Fischer-Klepsch | Soziale Phobie - die heimliche Angst | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Fischer-Klepsch Soziale Phobie - die heimliche Angst

Selbsthilfeprogramm mit Übungen aus der Praxis
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7495-0205-9
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Selbsthilfeprogramm mit Übungen aus der Praxis

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-7495-0205-9
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Holen Sie sich Ihr Leben (zurück)! Glückliche Beziehungen lassen uns aufblühen und stärken uns. Was aber, wenn diese Ressource zu einer potenziellen Gefahrenquelle wird? Menschen mit Sozialer Phobie fürchten sich davor, von anderen negativ bewertet, ja, sogar verurteilt zu werden. Soziale Interaktionen werden für sie zu einem Spießrutenlauf. Je stärker die Angst vor anderen Menschen und ihren Bewertungen, desto mehr leidet die Lebensqualität der Betroffenen. Sozialer Rückzug und Depressionen können die Folge sein. Damit es gar nicht erst so weit kommt, bietet dieses Buch Hilfe zur Selbsthilfe: - Auf Basis des im Buch vermittelten Hintergrundwissens kann die individuelle Ursache der Angststörung aufgespürt werden. - Expositionsübungen helfen dabei, sich Schritt für Schritt der Angst zu stellen und wieder mehr am Leben teilzunehmen. - Achtsamkeit und Meditation unterstützen auf dem Weg ebenso wie die Stärkung des Selbstwerts und der souveräne Umgang mit Gefühlen. - Durch das Soziale Kompetenztraining erhalten Leser*innen weitere Tools, um auch neue Situationen entspannt zu meistern.

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1. Habe ich ein Problem?
1.1 Schüchternheit und Soziale Phobie
Es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht einmal Angst davor hat, sich zu blamieren, peinlich zu verhalten oder von anderen abgelehnt zu werden. Schüchternheit und leichte Formen von sozialer Unsicherheit sind sehr weit verbreitet. Es wird Sie vermutlich entlasten zu hören, wie viele Menschen sich in bestimmten Situationen oder auch generell als schüchtern oder gehemmt erleben. Die Angst, vor einer Gruppe zu reden, geben 50 Prozent aller Befragten als Problem an (Hoyer & Härtling, 2019). Dabei kennen die meisten Menschen in so einer Situation Anspannung, Aufregung und eine gewisse Erwartungsangst. In einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe (Stein, Walker & Forde, 1994) wurde nach sozialen Ängsten gefragt. Dabei stellte man fest, dass sich mehr als die Hälfte der Teilnehmenden als schüchtern bezeichnete und 61 Prozent der Befragten unter sozialen Ängsten in mindestens einer Situation litt. „33 Prozent der Befragten schätzten ihre Angst als ‚viel größer‘ als die meisten anderen Menschen ein“. Bereits in der Schule oder im Studium wagt ein Schüler oder eine Studentin oft nicht, bestimmte Fragen zu stellen aus Sorge, von anderen als dumm empfunden zu werden und sich dann unterlegen zu fühlen. Sich selbst zeitweise als schüchtern, gehemmt, zurückhaltend, introvertiert und in bestimmten sozialen Situationen als unsicher oder ängstlich zu erleben ist normal. Typisch ist zum Beispiel die Befangenheit zu Beginn einer Feier, wenn man den Raum betritt. Da hilft das Glas Sekt zur Begrüßung, denn das löst die Zunge. Auch sonst eher unbefangene und kommunikative Menschen verkrampfen manchmal und fühlen sich etwa in Redepausen unwohl. Ebenfalls normal ist das Gefühl von Scham, beispielsweise bei einem Missgeschick, wenn man versehentlich im Restaurant etwas vom Tisch hat fallen lassen. Es gibt wohl kaum jemanden, dem es angenehm ist, bei einer neuen Arbeitsstelle am ersten Tag den Kollegen vorgestellt zu werden und ein paar Worte über sich selbst zu sagen; oder der in größerer Runde bei einem Meeting die Ergebnisse eines Projektes vorstellen soll und sonst wenig Erfahrung damit hat, etwas zu präsentieren. Man geht davon aus, dass mehr als 60 Prozent der Menschen aufgeregt sind oder zumindest leichte Ängste verspüren, wenn sie vor einer Gruppe reden sollen (Stein, Walker & Forde, 1994). All diese Beispiele von plötzlicher Befangenheit, Schüchternheit, Hemmung oder Peinlichkeit können vorkommen und sind weitestgehend normal. Diese Schüchternheit wird zudem meistens von den Betroffenen akzeptiert: Die Momente von Unbehagen sind dabei zwar nicht angenehm, werden aber bald darauf wieder vergessen. Eine gesunde Reaktion besteht darin, einzelne Situationen von Unsicherheit nicht so tragisch zu nehmen und sich davon nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Wann wird Schüchternheit zum Problem? Ein Hauptfaktor, der dazu beiträgt, dass jemand ein ernstes Problem mit Schüchternheit hat, ist der Leidensdruck: Wenn die sozialen Ängste häufiger werden und das Leben begleiten, wenn sie mit negativen Gedanken und Bewertungen der eigenen Person verbunden sind, dann fangen sie an, das Leben zu beeinträchtigen. Wenn die anfänglich „normale“ Schüchternheit dazu führt, dass soziale Situationen gemieden werden und beispielsweise Termine wegen einer vorgetäuschten Krankheit abgesagt werden, dann wird die Unsicherheit zu einer Sozialen Phobie. Dies ist auch dann der Fall, wenn die Angst vor Bewertung „grundsätzlicher“ Natur ist und mit dem Gefühl einhergeht, in vielen Situationen oder immer von anderen als unsicher, inkompetent, langweilig oder unattraktiv angesehen zu werden. Wenn Sie meistens Angst davor haben, im Mittelpunkt zu stehen oder in der Öffentlichkeit zu sprechen oder zu essen, dann ist aus der normalen Schüchternheit sicher ein Thema geworden. Ein Problem mit Sozialer Phobie haben Sie auch dann, wenn Sie häufig versuchen, angstbesetzte Situationen so gut es geht zu vermeiden oder sie nur unter starker Angst durchstehen. Kernangst bei der Sozialen Phobie ist die Angst vor Bewertung, Peinlichkeit, Blamage, Demütigung und Ablehnung und dies über einzelne, eher seltene Situationen hinaus. Ein Soziophobiker (oder auch Sozialphobiker, ich verwende beide Begriffe synonym) hat Angst, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen und sich zu blamieren. Dabei können die gefürchteten Inhalte unterschiedlich sein. Häufig besteht die Hauptsorge darin, dass die eigenen Angstsymptome (zittern, erröten, beim Reden den Faden verlieren oder einen Black-Out haben, auf einem Date kein Wort herauskriegen, verkrampft sein) von anderen wahrgenommen und negativ bewertet werden. Situationen, über die sich andere Menschen keine Gedanken machen, sondern in denen sie sich sogar wohlfühlen, sind für Betroffene angstbesetzt und eine Art Prüfung, in der sie gut „performen“ müssen. Während sich andere entspannen und amüsieren, fühlen sich sozial ängstliche Menschen angestrengt und wie in einer Leistungssituation gefordert. Anstatt nach Kontakten mit anderen Menschen erholt und angenehm angeregt zu sein, sind sie erschöpft und ausgelaugt und neigen dazu, sich selbst schlecht zu machen. Sie befürchten, kritisiert oder gekränkt zu werden und empfinden Kritik gleich als Abwertung ihrer Person. Mit all diesem Problemen geht häufig ein niedriges Selbstwertgefühl einher. Die Grübeleien und Gedanken über soziale Situationen führen zu permanenter Selbstbeobachtung und Prüfung, wie die eigene Person wohl in den Augen anderer Menschen gesehen wird. Das ist alles ungeheuer anstrengend und sorgt dafür, sich am liebsten ins Schneckenhaus zurückziehen zu wollen. Daher führt die Soziale Phobie zur Vermeidung entsprechender Situationen, zu Schutzstrategien und dem sogenannten Sicherheitsverhalten, mit dem soziale Anlässe unter Angst oder starker Anspannung durchgestanden werden (vgl. hierzu Abschnitt 2.3). 1.2 Formen der Sozialen Phobie
Die Soziale Phobie hat viele Gesichter und ist häufig auch für Expertinnen nicht so leicht zu erkennen. Dabei kommen die komplexeren Formen, die mit anderen psychischen Problemen assoziiert sind, in der verhaltenstherapeutischen Praxis sogar häufiger vor als die weniger gravierenden Formen. Schauen wir uns doch die unterschiedlichen Ängste einmal genauer an: Die Redeangst Angst vor öffentlichem Reden oder vor „Auftritten“ ist sehr weit verbreitet und „Lampenfieber“ ist auch Menschen, die sich beruflich „zeigen“ müssen wie Schauspielern, gut bekannt. Interessanterweise wird die Redeangst als Soziale Phobie erst dann diagnostiziert, wenn die Angst bereits in relativ kleinen Gruppen von drei bis vier Personen auftritt. Die Angst vor dem öffentlichen Sprechen in größeren Gruppen ist so weit verbreitet, dass diese schon fast als normal angesehen werden kann. Wie erwähnt, haben mehr als 60 Prozent der Bevölkerung dieses Problem. Das Reden vor größeren Gruppen ist, wenn man nicht studiert und Referate vortragen oder beruflich präsentieren muss, eher auf privaten Feiern wie auf Hochzeiten oder runden Geburtstagen ein Thema. Und solche Anlässe kommen nun mal nicht regelhaft vor, sodass es auch entsprechend weniger Übungsmöglichkeiten gibt. Menschen, die Angst vor dem Sprechen haben, reagieren bereits dann verunsichert, wenn sie mit wenigen Menschen verabredet sind und etwas Persönliches gefragt werden. Dann haben sie das Gefühl, dass alle Augen auf sie gerichtet sind und dass sie sich blamieren, wenn sie zum Beispiel nicht unterhaltsam und eloquent von ihrem letzten Urlaub erzählen können. Sie sind daher häufig sehr schweigsam, lassen andere reden oder antworten nur sehr knapp und kurz angebunden, was später zu erhöhter Selbstkritik und dem Gefühl, langweilig und uninteressant zu sein, führen kann. Das ist bei Jonas der Fall, der im Studium starke Ängste vor Referaten entwickelt hatte. Mittlerweile hat sich die Angst so weit ausgedehnt, dass er sogar bei Treffen mit Freunden, die er eigentlich genießt, weil er sehr kontaktfreudig ist, ein Problem damit hat, etwas Persönliches gefragt zu werden. Es geht ihm nicht gut damit, was er anderen nicht zeigen möchte. Er stellt den Anspruch an sich, immer locker sein zu müssen. Die Angst, vor anderen zu essen oder zu trinken Die Angst, vor anderen zu essen, ist u. a. mit der Sorge verbunden, mit der Hand zu zittern und dabei etwas zu verschütten. Für Soziophobikerinnen ist es eine schreckliche Vorstellung, dass das Zittern ihrer Hand von anderen wahrgenommen und sie deshalb für unsicher gehalten werden könnten. Beim Trinken aus besonders filigranen Gläsern ist das Trinken schwieriger, weil größere Gläser oder Tassen mit beiden Händen angefasst werden können. Beim Essen ist das Einnehmen einer Suppe mit dem Löffel stärker angstbesetzt als das Essen von festen Nahrungsmitteln mit Messer und Gabel, wobei in der Regel auch das schwieriger ist, als zum Beispiel ein Sandwich mit den Händen zu essen. Die Angst vor dem Essen oder Trinken führt meistens zu einer Verkrampfung der Hand oder des Armes, was wiederum das Risiko des Zitterns erhöhen kann. Leider breitet sich diese Angst, wie im übrigen auch die bei anderen spezifischen Sozialen Phobien, durch die Vermeidung immer mehr aus und kann dazu führen, dass nicht mehr im Restaurant, auf Feiern oder außerhalb des engsten Familienkreises gegessen werden kann. Caroline hatte besonders Probleme dabei, wenn sie mit Messer und Gabel essen musste. Sie hatte Angst, mit der Hand zu zittern, wenn sie das Essen mit dem Messer auf die Gabel schob. Deshalb bestellte sie eher ein Essen, für das...


Fischer-Klepsch, Martina
Dr. phil. Martina Fischer-Klepsch ist Psychologische Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie und Schematherapie in eigener Praxis in Hamburg. Zudem arbeitet sie in der Aus- und Weiterbildung als Supervisorin und Selbsterfahrungsleiterin.

Dr. phil. Martina Fischer-Klepsch ist Psychologische Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie und Schematherapie in eigener Praxis in Hamburg. Zudem arbeitet sie in der Aus- und Weiterbildung als Supervisorin und Selbsterfahrungsleiterin.



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