Fankhauser / Eigenmann | Cannabis in der Medizin | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Fankhauser / Eigenmann Cannabis in der Medizin

Geschichte - Praxis- Perspektiven
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-03788-604-5
Verlag: Nachtschatten Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Geschichte - Praxis- Perspektiven

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-03788-604-5
Verlag: Nachtschatten Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Cannabis als Medizin ist heute weltweit ein grosses Thema im Gesundheitswesen. Immer mehr Menschen profitieren von Arzneimitteln auf Hanfbasis oder von Cannabinoiden wie THC und CBD, die als pharmazeutische Präparate inzwischen bei zahlreichen chronischen Krankheiten mit Erfolg zum Einsatz kommen.

Die Schweizer Pharmazeuten Manfred Fankhauser und Daniela E. Eigenmann liefern in diesem praxisorientierten Buch Fakten zur Hanfmedizin - für Ärzte und Apotheker, für betroffene Patienten, Angehörige und alle, die sich für medizinisches Cannabis interessieren.

Nach einer Einführung zur Geschichte der Cannabismedizin und einem Überblick zum Einsatz von medizinischem Cannabis erklären die Autoren die Unterschiede zwischen den aktuell verfügbaren cannabinoidhaltigen Präparaten und legen dabei den Fokus auf deren praktische Anwendung. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Cannabismedikamente
in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden erläutert. Ein Kapitel widmet sich speziell der Verschreibungspraxis in der Schweiz.
Fallberichte von Patienten geben Einblick in die konkreten Einsatzgebiete und Expertengespräche erhellen den aktuellen Stand der Forschung.

Mit einem Vorwort von Dr. med. Franjo Grotenhermen

Fankhauser / Eigenmann Cannabis in der Medizin jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


2. BOTANIK
Einführung in die Botanik von Hanf
Die botanisch korrekte Einordnung von Cannabis sativa verursachte nicht nur in der Vergangenheit Schwierigkeiten. Bis in die heutige Zeit bleibt die botanische Klassifizierung umstritten. Erschwert wurde und wird die Systematisierung vor allem dadurch, dass die Hanfpflanze ausgesprochen variabel ist. Nebst der phänotypischen Variabilität ist es verblüffend, dass die einzige Art Cannabis sativa L. (nach botanischen Kriterien) sowohl Faserlieferant als auch Ausgangsprodukt für hochwirksames Haschisch sein soll. Lange Zeit bestand die Pflanzenfamilie der Hanfgewächse (Cannabaceae) nur aus den beiden Gattungen Cannabis (Hanf) und Humulus (Hopfen). Die Gewächse wurden dabei zunächst der Ordnung der Urticales (Brennnesselartige) zugeordnet. Heutzutage gilt diese Taxonomie als teilweise überholt in dem Sinne, dass die Hanf-Familie um einige Gattungen reicher und damit deutlich angewachsen ist. Dabei haben die neu hinzugekommenen Pflanzen nicht zwingend etwas mit dem Hanf oder dem Hopfen gemein. Mit Hilfe genetischer Untersuchungen lassen sich immer wieder neue, teilweise erstaunliche botanisch nahe Verwandte des Hanfs aufspüren. Dennoch haben sich die beiden nachfolgend beschriebenen Systeme (botanische/taxonomische Klassifizierung und chemische Klassifizierung) bewährt, um den Hanf systematisch einzuteilen. Nebst diesen gibt es «veraltete» taxonomische Einteilungsmöglichkeiten (vgl. unten). Botanische/taxonomische Klassifizierung
Nach wie vor halten die meisten Autoren diese Einteilung für die geeignetste. Allerdings ist auch dieses System im Fluss, das heißt, was heute als richtig angesehen wird, kann morgen bereits wieder überholt sein. Immer wieder zu diskutieren gibt, worum es sich beim sogenannten Indischen Hanf (vgl. Kap.1) handelt. Fakt ist, dass bis heute von Indischem Hanf beziehungsweise vom Indica-Typ (auch Drogentyp genannt) vor allem im Bereich des Freizeitkonsums die Rede ist. Auch geht man davon aus, dass dieser einen hohen Anteil an THC (vgl. Kapitel 3) aufweist. Dagegen gilt der Sativa-Typ (auch Fasertyp genannt) als THC-arm, dafür reicher an nicht berauschendem CBD (vgl. Kapitel 3). Allerdings, so schreiben auch Berger und Clarke: «Trotz aller Uneinigkeit, was die taxonomische Klassifizierung von Cannabis angeht, handelt es sich bei der alten Annahme, dass Cannabis sativa ausschließlich Faserhanfpflanzen hervorbringe und Cannabis indica den psychoaktiven Hanf, um einen Irrtum» (BERGER & CLARKE 2020, 56). Einige Autoren neigen dazu, die alte Systematik zu bevorzugen, in der nur der Hanf und der Hopfen als Hanfgewächse akzeptiert werden. Diverse Schriften geben mal dieses, mal jenes System an, je nach dem Zweck des entsprechenden Texts. Im Allgemeinen bevorzugen viele Forscher die alte taxonomische Aufstellung als sinnvolle Systematik (z.B. BERGER 2019). Trotz der Vielfalt an Möglichkeiten halten auch aktuell anerkannte taxonomische Datenbanken wie «The Plant List» oder ITIS (Integrated Taxonomic Information System) untenstehende Einteilung von Small und Cronquist aus dem Jahr 1976 noch für zeitgemäß (NOVAK 2017). In zahlreichen aktuellen Abhandlungen wird jedoch der neuen vorgeschlagenen taxonomischen Einordnung der Vorzug gegeben (BERGER & CLARKE 2020). Taxonomische Klassifizierung der Gattung Cannabis
nach SMALL & CRONQUIST 1976 Cannabis sativa LINNAE subspec. sativa var. sativa SMALL & CRONQUIST Cannabis sativa LINNAE subspec. sativa var. spontanea VAVILOV Cannabis sativa LINNAE subspec. indica var. indica (LAMARCK) WEHMER Cannabis sativa LINNAE subspec. indica var. kafirstanica VAVILOV (SMALL/CRONQUIST) Chemische Klassifizierung Mit der Verbesserung der chemischen Analytik und der Möglichkeiten der Genanalyse lässt sich Hanf auch nach Genpools einteilen. Bereits Mitte der 1970er Jahre wurden dadurch drei unterschiedliche Chemotypen unterschieden (FETTERMANN et al. 1971; Small & BECKSTEAD 1973). Andere Autoren postulieren vier unterschiedliche Chemotypen (BRENNEISEN 1986). Bei dieser Einteilungsmethode geht man, im Gegensatz zur oben erwähnten botanischen Einteilung, nach wie vor davon aus, dass Cannabis sativa bzw. indica eigene Arten sind; die davon abgeleiteten Unterarten werden als Biotypen bezeichnet. Chemische Klassifizierung der Gattung Cannabis nach Genpools
HILLIG 2005 / WOHLFAHRT 2012 Biotyp Verbreitung Feral (Wild)a: überwiegend Chemotyp III Europa, Klein- und Zentralasien Hemp (1): überwiegend Chemotyp II Wildpopulationen, v.a. Osteuropa Hemp (2): überwiegend Chemotyp I Süd- und Ostasien NLD: überwiegend Chemotyp I Südasien, Afrika, Lateinamerika WLD: überwiegend Chemotyp I Afghanistan, Pakistan Feral (Wild)b: fast nur Chemotyp I Wildpopulationen, Indien, Nepal Chemotyp I: THC > 0,3 % / CBD < 0,5 % Verhältnis THC : CBD >> 1 Chemotyp II: THC > 0,3 % / CBD > 0,5 % Verhältnis THC : CBD = 1 Chemotyp III: THC < 0,3 % / CBD > 0,5 % Verhältnis THC : CBD << 1 «Veraltete» taxonomische Klassifizierung Wie eingangs erwähnt, ist die Geschichte der taxonomischen Gliederung von Hanf noch nicht abgeschlossen. Nachdem der schwedische Botaniker Carl von Linné im Jahr 1753 in seinen Werk Species plantarum die Pflanzensystematik revolutionierte, bekam die Gattung Cannabis endgültig die Artbezeichnung Sativa. Der französische Arzt und Botaniker Jean Baptiste Lamarck wiederum prägte im Jahr 1783 den neuen Artbegriff Indica, also Indischen Hanf (vgl. oben). Im Jahr 1924 postulierte zudem der russische Botaniker Dmitri E. Janischevsky eine weitere neue Art; er bezeichnete diese als Ruderalis (Ruderalhanf). Diese wurde alsbald von seinem russischen Kollegen Nikolai Vavilov nicht als eigene Art, sondern lediglich als eine Varietät angesehen; er bezeichnete diese als spontanea (Wildhanf). Im Jahr 1964 war es wiederum ein russischer Botaniker, Petr Mikhailovich Zhukovskii, der Vavilov widersprach und den Wildhanf wieder auf die Stufe des Ruderalhanfs stellte, ihn also als eigene Art ansah (BERGER & CLARKE 2020, NOVAK 2017). «Veraltete» taxonomische Klassifizierung der Gattung Cannabis
nach SCHULTES & HOFMANN 1987* Cannabis sativa LINNAE spec. sativa LINNAE Cannabis sativa LINNAE spec. indica LAMARCK Cannabis sativa LINNAE spec. ruderalis JANISCHEVSKY Nicht unerwähnt bleiben sollen andere durchaus gebräuchliche Bezeichnungen wie Cannabis sativa var. vulgaris (Gewöhnlicher Hanf) oder Cannabis sativa var. gigantea (Riesenhanf). Die Liste ist keineswegs vollständig. Wie es die beiden Schweizer Botaniker Lauber und Wagner treffend formulieren: «Dem innigen Wunsch der Systematiker nach peinlicher Ordnung bei der Benennung der Pflanzen macht die Natur selbst in vielen Fällen einen Strich durch die Rechnung. Der uns so liebe Artbegriff und die genial einfache, von Linné eingeführte doppelte Namengebung mit Gattungs- und...


Manfred Fankhauser

Dr.pharm. Manfred Fankhauser aus dem Schweizer Emmental ist Apotheker und einer der wenigen in der Schweiz, die Cannabis anbauen, verarbeiten und verkaufen dürfen. Manfred Fankhauser war der erste Apotheker der Schweiz, der mit Cannabispräparaten handeln durfte, seit 2007 versorgt er Patienten mit der eigens hergestellten Medizin.


Daniela Eigenmann

Dr.sc.nat. Daniela Eigenmann ist Apothekerin, langjährige Mitarbeiterin und Stellvertreterin von Manfred Fankhauser. Sie befasst sich unter anderem mit der Gesetzgebung in verschiedenen Ländern im Zusammenhang mit Cannabispräparaten.



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