Experimentalforschung am Menschen
5 Medizin und Krieg
5.1 Die Sanitätsführung
5.2 Die Politisierung des Soldatenkörpers
5.3 Psychische Dekompensationen
5.4 Soldatenkörper: »Rasse«, Forschung, Kriegsgefangene
5.5 Die Kriegsschauplätze am Beispiel Stalingrads
5.6 Bombenkrieg und Massenvergewaltigungen
6 Nach dem Zusammenbruch
6.1 Die Gesundheitssituation 1945 bis 1947: Hunger, Kälte, Infektionen
6.1.1 Hunger und Kälte
6.1.2 Tuberkulose
6.1.3 Geschlechtskrankheiten
6.2 Die Traumatisierten: Diskurse um Schädigung
und Entschädigung seit den Fünfziger Jahren
6.3 Kriegsgefangene und »Heimkehrer«-Krankheiten
6.3.1 Die Heimkehrerlager
6.3.2 Heimkehrerkrankheiten deutscher Kriegsgefangener
6.3.3 Gesetzliche Versorgungsregelungen für Heimkehrer und Kriegsversehrte
7 NS-Medizin vor Gericht
7.1 Kriegsverbrecherprozesse gegen Täter in Konzentrationslagern
7.2 Nürnberger Ärzteprozess
7.3 Die »Euthanasie«-Prozesse
8 Anmerkungen
9 Literatur
Abbildungsnachweise
Namensverzeichnis
Sachregister


Eckart, Wolfgang Uwe
Wolfgang Uwe Eckart ist Professor für Geschichte der Medizin und Direktor des Instituts für Geschichte an der Universität Heidelberg.

Wolfgang Uwe Eckart ist Professor für Geschichte der Medizin und Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.



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