Kieboom / Venderickx | Mehr als intelligent | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Dutch, Flemish, Deutsch, 192 Seiten

Kieboom / Venderickx Mehr als intelligent

Hochbegabung als Chance
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95571-929-6
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Hochbegabung als Chance

E-Book, Dutch, Flemish, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-95571-929-6
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die vielen Gesichter der Hochbegabung Hochbegabung ist sowohl ein Geschenk als auch eine Aufgabe, denn ohne entsprechende Selbstreflexion und Eigeninitiative bleiben viele Talente ungenutzt. Ohne kontinuierliches Training fehlt es an Fähigkeiten und geistiger Belastbarkeit, um das eigene Potenzial zur Geltung zu bringen. - Was bedeutet es eigentlich, hochbegabt zu sein? - Wie gelingt es hochbegabten Menschen, ihre Talente voll zu entfalten? - Was braucht es, damit Hochbegabung für den Einzelnen zu einer Erfolgsgeschichte wird? - Was kann die unmittelbare Umwelt tun, um Talente zu fördern? Das Buch gibt nicht nur Antworten auf diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Hochbegabung. Ein auf die Leser abgestimmtes Training motiviert und gibt Impulse für eine nachhaltige Entfaltung der Persönlichkeit und eine Reduzierung von Konflikten.

Tessa Kieboom und Kathleen Venderickx leiten zusammen das Kompetenzzentrum für Begabte in Antwerpen und dozieren als Gastprofessorinnen am Lehrstuhl für Begabte an der Universität Hasselt.
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2. Hochbegabung und Spitzensport – ein lehrreicher Vergleich


Unabhängig davon, was wir bis heute über Hochbegabung wissen und was wir bisher in groben Zügen beschrieben haben, lehrt uns unsere Praxiserfahrung, dass wir in der Begleitung Hochbegabter noch einen Schritt weitergehen müssen, um ihr Potenzial zu voller Entfaltung zu bringen. Um diesen Schritt verständlich und Ihnen den Aufbau unserer Argumentation leicht nachvollziehbar zu machen, möchten wir einen Blick auf einen Bereich werfen, in dem man sich schon seit vielen Jahrzehnten intensiv bemüht, Talente zu entwickeln: auf den Spitzensport.

Es ist ausgesprochen lehrreich, sich genauer anzuschauen, wie man in der Welt des Sports mit Talenten umgeht. Denn viele Fragen, die dort tagtäglich zur Sprache kommen, lassen sich auch auf das Thema Hochbegabung beziehen. Wie kann ein Sportler Leistungen erbringen und mentale Stärke entwickeln? Gibt es Parallelen oder Unterschiede in der Art, wie man mit sportlichen und mit intellektuellen Talenten umgeht? Die zentrale Frage, der wir uns in diesem Kapitel zuwenden, lautet: Können wir vielleicht etwas von der Welt des (Spitzen-)Sports lernen, wenn wir intellektuell begabten Menschen helfen möchten, sich sowohl hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit als auch hinsichtlich ihres sozioemotionalen Wohlergehens weiterzuentwickeln?

Das Talent zu sportlichem Erfolg genießt hohe Anerkennung in der Gesellschaft. Viele Länder sind dazu bereit, eine Menge für den Aufbau der besten Fußballmannschaft zu investieren, und der Chauvinismus einer ganzen Nation erhält Auftrieb, wenn ein Land einen Top-Tennisspieler oder einen Fahrradchampion hervorbringt. Denken Sie nur daran, wie die Öffentlichkeit bei Weltmeisterschaften oder olympischen Finalen mitfiebert. Und sind wir nicht ziemlich sauer, wenn unsere Fußballnationalmannschaft, die vor Talenten nur so strotzt, kein gutes Ergebnis erzielt? In diesem Bereich werden weder Kosten noch Mühen gescheut, um die vorhandenen Talente zu fördern.

Die Talentförderung, wie wir sie heute im Sport kennen, wurde jedoch auch nicht an einem Tag entwickelt und durchlief im Laufe der Jahre beträchtliche Veränderungen. Während man früher außer Talent und einem hohen Trainingsvolumen vor allem Ausdauer und Charakter als wichtigste Ursachen für Erfolg gehandelt hat, wird heute ein breiterer Kontext in den Blick genommen. Um Talent zu entwickeln und den im Werden begriffenen Spitzensportler auch tatsächlich zu einer Spitzenleistung zu bringen, ist ein passendes Umfeld von Bedeutung, man muss seiner Persönlichkeit gerecht werden, das neueste Material zur Verfügung stellen und ihn in mehrerlei Hinsicht betreuen, damit auf Ernährung, Gesundheit, physische Einsatzbereitschaft, Verletzungsprävention und mentale Widerstandsfähigkeit perfekt eingegangen werden kann.

In der Sportwelt werden beständig umfängliche Optimierungsanalysen durchgeführt, sowohl im Jugendbereich als auch bei der Betreuung von Spitzensportlern und Profis. Wenn Topleistungen ausbleiben, macht man sich auf die Suche nach den Ursachen dafür. Werden Talente rechtzeitig aufgespürt? Ist eine bessere Betreuung möglich? Die Sportwelt ist ständig aktiv, um sich immer weiter zu verbessern und keine Chance zu verpassen. Alle möglichen Jugendprogramme werden aufgelegt, um die zweifellos vorhandenen Talente beizeiten zu entdecken, gut zu betreuen und ihre Leistung zu fördern. Ist es angesichts dessen nicht merkwürdig, dass intellektuelle Talente kaum Förderung finden? Und dass diese Frage innerhalb der gesellschaftlichen Debatte fast nie gestellt wird?

Das wird allein schon deutlich, wenn man analysiert, wie unsere Medien mit Hochbegabung umgehen. Entweder liest man von Wunderkindern, die sechs Schulklassen überspringen und schon als Siebenjährige in einem Krankenhaus arbeiten, oder man liest davon, welche Dramen eine solche Begabung mit sich bringen kann. Wenn wir uns den Umgang mit Hochbegabung an Schulen anschauen, stellen wir immer wieder fest, dass Schulen, wenn sie denn diesem Thema überhaupt einmal Aufmerksamkeit widmen, Hochbegabung immerzu als Grund zur Sorge betrachten. Hochbegabte Kinder werden in einem Atemzug mit Kindern mit Lernproblemen und / oder einer Entwicklungsstörung wie ADHS oder Autismus genannt. Hochbegabung muss offenbar ein Problem sein, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Als Hochbegabter muss man sich gewissermaßen erst schlecht fühlen, sich aggressiv verhalten und keine Leistung (mehr) bringen, bevor die Schule aktiv wird. Dann erst wird ein Betreuungsplan erstellt. Und das, obwohl Hochbegabung in erster Linie etwas Positives ist: Hochbegabung ist ein Talent, das entwickelt werden muss.

Man sieht auf einen Blick, wie sehr sich die Art und Weise, wie sportliche Talente gesehen und betreut werden, vom Umgang mit intellektuellen Talenten unterscheidet. Gerade die Unterschiede zwischen diesen beiden Welten haben uns dazu inspiriert, in der Begleitung intellektueller Talente einen beträchtlichen Schritt weiterzugehen. Im Folgenden möchten wir Ihnen eine Übersicht über einige bemerkenswerte Unterschiede zur Welt des Spitzensports geben, auf die wir uns bei der Ausweitung unserer Arbeit mit intellektuellen Begabungen stützen.

2.1 Der Blick auf das Talent: Worin liegen die Unterschiede?


2.1.1 Chance oder Problem?


Ein erster Unterschied, auf den wir Ihre Aufmerksamkeit lenken möchten, liegt darin, wie ein sportliches Talent im Unterschied zu einem intellektuellen Talent wahrgenommen wird. Ein sportliches Talent wird als Chance angesehen: als fantastische Entdeckung und schöne Herausforderung, um damit zu arbeiten. Spitzenclubs in verschiedenen Sportdisziplinen reisen ständig durchs Land, um möglichst viele junge Talente aufzuspüren, und sie zögern nicht, mit ihnen zu arbeiten. Was für ein Gegensatz zur Hochbegabung, die schnell als Problem oder Grund zur Sorge betrachtet wird! Zwei Beispiele machen diesen Unterschied schmerzlich deutlich.

Bei einem Basketballspiel von Zehn- und Elfjährigen sind zwei Scouts anwesend, um Basketballtalente aufzuspüren. Ihr Blick fällt auf einen Jungen, der offensichtlich viel Potenzial hat. Er hat ein sehr gutes Ballhandling und beeindruckt mit seinen schönen Würfen. Er zeigt ein überragendes Spielverständnis; außerdem spielt er beidhändig. Beide Scouts strahlen; sie sind hocherfreut, ein solches Talent gefunden zu haben.

Dennoch sehen sie auch, dass der Junge einiges noch nicht so gut beherrscht. Er spielt einen Fehlpass und beginnt zu schimpfen, als einer seiner Mitspieler eine Lücke in der Verteidigung übersieht. Die gegnerische Mannschaft verteidigt in manchen Spielphasen sehr stark, sodass er nicht durchkommt, und das passt ihm offenbar nicht. Außerdem lässt er einige Chancen, Punkte zu machen, verstreichen, woraufhin er aus purem Frust zu weinen beginnt. Später trifft der Schiedsrichter eine Fehlentscheidung, woraufhin er wütend wird, weil er sich ungerecht behandelt fühlt. Nach diesem Vorfall nimmt ihn der Trainer kurz aus dem Spiel, fuchsteufelswild steht er an der Seitenlinie und kann sich kaum im Zaum halten.

Nach dem Spiel brennen beide Coaches darauf, den Jungen kennenzulernen und mit ihm zu arbeiten. Sie sehen bei ihm Entwicklungspotenzial: Wenn sie diesen Jungen richtig betreuen, können Sie vielleicht einen Spitzensportler aus ihm machen. Seine Technik ist für sein Alter zwar noch nicht ganz perfekt und im mentalen Bereich bleibt noch einiges zu tun, aber sie sind überzeugt, dass er sich mit dem richtigen Coaching vorteilhaft entwickeln wird.

Anna (7) hat einen IQ von 148. Bei einem Beratungsgespräch in der Schule wischt sich ihre Mutter eine Träne aus dem Auge. Ein Psychologe hat ihr nämlich gerade eröffnet, dass es dieses Kind im Leben wohl nicht einfach haben wird. Die anderen Anwesenden bestätigen diesen Eindruck, und sofort herrscht eine von Problemen und Schwierigkeiten geprägte Atmosphäre. Dabei gab es gar keinen negativen Anlass dafür, das Kind zu testen. Das Mädchen spielt gerne mit Kindern, die ein oder zwei Jahre älter sind, sprachlich ist sie deutlich weiter als ihre Altersgenossen, sie konnte schon ein wenig lesen, bevor sie in die Schule kam, und sie stellt sich viel mehr Fragen als ihre Mitschüler. Außerdem geht sie gerne zur Schule und hat zahlreiche Hobbys, in denen sie sich gut macht. Die Eltern wollten gerne wissen, ob sie möglicherweise hochbegabt ist. Daher ließen sie ihre Tochter testen.

Selbst Schulen, die wissen, wie mit starken und hochbegabten Schülern umzugehen ist, nehmen Hochbegabung oftmals als Risikofaktor für einen dauerhaften schulischen Erfolg wahr. So auch bei Anna. Das Lehrerteam denkt gleich, dass es für sie nicht einfach werde, sich anderen anzupassen, sich ihre Motivation für die Schule zu erhalten, Lernkompetenz zu entwickeln und sich auch mit außerschulischen Aktivitäten zu fordern. Obwohl das Mädchen momentan munter und fröhlich seinen Weg geht, wird schon im Vorfeld eine Sorge nach der anderen aufgetischt. Natürlich wird Anna ihr Potenzial noch entwickeln müssen, doch anstatt dieses Potenzial als etwas Positives zu sehen, wird sie nur von einem Wust von vielerlei Ängsten und Sorgen umstellt.

Wir sehen also einen enormen Widerspruch: Im Sport wird ein Talent als eine Chance gesehen, während man intellektuelle Talente vor allem als problematisch betrachtet. Außerdem steht man sportlichen Talenten, wie wir im Folgenden noch zeigen werden, die Zeit zu, sich zu entwickeln; man zieht ihre Chancen und Wachstumsmöglichkeiten in Betracht. Von einem intellektuellen Talent werden hingegen fast unmittelbar Leistungen erwartet. Bei ihnen ist selten die Rede davon, dass sie sich Zeit zur Entwicklung nehmen könnten oder gar...


Venderickx, Kathleen
Kathleen Venderickx und Tessa Kieboom leiten zusammen das Kompetenzzentrum für Begabte in Antwerpen und dozieren als Gastprofessorinnen am Lehrstuhl für Begabte an der Universität Hasselt.

Kieboom, Tessa
Tessa Kieboom und Kathleen Venderickx leiten zusammen das Kompetenzzentrum für Begabte in Antwerpen und dozieren als Gastprofessorinnen am Lehrstuhl für Begabte an der Universität Hasselt.

Tessa Kieboom und Kathleen Venderickx leiten zusammen das Kompetenzzentrum für Begabte in Antwerpen und dozieren als Gastprofessorinnen am Lehrstuhl für Begabte an der Universität Hasselt.



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