E-Book, Deutsch, 200 Seiten
Luck Männer*, Männlichkeiten, Männer*gesundheit
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-456-96133-0
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Wie gehen Männer* mit Gesundheit im Alltag um? - Eine Genderpespektive
E-Book, Deutsch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-456-96133-0
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Wie gehen Männer mit Gesundheit im Alltag um? - Dieser Frage geht Frank Luck in seiner Dissertation nach. Die Forschungsarbeit hilft, eine Lücke in der Geschlechter- und Männlichkeitsforschung zu schließen. Durch den gewählten Fokus auf das alltägliche Gesundheitshandeln von Männern werden neue Erkenntnisse präsentiert, die zu Lösungen einer geschlechtersensiblen Gesundheitsversorgung beitragen können. Die Forschungsarbeit
• klärt Dimensionen von Gesundheit, analysiert Konzeptionen von Geschlecht und Männlichkeit(en) und stellt Bausteine zur Untersuchung des Gesundheitshandelns von Männern vor
• liefert Ergebnisse, wie Väter mit Gesundheit umgehen, als Vorbild für das Gesundheitsverhalten von Söhnen dienen und wie Väter psychische Gesundheit thematisieren oder tabuisieren
• beschreibt, welche Bedeutung Sport für Männer hat, als zentrales Element männlicher Lebensführung, als Baustein gesunden Lebens und guten Aussehens, als Unfallrisko, als Ausgleichsmoment und als Möglichkeit der Selbsterfahrung
• hinterfragt Normen und Gleichsetzungen von Gesundheit und Leistungsfähigkeit
• Kennzeichnet die Begriffe Männer* und Männer*gesundheit mit einem Asterisk*, um die Vielfältigkeit geschlechtlicher Realitäten, Verständnisse und Praxen zu sensibilisieren
• weist auf die Bedeutung von Krisen als Wendepunkte für Männer hin, um sich kritisch zu reflektieren, sich bewusst um sich selbst und die eigene Gesundheit zu kümmern
• beschreibt erstmalig, wie Gesundheitshandeln von Männern im mittleren Lebensalter und Männlichkeitskonstruktionen in der Schweiz zusammenhängen.
Zielgruppe
Genderwissenschaftler_innen, Pflegewissenschaftler_innen, Gesundheitswissenschaftler_innen
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Medizin | Veterinärmedizin Medizin | Public Health | Pharmazie | Zahnmedizin Pflege Krankenpflege
- Medizin | Veterinärmedizin Medizin | Public Health | Pharmazie | Zahnmedizin Klinische und Innere Medizin Geriatrie, Gerontologie
- Sozialwissenschaften Soziologie | Soziale Arbeit Soziale Gruppen/Soziale Themen Gender Studies, Geschlechtersoziologie
- Medizin | Veterinärmedizin Medizin | Public Health | Pharmazie | Zahnmedizin Medizin, Gesundheitswesen Medizin, Gesundheit: Sachbuch, Ratgeber
Weitere Infos & Material
1;Inhaltsverzeichnis;7
2;1 Einführende Gedanken;14
2.1;1.1 Gender and Health: Männer* und Gesundheit;15
2.2;1.2 Spezifischer Beitrag der Dissertation zum Forschungsprojekt;17
2.3;1.3 Umgang der Väter mit Gesundheit;17
2.4;1.4 Welche Bedeutung hat Sport für Männer*?;18
2.5;1.5 Gesundheit(shandeln) und Männlichkeit(skonstruktionen);18
2.6;1.6 Bedeutung der Forschungsarbeit;18
3;2 Aufbau der Dissertation;20
4;3 Hintergrund;21
4.1;3.1 Dimensionen von Gesundheit;21
4.2;3.2 Gesundheit als gesellschaftsrelevantes Thema;21
4.3;3.3 Gesellschaftliche Prozesse und Entwicklungen zu einem aktuellen Gesundheitsverständnis;25
5;4 Männer*, Männlichkeit(en) und Gesundheit(shandeln): Forschungsstand;31
5.1;4.1 Männer* – Männlichkeit(en) – Gesundheit(shandeln): Einleitung;31
5.2;4.2 Männer*gesundheitsforschung – eine junge Disziplin im deutschsprachigen Kontext;32
5.3;4.3 Forschung zu Männlichkeit(en) und Gesundheitsverhalten/-handeln;36
5.4;4.4 Forschungsdesiderate;42
5.5;4.5 Forschungsfragen und -ziele;43
6;5 Theoretische Perspektiven;46
6.1;5.1 Einleitende Worte zu theoretischen Konzeptionen von Geschlecht und Männlichkeit(en);46
6.2;5.2 Bausteine zur Untersuchung des Gesundheitshandelns von Männern*: Bourdieu;50
6.3;5.3 Bausteine zur Untersuchung des Gesundheitshandelns von Männern*: Maihofer;52
7;6 Methodologische Vorgehensweise;59
7.1;6.1 Studiendesign;59
7.2;6.2 Datenerhebung;60
7.3;6.3 Datenanalyse;65
7.4;6.4 Ethische Überlegungen;67
7.5;6.5 Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung: Beschreibung der Maßnahmen;68
8;7 Umgang der Väter mit der Gesundheit;72
8.1;7.1 Der Vater ist ‚immer‘ gesund;73
8.2;7.2 Der Vater als gesunder ‚Naturbursche‘ – ‚Männlichkeitskonstruktion durch und gegen die Natur‘;73
8.3;7.3 Der Vater als Instanz für den Umgang der Söhne mit Gesundheit;74
8.4;7.4 Väter und psychische Gesundheit – Kein Tabu(thema);78
8.5;7.5 Diskussion zum Kapitel Umgang der Väter mit Gesundheit;86
8.6;7.6 Umgang der Mütter mit Gesundheit;90
9;8 Welche Bedeutung hat Sport für Männer*?;104
9.1;8.1 Sport als zentrales Element einer männlichen Lebensführung;104
9.2;8.2 Sport gehört zum Normenkatalog ‚gesunden Lebens‘;107
9.3;8.3 Unfälle im Sport als Teil einer ‚männlichen Normal-Biografie‘;108
9.4;8.4 Sport als Ausgleichsmoment;110
9.5;8.5 Neue Selbstverhältnisse: Väter und Sport als Copingstrategie für einen Ausgleich zum Alltag in der Familie;111
9.6;8.6 Sport als wichtiger ‚Zugang zu sich als Mann*‘ und zu seinen Gefühlen;113
9.7;8.7 ‚Gut aussehen‘ bedeutet einen ‚aktiven Prozess‘ als Mann*;116
9.8;8.8 Sport ist für die eigene Lebensführung irrelevant;117
9.9;8.9 Diskussion zum Kapitel „Welche Bedeutung hat Sport für Männer*?“;118
10;9 Gesundheit(shandeln) und Männlichkeit(skonstruktionen);128
10.1;9.1 ‚Gesundheit‘ und ‚Gesundsein‘ an sich stellt eine Norm dar;128
10.2;9.2 Gesundheit bedeutet Leistungsfähigkeit;133
10.3;9.3 Gesundheit als Auftrag: Work-Life-Balance, ein Sorgen um sich und Leistungsfähigkeit;134
10.4;9.4 Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Zusammenhänge mit Männlichkeit;138
10.5;9.5 Krisen ermöglichen die Reflexion von Männlichkeitsanforderungen und (Selbst-)Sorge;142
10.6;9.6 ‚Gesundheit‘/‚Gesundsein‘ ist ein stetiger Prozess;145
10.7;9.7 Diskussion zum Kapitel Gesundheit(shandeln) und Männlichkeit(skonstruktionen);146
11;10 Thesen zu den zentralen Ergebnissen: Zeit- und Gesellschaftsperspektiven;152
12;Anhang;187
12.1;SNF-Forschungsprojekt: Interviewleitfaden und Transkribierregeln;188
12.2;Definitiver Bescheid der Ethikkommission beider Basel EKBB;195
12.3;Erklärung zur wissenschaftlichen Redlichkeit;196
13;Autor und Sachwortverzeichnis;197
4 Männer*, Männlichkeit(en) und Gesundheit(shandeln): Forschungsstand
Das Kapitel 4 basiert auf einer Erweiterung und Aktualisierung von Inhalten aus dem Schweizerischen Nationalforschungsprojekt (SNF-Projekt) „Wie gehen Männer im Alltag mit Gesundheit um? Eine empirische Untersuchung zum Zusammenhang von Gesundheitshandeln von Männern im mittleren Lebensalter und Männlichkeit( skonstruktionen)“ unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Maihofer sowie Prof. Dr. Elisabeth Zemp Stutz und den wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen Dr. Diana Baumgarten, Dr. Nina Wehner (heute Prof. Nina Wehner) sowie Frank Luck (SNFProjektlaufzeit: 2012–2014).
4.1 Männer* – Männlichkeit(en) – Gesundheit(shandeln): Einleitung
Weltweit besteht ein ‚Gender Gap‘ (Kirby et al., 2002, S. 11) in der Lebenserwartung und Sterblichkeitsrate zwischen Männern* und Frauen* – zu Ungunsten der Männer* (WHO, 2019). Das gilt auch für die Schweiz: Auch hier leben Männer* durchschnittlich etwa vier Jahre kürzer als Frauen* (BFS, 2019) und „[…] haben von der Geburt bis zum Alter von über 100 Jahren eine höhere Sterblichkeit als Frauen“ (BFS, 2017, S. 27). Diese höhere Sterblichkeit kommt überwiegend durch verhaltensbedingte Ursachen zustande: Männer* weisen ein stärkeres gesundheitliches Risikoverhalten auf (Alkohol-, Tabak-, Drogenkonsum, Verhalten im Straßenverkehr und Sexualleben), nehmen weniger Vorsorgeuntersuchungen wahr, setzen sich größeren körperlichen Belastungen aus (Beruf, Sport) und suchen weniger oder erst spät ärztliche Hilfe (BAG, 2008; European Commission, 2011; Mahalik, Burns & Syzdek, 2007; Mokad, Marks, Stroup & Gerberding, 2004).
Zur Erklärung dieses bei Männern* häufiger verbreiteten Verhaltens kommen in letzter Zeit zunehmend Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Männlichkeit in den Blick. Dabei wird in den Gesundheitswissenschaften vermehrt auf sozialkonstruktivistische Konzepte von Geschlecht (‚gender‘) und Männlichkeiten (‚masculinities‘) aus der Geschlechter- bzw. Männer*- und Männlichkeitsforschung zurückgegriffen, wie z. B. Connells Konzeption „hegemonialer Männlichkeiten“ (vgl. Connell, 2015) sowie Bourdieus „Geschlechtshabitus“ (Bourdieu, 2005). Geschlecht wird darin als eine sozial konstituierte und konstituierende Praxis verstanden, die innerhalb einer historisch spezifischen Geschlechterordnung stetig reproduziert wird. ‚Männlichkeit‘ ist demzufolge keine eindeutige und feststehende Größe, sondern Effekt eines Herstellungsprozesses.
Frühen Untersuchungen aus der Frauen*gesundheitsforschung lag bereits eine ähnliche Konzeption von Geschlecht zugrunde; sie konnten zeigen, dass gesundheitsrelevante Verhaltensweisen als Herstellungsprozesse geschlechlichter Vorstellungen von ‚weiblich‘/‚männlich‘ fungieren können. Diese Perspektive möchte ich in der vorliegenden Dissertation ebenfalls verfolgen. Indem gesundheitsrelevantes Verhalten als vergeschlechtlichtes und zugleich vergeschlechtlichendes Handeln die Perspektive ist, kehrt sich die herkömmliche Blickrichtung auf Gesundheit und Geschlecht um: Gesundheitsrelevantes Handeln wird nicht vorgängig durch Männlichkeit erklärt, sondern als Resultat und Ausgestaltung von Männlichkeits-/Weiblichkeitskonzepten verstanden. Dies bietet fruchtbare Perspektiven auf das Gesundheitshandeln von Männern*. Wenn sich Männer* in ihrem Alltag an Mustern hegemonialer Männlichkeit(en) orientieren und spezifische Formen von Männlichkeit( en) herstellen (müssen), kann dies durchaus mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein: Etwa wenn die Notwendigkeit, immer wieder ‚Stärke‘, ‚Härte‘ und ‚Autonomie‘ demonstrieren zu müssen, angesichts von psychischen oder physischen Krankheiten oder steigendem Lebensalter schwer zu realisieren bzw. in hohem Masse schädlich für die eigene Gesundheit ist. Allerdings lässt sich auch fragen, inwieweit neue Vorstellungen von Männlichkeit zu finden sind, die ein gesundheitsförderliches Handeln als Bestandteil von Männlichkeit beinhalten (können) und produktive Ansatzpunkte für eine Neugestaltung von Gesundheitsversorgung und Gesundheitspolitik sein könnten.
4.2 Männer*gesundheitsforschung – eine junge Disziplin im deutschsprachigen Kontext
Trotz zunehmender Angleichung der Lebensverhältnisse sind die Lebenserwartungen sowie Lebensumstände von Frauen* und Männern* noch immer unterschiedlich. Fragen rund um die Gesundheit von Männern* sind aus diesem Grund von wachsender Aktualität und Brisanz. Bei der Männer*gesundheitsforschung handelt es sich allerdings, insbesondere im deutschsprachigen Kontext, um eine vergleichsweise junge Disziplin (vgl. Dinges, 2010).





