Ruhland / Daube | Die Anwendung von ESG-Kriterien im Rahmen von Private Equity-Finanzierungen | Buch | 978-3-96146-958-1 | sack.de

Buch, Deutsch, 132 Seiten, Paperback, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 275 g

Reihe: 26

Ruhland / Daube

Die Anwendung von ESG-Kriterien im Rahmen von Private Equity-Finanzierungen


Erstauflage 2023
ISBN: 978-3-96146-958-1
Verlag: Diplomica Verlag

Buch, Deutsch, 132 Seiten, Paperback, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 275 g

Reihe: 26

ISBN: 978-3-96146-958-1
Verlag: Diplomica Verlag


Das Thema „Nachhaltigkeit“ findet in weiten Teilen der Bevölkerung immer größeres Interesse. In der Finanzwelt gibt es eine große Anzahl von Investitionsmöglichkeiten für private und institutionelle Investoren, die mit dem Attribut „Nachhaltigkeit“ versehen sind. Diese Entwicklung hat es zu Folge, dass sich auch Private Equity-Fondsmanager dem gestiegenen Interesse der Investoren nicht mehr entziehen können. In seiner Masterarbeit beschäftigt sich Jannis Ruhland mit der Anwendung von ESG-Kriterien bei Private Equity-Finanzierung.
Die Bedingungen der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR), welche die Private Equity-Gesellschaften als Anbieter alternativer Investmentfonds dazu verpflichten offenzulegen,
ob und inwieweit ihre Fonds Nachhaltigkeitskriterien beru¨cksichtigen, stellt gleichermaßen eine Herausforderung und ein Wertsteigerungspotenzial für Private Equity-Fondsmanager dar. Gleichwohl existieren aufgrund fehlender Transparenz noch Unklarheiten hinsichtlich der Ausrichtung auf Fondsmanager und der von ihnen gewählten Gewichtung von Einflussfaktoren bei der Beru¨cksichtigung von ESG-Kriterien in Private Equity-Finanzierungen. Hier setzt der Autor an und hinterfragt, inwieweit ESG-Kriterien im gesamten Investitionszyklus einer Private Equity-Transaktion tatsächlich berücksichtigt werden.

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Textprobe:

Kapitel 2.2., Abgrenzung zu klassischen Finanzierungsformen:

Herkömmliche Finanzierungen sind davon geprägt, das klassische Anlagedreieck, welches aus den Renditemöglichkeiten, der Risikominimierung und der Liquiditätssituation besteht, im Einklang zu halten. Nachhaltige Geldanlagen gehen über diese Zielsetzung hinaus, da diese neben dem konventionellen Anlagedreieck ebenfalls ethische, ökologische, soziale oder Governance-relevante Aspekte berücksichtigen und auf eine lenkende Wirkung abzielen. Diese lenkende Wirkung wird in Anlegerkreisen als sogenannter Impact bezeichnet, welcher im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch genauer thematisiert wird. Dabei erfolgt eine Unterscheidung zwischen einem Push-Impact, welcher die Wirkungen der Kapitalanlage bei den Institutionen untersucht, die mit dem Geld wirtschaften und einem Pull-Impact, welcher die Wirkung analysiert, die bei den Anlegern selbst initiiert wird. Ein Auslöser dafür, dass Privatanlegerinnen und Privatanleger vermehrt ökologische und soziale Fragestellungen in ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen, liegt möglicherweise in der Finanzkrise aus dem Jahre 2008, die dafür sorgte, dass das Vertrauen in die Akteure der klassischen Finanzbranche in großen Teilen verloren ging. Um dieses Vertrauen zurückzugewinnen, könnte die Anwendung von Gütesiegeln als Entscheidungsunterstützung für Privatanleger eine immer wichtiger werdende Rolle spielen.
Grundsätzlich können Investoren nach ihren jeweiligen Anlagepräferenzen in verschiedene Kategorien unterteilt werden. In diesem Kontext sind zunächst die ökonomistischen Investoren zu nennen. Kennzeichnend für diese Anlegergruppe ist es, dass sie Investitionsentscheidungen exklusiv an finanziellen Aspekten ausrichtet und es auch in Kauf nehmen würde, moralisch fragwürdige Branchen zu unterstützen, sofern das Investment als lukrativ angesehen wird. Konventionelle Investoren agieren ebenfalls primär renditeorientiert, jedoch wollen sie dabei moralkonform investieren und kontroverse Geschäftsfelder meiden. In Abgrenzung zu diesen beiden Anlegergruppen sind supererogatorische Investoren bereit, einen finanziellen Malus wie eine Renditeminderung oder eine Risikoerhöhung zu akzeptieren, sofern der Kapitalerhalt garantiert ist, da sie nicht primär finanziell, sondern ideell motiviert sind. Sie fokussieren nachhaltige Investments, die moralische Mindeststandards übertreffen und ideelle, ökologische oder soziale Ziele verfolgen.
Eine Orientierungsgrundlage für nachhaltig ausgerichtete Investoren bilden sogenannte Nachhaltigkeitsratings, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit ebenfalls genauer vorgestellt werden. Nachhaltigkeitsratings beinhalten abseits von Bonitätsaspekten ökologische und soziale Fragestellungen, nachhaltigkeitsrelevante Kennzahlen sowie ein modernes Verständnis von Nachhaltigkeit.
Eine abschließende Betrachtung des Marktes für nachhaltige Geldanlagen in Abgrenzung zu klassischen Finanzierungsformen erfolgt durch die sogenannten „Socially Responsible Investments“. Dieser Begriff, welcher als Synonym für nachhaltige Kapitalanlagen fungiert, wird vorwiegend durch zwei Anlagestrategien charakterisiert. Dies betrifft zum einen passive Anlagestrategien, die darauf abzielen, bestimmte Ausschlusskriterien wie die Investition in Rüstungsgüterunternehmen festzulegen. Auf der anderen Seite sollen durch aktive Anlagestrategien und einen direkten Austausch zwischen Geldgeber und Management, die Unternehmensführungen zu einem nachhaltigeren Wirken motiviert werden.
2.3., Aktuelle Entwicklungen in Deutschland und Europa:

Seit dem Jahr 2005 präsentiert das Forum für nachhaltige Geldanlagen (FNG) regelmäßig Daten für den deutschen, österreichischen und schweizerischen Finanzmarkt über Strategien zur nachhaltigen Kapitalanlage und unterscheidet dabei auf einer Produktebene zunächst zwischen einem Engagement, beziehungsweise den Dialogstrategien und einer Stimmrechtsausübung. Darüber hinaus untersucht das Forum den Stellenwert der beiden Anlagestrategien im Gegensatz zu anderen Strategien der nachhaltigen Geldanlage und hält fest, dass die Fokussierung auf Ausschlusskriterien den höchsten Stellenwert in Deutschland und Österreich im Jahr 2019 darstellt. In der Schweiz ist es die ESG-Integration. Insgesamt analysiert das FNG acht nachhaltige Anlagestrategien auf Produktebene, die neben den bereits benannten Strategien des Engagements, der Stimmrechtsausübung, der Ausschlüsse und der ESG-Integration zusätzlich eine Best-in-Class-Strategie, ein Impact Investment, nachhaltige Themenfonds und ein normenbasiertes Screening beinhalten.
Neben der Untersuchung der Anwendung dieser Strategien auf Produktebene, analysiert das FNG ebenfalls nachhaltige Anlagestrategien auf Institutionsebene und betrachtet dabei ebenfalls das Engagement, die ESG-Integration, ein normenbasiertes Screening oder die Stimmrechtsausübung. Hinzufügend wird jedoch auch ein Bekenntnis zu öffentlichen Standards oder Prinzipien wie den Principles for Responsible Investments (PRI) oder Treuhandpflichten geprüft.
Im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung des Marktes für nachhaltige Geldanlagen und verantwortliche Investments in Deutschland zeigt sich, dass das Interesse an dieser Finanzierungsform immer weiter an Zuwachs gewinnt. Demzufolge ist das Gesamtvolumen nachhaltiger Geldanlagen zum 31. Dezember 2021 um 50 Prozent auf 501,4 Milliarden Euro gestiegen, wovon 60 Prozent mit einem Volumen von 246 Milliarden Euro von nachhaltigen Publikumsfonds verzeichnet werden, deren Volumen im Vergleich zu den Vorjahren um 130 Prozent gestiegen ist.
Auch hinsichtlich des Marktanteils für nachhaltige Publikumsfonds, Mandate und Spezialfonds in Deutschland sowie der präferierten Anlagestrategien sind signifikante Veränderungen zu vermerken. Demnach betrug der Marktanteil im Jahr 2021 einen Wert von 9,4 Prozent, was einem Wachstum von drei Prozentpunkten entspricht und die am stärksten präferierte Anlagestrategie liegt in Deutschland nun erstmals in der ESG-Integration. Zudem ist es hervorzuheben, dass sich das Volumen der Privatanlegerinnen und Privatanleger 2021 mit einem Wert von 131,2 Milliarden Euro verdreifachte, was dazu geführt hat, dass der Anteil der Anlegertypen der nachhaltigen Mandate, Publikumsfonds und Spezialfonds nun zu 36 Prozent von Privatanlegerinnen und Privatanlegern ausgemacht wird. Im Vorjahr waren es noch 18 Prozent und 82 Prozent lagen bei den institutionellen Investoren.
Im Europäischen Raum veröffentlicht das European Sustainable Investment Forum (Eurosif) seit 2003 in der Regel alle zwei Jahre Berichte zur nachhaltigen Geldanlage in Europa. Eine Studie von Eurosif mit dem Stand 31.12.2013, für die 224 Anbieter und Investoren aus zwölf europäischen Staaten, darunter Deutschland, Spanien, Frankreich, Norwegen, Österreich, Belgien, Finnland, Norwegen und die Schweiz hinsichtlich ihrer nachhaltigen Anlageprodukte untersucht wurden, zeigte auf, dass Ausschüsse mit einem Volumen von 6,9 Billionen Euro einen Wert von 41% am gesamten europäischen Anlagemarkt ausmachen. An zweiter Stelle benennt Eurosif das Engagement, also einen langfristigen Dialog, welcher darauf abzielen soll, den unternehmerischen Umgang mit ESG-Kriterien zu verbessern, sowie die Stimmrechtsausübung. An dritter Stelle liegt das Impact Investment. Bezüglich des Engagement-Volumens ist auf europäischer Ebene ein deutliches Wachstum zu verzeichnen. Demnach ist das Volumen im Jahr 2017, welches 2005 noch bei 730 Milliarden Euro lag, auf einen Wert von 4,9 Billionen Euro gestiegen.
Vor allem die skandinavischen Länder weisen einen hohen Anteil auf, wobei ebenfalls deutliche Zuwächse in Italien erkennbar sind sowie signifikante Entwicklungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hinsichtlich der Engagement-Themen hält Eurosif fest, dass Governance-Aspekte vorwiegen, soziale und ökologische Belange jedoch an Relevanz gewinnen und privat geführte Dialoge am häufigsten auftreten.



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