E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Sachse Persönlichkeitsstile
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95571-941-8
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wie man sich selbst und anderen auf die Schliche kommt
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-95571-941-8
Verlag: Junfermannsche Verlagsbuchhandlung
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Komplexe psychische Strukturen einfach und unterhaltsam erklärt Jeder Mensch weist aufgrund seiner Biografie bestimmte Persönlichkeitseigenarten oder „Persönlichkeitsstile“ auf. Sie sind etwas völlig Normales und umfassen Ressourcen, persönliche Möglichkeiten und Kompetenzen, aber auch – je nach Kontext – Nachteile und Risiken. In starker Ausprägung stellen sie sogar „Störungen“ dar, weil die persönlichen Probleme überwiegen. Dieses Buch - stellt wissenschaftlich fundiert die in der Psychologie bekannten Persönlichkeitsstile und -Störungen vor, - vermittelt ein Verständnis für die eigenen Persönlichkeitsmuster, - hilft dabei, das eigene Handeln und Denken zu verändern, und - ermöglicht es, Verhaltensweisen anderer Menschen einzuordnen und adäquat damit umzugehen.
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Sozialwissenschaften Psychologie Psychotherapie / Klinische Psychologie Psychopathologie
- Sozialwissenschaften Psychologie Psychologie / Allgemeines & Theorie Psychologie: Allgemeines
- Medizin | Veterinärmedizin Medizin | Public Health | Pharmazie | Zahnmedizin Medizin, Gesundheitswesen Medizin, Gesundheit: Sachbuch, Ratgeber
- Sozialwissenschaften Psychologie Psychologie / Allgemeines & Theorie Psychologie: Sachbuch, Ratgeber
- Sozialwissenschaften Psychologie Allgemeine Psychologie Sozialpsychologie
Weitere Infos & Material
2. Wie „funktionieren“ Persönlichkeiten
In diesem und im nächsten Kapitel sollen die wesentlichen psychologischen Aspekte erläutert werden, die einen Persönlichkeitsstil ausmachen: Motive, Annahmen, Erwartungen und Manipulationen. 2.1 Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Persönlichkeitsstilen
Alle Persönlichkeitsstile unterscheiden sich voneinander: Auf diese Weise lassen sie sich gut voneinander abgrenzen. Ein histrionischer Stil „funktioniert“ anders als ein paranoider Stil: Ein wesentliches Anliegen einer Person mit histrionischem Stil ist es, von anderen Aufmerksamkeit zu bekommen; ein wesentliches Anliegen einer Person mit einem paranoiden Stil ist es, die eigenen Grenzen zu schützen und sich nicht kontrollieren zu lassen. Die Menschen mit den jeweiligen Stilen haben auch ganz unterschiedliche Annahmen über sich selbst: Die Person mit histrionischem Stil glaubt von sich, für andere nicht wichtig zu sein, und meint daher, dass sie selbst dafür sorgen muss, dass andere ihr Aufmerksamkeit geben. Eine Person mit paranoidem Stil nimmt dagegen an, dass sie ihre eigenen Grenzen schlecht schützen kann und dass sie deshalb besonders aufmerksam und misstrauisch sein muss, damit es nicht zu Grenzverletzungen kommt. Die Beispiele zeigen jedoch nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Gemeinsamkeiten: Jeder Stil hat bestimmte überdauernde Anliegen, sogenannte Motive, also Zustände, die angestrebt werden, für deren Erreichung die Person einiges tut, weil sie ihr wichtig sind. Alle Persönlichkeitsstile weisen zentrale Motive auf. Sie unterscheiden sich aber in der Art der jeweiligen Motive. Alle Persönlichkeitsstile weisen auch bestimmte Annahmen über sich selbst auf, sogenannte Selbstschemata, z. B. Annahmen über eigene Fähigkeiten, Kompetenzen, Wichtigkeiten, Attraktivitäten usw. Und wiederum unterscheiden sich die Persönlichkeitsstile in der Art der jeweiligen Annahmen. Es soll hier im Buch von Schemata gesprochen werden, wenn die psychologische Funktion vorrangig gemeint ist, und von Annahmen, wenn vor allem auf die Inhalte der Schemata Bezug genommen wird. Auf einem übergreifenden Niveau haben also alle Persönlichkeitsstile Gemeinsamkeiten: Sie beinhalten Motive und Annahmen über sich selbst und, wie wir noch sehen werden, weitere psychologische Aspekte. Auf der Ebene der jeweiligen Inhalte unterscheiden sich die einzelnen Persönlichkeitsstile jedoch stark voneinander. 2.1.1 Motive Motive sind ein wesentlicher Aspekt der Psyche: Sie bestimmen, welche Ziele wir entwickeln, und verfolgen, womit wir zufrieden und wann wir unzufrieden sind. Motive sind überdauernde Anliegen, also Zustände, die wir anstreben, die wir immer wieder erreichen (oder aufrechterhalten) wollen: Bei dem sogenannten Anschlussmotiv geht es einer Person zum Beispiel darum, Kontakte zu anderen Personen herzustellen, aufrechtzuerhalten, zu pflegen und dies immer wieder. Hat eine Person mit hohem Anschlussmotiv einen Zustand hergestellt, in dem sie Kontakt zu anderen hat, ist sie zufrieden: Das Motiv ist befriedigt. Ist sie dagegen (längere Zeit) allein, dann ist sie unzufrieden, das Motiv wird frustriert. Personen mit hohem Anschlussmotiv tun viel dafür, Kontakte herzustellen: Sie verbringen viel Zeit mit anderen, bemühen sich um Kontakte, zeigen Initiative, um Kontakte herzustellen, usw. Das heißt, ihr Motiv beeinflusst ihr Handeln in sehr hohem Maße. Solche Motive bilden eine Hierarchie: Je wichtiger, je zentraler ein Motiv ist, desto höher steht es in der Motiv-Hierarchie und desto stärker beeinflusst es das Handeln einer Person. Bei Persönlichkeitsstilen geht es dabei vor allem um sogenannte Beziehungsmotive, also um Anliegen darüber, was man speziell in Beziehungen will: Welche Art von Feedback man sich wünscht, welche Arten von Handlungen anderer man als positiv empfindet und welche nicht. Man kann sechs Beziehungsmotive unterscheiden, die bei Persönlichkeitsstilen eine große Rolle spielen: Anerkennung Wichtigkeit Verlässlichkeit Solidarität Autonomie Grenzen / Territorialität Anerkennung Das Motiv nach Anerkennung bedeutet, dass man von anderen Personen die Botschaft erhalten möchte, dass man als Person o. k. und liebenswert sowie kompetent ist, über Fähigkeiten oder über Attraktivität verfügt und insgesamt positive Eigenschaften aufweist. Man möchte z. B. hören: „Du bist als Person o. k.“ „Du bist intelligent.“ „Du siehst gut aus.“ „Du bist attraktiv.“ … Erhält man solche Anerkennungen, fühlt man sich wohl und genießt die Anwesenheit derer, die dieses Feedback geben. Bleiben diese Botschaften aus, fühlt man sich unwohl, und erhält man gar die gegenteiligen, abwertenden Botschaften wie „Du bist inkompetent“, „Du bist nicht o. k.“, „Du bist unattraktiv“ o. Ä., dann fühlt man sich richtiggehend schlecht: traurig, abgelehnt usw. Ebenso fühlt man sich vom Interaktionspartner schlecht behandelt und dementsprechend wird man „sauer“ auf sein Gegenüber. Viele Menschen, die ein spezifisches Motiv wie z. B. Anerkennung aufweisen, glauben, dass das für alle Menschen gelte. Das ist aber nicht der Fall! Für manche Menschen ist Anerkennung von sehr untergeordneter Bedeutung, wohingegen andere Motive zentral wichtig sind. Wichtigkeit Beim Motiv Wichtigkeit will man von anderen Botschaften darüber empfangen, dass man in deren Leben eine bedeutsame Rolle spielt. Botschaften, die man in dieser Weise interpretiert, sind z. B.: „Ich gebe dir Aufmerksamkeit.“ „Ich nehme dich ernst.“ „Ich verbringe gerne Zeit mir dir.“ … Solche Botschaften führen zu angenehmen Gefühlen. Botschaften der Art „Du bist mir gleichgültig“, „Ich ignoriere dich“, „Ich will nichts mit dir zu tun haben“ führen dagegen zu (stark) negativen Affekten. Verlässlichkeit Das Motiv nach Verlässlichkeit bedeutet, dass man Botschaften darüber erhalten möchte, dass eine Beziehung stabil ist und belastbar ist und auch unter schwierigen Bedingungen bestehen bleibt. Man sehnt sich nach Botschaften wie: „Ich bleibe bei dir.“ „Konflikte stellen die Beziehung nicht infrage.“ „Ich bleibe in der Beziehung, egal, was passiert.“ … Derartige Botschaften führen zu einem Gefühl von Sicherheit. Botschaften wie „Ich kann dich jederzeit verlassen“, „Jeder Streit stellt unsere Beziehung infrage“ u. a. machen Angst. Solidarität Das Motiv nach Solidarität bedeutet, dass man Botschaften erhalten möchte, die zeigen, dass jemand im Ernstfall „an meiner Seite steht“ und mich unterstützt („stand by me“). Es sind Botschaften wie: „Wenn du mich brauchst, dann komme ich.“ „Wenn du krank bist, bin ich für dich da.“ „Wenn du Hilfe brauchst, bekommst du sie.“ „Wenn du angegriffen wirst, dann verteidige ich dich.“ „Ich werde mich nie gegen dich wenden.“ … Erhält man solche Botschaften, erzeugt das ein Gefühl von Geborgenheit. Erhält man gegenteilige Botschaften wie „Ich lasse dich im Stich“, „Ich bin nicht für dich da“ u. Ä., dann erzeugt dies meist ein Gefühl von Verlassensein und Traurigkeit. Autonomie Das Motiv nach Autonomie bedeutet, dass man bestimmte Lebensbereiche selbst bestimmen will und weder bevormundet noch kontrolliert werden möchte: Man will z. B. seine Kleidung selbst bestimmen, seine Freunde, seine Freizeit u. a. Und man möchte, dass Interaktionspartner dies akzeptieren und respektieren, die Autonomie unterstützen und sich nicht ungefragt einmischen oder versuchen, einen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Halten sich die Mitmenschen daran, resultiert daraus ein Gefühl von Freiheit und Eigenständigkeit. Wird man hingegen bevormundet, entsteht meist Ärger. Grenzen / Territorialität Das Motiv nach Grenzen / Territorialität bedeutet, dass man bestimmte Bereiche („Domänen“, also Bereiche, die einem wichtig sind) als seine Territorien bestimmt und darum Grenzen definiert: mein Körper, mein Zimmer, mein Schreibtisch etc. Man möchte, dass Interaktionspartner diese Grenzen respektieren und nicht ohne Erlaubnis in das Territorium eindringen. Respektieren andere diese Grenzen, hat man ein Gefühl von Sicherheit, respektieren Interaktionspartner diese nicht, resultiert ein Gefühl von Bedrohung. Bei körperlichen Übergriffen (sexuelle Übergriffe, Gewalt etc.) kann das Gefühl der Bedrohung einen existenziellen Charakter annehmen! 2.1.2 (Selbst- und Beziehungs-)Annahmen Wir alle haben eine große Anzahl von Annahmen, die man auch als Grundüberzeugungen oder Glaubenssysteme bezeichnen kann: Annahmen darüber, wie die Welt funktioniert, Annahmen darüber, was in Beziehungen passiert, Annahmen über uns selbst usw. Besonders wichtig sind Selbstannahmen und Beziehungsannahmen. Selbstannahmen sind Annahmen darüber, wie oder was man selbst ist oder nicht ist; Beziehungsannahmen sind Annahmen darüber, wie Beziehungen funktionieren oder was man in Beziehungen zu erwarten oder nicht zu erwarten hat. Selbstannahmen können positiv oder negativ sein. So kann eine Person von sich positiv...