Kuntz | Sucht und Spiritualität | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

Kuntz Sucht und Spiritualität

Abhängigkeit weiter denken, neu verstehen, verbundener behandeln
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-608-12417-0
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Abhängigkeit weiter denken, neu verstehen, verbundener behandeln

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

ISBN: 978-3-608-12417-0
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sucht: Raus aus der Krise

Suchthilfesystem bereichern durch alte Weisheiten und höheres Wissen

Wichtigster Wirkfaktor auf dem Heilungsweg ist die Spiritualität

Süchtig abhängige Menschen müssen häufig feststellen, wie wenig ihnen unser Suchthilfesystem zu helfen in der Lage ist. Menschen, die von ihrer Abhängigkeit frei werden durften, erklären häufig: »Wirkliche Hilfe habe ich von ganz anderer Seite her erfahren.« Entsprechend eröffnet dieses Buch ein erweitertes Verständnis des Phänomens Sucht – für direkt und indirekt Betroffene.

Der Autor verfügt über 30 Jahre Erfahrung in der Drogen- und Suchtarbeit. Was ihm beim Umgang mit den therapeutischen Herausforderungen geholfen hat: Er greift zurück auf vergessene alte Wissensschätze und transferiert deren Verständnis von Krankheit wie Heilung ins Hier und Heute. Sowohl in der Selbsthilfe als auch in der psychosozialen und therapeutisch begleiteten Hilfe können somit ungewöhnliche und nachhaltige Wege aus der Sucht beschritten werden.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1 Sucht: Weiter denken
1.1 Heilen ist mehr als Medizin: Von den Ursprüngen des Heilens als Heilkunst
Seit es menschliche Wesen auf unserem Planeten gibt, machen sie durch alle Zeiten hinweg ihre Erfahrungen damit, wie Schmerz und Leid in ihr Leben eingreifen. Umgekehrt haben sie ihre Vorstellungen davon, welches »Kraut« gegen bestimmte Formen von Schmerz und Leid gewachsen und was unter Heilen zu verstehen sei. Was verstanden unsere Ahnen über die Generationen hinweg jeweils unter Heilung? Welchen Stellenwert maßen sie den medizinischen Künsten bei und wie sollte sich eine stimmige Therapie vollziehen? Die Vorstellungen vom Wechselspiel zwischen Leiden und Krankheiten wie Behandlungen und Genesung haben über die Jahrtausende hinweg mancherlei Wandlungen erfahren – manche im medizinischen wie therapeutischen Denken und Handeln sogar rasend schnell. In den Zeiträumen der menschlichen Geschichte gedacht, existieren Behandlungen von Krankheitsbildern, die heutzutage den psychotherapeutischen Disziplinen zugeordnet werden, erst seit einem Wimpernschlag. Und dennoch ist die heutige Psychotherapie kaum noch zu vergleichen mit den klassischen analytischen »Redekuren« zu Zeiten Sigmund Freuds, eher noch mit den Therapien im Geiste der Analytischen Psychologie eines Carl Gustav Jung. Selbst das noch recht junge Feld der Behandlungen von Sucht und Abhängigkeit hat in kürzester Zeit viele ganz unterschiedliche Versuche gesehen, dem Phänomen zu Leibe zu rücken. Es ist kaum übertrieben, zu konstatieren, dass unser Zeitgeist an so manchem Scheideweg steht. Trotz ungezählter beachtlicher Fortschritte im Verstehen von Körper und Geist, trotz der Quantensprünge in der Medizintechnik, der Differenzierung medizinischer und therapeutischer Disziplinen steckt unser Verständnis von Gesundheit wie Krankheit in einer geistigen Krise. Allein Brandzeichen wie »Apparatemedizin«, »Medizinalbürokratie«, »Versorgungssystem« oder auch die berüchtigte Wortwendung von den »Halbgöttern in Weiß« machen deutlich, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Medizin steckt in einer Findungs- wie Schaffenskrise, am empfindlichsten ausgedrückt in ihrer ethischen Krise: dem Zwiespalt zwischen bestmöglicher Heilung und Therapie sowie dem Zwang zu Ökonomisierung und Rationalisierung. Die Menschen sind kaum gesünder geworden in den letzten Dekaden. Eher ist das Gegenteil der Fall. Zivilisationskrankheiten nehmen epidemische Ausmaße an, auf die unser Medizinverständnis keine Antworten mehr weiß. Mit manchen neuartigen Leiden kennt sich unsere sogenannte Schulmedizin gleich gar nicht mehr aus, sodass sich eine immer größere Zahl leidender Menschen auf sich selbst zurückgeworfen sieht. Sie ziehen sich notgedrungen aus dem schulmedizinischen Versorgungssystem zurück und suchen an vielen, vielen anderen Stellen ihr Heil – manchmal mit überraschenden Heilungserfolgen, manchmal in einer Endlosspirale von Hoffen und Scheitern. Das gilt auch für unzählige Menschen, Junge wie Erwachsene, Männer wie Frauen, die unter den wechselvollen Erscheinungsformen von Drogenmissbrauch oder gar süchtiger Abhängigkeit zu leiden haben. Da finden wir manches Gelingen, aber ungleich mehr Misslingen, wenn wir ehrlich bleiben. Können wir angesichts von Scheidewegen sinnhaft fündig werden, wenn wir eintauchen in eine Vergangenheit, in der die Menschen noch wussten, dass Heilen weit mehr ist als Medizin? Können wir von dort Hilfreiches hinüberretten, um unser heutiges Verständnis von Heilen neu anzureichern? Macht ein Transfer alten heilkundlichen Denkens in die Moderne Sinn? Wenn wir erst gar nicht mehr fragen und uns suchend zu erinnern bemühen, versagen wir uns selbst mutwillig die Chancen auf hilfreiche Antworten. Wer aber fragt und sucht, der findet auch. 1.1.1 Asklepios oder Äskulap: Der Gott der Heilkunst
Die alten Griechen und Römerinnen hatten ein deutlich anderes Verständnis von der Behandlung kranker, leidender Menschen als unsere heutige moderne Medizin. Auf den Punkt gebracht, ist die medizinische Entwicklung über die Jahrtausende hinweg eine Gewinn-und-Verlustrechnung. Auf der Habenseite steht ein beachtliches Plus an differenzierten medizinischen Erkenntnissen und durchaus förderlich nutzbaren Medizintechniken. Der empfindlichste Verlust ist jedoch die Abkehr von den ursprünglichen Vorstellungen des Heilens. Für unsere Ahnen war Heilen weit mehr als Medizin. Es war eine hohe Kunst. In der griechischen Mythologie steht für dieses besondere Verständnis des Heilens Asklepios, der Gott der Heilkunst. Asklepios entsprang der Verbindung des Gottes Apollon, dem Gott des Lichtes und der Reinheit, mit einer Sterblichen, Koronis, der Tochter des thessalischen Lapithenkönigs Phlegyas. Da selbst die Götter in Eifersucht entbrennen konnten, ermordete Apollon Koronis, als diese ihn mit einem Sterblichen betrog. Er rettete jedoch ihr Kind Asklepios aus dem Leib der Mutter und übergab ihn dem Kentaur Chiron in Obhut. Kentauren sind sagenumwobene Mischwesen der griechischen Mythologie, halb Pferd, halb Mensch. Der sanftmütige Kentaur Chiron lehrte Asklepios von Kindesbeinen an die Heilkunde. Es hieß sogar, Asklepios könne Tote wieder zum Leben erwecken. Damit zog er sich den Zorn des Zeus zu, der durch diese Fähigkeiten des Asklepios die kosmische Ordnung gefährdet wähnte. So schleuderte Zeus einen tödlichen Blitz auf den heilbringenden Asklepios. Nach seinem Tod wurde der Gott der Heilkunst in ein Sternbild verwandelt und ziert bis heute als »Schlangenträger« den Nachthimmel. Familien- wie psychodynamisch hätte Asklepios erst einmal seine eigene Herkunft heilen und transformieren müssen, um seine Geschichte umzuschreiben. Das hat er mit vielen heutigen Menschen gemein, die ein schweres Erbe in Bezug auf ihre Herkunftsfamilie oder gar eine mehrgenerationale Erbgeschichte zu bewältigen, zu heilen und in ihr Leben zu integrieren haben. Nicht als Gottheit, aber als menschliche Wesen können sie aus bewältigtem Leid außerordentliche Fähigkeiten entwickeln. In der römischen Mythologie heißt die Gottheit, die für den Geist des Heilens steht, Äskulap. Bis heute gehalten haben sich die symbolischen Darstellungen dieser Gottheiten. Wer kennt sie nicht, die Marmorstatuen oder steinernen Skulpturen von Äskulap als bärtigem, lorbeerbekränztem Mann mit dem berühmten Äskulapstab, um den sich eine Schlange windet? Manchmal sind es auch zwei Schlangen, die den Stab zieren. Der Asklepios- oder Äskulapstab wurde zu dem Symbol der Heilkunde. Das Symbol der Schlange weist Asklepios wie Äskulap den chtonischen, der Erde zugehörigen, Göttern zu. Als Götter der Heilkunst spenden sie Leben und Fruchtbarkeit und niemals Verderbnis. Sie sind die unübertroffenen Meister der ärztlichen Heilkunst, ausgestattet sogar mit magischen heilsamen Kräften. Es bildete sich ein regelrechter Asklepios-Kult aus, der in mannigfaltigen Verehrungsstätten und Tempeln praktiziert wurde. Die Heilbehandlung im Geiste des Asklepios bestand im Kern darin, dass Erkrankte im oft außerhalb einer Stadt gelegenen Tempel des Heilgottes »schliefen«. Der vermeintliche Schlaf führte sie in Trancezustände oder in einen erweiterten, für Heilung offenen Bewusstseinszustand. Während solcher Zustände erschien den Tempelschläferinnen und -schläfern im Traum dann Asklepios oder einer seiner Tempelheiler und ließ dem kranken Menschen seine heilenden Kräfte zuteilwerden. Entweder gab es Sofortheilungen oder die Erkrankten bekamen heilsame Anleitungen zu ihrer künftigen Lebensführung. Dieser therapeutische Heilschlaf ist in die mythologische Medizingeschichte eingegangen. Er weist im Übrigen große Ähnlichkeiten mit dem altägyptischen Tempelschlaf auf. Als Heilgott bezog Asklepios sein Wissen direkt aus dem göttlichen Bereich. Er überwand folglich die rein irdischen Kräfte. Sein Wissen gab er an seine Schüler weiter. In einer seiner großen Tempelheilstätten, auf Kos, empfing auch Hippokrates seine medizinisch ärztliche Ausbildung zum Heiler. Hippokrates war kein Gott mit Heilkräften, sondern als Mensch aus Fleisch und Blut ein Meister der Heilkunde. Als solcher gilt er als Urvater der modernen Medizin. Lange Zeit mussten angehende Medizinerinnen und Mediziner den Eid des Hippokrates als ein Gelöbnis ärztlicher Ethik leisten. Mittlerweile wurde dieser Eid modernisiert. Die ursprüngliche spirituelle Verbindung zur geistigen Welt und das darin verwobene Mysterium des Heilens gingen weitgehend verloren. Dem Andenken von Asklepios wird dennoch bis heute gedacht. Nach ihm ist Europas größte Klinikbetreiberfirma benannt. Zu diesem gigantischen Unternehmensverbund zählen auch namhafte ausgewiesene Suchtkliniken. Ob deren Unternehmenskultur noch dem Geist des Asklepios gerecht wird, ist eine andere Frage. Die geistige Überzeugung, dass Heilung zuvorderst im Bewusstsein und erst dann im Körper entsteht, ist längst nicht mehr die Grundlage klinisch- wie evidenzbasierter Medizin. Zu Zeiten von Asklepios oder Äskulap waren die vielfältigen Erscheinungsformen von Sucht noch nicht die Geißel der Menschen, die sie heute sind. Mit dem Fokus auf Sucht und Abhängigkeit bleibt jedoch unabweisbar, dass sämtliche Götter der Heilkunst darauf verweisen, dass jedwedem Heilen eine geistige spirituelle Dimension innewohnt. Wir werden sehen, was die Anerkennung dieser geistig-spirituellen Dimension bei der Behandlung suchtabhängiger Menschen von heute zu verändern vermag. 1.1.2 Die Therapeuten der Antike: Überholte Vorbilder oder heilsame Sinnstifter für eine moderne Therapie der Sucht?
In ambulanten wie stationären Suchttherapien spielen...


Kuntz, Helmut
Helmut Kuntz, Familien-, Körper-, Suchttherapeut. Über 30 Jahre Tätigkeit im psychosozialen Suchthilfesystem in Prävention, Beratung, Therapie. Im „Unruhestand“ weiter aktiv in Therapie, Supervision, Fort- und Weiterbildung. In seiner Arbeit verbindet er Psycho- und Körpertherapie wirksam mit der weiten Welt des Spirituellen. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher und Ratgeber zu Sucht, Depression, Körperarbeit und Spiritualität. https://helmut-kuntz.de

Helmut Kuntz, Familien-, Körper-, Suchttherapeut. Über 30 Jahre Tätigkeit im psychosozialen Suchthilfesystem in Prävention, Beratung, Therapie. Im „Unruhestand“ weiter aktiv in Therapie, Supervision, Fort- und Weiterbildung. In seiner Arbeit verbindet er Psycho- und Körpertherapie wirksam mit der weiten Welt des Spirituellen. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher und Ratgeber zu Sucht, Depression, Körperarbeit und Spiritualität. https://helmut-kuntz.de



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