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E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Modler Macht

Wie du sie anwendest, auch wenn du nichts von ihr wissen willst
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-593-45969-1
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie du sie anwendest, auch wenn du nichts von ihr wissen willst

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-593-45969-1
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wo Menschen zusammenkommen, geht es immer auch um Macht. In vielen beruflichen Milieus gehört es heute allerdings fast schon zum guten Ton, mit Machtanwendung nichts zu tun haben zu wollen. Das hält Führungscoach Peter Modler für einen fatalen Irrtum und nimmt sich die konkreten Machtfragen in unserem Joballtag vor. Wer verantwortlich handeln will, sollte seine Scheuklappen ablegen, sein Selbstbild hinterfragen und gelassen seine Macht einsetzen. In vielen anschaulichen und erzählerischen Beispielen räumt sein Buch mit Missverständnissen auf. • Macht ist nicht gleich Machtmissbrauch • Macht heißt Rollenübernahme • Macht ermöglicht Produktivität • Macht muss nicht korrumpieren • Macht anwenden ist das Gegenteil von Ohnmacht kultivieren Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Konfliktscheu und für beherzt aufgebotene Gestaltungsmacht. »Peter Modler erklärt die Sprachmuster von Alphatieren wie Donald Trump - und weiß auch, wie man mit Sprach-Rüpeln im Büro fertig wird.« stern (zu »Mit Ignoranten sprechen«)

Peter Modler betreibt seit 1998 in Freiburg i. Br. eine eigene Unternehmensberatung. Über 3000 Führungskräfte haben an seinen Workshops und Trainings teilgenommen. Bekannt geworden ist er als Erfinder des »Arroganz-Trainings® für führende Frauen«. In seiner Coaching-Ausbildung »Profit by Difference« bildet er Führungskräfte im gesamten deutschen Sprachraum aus. Zuletzt erschien von ihm das Buch »Wenn Höflichkeit reinhaut« (2022).
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EINLEITUNG


Toxischer Shit


Wer der Auslöser für dieses Buch war, weiß ich noch ganz genau: ein junger Mann zwischen zwanzig und dreißig. Seinen Namen weiß ich bis heute nicht.

Er hatte eine enorm sympathische Ausstrahlung, wach, charmant, schlagfertig. Bei einem meiner Vorträge war er mir aufgefallen, weil er so intelligente Fragen gestellt hatte und bei ein paar kleinen Szenen, die ich vor dem ganzen Publikum dargestellt hatte, völlig angstfrei und selbstbewusst mitgemacht hatte. Bei dem Vortrag war es um Konflikte an Universitäten gegangen. Wir hatten alle zusammen in diesem Hörsaal eine gute Zeit gehabt, uns mit dem Thema auseinandergesetzt, uns gewundert, gelacht und ein paar praktische Lösungen gefunden. Als nach dem Vortrag die meisten schon gegangen waren, kam er dann aber noch einmal zu mir und stellte mir eine Frage, die ihm auf dem Herzen zu liegen schien – nämlich die, ob es tatsächlich so viele Machtspiele im Management von Forschungseinrichtungen und Lehrstühlen gebe. Das musste ich bejahen. Aber, fügte ich hinzu, wenn man sich darauf einstellt, kann man gut damit klarkommen.

Er jedoch schüttelte daraufhin, sichtlich angewidert, den Kopf und ging einfach. Beim Hinausgehen hörte ich ihn nur noch vor sich hinmurmeln: »Toxischer Shit. Echt toxischer Shit.« Es war völlig klar, dass er mit diesem Sachverhalt nichts zu tun haben wollte.

Seither ist er mir präsent. Dieses Buch würde ich ihm gern zu lesen geben. Dabei ist er mit seiner demonstrativen Abneigung alles andere als allein. Ich treffe seit Jahren auf solche Reaktionen: gut ausgebildete, intelligente Leute, die dann sofort Ablehnungsreflexe entwickeln, wenn sie mit Machtfragen zu tun haben sollen. Sie empfinden es als derart abstoßend, im Beruf auf einen anderen Faktor zu treffen als ihre fachliche Kompetenz – auf die sie oft zu Recht stolz sind –, dass sie sich lieber aus jeder Auseinandersetzung zurückziehen. Entweder begegnet mir jemand auf der Höhe meiner Fähigkeiten und meiner Bildung oder ich lasse es ganz bleiben. Selber schuld!

Es passt da durchaus ins Bild, wenn in mehreren großen Erhebungen bei jüngeren Berufstätigen der Anteil derer deutlich abnimmt, die sich irgendwann in einer Führungsrolle sehen.1

Ich bedaure das. Woher dieses Mindset kommt, kann ich nachvollziehen, aber es führt leider dazu, dass eine Gesellschaft (und auch die Unternehmen in ihr) die besten Köpfe verliert. Das können wir uns um unser aller Zukunft willen gar nicht leisten.

Darum also dieses Buch, im Grunde so etwas wie ein langer Brief an diesen mir Unbekannten oder vielmehr an alle diejenigen, die sich aus verständlichen Gründen aus Machtfragen heraushalten wollen. Und damit leider anderen Leuten Tür und Tor öffnen, die bei diesem Thema keinerlei Skrupel haben.

Mit Macht möchten ja inzwischen sehr viele Menschen nicht einmal dann etwas zu tun haben, wenn sie sich in einer Rolle befinden, die andere als ausgesprochen machtvoll empfinden. In der Gruppe entscheiden: gern. Konsens im Team haben: auf jeden Fall. Aber etwas durchsetzen, auch gegen Widerstand: lieber nicht.

Ein Beispiel, das für viele stehen könnte: jemand wie der Türsteher des legendären Berliner Szene-Clubs »Berghain«, der unzählige Menschen nicht hineinlässt, die dort auch gern tanzen würden. Das finden die Abgewiesenen natürlich alles andere als toll. Er hat zwar seine Gründe (will nämlich einen geschützten Raum ermöglichen), teilt sie aber den Weggeschickten nicht mit. Die Betroffenen können nach seiner Entscheidung gleich wieder abziehen.

Klarer Fall von Machtausübung! Sollte man meinen. Die Pointe ist aber, dass genau dieser Sachverhalt von eben dem Türsteher kategorisch bestritten wird. Zwar weist er tatsächlich jeden Tag Leute ab, jahrelang, behauptet aber ausdrücklich, dass das mit Macht nichts zu tun habe.2 Wie wenn er sich dieses Begriffes schämen würde. Er will offensichtlich innerhalb seiner Szene auf keinen Fall als jemand dastehen, der Macht ausübt. Das wollen inzwischen viele nicht mehr. Wie kommt das?

Es versteht sich inzwischen fast von selbst, dass bei vielen Menschen mit einer entschieden moralischen Überzeugung zwar eine Menge Kompromisse eingegangen werden, aber bei Machtfragen ist die rote Linie schnell überschritten. Bezeichnend die Antwort auf die Frage, die vor ein paar Jahren an einen Großmeister der Achtsamkeit, den buddhistischen Lama Ole Nydahl, gestellt wurde. Der Lama wurde gefragt: »Was steckt hinter dem Bedürfnis, Macht ausüben zu wollen?« Darauf entgegnete der Lama: »Das Bedürfnis, andere zu beherrschen, resultiert aus der eigenen Schwäche … (es waren, d.?V.) oft Leute, die wenig Spaß am Leben hatten und ein bisschen langweilig waren … Fröhliche Menschen müssen niemanden beherrschen! Wer selbst stark ist, muss nicht auf anderen Leuten sitzen.«3 Ein bisschen unernst der Lama, ein bisschen am Thema vorbei, aber irgendwie klingt’s doch cool.

Auch in vielen Firmen und Organisationen wird über Machtfragen inzwischen überhaupt nicht mehr geredet (übrigens auch nicht seitens der Betriebsräte), es gibt da eindeutig angesagteres Vokabular, etwa oder , oder die gute alte Und alles natürlich »,« unbedingt. Gegen diese angenehmen Begriffe ist auch grundsätzlich gar nichts einzuwenden, wenn nicht … ja, wenn nicht ihr inflationärer Gebrauch den Verdacht nahelegen würde, dass es da einen ganz enormen blinden Fleck geben könnte.

Denn wer sich nicht täuschen lässt vom einladenden Sound agilen Arbeitens und hierarchiefreier Botschaften stößt durchaus nicht auf herrschaftsfreie Zonen.

Merkelismus


Von anderen Ländern aus gesehen, wirkt auch der Umgang der Deutschen mit politischen Machtfragen etwas bizarr. Die hiesige Eigenart, etwas lieber nicht direkt zu entscheiden, sondern sich ewig Zeit zu lassen mit Hin- und-her-Diskutieren – man könnte es als Merkelismus apostrophieren –, wirkt dort befremdend.

Von innen aus betrachtet, ist das natürlich ganz anders. Wissen die da draußen denn nicht mehr, welchen brutalen Gewalt-Exzessen sich die Deutschen im Dritten Reich ausgeliefert hatten? Das Zurückschrecken vor Machtausübung muss doch nur zu verständlich sein angesichts einer Vergangenheit, wo schrankenlose Macht in Gestalt eines einzigen Menschen, eines sogenannten »Führers«, verherrlicht worden war.

Der Machtmissbrauch dieser Jahre war so existenziell und hatte eine solche Blutspur hinter sich hergezogen, dass es jahrzehntelang zum Code of Conduct bei deutschen Intellektuellen gehörte, von Machtfragen nichts wissen zu wollen. Noch am ehesten befasste man sich damit in der Form des spöttischen Kommentars. Aber etwa selbst Macht auszuüben: no way.

Allerdings mehren sich die Zeichen, dass dieses antrainierte Zurückschrecken vor jeder Machtanwendung einen hohen Preis hat. Denn im Windschatten dieses vermeintlich unschuldigen Verhaltens erodiert Vertrauen, breitet sich das Recht des Stärkeren aus, gehen moralische Maßstäbe verloren und wird das untergraben, was wir Demokratie nennen.

Zugegeben, der Begriff hört sich irgendwie kalt und dezent brutal an. Dabei stellen sich schnell Assoziationen ein, die uns am Ende nicht viel weiterhelfen. Wir denken an den , an einen Diktator im Amt, an den Idioten von Chef, der seine Leute zusammenbrüllt, oder an eine Königskrönung mit all ihrem goldenen Pomp. In den Sekundenbruchteilen, die unser Gehirn zum Assoziieren braucht, taucht vielleicht die schreiende Menge beim Reichsparteitag mit Goebbels auf, ein segnender Papst oder Konzernvorstände in Privatjets. Die Grundstimmung ist dabei eher nicht positiv.

Hinzukommt, dass viele Menschen inzwischen Machtanwendung und Machtmissbrauch einfach gleichsetzen. Dieses Missverständnis ist eines der bequemsten und der folgenreichsten. Denn...



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