E-Book, Deutsch, 427 Seiten
Fuchs Tag des Zorns
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95530-333-4
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Vatikan-Thriller
E-Book, Deutsch, 427 Seiten
ISBN: 978-3-95530-333-4
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
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Der Frieden des Schweizer Benediktinerklosters Mattenthal wird brutal zerstört: Pater Basil, der Chronist des Klosters, verschwindet spurlos. Abt Othmar will um jeden Preis Aufsehen vermeiden. Nach dem Tod des charismatischen und schon als Heiliger verehrten Papstes Formosus II. sind die Augen der Welt auf die Kirche gerichtet, und ein Skandal könnte dem Kloster schaden. Der Abt beauftragt den Novizen Anselm mit diskreten Ermittlungen. Der junge Mann stößt auf geheime Briefe aus dem Vatikan, auf eine verborgene Datei im PC Basils und auf eine Spur, die nicht nur zurück ins Mittelalter, sondern mitten hinein ins Machtzentrum des Katholizismus führt: Offenbar waren sowohl Formosus II. als auch Pater Basilius in eine sensationelle Entdeckung verwickelt, die die Kirche in ihren Grundfesten zum Wanken bringen könnte. Hochaktuell, voller halsbrecherischer Wendungen, intelligent und mit Verve erzählt, führt Tag des Zorns seine Leser auf einen rasanten Trip quer durch Europa und ein gutes Jahrtausend Kirchengeschichte. Ein originelles Feuerwerk, dem es an Tiefgründigkeit so wenig fehlt wie an Spannung und Humor!
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„Ich wäre offener und würde mit einer Frage beginnen.“ „Also seien Sie ebenso offen und fangen Sie meinetwegen mit Ihrer Frage an.“ Ich konzentrierte mich. „Was ist ein guter Christ?“ Das Lächeln blieb. „Ihre Frage wundert mich ein wenig“, gab er gelassen zurück. „Jesus Christus ist die Kirche, der mystische Leib unseres Herrn. Wer nicht an die römisch-katholische Kirche glaubt, der hat nicht Teil an der Erlösung durch unseren Herrn. Die römisch-katholische Kirche ist die einzig wahre, lebendige Verkörperung Gottes.“ Hier gab es offenbar keine der Spielmöglichkeiten wie in PiBis Räucherkammer. Eine dumme Frage, die ich mir da ausgedacht hatte. Schnellstens kam ich daher auf das Ergebnis meiner kaiserlichen Studien und fing an zu dozieren: „Friedrich II. war einerseits ein Mensch seiner Zeit, des Mittelalters mit all seinen dunklen Seiten, der jedoch wohl durch seine ungewöhnliche Kindheit und durch eine erstaunliche Neugier eine spezielle Prägung erfuhr. Im 13. Jahrhundert war der Glaube an Christus und seine Kirche tief im Volksglauben verwurzelt, der Erlösungsgedanke war tragendes Fundament. Die Kathedralen wuchsen in den Himmel und ...“ „... und wuchsen und wuchsen, und wir sitzen heute Abend immer noch da und sehen sie wachsen. Wahrscheinlich wissen Sie nicht, dass ich vor der Theologie Jura studiert habe. In den Pressemitteilungen steht davon nichts. Ein Paragrafenfuchser auf dem Thron Petri macht sich nicht besonders. Aber man wird geprägt. Man lernt Ordnung, Gesetzmäßigkeit und Logik, doch vor allen Dingen eines: auf den Punkt kommen.“ Neben mir glaubte ich PiBi kichern zu hören, aber das war sicher Einbildung. Ich fing noch einmal von vorne an: „Friedrich war ein modern denkender Mensch. Er hätte in unsere Zeit gepasst. Er glaubte sicher an Jesus Christus und auch an dessen Erlösungswerk. Anders kann ich mir nicht erklären, dass er sich auf dem Sterbebett in eine Mönchskutte hat kleiden lassen. Was die Kirche angeht, so sah er sie als Instrument der Ordnung. Ohne Kirche keine Ordnung bei den Menschen und keine Lenkbarkeit. In dem Staat, der ihm vorschwebte, war die Kirche zuständig für die Seelen, die Ängste, für das Ertragen der Armut, der Knechtung und der Unterdrückung. Und für das Himmelreich. Gebt dem Staat, was des Staates, und Gott, was Gottes ist. Aber gebt zuerst und vor allem dem Staat. Er glaubte nicht an, wenn ich Sie zitieren darf, an den mystischen Leib Christi. Also war er kein guter Christ.“ „Hat er an die Offenbarung Christi, das Evangelium, geglaubt?“ „An das eine oder andere, nicht an das Gesamte. Er hat sicher darüber nachgedacht, wer denn nun die Worte Christi auf dem Ölberg und die Erscheinung des Engels gesehen und überliefert hat, wo doch alle Jünger, die dabei waren, schliefen.“ „Was hätte er gemacht, wäre ihm Christus am Himmel erschienen und hätte ihn zur Demut aufgefordert?“ Das war eine interessante Frage. Ich sah meinen Kaiser von seinen Konkubinen, Kamelen, Tigern und Geparden auf zum Himmel blicken. „Wahrscheinlich hätte er seine Gelehrten und Astrologen nach besonderen, natürlich zu erklärenden Himmelserscheinungen befragt.“ „Und wie hätte er reagiert, hätte ihm einer eine Schrift gegeben und gesagt, dies sei geschrieben von Christus?“ Es klickte in meinem angestrengten Hirn. Aber das Klicken blieb leise. „Er hätte es anfangs nicht geglaubt. Man muss bedenken, dass damals schwunghaft mit jeder Sorte von Reliquien gehandelt wurde. Da wurde gefälscht wie im heutigen Antiquitätengeschäft. Von einer besonderen Reliquiengläubigkeit des Kaisers ist nichts überliefert.“ „Auf den Punkt bitte. Was heißt ‚anfangs‘?“ „Er hätte das fragliche Schriftstück prüfen lassen. Ja ... und dann ...“ „Und dann?“ „Heiliger Vater, ich bin auf diese Frage nicht vorbereitet.“ „Das weiß ich. Antworten Sie trotzdem, so wie Sie es sich, vielleicht unter dem Beistand des Heiligen Geistes, denken.“ Vielleicht dachte ich damals wirklich eine Sekunde lang an besondere Erleuchtung. „Natürlich kannte er die Heilige Schrift genau. Wenn in diesem eigenhändigen Schriftstück etwas Belangloses gestanden hätte, hätte er es an ein Kloster weitergegeben mit der Auflage, ihn an den Einnahmen der Wallfahrten zu beteiligen. Wenn aber ...“ Ich schwieg und dachte nach. Diesmal wurde ich nicht unterbrochen. Es war völlig still im Raum. „... wenn aber etwas völlig Neues, etwas von den überlieferten Texten ernsthaft Abweichendes in diesem fiktiven Pergament oder Papyrus gestanden hätte, dann hätte er es wahrscheinlich geglaubt. 1200 Jahre falsche Überlieferung. Das hätte seine Neugierde geweckt. Das hätte ihm gefallen. Was einem gefällt, das glaubt man gern.“ „Hätte er sein Wissen hinausposaunt?“ „Nein. Es hätte die Fundamente des Glaubens und der Kirche erschüttert. Und er brauchte die Kirche.“ „Also in die geheime Schatztruhe?“ „Vielleicht nicht. Wenn dieses Ding, dieses Schriftstück etwas enthalten hätte, das ihm in seinen Streitigkeiten mit den Päpsten genützt hätte, dann hätte er es eingesetzt.“ „An alle Fürsten des Erdkreises versandt in einem seiner berühmten Rundschreiben?“ „Niemals. Keiner hätte ihm geglaubt. Dunkles Mittelalter hin oder her, aber dümmer als wir waren die Menschen damals auch nicht. Da kommt plötzlich das Untier, der gebannte Kaiser daher und präsentiert eine Urschrift Jesu Christi. Wo doch jeder Fürst wusste, wie schnell eine Urkunde gefälscht war, und jeder seine eigene Kanzlei für diese delikaten Dinge unterhielt. Auch die Kirche. Der Kaiser war ein politisch denkender Mensch. Niemals hätte er einen solchen Fehler begangen.“ „Also doch die Geheimtruhe?“ „Eher eine geheime Botschaft an Papst Gregor IX. oder Innozenz IV.“ Die rechte Hand von Formosus erhob sich abwehrend. Ich sah den Ring schimmern. Es war kein einfacher goldener Reif. Er funkelte richtig. Rot und diamanten. Der Ring des Nachfolgers eines Fischers. Dann senkte sich die Hand und wurde schlaff. „Padre Bertonazzi hat mir schon berichtet, dass Sie eine Vorliebe für Geheimnisse und dunkle Gewölbe haben. Aber vielleicht brauchen wir gerade das. Verzeihen Sie die Unterbrechung.“ Ich blickte verblüfft auf. Was wollte der Heilige Vater von mir, dass er in Cordhosen vor mir Chopin spielte und mich um Verzeihung bat? Ich fühlte mich plötzlich sicherer. „Auf jeden Fall hätte er keinen normalen Kurier geschickt“, mutmaßte ich. „Petrus de Vinea, seinen Kanzler, oder einen hochrangigen Bischof, natürlich unerkannt und ohne Gepränge.“ Auf einmal sah ich die Szene in Einzelheiten vor mir: „Eine Audienz alleine beim Papst im Lateranpalast. Noch einmal wird der Bote auf Dolche, Würgestricke und Giftampullen untersucht, dann wird das Gefolge hinausgeschickt. Der Kaiser Fridericus schickt Euch dies, Eure Heiligkeit. Er erwartet keine schriftliche, wohl aber eine mündliche Antwort. Es knistert, als das Siegel gebrochen wird, es raschelt beim Entrollen des Pergaments. Welke Lippen formulieren das Gelesene mit. Das alte Gesicht unter der purpurnen, hermelinbesetzten Kappe wird fahl ...“ „Oder rot vor Zorn“, bemerkte der Heilige Vater. „Könnten Sie sich aus dem Mittelalter ein wenig mehr in die sachliche Neuzeit bewegen?“ „Ich werde es versuchen“, antwortete ich, hatte dies aber keineswegs vor. Meine neu gewonnene Sicherheit machte mich frech und versetzte mich in eine mir bislang unbekannte Euphorie. Gleich steckte ich wieder in meiner Rolle als Gesandter des Staufers: „Ich, der Bote des Kaisers Friedrich, sage Euch dies, wie wenn der Mund meines Herrn zu Euch spräche: Eure Heiligkeit und Herrscher über den ganzen Erdkreis, gestellt über Könige und den Kaiser, ich habe etwas, was Euch interessieren dürfte. Etwas Geschriebenes. Leben wir nicht alle vom Geschriebenen und Ihr, Heiliger Vater, ganz besonders? Ist nicht das Evangelium geschrieben von Menschen, aber unter dem Diktat Gottes? Seit ein paar Jahrhunderten hält sich die Kirche daran und verkündet die Frohe Botschaft. Und die Menschen blicken in Demut nach Rom und zu Euch. Nun habe ich durch einen Zufall einen zerschlissenen, aber lesbaren Papyrus in die Hand bekommen. Er ist beschrieben von der eigenen Hand unseres Herrn Jesus Christus. Ihr haltet eine Abschrift in Händen, die mein Geheimschreiber angefertigt hat. Ich kann nichts dafür, dass der junge Schreiber kurz nach Beendigung seiner Arbeit in den Burggraben fiel und ertrank. Das heilige, das wunderbare, das unersetzbare Schriftstück, dessen Abschrift Ihr in Euren päpstlichen Händen habt, bleibt in meinen kaiserlichen Händen. Ich werde...