E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Reihe: Whitebooks
Ernst Nachhaltigkeit effektiv gestalten
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-96740-126-4
Verlag: GABAL
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie Sie Ihre Organisation zukunftsfähig machen
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Reihe: Whitebooks
ISBN: 978-3-96740-126-4
Verlag: GABAL
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Damit alle ein gutes Leben innerhalb der Grenzen unseres Planeten führen können, müssen wir unser Verhalten in unterschiedlichen Facetten des Alltags ändern. Die Natur hat dies mit Covid erzwungen. Können wir den notwendigen Wandel nicht auch aktiv gestalten? Menschen sind kreativ Wir Menschen sind kreativ und erfinderisch. Wir haben schon immer unsere Gestaltungskraft auf die Lösung scheinbar unlösbarer Probleme gelenkt. In diesem Ratgeber finden Sie: •Viele Puzzleteile, die Ihnen ermöglichen realistisch und optimistisch in die Zukunft zu schauen. •Neue, bereits erprobte Werkzeuge, mit denen Pioniere des Wandels derzeit den langen Weg der Transformation zu nachhaltigem Wirtschaften gestalten. •Beispiele aus der gelebten Praxis, von denen Sie lernen können, was bereits geschieht. Unternehmen sind Veränderungsmotoren Unternehmen haben einen besonderen Hebel für die Gestaltung der Transformation zu nachhaltigem Wirtschaften. Sie sind Experten für die Umsetzung neuer Ideen. Allerdings agieren sie nicht im luftleeren Raum. Sie müssen sich an regionale, nationale und internationale Regeln halten. Regeln, die sie lange Zeit in nicht nachhaltigem Verhalten festgehalten haben. Viele dieser Lock-in Effekte brechen derzeit auf. Neues wird möglich. Die Zusammenarbeit verschiedener Gesellschaftsgruppen ist dabei ebenso wichtig wie der Wille zur Veränderung und Mitgestaltung jedes einzelnen. Erfolg ist nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial und ökologisch Organisationen werden nicht mehr ausschließlich auf der Grundlage finanzieller Kennzahlen bewertet. Zusätzlich werden ihre sozialen oder ökologischen Wirkungen betrachtet. Systemische Innovation wird möglich und erstrebenswert: Pioniere des Wandels haben in den letzten beiden Jahrzehnten viele innovative Methoden der Zusammenarbeit und Ideen für nachhaltiges Wertschöpfen entwickelt und erprobt. Die Digitalisierung eröffnet zudem neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, Wissensentwicklung und Schaffung von Transparenz. Ein sinnvoller Unternehmenszweck tritt in den Vordergrund. Er wird in einer Kultur der Achtsamkeit und Resilienz gestaltet. Die Zeit ist reif für Nachhaltigkeit! •Lenken Sie die Innovationskraft Ihrer Organisation auf zukunftssichernde Wertschöpfungs-potentiale. •Bringen Sie die Bedürfnisbefriedigung von Menschen zurück ins Zentrum unternehmerischen Handelns. •Schaffen Sie Raum für sinnvolle Arbeit. Sie werden eingeladen und ermutigt den Weg der Transformation hin zu nachhaltigem Wirtschaften zu gehen: Schritt für Schritt.
Dr. Dorothea Ernst arbeitet mit Führungskräften und Teams, begleitet persönliche, organisationsinterne und regionale Transformationsprozesse und hält Vorträge. Die promovierte Physikerin und Mediatorin ist Sustainability Catalyst bei der INFORM in Aachen. 16 Jahre lang hat sie bei Philips Innovations- und Veränderungsprozesse mitgestaltet. Zwei wichtige Etappen waren die Mitarbeit an der Digitalisierung der Lichtindustrie sowie die Einführung von Nachhaltigkeit als Innovationskraft in den Gesamtkonzern. In beiden Aufgaben lernte sie, dass Menschen und ihre Ziele, Werte und Haltungen in Kombination mit kluger Nutzung von Technologie die wesentlichen Schlüssel zu Innovation und langfristigem, lebensbejahendem Erfolg sind.
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Wie Phönix aus der Asche
In diesem Kapitel erfahren Sie Folgendes: was das Besondere an einer Systemtransformation ist und warum wir keine Angst vor ihr haben müssen, mit welchem Prozess eine Systemtransformation initiiert werden kann, warum es zur Gestaltung der Transformation zu nachhaltigem Wirtschaften sinnvoll ist, Zeit in ihren unterschiedlichen Dimensionen wahrzunehmen, wie Bilder und gemeinsames Erleben helfen, die Sprache zu entwickeln, die notwendig ist, um sich in NEULAND, der gewünschten Zukunft, zu bewegen, wie anschauliche Grafiken Nachhaltigkeit im Unternehmen motivieren können. 2.1 Systemtransformation: Was ist das eigentlich?
Der Begriff Systemwandel bzw. Systemtransformation beherrscht zunehmend die öffentliche Diskussion. Was aber ist ein System? Was charakterisiert eine Transformation? Definition Ein System ist ein aus mehreren Einzelteilen zusammengesetztes Ganzes. Es ist ein abgrenzbares, natürliches oder künstliches Gebilde, das aus verschiedenen Komponenten besteht, die aufgrund bestimmter geordneter Beziehungen untereinander als gemeinsames Ganzes betrachtet werden (können). Die zwei wichtigsten Systemkategorien sind die natürlichen und die künstlichen Systeme. Natürliche sind reale Systeme, die ohne gezielten Einfluss der Menschen entstanden sind und sich selbst erhalten. Beschrieben werden sie durch die Naturwissenschaften. In der Physik und der Chemie zum Beispiel finden wir das Quantensystem, Atome, Moleküle oder Planetensysteme. Biologie, Medizin und Psychologie beschreiben lebende oder organische Systeme wie Zellen, Organe, Nervensystem, Psyche und auch Ökosysteme. Künstliche Systeme wurden von Menschen erdacht und konstruiert. Sie können materieller oder immaterieller Natur sein, vereinen jedoch häufig beides. Man unterscheidet technische Systeme wie Werkzeuge, Maschinen oder Computer von ökonomischen Systemen wie etwa Währungen, Aktien oder Versicherungspolicen. Zudem gibt es soziale Systeme zum Beispiel in Form von Familien, Ethnien, Unternehmen und unterschiedlichsten Arten von Organisationen. Als soziotechnische Systeme bezeichnet man beispielsweise Informationssysteme, das Eisenbahnnetz, die Strominfrastruktur. Gesundheits-, Renten- und Wirtschaftssysteme inklusive Steuerrecht und der internationalen Handelsabkommen sind sozioökonomische Systeme. Systemtransformation gestaltet NEULAND Systemtransformation ist kein neues Phänomen. Der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew veröffentlichte 1926 seine Beobachtungen der Langen Wellen der Konjunktur. Ein Kennzeichen der nach ihm benannten Kondratjew-Zyklen ist, dass bereits vorhandene, aber bislang wenig oder nicht genutzte Ressourcen und Fähigkeiten ins allgemeine Bewusstsein treten und plötzlich eine breite Bedeutung erlangen. Sie markieren von bestimmten Entdeckungen oder Erfindungen ausgelöste Innovationsschübe, welche die ganze Gesellschaft tiefgreifend verändern. Die Kondratjew-Zyklen sind also Transformationsprozesse von sowohl soziotechnischen als auch sozioökonomischen Systemen. Definition Change bzw. Veränderung repariert oder verbessert das Bestehende – Transformation gestaltet NEULAND. Ein bekanntes Beispiel aus der Biologie ist die Transformation der Raupe in den Schmetterling während der Verpuppung. Seit Beginn der Industrialisierung gab es fünf solcher Systemtransformationen. Sie wurden jeweils durch bahnbrechende Entdeckungen und Erfindungen wie die Dampfmaschine oder die Elektrizität bzw. die Ausbreitung von Basisinnovationen wie Computer oder Biotechnologie ausgelöst und waren in der Regel auch mit massiven Veränderungen des wirtschaftlichen Handelns verbunden. Eine sechste Systemtransformation entsteht gerade. Abbildung 2.1: Kondratjew-Wellen – angelehnt an The Natural Edge Project (2004)10, eigene Übersetzung Was passiert während eines Transformationsprozesses? Über eine für uns Menschen lange Zeit (mehrere Jahrzehnte) hat sich in einer Gesellschaft ein kulturelles Verhalten entwickelt, zum Beispiel die Nutzung von Segelschiffen zur Überquerung von Meeren und Ozeanen. Diese Lösung des Mobilitätsproblems ist jedem bekannt und wird durch gesellschaftliche Regeln untermauert. Alternative Lösungen werden als Spinnereien betrachtet. Wir erleben Zeiten unbewusst dominanter Kultur. Zunächst unbeachtet von der Öffentlichkeit entwickeln Pioniere neue Lösungen für bestehende Probleme, zum Beispiel die Erfindung der Dampfschifffahrt Ende des 18. Jahrhunderts. Diese sind lange Zeit wenig bekannt, finden kaum Akzeptanz und werden eher kritisch beäugt. Sie tragen aber schon wesentliche Merkmale einer neuen Kultur in sich. Die neue Lösung und damit das neue kulturelle Verhalten beginnt sich durchzusetzen, wenn die Vorteile der neuen Lösung die der bekannten Alternative massiv übersteigen oder neue Probleme entstehen, die ausschließlich durch neue Konzepte behoben werden können. Sobald sich die neue Lösung auszubreiten beginnt, beginnt die Disruptionsphase. Diese Zeit zeichnet sich durch einen Kulturkampf der alten gegen die neue Welt aus. Für einige Zeit koexistieren beide Systeme. Die Menschen erleben eine Zeit großer Dynamik und Verunsicherung. Aufbruchsstimmung liegt in der Luft. Sie fragen sich, ob und wann es sinnvoll ist, zum neuen System zu wechseln. Die Systemtransformation ist vollzogen, sobald sich eine neue dominante Kultur ausgebildet hat. Oft wird dasselbe an verschiedenen Stellen zur selben Zeit entdeckt, weil die Zeit reif dafür ist. Ein Beispiel für dieses Phänomen der Synchronizität (s. auch Kapitel 2.3) sind die beiden Patentanmeldungen für praktisch anwendbare Telefone der US-Amerikaner Alexander Graham Bell und Elisha Gray am 14. Februar 1876. Beide hatten unabhängig voneinander ähnliche Patentanträge gestellt. Heute: doppelte Systemtransformation Derzeit befinden wir uns in der sehr besonderen Situation, dass zwei Systemwandel fast parallel zueinander stattfinden. Seit etwas mehr als zehn Jahren befinden wir uns in der Disruptionsphase der fünften Kondratjew-Welle, der Transformation von der analogen Welt in die Digitalität. Das auslösende Moment für den Beginn der Disruption war vermutlich die Einführung des Smartphones im Jahr 2007. Durch das Smartphone hat sich die Art, wie wir im industriellen Umfeld mit Daten umgehen und die Menschen im Privatleben miteinander kommunizieren, radikal verändert. Neue kulturelle Fähigkeiten, zum Beispiel die Nutzung von Apps oder Bill Gates’ Vision „Informationen: immer und überall“, wurden zunächst von Digitalpionieren und der Jugend entwickelt. Derzeit lernt die gesamte Bevölkerung damit umzugehen. Neue gesellschaftliche Probleme, zum Beispiel das Leben in Echoräumen oder Social-Media-Sucht, entstehen. Ein Echoraum ist eine (zumeist virtuelle) Umgebung, in der eine Person ausschließlich auf Informationen und Meinungen trifft, die die eigenen bestätigen. Einen guten Einblick in neue Herausforderungen gibt der Netflix-Film „Social Dilemma“. Ende 2015 wurde mit dem Abkommen von Paris und der Veröffentlichung der UN-Nachhaltigkeitsziele der zweite aktuell stattfindende Systemwandel sichtbar. Diese sechste Kondratjew-Welle wird allerdings erstmalig nicht von technischen Innovationen getrieben, sondern ist von den sozialen Themen Gesundheit, Bildung und Nachhaltigkeit geprägt. Sie bezieht sich auf die Transformation unseres globalen Wirtschaftssystems von Profitorientierung hin zu nachhaltiger Wertschöpfung. Denn wollen wir das Ziel erreichen, dass im Jahr 2050 alle Menschen gut innerhalb der planetaren Grenzen leben, ist es notwendig, einer neuen Wirtschaftslogik zu folgen. Diese muss darauf ausgerichtet sein, dass Unternehmen sowohl Gewinne generieren als auch gleichzeitig ökologischen und sozialen Nutzen schaffen (s. Kapitel 8). Mitte 2019 hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) eine Studie mit dem Titel „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“11 veröffentlicht. Dort wird empfohlen, die beiden soeben benannten Transformationen aneinanderzukoppeln und die Digitalisierung zu nutzen, um die Transformation zu nachhaltigem Wirtschaften zu beschleunigen. Während der Corona-Pandemie haben wir in vielerlei Hinsicht gelernt, was damit gemeint sein könnte. Die Frage lautet nun: Welche Ziele werden für die Verwendung der Corona-Hilfen gesetzt? Manifestieren wir die Vor-Corona-Wirtschaftslogik oder wagen wir mutige Schritte in Richtung...