Otto / Morrissey / Oberlin | Pflege von Menschen mit Essstörungen | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

Otto / Morrissey / Oberlin Pflege von Menschen mit Essstörungen

Entwicklung fördern, Recovery ermöglichen, Körperbild verbessern
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-456-76083-4
Verlag: Hogrefe AG
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Entwicklung fördern, Recovery ermöglichen, Körperbild verbessern

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

ISBN: 978-3-456-76083-4
Verlag: Hogrefe AG
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Aufgaben, Rollen, Grundlagen und Interventionen im recovery-orientierten Umgang mit Menschen mit Essstörungen

In Deutschland zeigen etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen im Alter von elf bis 17 Jahren Symptome von Essstörungen. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Essstörungen zeigen sich in Form von Magersucht, Bulimie, Binge-Eating-Störungen und Adipositas.
Diese Praxishandbuch für Pflegefachpersonen vermittelt Grundlagen, Konzepte und Fertigkeiten für den professionellen Umgang mit Menschen mit Essstörungen. Die Autor_innen folgen einem positiven, an Fähigkeiten und Ressourcen orientierten Recovery-Ansatz und beschreiben den Aufbau genesungsfördernder Beziehungen. Anhand von Fallbeispielen ermöglichen sie, Menschen mit Essstörungen leichter zu verstehen. Prozessorientiert beschreiben sie das klinische Assessment bei Essstörungen, deren Therapiemanagement sowie die Arbeit mit dem Körperbild der Betroffenen. Anschaulich erläutern sie die Rolle von Familienmitgliedern und integrieren sie in den Genesungsprozess. Sie zeigen die Risiken sozialer Medien bei der Entwicklung von Essstörungen und der Stigmatisierung von Betroffenen auf. Sie klären die Rollen, Aufgaben, ethische und praktische Probleme sowie Lösungsansätze für die pflegerische Begleitung von Menschen mit Essstörungen in verschiedenen Alltagssituationen und Versorgungssettings.
Sie liefern einen didaktisch gut strukturierten und fachlich fundierten Text mit praxisorientierten Fallbeispielen, Fragen zur Selbstreflexion sowie nützlichen Assessments und Checklisten. Die deutschsprachige Ausgabe wurde von einer Pflegeexpertin für Essstörungen¨und Kostaufbau (Refeeding) bearbeitet und adaptiert.

Otto / Morrissey / Oberlin Pflege von Menschen mit Essstörungen jetzt bestellen!

Zielgruppe


Pflegefachpersonen, psychiatrisch Fachpflegende, Pflegestudierende

Weitere Infos & Material


|17|1  Einleitung
Jean Morrissey und Kielty Oberlin |18|Wir schreiben diese Einleitung in dem Bewusstsein, dass Essstörungen kein neues Phänomen sind. Ihre Geschichte zeigt eine kontinuierliche Entwicklung in den verschiedenen Diskursen und ein stetiges Bemühen darum, ihr Wesen zu beschreiben und ihre Bedeutung zu verstehen. Obwohl wir heute wissen, dass es sich bei den sogenannten Fütter- und Essstörungen um ernsthafte Erkrankungen handelt, galten diese in der Vergangenheit nicht als solche. Ein Beispiel hierfür findet sich in den überlieferten Berichten der „Fastenesoteriker“ aus dem Mittelalter (Sukkar, Gagan & Kealy-Bateman, 2017). Das Bewusstsein für Essstörungen war größtenteils begrenzt auf die Beobachtungen von Ärzten, die ein restriktives Essverhalten feststellten und ein solches in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als „Verdauungs- oder Hormonstörung“ bezeichneten (Vandereycken, 2002). Erst 1980 wurde die Anorexia nervosa im DSM-III (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, 3. Ausgabe) erstmals als psychische Erkrankung erfasst und als eine Störung beschrieben, die unserem heutigen Verständnis näherkommt. Seitdem wurde in jeder überarbeiteten Ausgabe (einschließlich der letzten Ausgabe 2013) festgestellt, dass sich die diagnostischen Kriterien verändert haben, was wiederum zu einem veränderten Verständnis und einer anderen Wahrnehmung von Essstörungen geführt hat (s. „Abkürzungsverzeichnis“ und „Klassifikation von Fütter- und Essstörungen: DSM-5, American Psychiatric Association, 2015“). Wir glauben, dass die Geschichte wichtig ist und uns dabei hilft zu verstehen, wie Essstörungen betrachtet und diagnostisch eingeordnet werden, was sich wiederum nicht nur auf die Forschung, die bereitgestellten Geldmittel und die Gesetzgebung auswirkt, sondern letztlich auch auf die Qualität und Art der Behandlung sowie der Hilfsangebote für Personen mit Essstörungen. Essstörungen sind vielschichtig, komplex und betreffen Menschen unabhängig von ihrem Alter, Geschlecht und ethnischen Hintergrund. Schätzungen der Beat zufolge, der führenden britischen Organisation für Essstörungen, leiden in Großbritannien etwa 1,25 Millionen Menschen unter einer Essstörung (Beat, 2018). In Irland hingegen ist noch immer nicht bekannt, wie viele Menschen unabhängig von ihrem Alter an einer Essstörung leiden, weshalb man sich hier auf Zahlen internationaler Quellen (Health Service Executive [HSE] National Clinical Programme for Eating Disorders, 2018) beruft. Allerdings schätzt die Eating Disorders Association of Ireland, Bodywhys, dass pro Jahr etwa 1757 neue Fälle auftreten und dass 188?895 Menschen irgendwann in ihrem Leben von einer Essstörung betroffen sein werden (Bodywhys, 2018). Diese statistischen Zahlen (und das Fehlen solcher) haben wiederum Auswirkungen auf die Kosten für die Gesellschaft (Simon, Schmidt & Pilling, 2005) und auf den persönlichen Preis, den die Hilfe suchenden Betroffenen und ihre Angehörigen zahlen. Die menschlichen und finanziellen Belastungen für die Betroffenen, ihre Angehörigen und die Gesellschaft machen Essstörungen zu einem erheblichen Problem von öffentlichem Belang. Alle Kapitel dieses Buches basieren auf |19|drei Hypothesen. Sie bilden das Gerüst für unsere Versuche, die Person mit Essstörung zu verstehen. Diese lauten: Genesung ist möglich; Genesung braucht Zeit; Essstörungen stehen mit Beziehungen in Zusammenhang. Jede dieser drei Hypothesen wird in diesem Buch erklärt und näher ausgeführt. Damit geht einher, dass wir uns nicht auf eine Denkrichtung beschränken, um die Person mit Essstörung zu verstehen und mit ihr zu arbeiten, was auch in den einzelnen Kapiteln deutlich wird. Stattdessen befürworten wir ein ganzheitliches und personzentriertes Verständnis von Essstörungen, das die Unterstützung der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt und ihnen hilft, den eigenen Behandlungs- und Betreuungsplan mitzugestalten, wobei es anerkennt, dass es Zeiten geben kann, in denen dies nicht möglich ist. Das übergeordnete Ziel dieses Buches ist es, Praktizierende, die mit Personen mit Essstörungen therapeutisch arbeiten, zu befähigen, adäquate Unterstützung zu bieten. Diese Hilfe orientiert sich an den neuesten Erkenntnissen und berücksichtigt biologische, soziale und psychologische Aspekte. Sie bildet die Basis dafür, sich mit den tiefen emotionalen Erfahrungen bei der Betreuung, Behandlung und Genesung der Betroffenen auseinandersetzen und diese zu verstehen. Die Sorgen um ein Familienmitglied mit einer Essstörung, mit dem man zusammenlebt und um das man sich kümmert, haben Auswirkungen auf alle Familienmitglieder. Sie übernehmen die Rolle der Betreuenden und Unterstützenden und sind oftmals mit vielen Ängsten, Problemen und Bedürfnissen konfrontiert. Menschen mit einer Essstörung haben auf ihrem Weg zur Genesung ganz unterschiedliche Bedürfnisse und müssen sich vielen Herausforderungen stellen. Häufig verändern sich die Symptome einer Essstörung im Laufe der Zeit, was auch zu einer vollständig anderen Diagnose führen kann. Aus diesem Grund nehmen die Autorinnen und Autoren dieses Buches eine transdiagnostische Perspektive ein. Das bedeutet, dass der Begriff „Essstörung“ alle Essstörungen einschließt, solange diese nicht spezifiziert werden. Dazu zählen folgende Diagnosen: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung, Störung mit Vermeidung oder Einschränkung der Nahrungsaufnahme, Andere näher bezeichnete Fütter- oder Essstörung, Nicht näher bezeichnete Fütter- oder Essstörung. Essstörungen sind häufig von einem kurvenförmigen Verlauf mit Rückfällen und Remissionen gekennzeichnet. Sie sind auch mit Gefahren verbunden, doch lässt die Konzentration auf das Management von Symptomen und Körpergewicht auf dem Weg zur Genesung (Recovery) andere wichtige Aspekte wie Wohlbefinden und Lebensqualität außer Acht, die in Recovery-Modellen für andere psychische Störungen zum Tragen kommen. Die Tatsache, dass in den Genesungsprozess alle Aspekte des biopsychosozialen Seins einbezogen werden müssen, kann heute nicht mehr ignoriert werden. Dazu gehört eine partnerschaftliche, empathische und unterstützende Art des Umgangs aller an der Therapie Beteiligten. Ein solcher kooperativer Ansatz erhöht die Notwendigkeit für diejenigen, die für die Behandlung, Betreuung |20|und Genesung verantwortlich sind, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse auf diesem Gebiet zu erweitern. Jedoch beschäftigen sich nur wenige wissenschaftliche Arbeiten damit, was Genesung aus der Perspektive einer Essstörung bedeutet und, was noch wichtiger ist, wie sie in der Praxis umgesetzt werden kann. Wie bereits erwähnt ist es das Ziel dieses Buches, Essstörungen und die Genesung davon ganzheitlich zu betrachten, um den Leserinnen und Lesern verständlicher zu machen, was es bedeutet, eine Essstörung zu haben und diese zu überwinden und um zu verdeutlichen, wie unterstützende, genesungsfokussierte Beziehungen bestmöglich für eine effektive Arbeit mit der betroffenen Person und eine nachhaltige Gesundung genutzt werden können. Ein inklusiver, integrativer, genesungsorientierter Therapie- und Betreuungsansatz bei Personen mit psychischen Erkrankungen findet in der Forschung und klinischen Praxis immer mehr Anerkennung. Auch wenn das Bewusstsein für Essstörungen unter Praktizierenden, Betreuungspersonen und Angehörigen größer geworden ist, stehen ihnen nur wenige Informationen zur Verfügung, die sie befähigen, Personen mit Essstörungen besser zu verstehen und adäquater auf sie zu reagieren. Dieses Buch richtet sich an ein breites Spektrum Praktizierender. Dazu zählen sowohl diejenigen, die noch keine Erfahrungen mit Essstörungen haben, als auch diejenigen, die zwar bereits Erfahrungen gesammelt haben und möglicherweise auch gut geschult sind, sich nun aber in ihrer Arbeit weiterentwickeln wollen. Ein gemeinschaftliches Engagement, bei dem Praktizierende mit der Person mit Essstörung (unabhängig von ihrem Alter) und ihren Angehörigen zusammenarbeiten, kann Angst und Unsicherheit verstärken – ein Beispiel dafür, dass Praktizierende in ihrer Arbeit viele Aspekte berücksichtigen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch zum Nachdenken anregt und Orientierung bietet bei dem fordernden, aber lohnenswerten Bemühen um eine erfolgreiche Arbeit mit Personen, die unter einer Essstörung leiden. ...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.