Buch, Deutsch, 177 Seiten, Format (B × H): 145 mm x 210 mm
Buch, Deutsch, 177 Seiten, Format (B × H): 145 mm x 210 mm
ISBN: 978-3-89722-640-1
Verlag: Logos
Hinter der Flexibilität menschlichen Verhaltens steht die Fähigkeit, Ziele zu bilden, sie aufrechtzuerhalten und gegen andere Ziele oder störende Reize abzuschirmen, bis das gesetzte Ziel erreicht wurde. Oder anders: Entsprechend unserer Ziele reagieren wir auf ausgewählte Reizmerkmale in einer bestimmten Art und Weise. Die beschriebenen Fähigkeiten werden unter dem Sammelbegriff "exekutive Funktionen" zusammengefaßt. Exekutive Funktionen sind allgemeine Kontrollprozesse, diebestimmen, wie das kognitive System Umweltreize verarbeitet.
Der flexible Umgang mit Reizen wird im Labor durch das sogenannte Aufgabenwechselparadigma simuliert.Versuchspersonen wird hierbei ein Reiz präsentiert, der je nach Aufgabe eine andere Bedeutung besitzt. Verwendet manverschiedene, farbige Formen, dann soll die Versuchsperson bspw. entweder die Reizform klassifizieren, aber die Farbeignorieren oder die Reizfarbe beachten und beurteilen, aber die Form ignorieren. Wiederholt sich in zwei benachbartenDurchgängen die zu beachtende Reizdimension ("Farbe - Farbe"), dann spricht man von einer Aufgabenwiederholung, ändertsich die zu beurteilende Reizdimension, dann von einem Aufgabenwechsel ("Farbe - Form"). Sowohl bei einemAufgabenwechsel als auch bei einer -wiederholung kann sich der beurteilende Reiz wiederholen ("grünes X - grünes X"), sich teilweise wiederholen ("grünes X - rotes X") oder sich vollständig ändern ("grünes X - rotes O"). Durch einen speziellentwickelten Experimentalaufbau war es außerdem möglich, die beschriebenen Reizwiederholungen bzw. -wechsel orthogonal mit Reaktionswiederholungen bzw. -wechsel zu kombinieren. Durch die Analyse von Reiz- undReaktionswiederholungseffekten und deren Interaktion (Bindungseffekte), sowie die Abhängigkeit solcher Effekte von derWiederholung bzw. dem Wechsel der Aufgabe sollte untersucht werden, wie Aufgaben kognitiv repräsentiert sind.
Es ergab sich, daß die Bindungseffekte noch über den Aufgabenwechsel hinaus bestanden, allerdings reduziert. Dieses Ergebnis zeigte einerseits, daß Aufgabenrepräsentationen keine pure Funktion exekutiver Prozesse sind, da Bindungseffekte auch noch nach einem Aufgabenwechsel gefunden wurden. Andererseits machte das Ergebnis deutlich, daß dieBindungseffekte kontextspezifisch waren, da ihre Größe durch einen Aufgabenwechsel verringert wurde.
In Kontrollexperimenten konnte gezeigt werden, daß dieses Ergebnis weder durch eine unzureichende Vorbereitung der Versuchsperson noch durch die Möglichkeit der Aufgabenvorhersage erklärt werden konnte. Darüber hinaus ergab sich, daßReaktionsmerkmale nur mit dem aktuell relevanten Reizmerkmal gebunden wurden und daß zufällig variierende Situationsreizekeinen Einfluß auf die Modulation der Bindungseffekte hatten.
Aus den Ergebnissen ergeben sich zwei Schlußfolgerungen: Erstens stellen Aufgabenrepräsentationen keine geschlossenen Regelsysteme dar und zweitens beeinflussen Aufgabenkontrollprozesse die Bindung von Reiz- und Reaktionsmerkmalendurch die Selektion der relevanten Reizdimensionen.