Glasenapp | Bhagavadgita. Das Lied der Gottheit | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 188 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

Glasenapp Bhagavadgita. Das Lied der Gottheit

Reclams Universal-Bibliothek
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-15-962075-6
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Reclams Universal-Bibliothek

E-Book, Deutsch, 188 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

ISBN: 978-3-15-962075-6
Verlag: Reclam Verlag
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Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Bhagavadg?t? ist die wohl einflussreichste religionsphilosophische Schrift des Hinduismus und Teil des großen Epos Mah?bh?rata. Der Krieger Arjuna steht vor einer entscheidenden Schlacht und zugleich in einem inneren Konflikt: Soll er kämpfen, obwohl auf der Gegenseite Verwandte antreten? Krishna als sein Wagenlenker hilft ihm zu erkennen, dass es auf ein Handeln in innerer Freiheit und Selbstlosigkeit ankommt. Mit einem ausführlichen Nachwort, das die außergewöhnliche Interpretations- und Wirkungsgeschichte der ?Gita? nachzeichnet. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Annette Wilke war bis zu ihrer Emeritierung Professorin für Allgemeine Religionswissenschaft an der Universität Münster. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist der Hinduismus.

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[7]Einleitung
Die Bhagavadgita ist eines der heiligsten Bücher der Hindus und wohl das in Indien am meisten gelesene. Sie verdankt diese ihre Beliebtheit dem echten religiösen Gefühl, das in ihr lebt, der edlen Begeisterung, mit der sie ihre untereinander oft recht verschiedenartigen und deshalb jeden Leser irgendwie ansprechenden Lehren vorträgt, und nicht zuletzt auch ihrem geringen Umfang von nur 700 Strophen. Der Name bedeutet »der Gesang (gita) des Erhabenen (bhagavad, bhagavan)«. Der Erhabene ist der Held Krishna, eine irdische Erscheinungsform des höchsten Gottes Vishnu. Der Titel des Werks lässt sich deshalb mit Boxberger auch als »Lied der Gottheit« wiedergeben. Die Gita (wie sie in ihrem Heimatlande meist abgekürzt genannt wird) bildet eine Episode in dem 100 000 Doppelverse umfassenden Sanskrit-Epos Mahabharata. In diesem schildert der mit übernatürlichem Auge ausgestattete Wagenlenker Sanjaya dem blinden König Dhritarashtra die große Schlacht, welche zwischen den beiden eng verwandten Fürstenfamilien der Pandus (Pandava) und Kurus (Kaurava) in der Gegend des heutigen Delhi stattfand. Die Gita ist im 6. Buche des Epos an der Stelle eingeschaltet, an der sich die beiden feindlichen Heere zum Angriff bereit gegenüberstehen. Als der Pandu-Prinz Arjuna auf der Gegenseite Verwandte und Freunde sieht, will er nicht in die Schlacht ziehen; der ihm als Lenker seines Streitwagens dienende Gott Krishna legt ihm aber dar, dass es seine Kriegerpflicht sei, zu kämpfen. Er begründet dies damit, dass nur die Leiber getötet werden könnten, das Geistige in ihnen aber unsterblich sei. Die Unterredung entwickelt sich dann zu einem philosophischen Dialog, in welchem [8]Krishna die höchsten Fragen über Gott, Welt, Seele beantwortet. Den Höhepunkt bildet der 11. Gesang; Krishna zeigt sich hier in seiner überirdischen Gestalt als der allwirkende und allvernichtende Gott. Nachdem Krishna noch eine Reihe von ergänzenden Belehrungen erteilt hat, erklärt Arjuna, dass er seine Kriegerpflicht tun werde. Es beginnt die große Schlacht, in welcher die meisten Helden umkommen. Der rechtgläubige Hindu hält die Gita für eine genaue Wiedergabe der Lehren Krishnas, der am 17. Februar des Jahres 3102 v. Chr. gestorben sein soll, d. h. an dem Tage, an welchem unser gegenwärtiges Weltalter, das böse Kaliyuga, begann. Aus geistesgeschichtlichen, sprachlichen und stilistischen Gründen nimmt demgegenüber die europäische Forschung an, dass das Werk seinem Grundbestandteil nach nicht lange vor 300 v. Chr. entstanden sein kann, später aber noch Zusätze und Erweiterungen, vielleicht auch Kürzungen erfahren hat. Zur Zeit des großen Philosophen Shankara (um 800 n. Chr.), dem ein Kommentar zur Gita zugeschrieben wird, hat sie jedenfalls schon in der heutigen Gestalt und im heutigen Umfang bestanden. Die Gita verkündet eine Fülle von Lehren, die nicht immer miteinander in Einklang zu bringen sind. Dies mag teilweise darin seinen Grund haben, dass einzelne Stücke später eingeschoben wurden; im Ganzen aber gilt wohl, was Wilhelm von Humboldt von dem Dichter gesagt hat: »Es ist ein Weiser, der aus der Fülle und Begeisterung seiner Erkenntnis und seines Gefühls spricht, nicht ein durch eine Schule geübter Philosoph, der seinen Stoff nach einer bestimmten Methode verteilt und an dem Faden einer kunstvollen Ideenverkettung zu den letzten Sätzen seiner Lehre gelangt.« Die indischen Kommentatoren wie die europäischen Erklärer haben in der verschiedensten Weise [9]versucht, aus den in der Gita vorgetragenen Lehren ein bestimmtes System herauszulesen, doch können diese Bemühungen zumeist nur einen subjektiven Wert beanspruchen. Ohne hier in eine Diskussion einzutreten, muss ich mich im Folgenden damit begnügen, in knappster Form zu skizzieren, was nach meinem Dafürhalten die wesentlichsten Grundgedanken des unsterblichen Gedichts sind.1 Gott, der Allgeist, ist die substantielle und bewirkende Ursache von allem, was ist. Er erschöpft sich aber nicht darin, dass er sich mit einem Teil seiner Wesenheit durch seine Wunderkraft (maya) zur materiellen Welt und zur Vielheit der Einzelseelen entfaltet hat, alles durchdringt und in sich birgt, sondern er ragt zugleich als persönlicher Weltenherr (ishvara) über alles Gewordene hinaus. Als solcher wird er als Vishnu gedacht, er erscheint auf Erden in irdischer Gestalt (avatara), vor allem als Krishna, und offenbart sich in den verschiedensten Machtentfaltungen (vibhuti). Der Standpunkt, den die Gita zur Gottesidee einnimmt, ist also eine Art »Panentheismus« (Alles-in-Gott-Lehre), eine Verbindung von Theismus und Pantheismus. In der Welt, die er periodisch aus sich hervorgehen lässt und wieder in sich zurücknimmt, manifestiert sich Gott 1. als der Geist (purusha), welcher die Seele, den Kern jedes Lebewesens ausmacht; und 2. als die eine Kraftsubstanz [10](prakriti, Natur bzw. Urnatur), aus welcher alle feinen und groben Elemente und Vermögen (Denkorgane usw.) entstehen. Die unpersönliche Form Gottes, aus der dies alles hervorgeht, wird als das »Unvergängliche« (akshara) oder das Brahma bezeichnet und als eine Gott umgebende Glanzsphäre vorgestellt. Die Entstehung der sichtbaren, materiellen Welt aus der »Natur« geht in der Weise vor sich, dass sich die sie bildenden Konstituenten (gunas, »Eigenschaften«), nämlich: das Lichte, Freudige, die sogenannte »Wesenheit« oder »Güte« (sattva), die aktive, erregende »Leidenschaft« (rajas) und die betäubende, hemmende »Dunkelheit« (tamas), die sich vor der Weltentstehung in einem Zustande des Gleichgewichts befanden, trennen und vermischen. Dadurch entstehen aus der feinen, nicht wahrnehmbaren »Natur« im Wege der zunehmenden Verdichtung die feinstofflichen Grundlagen des psychischen Apparats aller Wesen, nämlich die »Vernunft« (buddhi), das »Selbstgefühl« (ahankara), der »Verstand« (manas, ›Denksubstanz‹, in dichterischer Sprache auch als »Herz« wiedergegeben), die Sinnes- und Tatorgane, sowie die feinen und die groben Elemente von Äther, Luft, Feuer, Wasser, Erde. Jedes Einzelwesen besteht aus einer rein geistigen Seele und aus grobem und feinem Stoff gebildeten Leibern. Da der Geist in Wahrheit nur erkennt, aber nicht handelt (5,14), ist alle Aktivität nur dem in ständigem Wandel begriffenen Stofflichen eigen. Solange die Wesen sich fälschlich, mit ihren stofflichen Hüllen identifizieren, müssen sie entsprechend dem Gesetz der Vergeltungskausalität der Taten (karma) in immer sich erneuernden Existenzen als vergängliche überirdische Wesen: devas (Götter, Engel), Geister, Dämonen, als Menschen, Tiere und Höllenbewohner den Lohn [11]ihrer guten und bösen Taten ernten. Für die Erlösung aus dem Strudel der Seelenwanderung empfiehlt die Gita zwei Wege: Der eine besteht in der Loslösung von der Welt zwecks Erlangung der intuitiven Erkenntnis des letzten Seinsgrundes, der andere in einem pflichtgemäßen, wunschlosen Handeln, welches alles Gott anheimstellt. Gegenüber dem quietistischen Heilspfad, den schon die Upanishaden gelehrt hatten, kommt in der aktivistischen Ethik das eigentlich neue Sittlichkeitsideal der Gita zum Ausdruck, das im sogenannten Quintessenz-Vers 11,55 zusammengefasst wird. Die Erlösung der »Wissenden« besteht in dem Aufgehen in das unpersönliche Unvergängliche, in dem sogenannten Brahma-nirvana. Diejenigen hingegen, welche in glaubensvoller Ergebenheit und Gottesliebe (bhakti) sich der Gnade des persönlichen Weltenherrn anvertrauen, gelangen nach dem Tode zu ihm, doch ist nicht ersichtlich, ob sie als individuelle Wesen bei ihm weilen (die sonst so beliebten Schilderungen von Vishnus Paradies fehlen völlig) oder mit ihm verschmolzen werden. Der Grund dafür, dass der Dichter der Gita zwei so verschiedenartige Vorstellungen über den Zustand der Erlösten lehrt, ist wohl darin zu suchen, dass er als konservativer Hindu die Anschauungen der Upanishaden von dem Verlöschen im unpersönlichen Brahma nicht außer Kurs setzen wollte und deshalb seine eigene Lehre von der als Folge der Gottesliebe zu erwartenden Vereinigung mit dem persönlichen Gott über diese als krönenden Überbau setzte. Die Gita erkennt zwar den Veda als heilige Offenbarung und die auf das Kastenwesen gegründete brahmanische Lebensordnung an (1,40 f.; 4,13; 18,41 ff.), doch fehlt es nicht an Stellen, in welchen gegen jede veräußerlichte Religionsübung Einspruch erhoben wird (2,42 ff.). In der Lehre der [12]Upanishaden, im Vedanta (15,15), sieht sie die höchste Weisheit, weshalb auch ihre 18 Gesänge als »Upanishaden« bezeichnet werden. Bei der Auseinandersetzung ihrer ethischen und metaphysischen Lehren treten immer wieder die Ausdrücke sankhya und yoga auf, welche später zu Bezeichnungen von vom Vedanta unabhängigen philosophischen Systemen geworden sind. Die Gita sieht in diesen noch zwei gleichberechtigte (5,4) Methoden zur Erfassung der Vedanta-Wahrheit. Das Sankhya ist die vernünftige Überlegung, welche durch Unterscheidung des Geistes von den stofflichen Weltprinzipien zur Erkenntnis zu kommen sucht, der Yoga...



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