E-Book, Deutsch, 270 Seiten, eBook
Eckhard Lernen in Vertragsbeziehungen
2009
ISBN: 978-3-8349-9984-9
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Eine empirische Untersuchung in der Automobilindustrie
E-Book, Deutsch, 270 Seiten, eBook
Reihe: Strategisches Kompetenz-Management
ISBN: 978-3-8349-9984-9
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Björn Eckhard analysiert ein branchenübergreifendes Untersuchungsmodell von Hersteller-Zulieferer-Beziehungen der Automobilindustrie. Die Befunde liefern wertvolle unternehmenspraktische Hinweise zum Einsatz von Wissensmanagement für die Vertragsgestaltung als auch wichtige Beiträge für die Forschung auf dem Gebiet des Kooperationsmanagement.
Dr. Björn Eckhard war externer Doktorand am Lehrstuhl für Unternehmensführung von Prof. Dr. Thomas Mellewigt an der Freien Universität Berlin. Er ist in den Bereichen Vertrieb und Marketing eines deutschen Unternehmens der Automobilzulieferindustrie tätig.
Zielgruppe
Research
Weitere Infos & Material
1;Geleitwort;6
2;Vorwort;9
3;Inhaltsverzeichnis;11
4;Abbildungsverzeichnis;14
5;Tabellenverzeichnis;15
6;1 Einleitung;17
6.1;1.1 Problemstellung;17
6.2;1.2 Zielsetzung;20
6.3;1.3 Vorgehensweise und Aufbau der Untersuchung;24
7;2 Unternehmenskooperationen und die Rolle von Verträgen;27
7.1;2.1 Management von Unternehmenskooperationen als Forschungsfeld;27
7.2;2.2 Die Transaktionskostentheorie als theoretischer Bezugsrahmen;33
7.3;2.3 Stand der Forschung und theoretische Einordnung;47
7.4;2.4 Der Einfluss der Transaktionsmerkmale auf die Vertragsgestaltung: Entwicklung eines Hypothesenmodells;71
8;3 Erfahrung und Lernen in Vertragsbeziehungen;75
8.1;3.1 Lerneffekte beim Management von Unternehmenskooperationen;76
8.2;3.2 Bedeutende Theorieansätze;80
8.3;3.3 Stand der Forschung und theoretische Einordnung;86
8.4;3.4 Der Einfluss von Erfahrung und Lernen auf die Vertragsgestaltung: Entwicklung eines Hypothesenmodells;107
9;4 Vertragsbeziehungen der Automobilindustrie als Betrachtungsrahmen;123
9.1;4.1 Hersteller-Zulieferer-Beziehungen als Untersuchungsgegenstand;124
9.2;4.2 Stand der Forschung und theoretische Einordnung;132
9.3;4.3 Der Einfluss branchenspezifischer Rahmenbedingungen auf die Vertragsgestaltung: Entwicklung eines Hypothesenmodells;141
9.4;4.4 Zusammenfassung des Untersuchungsmodells;151
10;5 Untersuchungskonzeption;153
10.1;5.1 Forschungsdesign;153
10.2;5.2 Datenbasis;156
10.3;5.3 Datenerhebung;160
10.4;5.4 Operationalisierung der Variablen;168
10.5;5.5 Auswertungsmethoden;186
11;6 Untersuchungsergebnisse;196
11.1;6.1 Deskriptive Befunde;196
11.2;6.2 Befunde zum Einsatz von Wissensmanagement-Prozessen;206
11.3;6.3 Befunde zu den Determinanten des Detaillierungsgrades vertraglicher Regelungen;211
11.4;6.4 Befunde zum Einfluss von erfahrungsbasiertem Lernen auf den Erfolgsbeitrag von Verträgen;237
12;7 Schlussbetrachtung;246
12.1;7.1 Zusammenfassung der wichtigsten Forschungsergebnisse;246
12.2;7.2 Grenzen der Untersuchung und weiterer Forschungsbedarf;253
13;Literaturverzeichnis;266
Unternehmenskooperationen und die Rolle von Verträgen.- Erfahrung und Lernen in Vertragsbeziehungen.- Vertragsbeziehungen der Automobilindustrie als Betrachtungsrahmen.- Untersuchungskonzeption.- Untersuchungsergebnisse.- Schlussbetrachtung.
2.1.3 Analyse der Kapitalbeteiligung und der Vertragsgestaltung (S. 15-16)
Auf dem Gebiet der Gestaltung der Kooperationsstruktur als dritte Phase des Kooperationsmanagements kann bereits eine Reihe von Forschungsbemühungen verzeichnet werden. Dabei waren bislang insbesondere Fragestellungen zum Vorliegen einer Kapitalbeteiligung und den damit einhergehenden Beteiligungsverhältnissen Gegenstand der Betrachtung, was vermutlich auf die vergleichsweise einfache Datenverfügbarkeit zurückzuführen ist.
Die Dominanz dieses Forschungszweiges drückt sich in einer großen Zahl von Untersuchungen seit Mitte der 1990er Jahre insbesondere im englischsprachigen Raum aus. Darin wurde analysiert, warum für manche Kooperationsaktivitäten eigenständige Unternehmen mit beiden Partnern als Eigner gegründet werden, während in anderen Kooperationen die Partner lediglich auf vertraglicher Basis zusammenarbeiten, ohne eine neue rechtliche Einheit zu bilden. Typischerweise erfolgte in den Studien daher eine dichotome Einteilung von Kooperationsstrukturtypen in eigentumsbasierte Kooperationen (’equity alliances’) und Vertragskooperationen (’non-equity alliances’).
Die Untersuchungen zielten primär darauf ab herauszufinden, welche Merkmale des Leistungsaustauschs die Entscheidung für eine eigentumsbasierte oder eine vertragliche Kooperationsform beeinflussen. So lautete die prinzipielle Argumentationsweise, dass zunehmende Komplexität der Leistungsbeziehung zur Auswahl einer eigentumsbasierten Kooperationsform führt.59 Begründet wurde dies zum einen damit, dass ein Unternehmen bei Bestehen einer Kapitalbeteiligung tendenziell weniger motiviert ist, den bei hoher Komplexität schwer kontrollierbaren opportunistischen Interessen nachzugehen.
Zum anderen ermöglicht die Existenz einer separaten Geschäftsführung eine bessere Steuerung der Kooperation hinsichtlich der auftretenden Herausforderungen.60 In diesem Zusammenhang wurde der Einfluss verschiedener Komplexität stiftender Determinanten auf die gewählte Kooperationsform als abhängige Variable untersucht. So bestätigten bisherige Studien, dass Kooperationen eher eigentumsbasiert als rein vertraglich organisiert sind, wenn
a) technologisches Know-how eine große Rolle spielt,
b) ein breites Aufgabenspektrum zu bewältigen ist,
c) keine klare Laufzeit der Zusammenarbeit definiert ist,
d) Partner unterschiedlicher Länder zusammenarbeiten,
e) mehr als zwei Partner zusammenarbeiten, oder
f) Partner mit unterschiedlichen Kompetenzfeldern zusammenarbeiten.
Während zunächst Studien dominierten, die sich mit der durch die Beteiligungsverhältnisse definierten Kooperationsform beschäftigen, ist seit wenigen Jahren eine verstärkte Tendenz zur Analyse der Verträge zu verzeichnen, welche die Zusammenarbeit näher spezifizieren.67 Gemeinsam mit der Entscheidung über eine Kapitalbeteiligung determiniert dieser vertragliche Aspekt die Kooperationsstruktur.
Zur Abgrenzung jener beiden Grundsatzfragen sei angemerkt, dass der Beschluss eine reine Vertragskooperation einzugehen oder aber eine neue rechtliche Einheit unter Kapitalbeteilungen der Partner zu gründen, eine übergeordnete ’Makro- Entscheidung’ zu den Unternehmensgrenzen darstellt und somit die institutionelle Form bestimmt. Dagegen handelt es sich bei der Vertragsgestaltung um eine ’Mikro-Entscheidung’, bei der in sehr konkreter Weise die ’Spielregeln’ der Zusammenarbeit sowie die operative Abwicklung des Leistungsaustauschs vereinbart werden.
Lerner und Merges (1998) sowie Reuer et al. (2006) kommen in diesem Zusammenhang zu dem Ergebnis, dass innerhalb der institutionellen Formen große Heterogenität bei der Vertragsgestaltung zu beobachten ist.69 Folglich stiften die jüngsten Forschungsansätze großen Nutzen, sich konkret der Analyse der ’Mikro-Entscheidung’ der Vertragsgestaltung zu widmen anstatt mit der Klärung der übergeordneten Frage der Kapitalbeteiligung auf halbem Wege zu verharren.
Hoch einzuschätzen sind diese Bemühungen vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Verträge in Unternehmen aus Geheimhaltungsgründen seit jeher schwer zugänglich sind. Dies macht den Zugriff auf Vertragsdokumente zu Analysezwecken zum Engpass der Vertragsforschung. Neben diesem triftigen Grund mag das langjährige Defizit an Studien zur Vertragsgestaltung in Publikationen zum Strategischen Management zudem in der vorherrschenden Meinung begründet liegen, Verträge seien alleinige Domäne der Juristen und für das Management von Kooperationen nicht relevant. Diese traditionelle Annahme kann gerade vor dem Hintergrund von High-Tech-Branchen widerlegt werden, wo Managern und Ingenieuren aufgrund ihrer Fachexpertise eine bedeutende Rolle bei der Vertragsgestaltung zukommt.