Friedl | Und wieder blüht der Wald | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Friedl Und wieder blüht der Wald


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-475-54686-0
Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-475-54686-0
Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
Format: EPUB
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Nachdem ein Orkan den Bayerischen Wald total verwüstet hat, kommen zahlreiche Holzarbeiter aus den benachbarten Ländern, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Das Holz muss rasch verkauft werden, und der Kampf gegen den Borkenkäfer garantiert vielen der Ärmsten Lohn und Brot. Dennoch bleiben Spannungen zwischen den Arbeitern und den Einheimischen nicht aus, und als die Tochter des Schmieds aus Eifersucht zur Brandstifterin wird, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu.

Paul Friedl wurde 1902 als Sohn eines Sägemeisters geboren und lebte im Bayerischen Wald, wo er lange Zeit Angestellter der Gemeinde Zwiesel war. Er stellte seine vielen Talente unter anderem als Holzschnitzer, Humorist, Theatergruppenleiter und Rundfunkredakteur unter Beweis und gründete neben dem Zwieseler Heimatmuseum eine Reihe von Heimatvereinen. Paul Friedl hat eine Fülle von Romanen und Kurzgeschichten verfasst und erhielt zahlreiche Ehrungen, u. a. den Preis der Schillerstiftung und das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse am Bande.

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Der Forstassessor Heidler machte sich keine Gedanken darüber, warum sein Vorgesetzter nicht selber zum Hüttenherrn von Spiegelau ging, um von ihm die Abfuhr des Brennholzes aus den Waldungen zu verlangen und ihm weiteres Holz anzubieten. Vielleicht erwartete ihn ein unangenehmer Handel. Er kannte ja den Ludwig Stangl noch nicht, wußte aber, daß Knott keine gute Meinung von dem Spiegelauer Guts- und Glashüttenbesitzer hatte, noch weniger von dessen Schwager, dem Forstassessor Horlacher, der, wie er sagte, ein nachlässiger und untauglicher Forstmann sei. Allerdings: was Heidler bisher gesehen hatte, machte ihn nachdenklich. Wenn der Horlacher zwei Jahre lang mit der Bewältigung der Sturmschäden allein war, dann mußte er ein gewaltiges Arbeitspensum an Organisation, an Lohnrechnungen, Holzabsatzverhandlungen, an Holzlistenschreiben und Überweisungen, an Regulierung der Holzgelder und an Forstaufsicht hinter sich haben. Den Forstamtmann Knott schien das nicht zu beeindrucken. Daß heute nur noch ein Viertel der fremden Holzhauer da war und man nur noch mit einem Rest der Folgen der Sturmkatastrophe zu tun hatte und in einem Jahr wohl auch das letzte Holz an den Mann gebracht haben würde, das bedachte der Forstamtmann ebenfalls kaum. Die aufsteigende Morgenluft war geschwängert vom Duft harzigen Holzes und staubendem Sägemehl, und der leichte Wind trug aus den Wäldern feinen Rauch und Modergeruch. Der Ort war wie ausgestorben. Was nicht im Wald, in der Glashütte und in den Sägewerken beschäftigt war, zog mit den Käfererpartien. Aus der Glashütte stieg eine graue Rauchsäule auf und klang das Klirren der Glasmacherpfeifen und das Rufen der Arbeiter. Am Bach pumperte der Kiespocher mit dem schroppenden Gatter in der neuen Säge an der Brücke um die Wette, und sie übertönten das Klappern und Nakeln des Mühlganges in der Spiegelaumühle. Darüber stand auf der Höhe das Herrenhaus, die Wohlhabenheit des Hüttenherrn eindrucksvoll darstellend. Wenn der Mann so gediegen ist wie sein Haus, dann muß man mit ihm reden können, dachte Heidler, betrachtete den steinernen Türstock der Haustür, in den ein Kelchglas und eine Jahreszahl eingemeißelt waren, und riß die Hausglocke, die innen hallend anschlug und die alte Haushälterin herbeirief. Kritisch und abschätzend sah sie den Besucher an, und ehe dieser noch sagen konnte, was er wünsche, meinte sie resolut: „Kommens nur herein! Sie sind der neue Forstgehilfe und wollen zum gnädigen Herrn. Halten Sie ihn net lange auf, denn heut kommt der junge Herr nach Haus, der Ludwigerl, und da wird er net viel Zeit für Sie haben.“ Sie schlurfte ihm voran durch den ziegelbelegten Hausgang und riß eine Tür auf: „Da kommt der neue Forstgehilfe, gnädiger Herr!“ Energisch schob sie Heidler in die Stube und schloß die Tür. Heidler grüßte und betrachtete den dicken Mann mit dem roten Gesicht, der hinter einem mit Papieren belegten Schreibtisch saß und ihn neugierig anblinzelte: „So, sie sind der Neue. Setzen Sie sich. Sie gefallen mir besser als Ihr hochnäsiger Amtmann. Und was wollen Sie von mir?“ „Der Herr Forstamtmann wünscht, daß Sie Ihr Brennholz recht bald aus dem Wald bringen sollten.“ Der Stangl schmunzelte: „Er wünscht? Sagen wir, er befiehlt, und da kommt er bei mir an den Unrechten. Solange die Holzhändler das Holz, das sie schon vor zwei Jahren gekauft haben, nicht gänzlich abgetriftet und abgefahren haben, bleibt auch mein Holz im Wald! Ich hab zur Zeit keinen Platz mehr. Sie werden ja gesehen haben, daß um die Glashütte alles voller Holz ist.“ „Ich werde es ihm sagen“, versicherte Heidler ruhig. Dieser dicke, selbstbewußte und anscheinend doch recht zugängliche und gemütliche Mann beeindruckte ihn . . . „Wissen Sie, Ihr Forstamtmann mag mich net, aber das läßt mich kalt. Sie sind ein anderer. Sie erinnern mich an meinen Schwager, den Horlacher. Ein feiner Kerl und ein ehrlicher Mann, der Tag und Nacht für den Staat gearbeitet hat und das gar net schaffen hätte können, wenn meine Schwester, die Lisl, ihm nicht als unbezahlte Schreiberin geholfen hätte. Und auf diese Weise haben sie sich dann zusammengefunden.“ Und im Verlauf des Gespräches erfuhr Heidler noch mehr von den Verhältnissen um die Spiegelau und über den großen Windwurf und seine Folgen, vom Streit mit dem Müllner Wolf wegen des Baus der Hüttensäge, und der Stangl wies darauf hin: „Wenn der Müllner seinen Wald net aufarbeitet, dann werdet ihr mit dem Käfer nie fertig, weil er dort noch lange seine Brutstatt hat. Und wenn das Käfern noch lange dauert und die Leut dabei so viel Geld machen, dann kann ich den Ofen löschen, weil meine Hüttenleute auch alle zum Käfern gehen.“ Dann griff er zu seinem gläsernen Maßkrug und nahm einen kräftigen Schluck. „Wo wohnen Sie denn? Wenn Sie wollen, können Sie bei mir Ihr Quartier aufschlagen, das ganze Haus ist leer.“ Heidler erhob sich. „Das dürfte meinem Vorgesetzten nicht recht sein, Herr Stangl, und wegen dem Müllnerwald werde ich mich gleich einmal umsehen.“ „Tun Sie das“, verabschiedete ihn der Hüttenherr: „Ich mag mich net wieder mit dem Müllner streiten. Heut kommt ja mein Bub, der hat in München studiert und ist alt genug, sich um die Spiegelau zu kümmern. Mich zwickt das Zipperl in den Haxen, und alt genug bin auch ich, um an eine Übergab zu denken.“ Und als Heidler schon an der Tür war, rief er ihm noch nach: „Und wenn Sie einmal am Abend net wissen wohin, dann kommens auf einen Plausch und ein Krügl Bier.“ — Vor der niederen, an den Bach geduckten Mühle stand ein gedrungener grauhaariger Mann mit mehlbestaubter Joppe, und der Heidler zog den Hut: „Sie sind wohl der Müller? Heidler heiße ich und bin der neue Forstgehilfe. Werden sich ja denken können, warum ich zu Ihnen komme.“ „Kann ich mir denken“, antwortete der Müller ruhig. „Aber ich kann mir net helfen, und Sie werden es auch net können. Was soll ich tun? Leute einstellen und aufräumen lassen? Woher soll ich das Geld nehmen? Was die Mühl heut noch einbringt, langt grad noch zum Leben. Eine Trift nach der andern geht nun schon zwei Jahre lang durch die Spiegelau, und in der kurzen Zeit, in der ich dazwischen mahlen kann, ist nix verdient.“ „Ich glaube Ihnen ja. Aber es muß doch aufgeräumt werden, Herr Wolf. Haben Sie denn keine Freunde oder Verwandte, die Ihnen helfen können? Der Arbeitslohn kann doch herausgewirtschaftet werden.“ Der Müller schüttelte den Kopf. „Schauen Sie sich meinen Wald einmal an. Meine Kinder arbeiten von der Früh bis in die Nacht und bringen kaum ein gutes Bloch heraus. Die Stämme sind fast alle bis zum Boden aufgerissen. Lauter Scheiter und Bruch. Wer soll mir das abnehmen? Der Stangl net, mit dem bin ich zerstritten.“ Im hageren bleichen Gesicht standen dunkle Augen unter buschigen eisgrauen Brauen und starrten den Forstgehilfen ratlos an. Der Mann tat ihm leid. Er verstand seinen Kummer. Während der große Sturm und der Käfer hier die armen Leute vermögend machten, verarmte dieser sichtlich einmal wohlhabende Müller. „Ich werde sehen, ob ich Ihnen helfen kann, aber ich kann mir noch nicht vorstellen wie. Mit dem Herrn Stangl werde ich auch reden.“ „Der Pächter von der neuen Säge, Rümmelein heißt er, nimmt mir wenigstens das Stammholz ab und zahlt auch sofort.“ „Vielleicht finde ich jemanden, der Ihnen das gute Scheitholz abnimmt. Stellen Sie wenigstens vorerst zwei Leute ein, damit etwas vorwärts geht. Ich schau mir den Wald jetzt einmal an.“ „Sie sind net so grob wie die Gendarmen, vergelt’s Gott“, sagte der Müller und sah dem Davongehenden nach. — Gleich über der Holzbrücke, auf der anderen Bachseite, begann der große Müllnerwald, der einmal den Besitzer vermögend gemacht hatte und der nun, da er zerschlagen und zertrümmert lag, ihn ruinieren konnte. Wo einst die stolzen Tannen und Fichten standen, reckten sich jetzt abgesprengte Stumpen aus einem Gewirr erdbrauner und rostroter Äste, die sich zu Riesenhaufen türmten. Eine erschütternde trostlose Wildnis, tot und undurchdringlich, vom Bach bis hinauf zum Weiler Pronfelden und den ganzen Berg deckend. Damit hatte wohl auch der Forstassessor Horlacher schon seinen Kummer. Und das Bezirksamt würde nicht mehr lange zusehen können und auf Kosten des Müllers diesen schrecklichen Windwurf aufarbeiten lassen. Das brachte den Müller um seine Mühle. Am Waldrand brannte ein Feuer und lagen einige frischgeschälte Blöcher. Einige Ster Scheiter und Bruchholz waren aufgeschlichtet, und aus dem Dickicht und der Wirrnis des niedergewalzten Waldes...



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