E-Book, Deutsch, 344 Seiten
Reihe: MM-Reisen
Reiter / Wistuba Wachau Reiseführer Michael Müller Verlag
6. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96685-241-8
Verlag: Michael Müller Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Waldviertel, Weinviertel. Individuell reisen mit vielen praktischen Tipps
E-Book, Deutsch, 344 Seiten
Reihe: MM-Reisen
ISBN: 978-3-96685-241-8
Verlag: Michael Müller Verlag
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Wachau - Rechtes Donauufer Majestätisch markiert Stift Melk auf einem steil abfallenden Felshügel den Beginn der Wachau. Das touristisch ruhigere Südufer der Donau erstreckt sich bis zum Stift Göttweig und bietet schöne Ausflugs- und Wanderziele, und auch der Wein- und Heurigenkultur begegnet man auf dieser Flussseite. Stift Melk - ein barockes Glanzlicht der Wachau Während Stift Melk der Besuchermagnet ist, zeigt das rechte südliche Donauufer flussabwärts die sanfte, vom Massentourismus noch eher unbehelligte Seite der Wachau. Von der Sonne weniger verwöhnt, wächst hier weniger Wein, hier breiten sich Wald, Marillen- und Apfelplantagen aus. Was aber nicht heißt, dass es hier keine erstklassigen Winzer gibt und die fehlende Mittagssonne in Zeiten des Klimawandels durchaus zum Vorteil werden könnte. Der Donauradler findet auf dem diesseitigen Radweg noch ausreichend Platz, dafür aber kaum ein Geschäft, die Etappen des Welterbesteigs sind auf diesem Ufer anspruchsvoller, die Busse fahren leider seltener. Kinder und Burgenliebhaber kommen mit Aggstein auf ihre Kosten, Kirchenfreunde halten an der Kartause Aggsbach und in Maria Langegg. Ebenfalls nicht versäumen darf man den krönenden Schlusspunkt am Südufer, Stift Göttweig und die Heurigen in Rossatz-Arnsdorf, die mit einem fantastischen Blick zu den berühmten Orten am Nordufer punkten. Zwei Rollfähren und eine Fahrradfähre setzen in den Sommermonaten dorthin über, Brücken über die Donau gibt es nur in Melk und Krems. Melk5500 Einwohner • 213 m Das Kloster, in dem seit über 900 Jahren Benediktinermönche wirken, ist der prächtigste Barockbau im gesamten Donautal und ein Glanzlicht Österreichs oder auf einer Donaukreuzfahrt. Bis zu 500.000 Besucher pro Jahr wurden in Vor-Corona-Jahren gezählt. Auf dem Melker Rathausplatz Wie kaum anderswo gelang es hier, aus Fluss, Landschaft und Kloster ein harmonisches Ganzes zu entwerfen und das imposante Projekt auch tatsächlich zu vollenden. Und unterhalb der gewaltigen Südfront des Stifts duckt sich die kleine Stadt Melk, deren historischer Ortskern auch einen Rundgang verdient. Der steile, 57 m hohe Uferfelsen am Beginn des engen Wachautals war wohl schon zur Römerzeit besiedelt. Als Kaiser Otto II. 976 den Babenberger Leopold I. mit der Mark Ostarrichi belehnte, wählte dieser den Felsen als seinen Herrschaftssitz. Er ließ eine Burg mit Kirche bauen, in der 1014 der unverweste Leichnam des Märtyrers Koloman bestattet wurde (? Kastentext). Als Wien zum Machtzentrum aufrückte, übergab Markgraf Leopold II. die Burg Melk 1089 Benediktinermönchen aus Lambach. Das neue Kloster entwickelte sich dank seiner Schule und Schreibstube zum kulturellen Mittelpunkt des Babenbergerreiches. Die „Melker Reform“, eine bedeutende Erneuerungsbewegung gegen die Verweltlichung der Klöster, ging 1418 von hier aus. Reformation, Osmaneneinfälle und mehrere Brände führten im 16./17. Jh. beinahe zum Ruin. An Stelle einer Reparatur entschied sich Abt Berthold Dietmayr 1702 für einen barocken Neubau der Kirche und 1711 für eine Neugestaltung der kompletten Anlage. Er engagierte dafür Jakob Prandtauer, der nach seinem Tod 1726 durch seinen Schüler und Neffen Joseph Munggenast ersetzt wurde. 1746 war der Bau schließlich vollendet. Sehenswertes Stift Melk: Die Klosteranlage wird von hinten betreten, dort ist auch der große Parkplatz. Man durchquert den Garten mit dem Stiftsrestaurant (? Essen & Trinken) und steht dann vor dem Stiftsportal. Vom Rathausplatz gelangt man am schnellsten über die Sechsergasse hier herauf. Das Portal wird von zwei Basteien flankiert, die linke stammt von 1650, die rechte fügte Prandtauer 1736 aus optischen Gründen hinzu. Sie birgt einen Klostershop, Sonderausstellungen des Stiftsgymnasiums und eine Aussichtsterrasse (nur mit Ticket). Statuen beiderseits der Toreinfahrt stellen die Heiligen Koloman und Leopold, die Stiftspatrone dar. Durch den Torwartlhof (links Ticketverkauf, rechts Schließfächer) und eine weitere, mit einem Deckenfresko zum Ordensgründer Benedikt geschmückte Torhalle (Benediktihalle) erreicht man den 82 x 42 m großen Prälatenhof. In der Mitte steht ein Brunnen, bis 1722 war es jener, der heute den Melker Rathausplatz ziert. Die den Hof umschließenden Fassaden sind mit Apostel- und Prophetenstatuen und modernen Fresken zu den vier Kardinaltugenden geschmückt. In den Gebäudetrakten rechts ist das traditionsreiche öffentliche Stiftsgymnasium (ca. 840 Schüler/innen) untergebracht und der nur bei Konzerten zugängliche barocke Kolomanisaal, geradeaus erblickt man die Kuppel der Stiftskirche. Links vorn betritt man hinter einem Torbogen einen schmalen Arkadenhof, der das Kloster von der Kirche trennt. Gleich rechts befindet sich die Prälatur, der Amtssitz des Abts, mit einem prächtigen, selten zugänglichen Festsaal, dessen Gemäldegalerie auch ein Werk von Lukas Cranach zeigt. Wer kein Ticket hat, kann über einen Seiteneingang einen kleinen Teil der Kirche betreten. Für alle anderen geht es über die Kaiserstiege hinauf zu den Kaiserzimmern, die sich am 196 m langen, mit Herrscherporträts geschmückten Kaisergang reihen. Sie dienten einst prominenten Besuchern, wie Maria Theresia oder Napoleon und deren Hofstaat als Gästezimmer. Heute beherbergen 11 von ihnen das Stiftsmuseum, das in moderner Inszenierung die Geschichte und Gegenwart des Ordens und des Klosters erzählt und einzelne seiner Kunstschätze (u. a. Altarbilder von Jörg Breu, 1502, und dem berühmten Kremser Schmidt) vorstellt. Die kostbarsten Exponate, wie das Melker Kreuz von 1362, ein goldgeschmiedetes Reliquienkreuz mit einem Splitter vom Kreuz Christi, bleiben aber in der Schatzkammer verschlossen und sind nur auf Videos zu bestaunen. Auf die Kaiserzimmer folgen die beiden Prunkräume des Stiftes: Der Marmorsaal mit einem prächtigen Deckenfresko von Paul Troger (1731, man sieht Pallas Athene auf ihrem Löwenwagen und Herkules, der den Höllenhund erschlägt) und Stuckmarmor an den Wänden diente als Fest- und Speisesaal für die Gäste. Von hier tritt man hinaus auf die Altane, den einzigartigen Terrassenvorbau, den Prandtauer knapp am Felsabbruch platzierte. Sie bietet einen wunderbaren Blick ins Tal, auf die berühmte Doppelturmfassade und die Stadt am Fuß des Stiftsfelsen und führt elegant hinüber zur Bibliothek, dem zweiten Prunksaal, der aus zwei Räumen besteht. Hier ließ Umberto Eco seinen berühmten Roman „Der Name der Rose“ beginnen. Die zweigeschossige, ganz mit braun-goldenen, intarsierten und durch einen Balkon zugänglichen Bücherregalen angefüllte Bibliothek beeindruckt durch die harmonische Raumwirkung und die in Blautönen gehaltenen Deckenfresken von Paul Troger (1732), sie zeigen Allegorien des Glaubens bzw. der Wissenschaft. Vergoldete Holzfiguren an den Türen des Hauptraums stellen die vier Fakultäten dar, in den Nischen stehen zwei Coronelli-Globen. Insgesamt besitzt die Melker Bibliothek rund 100.000 Bände sowie 2000 Handschriften und frühe Druckwerke. Östlich an die Bibliothek, die mitsamt ihren Büchern bei laufendem Betrieb bis 2032 saniert wird, schließt der abgeschiedene Klausurtrakt an, die Gemeinschaft umfasst rund 25 Mönche. Auch der Stiftspark ist eine Sehenswürdigkeit Über eine prächtig barocke Wendeltreppe (Blick nach oben!) kommt man nun zum krönenden Abschluss des Rundgangs, die Stiftskirche, deren in Rotbraun- und Goldtönen gehaltenes Inneres vollendete Barockkunst ist. Den Blick fesseln die eindrucksvollen Deckenfresken von Johann Michael Rottmayr, die im Langhaus den Hl. Benedikt und in der 65 m hohen Vierungskuppel Gottvater, Jesus und die Evangelisten darstellen. Der marmorne Säulenhochaltar zeigt ein figurenreiches Schauspiel: In der Mitte nehmen die Kirchenpatrone Petrus und Paulus vor ihrem Martyrium voneinander Abschied, zu beiden Seiten flankiert von drei Propheten. Die Seitenaltarbilder stammen ebenfalls von Rottmayr bzw. von Paul Troger. Der Kolomani-Altar links im Querschiff bewahrt in einem Sarkophag die Gebeine des Heiligen. Ihm gewidmet ist auch die Statue im schönen Kolomanihof vor der Turmfassade, wo der Rundgang endet. Von April bis Allerheiligen kann der zwischen Parkplatz und Stiftsportal gelegene Stiftspark besichtigt werden (tägl. 9-18 Uhr, Eintritt). Er erstreckt sich über drei Ebenen und besteht aus einem Barockgarten und einem englischen Landschaftspark. Zum Barockteil gehört ein Gartenpavillon von 1748, den Johann Wenzel Bergl mit exotischen Wand- und Deckenfresken ausmalte....