E-Book, Deutsch, 439 Seiten, E-Book
Reihe: Systemisches Management
Loebbert Professional Coaching
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7910-6104-7
Verlag: Schäffer-Poeschel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Konzepte, Instrumente, Anwendungsfelder
E-Book, Deutsch, 439 Seiten, E-Book
Reihe: Systemisches Management
ISBN: 978-3-7910-6104-7
Verlag: Schäffer-Poeschel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Coaching-Experten schildern die Grundlagen von Professional Coaching:
• Was zählt für ein lösungsorientiertes Coaching?
• Welche Rolle spielt Psychologie in der Praxis?
• Was meint systemisches Coaching oder Coaching mit Humor?
• Wie wird eine Coachinghaltung entwickelt?
Die Autoren beleuchten auch die Bedeutung und Funktionen von Coaching als Beratungsansatz und Führungskonzept in Organisationen. Darunter die Methoden „Konfliktcoaching" und „Coaching und authentische Führung".
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Einleitung
Michael Loebbert Seht, mein Knecht hat Erfolg. Jes. 52, 13 Einleitend finden Sie im ersten Abschnitt die Darstellung eines pragmatischen Ausgangspunktes für Coaching. Damit folgen Sie der Frage, welche Innovation Coaching für Beratung zu bieten hat, und warum wir Coaching für mehr halten als bloß eine schnell vergehende Mode. Der zweite Abschnitt fragt nach der Möglichkeit Coaching zu lernen und der Grenze in der autonomen Steuerung und Professionalisierung durch den Coach selbst. Damit können Sie Ihren eigenen Lernprozess als Coach reflektieren. Der dritte Abschnitt gibt schließlich einen kurzen Überblick zur Gliederung des Buches. 1. Ein pragmatischer Ausgangspunkt
An der FHNW definieren wir Coaching als ein auf den professionellen, beruflichen Leistungsprozess von Personen bezogenes Format der Beratung. Genauer sprechen wir von »Professional Coaching« und unterscheiden uns damit vom Einsatz von Coaching in anderen Handlungsfeldern wie »Sport-Coaching« oder das neuerdings immer häufiger angebotene »Life Coaching« als eine Form allgemeiner Lebensbegleitung. Ziel ist die signifikante Verbesserung der Steuerung von Entscheidungen und Erfolgen beruflichen Handelns und beruflicher Leistungsprozesse1 von Einzelpersonen, Teams und Gruppen. Themen sind persönliche Verhaltensänderungen, Umgang mit Krisen und Konflikten, wirkungsvolle Kommu nikation und Rollengestaltung, persönliche und organisationale Verän de run-gen, strategische Positionierung und Entwicklung, wirtschaftlicher Erfolg sowie Werte und Sinngebung im beruflichen Handeln. Merkmal des von uns gepflegten »pragmatischen« CoachingVerständnisses ist die disziplinübergreifende Berücksichtigung von Theorien, Ansätzen und Schulen vor dem Hintergrund der Handlungstheorie der Prozessberatung2, die ganz grundlegend beschreibt, wie wir uns als Coachs wirksam steuern. Nach unserem eigenen Selbstverständnis beschreiben wir mit »pragmatisch« nichts wirklich Neues, sondern nur das Selbstverständnis, wie es den meisten Coaching-Ansätzen seit der Erfindung von Coaching im Sport zugrunde liegt. Der Rückgriff auf das pragmatische Selbstverständnis eignet sich besonders gut für eine übergreifende Sichtweise, verbunden mit der Fokussierung, worum es im Coaching geht: den Erfolg des Klienten. Was meint »Pragmatismus« im Coaching? »An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.« Mit diesem Bibelzitat prägte Charles Sanders Peirce3 den Leitsatz des Pragmatismus. Kurz gesagt ist »Pragmatismus« die philosophische Lehre, dass sich die Wahrheit von Sätzen, Vorstellungen und Theorien darin zeigt, welchen Nutzen und welche Wirkung sie für die Gestaltung unseres Handelns haben. In gewisser Erweiterung des Alltagsverständnisses einer unmittelbaren Handlungsorientierung (z. B. eine pragmatische Entscheidung) beschreibt pragmatisch die Vorstellung einer Beziehung von Wissen und Handeln: Pragma, griechisch für Handlung, ist der Rahmen und Bezugspunkt für die Organisation des Wissens. Der Philosoph Immanuel Kant spricht einmal vom Primat der Praxis vor aller Theorie. Nun gibt es ganz unterschiedliche Arten und Bereiche des Wissens. Wir haben z. B. Wissen über Methoden, Techniken und Werkzeuge, das einen relativ nahen Bezug zum Handeln hat. Wissenschaftliche Theorien sind abstrakter, etwas weiter weg davon. – Zentrale pragmatische Konzepte sind (1) Perspektivität, was bedeutet, dass Wissen immer Standpunkt und Blickrichtung hat; (2) Kontextualität, was bedeutet, dass es in Beziehung steht und (3) Demokratie, was bedeutet, dass über die Gültigkeit von Wissen in möglichst diskursiver Kommunikation entschieden werden sollte. Von Kant ausgehend wurde pragmatisches Denken besonders von nordamerikanischen Philosophen und Wissenschaftlern gepflegt. Für Handlungswissenschaften und Praxislehren in der Pädagogik, der Sozialen Arbeit sowie in Beratung und Coaching erweist sich dieser Ansatz als fruchtbar. Pragmatismus ist der selbstverständliche Denkhorizont zentraler Konzepte der Prozessberatung, von Handlungstheorie und Handlungslernen, Gruppendynamik und Organisa tionsentwicklung. Wir lösen damit Fragen, wie Handlungsvorstellungen und steuerung auf wissenschaftliche Theorien und Konzepte, z. B. aus der Psychologie und Organisa tionstheorie, bezogen werden können. Und umgekehrt begründen wir unsere Einschätzung über die Bedeutung dieser Konzepte mit ihrer Nützlichkeit für die Praxis. Pragmatismus in Coaching und Beratung adressiert damit zugleich die Frage, was dabei heraus kommt. Wir halten es für nützlich und interessant, unsere wahrscheinlich unterschiedlichen Wahrnehmungen zu diskutieren, mit dem Ziel eines gemeinsamen Verständnisses von gutem Coaching und guter Beratung. Mit dieser Ordnung des Praxiswissens verknüpfen wir alltägliche Fragen mit der wissenschaftlichen Fundierung unserer Beratungspraxis. Dabei gehen wir zunächst von der naiven Vorstellung4 aus, mit Coaching, unseren Coaching-Interventionen für unsere Klientinnen und Klienten tatsächlich etwas bewirken zu können, bzw. dass Klienten mit Coaching etwas für sich selbst bewirken. Ohne eine naturwissenschaftliche Ursache-Wirkungs-Beziehung zu behaupten, nehmen wir an: In Folge oder im Zusammenhang mit einer Coaching-Sequenz sollte für unsere Klienten etwas besser werden. Der Nutzen oder Beitrag von Coaching bemisst sich nach dem Nutzen und dem Beitrag, den Klienten daraus ziehen: Veränderung von Verhalten, Verbesserung von Leistungen, Erhöhung des Wertbeitrags und, wenn es ganz gut läuft, ein kleiner Beitrag zur Verbesserung der Welt. Ohne damit strengere wissenschaftliche Konzepte zu verbinden, denken wir, dass die Wirkung, die Coaching entfaltet, mit unserer aktuellen Selbststeuerung zu tun hat, mit den Fähigkeiten, die wir dazu einsetzen können, mit unserer Haltung, die wir erworben haben, letztlich mit uns als Person, unserer Persönlichkeit (vgl. Abb. 1). Vielleicht haben Sie auch eine etwas andere Vor stellungen davon, wie Coaching wirkt, aber vielleicht stimmt Ihr eigenes Wir kungsmodell mit unserem darin überein, dass Veränderungen der Innenwelt Veränderungen der Außenwelt bewirken können. Abb. 1: Ein Wirkungsmodell für Professional Coaching Aus der eingenommenen pragmatischen Perspektive geht es bei Wirkungs vorstellungen um Ergebnisse. Und zwar um Ergebnisse, die einen Unterschied darin machen, dass in der Wahrnehmung der beteiligten Menschen etwas besser geworden ist. Coaching for better Results. Darunter verstehen wir wirtschaftlichen Erfolg genauso wie die Verbesserung von zwischenmenschlichen Beziehungen, von Gesundheit und Lebensqualität. Mit diesem pragmatischen Ansatz, der das Handeln von selbstbestimmten Personen in den Blick nimmt, die in ihrer Welt ihre jeweiligen Vorhaben verwirklichen wollen, macht Coaching einen Unterschied zu herkömmlichen Formaten der Beratung mit eher allgemeinen Vorstellung von Ratschlägen und Konzepten. In Bezug auf bisher bekannte Formen der Beratung bedeutet die Einführung von Coaching die Innovation, immer auf den Leistungs- und Handlungsprozess des Klienten zu zielen: Was den Klienten nicht in seinem konkreten Handeln unterstützt und nicht von ihm selbst umgesetzt wird, ist auch kein Coaching. Professional Coaching ist die zeitgemäße Antwort auf Entwicklungen und Veränderungen im beruflichen Handeln: die zunehmende Individualisierung von Produkten und Leistungen, die erhöhte Geschwindigkeit von Veränderungen, die Globalisierung von Leistungsprozessen, multiperspektivische Arbeits- und Lebenskontexte. Diese Herausforderungen spüren Menschen in internationalen Organisationen, die in flacheren Hierarchien und zunehmender geschäftlicher Mitverantwortung ihre Leistungen erbringen. Genauso stehen Mitarbeitende in sozialen Einrichtungen, mittelständischen Unternehmen und Verwaltungen unter dem Druck schnell veränderlicher Rahmenbedingungen moderner Gesell schaften. Menschen in beruflichen Situationen, also auch beim Verlust des Arbeits platzes, erleben stark erhöhte Anforderungen an ihre erfolgreiche Orien tierung und die Wahrnehmung von Selbstverantwortung und Autonomie. – Und darum geht es beim Professional Coaching. 2. Wie kann man Coaching lernen?
Wer ein Buch über Coaching gelesen hat, ist wahrscheinlich noch kein Coach. Wahrscheinlich gibt es Menschen, die auch ohne eine strukturierte Ausbildung durchlaufen zu haben, ihre Sache als Coach ganz gut machen. Noch wahrscheinlicher ist es aber, dass es sich mit Coaching ähnlich verhält wie mit anderen Praxisfeldern: gründliche Ausbildung (Wissenschaft), Erfahrung (Handwerk) und ein Quäntchen Inspiration (Kunst) sind Merkmale für qualifizierte Coachs. Unsere Aufgabe ist es, Coaching lehr- und lernbar zu machen. Dafür kann dieses Buch eine Orientierung geben. Einige didaktische Eckpunkte dürften Sie dafür in der Steuerung Ihrer eigenen Ausbildung und Ihrer Lernprozesse als Coach unterstützen. 2.1 Der Gebrauch der Vernunft Sokrates und andere sogenannte »Sophisten« (Weisheitslehrer)...