Puntigam / Freistetter / Jungwirth | Warum landen Asteroiden immer in Kratern? | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Puntigam / Freistetter / Jungwirth Warum landen Asteroiden immer in Kratern?

33 Spitzenantworten auf die 33 wichtigsten Fragen der Menschheit
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-446-25906-5
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

33 Spitzenantworten auf die 33 wichtigsten Fragen der Menschheit

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-446-25906-5
Verlag: Carl Hanser
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Warum landen Asteroiden immer in Kratern? Können Drachen Feuer speien? Ist der Leib Christi glutenfrei? Kann man in einem Schwarzen Loch zu spät kommen? Wieso sollte man Selfie und Selfing nicht verwechseln? Und warum vergessen wir auf dem Weg von einem Zimmer ins andere, was wir wollten? Die Science Busters beantworten letztgültig, wie es ihre Art ist, die fundamentalen Fragen der Menschheit.

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Kurze Antwort: ? So super, wie Sie ihn gerne hätten. ? Lange Antwort: ? In der Welt der Superhelden gibt es nicht nur Superman, sondern auch Supergirl, warum soll es dann im Weltall neben Supererde nicht auch Supermond geben? Der Mond an sich ist ja schon ein beeindruckender Anblick – wie toll muss dann erst ein Supermond sein? Nur, was macht den Mond wann super, und wann ist er nur Clark Kent? Als Supermond bezeichnet man den Vollmond, oder auch Neumond, wenn er sich gerade ganz besonders nahe an der Erde befindet. Wie nahe ist besonders nahe, und warum macht der Mond das? Die Bahn des Mondes um die Erde ist keine exakte Kreisbahn, sondern beschreibt eine Ellipse. Der Punkt der Bahn, an dem der Mond der Erde am nächsten kommt, wird Perigäum genannt, der erdfernste Punkt Apogäum. Das ist würdig und recht, denn geo bedeutet Erde, peri um herum und apo weg. Diese Punkte sind aber nicht fix, da die Bahn des Mondes sich aufgrund der gravitativen Störungen der Erde und anderer Himmelskörper im Laufe der Zeit ändert. Im Mittel ist das Perigäum 363.296 Kilometer von der Erde entfernt. Es kann sich aber auch auf 356.400 Kilometer nähern bzw. auf 370.300 Kilometer entfernen. Das Apogäum ist im Mittel 405.504 Kilometer entfernt, kann sich aber auch grob 1000 Kilometer näher oder 1000 Kilometer ferner befinden. Supermond gibt es also im Perigäum, wenn gerade Voll- oder Neumond zu beobachten sind. Angeblich soll der Mond als Supermond dann besonders groß am Himmel erscheinen. So ist es zumindest immer wieder in Zeitungen zu lesen. Der Mond selber liest aber offenbar nicht dieselben Gazetten wie wir und weiß deshalb nichts davon, dass er ausgerechnet dann besonders groß am Himmel erscheinen soll. Der scheinbare Durchmesser des Vollmondes ändert sich im Laufe eines Jahres ständig. Eben weil die Bahn des Mondes um die Erde eine Ellipse und kein Kreis ist, ist er mal weiter, mal weniger weit entfernt, und daher erscheint er uns auch immer unterschiedlich groß. Diese Größenunterschiede sind aber vergleichsweise unbedeutend. Betrachtet man den Mond an seinem erdfernsten Punkt, und vergleicht das mit dem erdnächsten Punkt, dann beträgt der scheinbare Größenunterschied ungefähr 14 Prozent. Das ist in etwa der Größenunterschied zwischen einer 1- und einer 2-Euro-Münze. Das ist eine Differenz, die man mit freiem Auge bemerken könnte, es aber so gut wie nie tut. Warum? Weil man dafür Übung in der Himmelsbeobachtung braucht und ein sehr gutes Gefühl für die Größenverhältnisse. Sonst ist der Mond halt der Mond, und man wird keinen besonderen Unterschied sehen. Wenn wir ihn überhaupt sehen, denn bei bedecktem Himmel kann sich der Mond herausputzen wie er will, niemand schaut hin, egal ob Peri- oder Apogäum, da kann er genauso gut nackt aufgehen und unrasiert über den Himmel ziehen und hinten an der Hose klebt ein Streifen Klopapier und flattert im Nachtwind. Nur wenn man Fotos vergleicht, hat man auch als Laie die Chance, den Größenunterschied zu erkennen. Das gilt noch mehr – also natürlich kann etwas nur Geltung besitzen oder nicht, da haben Sie recht, aber umgangssprachlich gesagt giltet es noch mehr –, wenn man zwei direkt aufeinanderfolgende Vollmonde vergleicht. Da ist der Unterschied nie größer als 1,3 Prozent, und das merkt man dann wirklich nicht mehr. Und das ist noch nicht alles. Die Sache wird noch ein wenig komplizierter, wenn man die Mondtäuschung berücksichtigt. Der Mond ändert seine scheinbare Größe nicht nur, weil er der Erde manchmal näher ist und manchmal weiter entfernt. Es gibt auch noch einen Effekt, der nur in unserer Wahrnehmung stattfindet, eine optische Täuschung, die dafür sorgt, dass uns ein Vollmond sehr viel größer erscheint, wenn er nahe dem Horizont steht, als wenn wir ihn hoch am Himmel sehen. Das hat aber nichts mit seinem Abstand zur Erde oder einem »Supermond« zu tun, sondern mit unserem Gehirn. Warum das genau passiert, ist noch immer nicht endgültig geklärt, aber es gibt ein Mittel, diese Täuschung zu überlisten. Wenn man sich vorbeugt und den Mond kopfüber durch seine Beine betrachtet, kann das Gehirn nicht alles so schnell umrechnen, und der Mond hat seine wahre Größe. Das heißt, wenn man bei Vollmond nachts mehrere Menschen kopfüber mit dem Kopf zwischen den Beinen beobachtet, dann kontrollieren die nicht, ob es im Schritt schon riecht, sondern wollen den Mond in seinen richtigen Ausmaßen sehen. Oder beides. Supermond kommt übrigens nicht dramatisch selten vor. Dazu muss man sich nur ansehen, wann der Mond wo zu stehen kommt. Der Zeitraum, der vergeht, bis der Mond von der Erde aus gesehen wieder die gleiche Phase zeigt wie zuvor, also etwa zwischen einem Vollmond und dem nächsten, wird synodischer Monat genannt und beträgt 29,53 Tage. Betrachtet man den Zeitraum, der vergeht, bis der Mond wieder genau den gleichen Punkt entlang seiner Bahn erreicht, sind das aber nur 27,55 Tage. Das wird anomalistischer Monat genannt. Für einen »Supermond« müssen wir beide Perioden betrachten, denn es geht ja um den Zeitraum, der vergeht, bis der Mond wieder die gleiche Phase und die gleiche Position seiner Bahn einnimmt, also zeitgleich wieder voll ist und im erdnächsten Punkt steht. Man sucht dazu einen Zeitraum, der sich sowohl durch eine ganze Zahl von synodischen als auch durch eine ganze Zahl von anomalistischen Monaten teilen lässt. In diesem Fall sind das knapp 413 Tage. 14 synodische Monate entsprechen 413,43 Tagen, 15 anomalistische Monate 413,32 Tagen. Es dauert also höchstens ein Jahr und 48 Tage, bevor sich ein »Supermond« wiederholt. Das ist nicht einmal für ein Menschenleben sehr lange, und für einen Mond, den es immerhin schon ein paar Milliarden Jahre gibt, erst recht nicht. Außerdem ist das die längste Zeit zwischen zwei Supermonden. Es geht auch deutlich kürzer. Wenn zu Vollmond das Perigäum der Erde gerade besonders nahe ist, dann können auch die Vollmonde im Monat davor und danach »Supermonde« sein; es kann also bis zu drei »Supermonde« in den 413 Tagen geben. Und das ist dann schon öfter als Weihnachten und Ostern zusammen, was schon jeweils für sich nicht besonders selten anfällt. Der »Supermond« ist also weder besonders groß noch besonders selten. In der Astronomie würde man das Ereignis als ein spezielles Syzygium bezeichnen. So wird jede Konstellation genannt, bei der Sonne, Mond und die Erde in einer Linie stehen. Und genau das passiert ja bei einem Vollmond oder Neumond. Im ersten Fall steht die Erde zwischen Sonne und Mond, und im zweiten Fall steht der Mond zwischen Sonne und Erde. Ein »Supermond« ist also ein Perigäum-Syzygium. Was daran super sein soll, weiß niemand so genau, und folglich handelt es sich bei »Supermond« auch nicht um einen astronomischen Fachausdruck, sondern einen astrologischen, erfunden vom US-amerikanischen Sterndeuter Richard Nolle. Der wollte, wie es sein Beruf nahelegt, aber überhaupt nichts Wissenschaftliches damit bezwecken, sondern einfach ein bisschen in der Gegend herumwarnen, wie das Astrologen gerne machen, wenn der Tag lange ist. Angeblich soll ein »Supermond« extreme gravitative Störungen auf die Erde ausüben und so extreme Stürme, extreme Erdbeben, Vulkanausbrüche und andere Katastrophen auslösen. Dass das nicht der Fall ist, lässt sich durch die vorhandenen Aufzeichnungen leicht belegen. Die Gezeiten können ein wenig stärker ausfallen als sonst, wenn der Mond sich besonders nahe an der Erde befindet, aber wenn dann nicht auch noch das Wetter mit Stürmen für zusätzliche Flut sorgt, passiert nicht viel. Wie der Vollmond überhaupt nichts anderes kann als der Neumond oder irgendein dazwischen teilweise beschienener Mond. Der Mond ist immer derselbe, ein annähernd kugelförmiger Felsen mit einem Durchmesser von rund 3500 Kilometern in einer Entfernung von knapp 400.000 Kilometern. Auch sein Licht ist zu keiner Zeit irgendetwas Besonderes. Der Mond leuchtet bekanntlich nicht einmal, das macht die Sonne, der Mond ist eine faule Sau, lässt sich anscheinen und reflektiert nur. Und dieses reflektierte Licht sehen wir, manchmal mehr, manchmal weniger. Alles, was Mondlicht machen können soll, müsste also Sonnenlicht um ein Vielfaches besser können. Dass deshalb verschiedene Tätigkeiten zu verschiedenen Zeiten des Mondzyklus besser oder schlechter gelingen sollen, ist genau aus diesem Grund natürlich ausschließlich esoterischer Unsinn. Das sieht man schon daran, welche Tätigkeiten in Mondkalendern in der Regel Berücksichtigung finden. Mehrheitlich handelt es sich um altmodische, eigentlich antimoderne Ratschläge, vielfach für einfache, bäuerliche Arbeiten: wann man säen soll und wann ernten, zu welchem Zeitpunkt das Haupthaar beim Schneiden mithilft und wann einem Baum das Umgeschnittenwerden am besten gefällt. Ich und mein Holz ist nämlich auch in der Esoterik ein Hit, aber leider ohne Ironie. Kaum einmal findet man zeitgemäße Tipps, etwa wann ein Festplatten-Back-up in die Cloud ansteht, welcher Zeitpunkt für Tierversuchsreihen im Labor am günstigsten liegt oder ob man DNA eher bei Vollmond oder Neumond gentechnisch verändern soll. Es gibt nur drei Ausnahmen, im Rahmen derer der Vollmond auf das Leben der Menschen sehr wohl Einfluss haben kann. Erstens spüren Menschen, die Vollmondseminare anbieten, Mondkalender mit speziellem Mondwissen und dergleichen Unfug mehr, den Einfluss des Mondes zum Teil ganz beträchtlich, und zwar auf ihrem Konto. Zweitens kann ein heller Vollmond helfen, wenn man betrunken aus dem Wirtshaus nach Hause torkelt, dass man nicht so...


Freistetter, Florian
Florian Freistetter, geboren 1977, hat an der Universität Wien Astronomie studiert. 2008 rief er das Astronomie-Blog Astrodicticum simplex ins Leben, das zu den meistgelesenen Wissenschaftsblogs in deutscher Sprache gehört. Sein Podcast „Sternengeschichten“ zählt zu den erfolgreichsten Wissenschaftspodcasts in deutscher Sprache. Bei Hanser erschienen u.a. Der Komet im Cocktailglas (2013), ausgezeichnet mit dem Preis „Wissenschaftsbuch des Jahres 2014“, Die Neuentdeckung des Himmels (2014), „Wissensbuch des Jahres“ in der Kategorie Publikumswahl, sowie zuletzt Hawking in der Nussschale: Der Kosmos des großen Physikers (2018). 2015 wurde er festes Mitglied der Wissenschaftskabarettgruppe Science Busters. Seit 2016 erscheint in Spektrum der Wissenschaft seine Kolumne „Freistetters Formelwelt“.

Puntigam, Martin
Autor für Film, Druck, Funk und Fernsehen, mit sage und schreibe zwölf Preisen ausgezeichneter Kabarettist, Gründungsmitglied und seitdem hautenger MC der Science Busters feat. Purpur, seit 2016 Universitäts-Lektor an der Karl-Franzens-Universität Graz. Initiator des seit 2016 jährlich vergebenen Heinz Oberhummer Awards für Wissenschaftskommunikation.

Jungwirth, Helmut
Professor für Wissenschaftskommunikation (der erste seiner Art in Österreich) und wissenschaftlicher Leiter des Geschmackslabors an der Karl-Franzens-Universität Graz. Das Spezialgebiet des Molekularbiologen ist Erde, genauer: deren Geschmack und Verkochbarkeit. Gemeinsam mit dem Schweizer Koch Rolf Caviezel hat er ganze Erd-Menüs kreiert.



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