Sachse | Persönlichkeitsstörungen | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

Sachse Persönlichkeitsstörungen

Leitfaden für die Psychologische Psychotherapie
3., aktualisierte und erweiterte Auflage 2019
ISBN: 978-3-8409-2906-9
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Leitfaden für die Psychologische Psychotherapie

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

ISBN: 978-3-8409-2906-9
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Das Buch ist ein praxisorientierter Leitfaden für die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen. Es wird ein psychologisches Modell von Persönlichkeitsstörungen vorgestellt, das „Modell der Doppelten Handlungsregulation“, das die charakteristischen interaktionellen Schwierigkeiten und therapeutischen Probleme von Klienten mit diesen Störungen erklärt. Aus diesem Modell werden psychologische Handlungsprinzipien und therapeutische Strategien abgeleitet, mit deren Hilfe Therapeuten die Interaktionsprobleme gut bewältigen und Klienten zu einer effektiven Veränderung führen können. Es werden alle acht „reinen“ Persönlichkeitsstörungen ausführlich behandelt: ihre spezifischen Charakteristika, ihre besonderen interaktionellen Eigenheiten und spezifische therapeutische Vorgehensweisen, mit deren Hilfe Therapeuten die Klienten zu einer Veränderung motivieren können und Klienten zu einer Änderung dysfunktionaler Schemata und Verhaltensweisen anleiten können. Besonderer Wert wird auf die Bearbeitung spezifischer Interaktionsprobleme wie Tests, Vermeidungsverhalten und interaktionelle Spiele gelegt, sodass Therapeuten sich gut auf die Klienten einstellen und die spezifischen Schwierigkeiten gut meistern können.
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Zielgruppe


Psychologische und Ärztliche Psychotherapeuten, Psychiater, Klinische Psychologen und Studierende der Klinischen Psychologie.


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Persönlichkeitsstörungen;1
1.1;Inhaltsverzeichnis;7
2;1 Wesentliche Grundkonzepte von Persönlichkeitsstörungen;15
2.1;1.1Einleitung;15
2.2;1.2Der Begriff „Persönlichkeitsstörung“;16
2.3;1.3Stil und Störung;17
2.4;1.4Das Stellen von Diagnosen;17
2.5;1.5Ressourcen;18
2.6;1.6 Persönlichkeitsstörungen als Beziehungsstörungen;19
2.7;1.7Unterschiede zu Achse-I-Klienten;19
2.8;1.8Expertise der Therapeuten;20
2.9;1.9Die Relevanz von DSM und ICD;20
3;2 Charakteristika von Persönlichkeitsstörungen;22
3.1;2.1Einleitung;22
3.2;2.2Ich-Syntonie;22
3.3;2.3Änderungsmotivation;23
3.4;2.4Klienten sind stark beziehungsmotiviert;23
3.5;2.5Interaktionsspiele;24
3.6;2.6Tests;25
3.7;2.7Probleme für die Therapeuten;25
4;3 Ein allgemeines psychologisches Funktionsmodell für Persönlichkeitsstörungen;28
4.1;3.1Einleitung;28
4.2;3.2Das Modell der Doppelten Handlungsregulation;28
4.2.1;3.2.1Einleitung;28
4.2.2;3.2.2Die Ebene der authentischen Handlungsregulation oder Motivebene;30
4.2.3;3.2.3Dysfunktionale Schemata;33
4.2.4;3.2.4 Die Ebene der intransparenten Handlungen oder Spielebene;36
4.3;3.3Manipulation und Spiel;43
4.3.1;3.3.1Einleitung;43
4.3.2;3.3.2Der Begriff der Manipulation;44
4.3.3;3.3.3Der Begriff „Spiel“;45
4.3.4;3.3.4 Manipulative Strategien im Lichte der Impression-Management-Forschung;45
4.4;3.4 Manipulation: Psychologische Begriffbestimmung;49
4.4.1;3.4.1Definition von Manipulation;49
4.4.2;3.4.2Reziprozität;50
4.5;3.5Ziele und prinzipielle Vorgehensweisen bei der Manipulation;53
4.5.1;3.5.1Ziele der Manipulation;53
4.5.2;3.5.2Strategische Ziele;53
4.5.3;3.5.3Images und Appelle;54
4.5.4;3.5.4Inhaltliche Ziele;57
4.6;3.6Manipulative Strategien;59
4.6.1;3.6.1Komplexe Spielstrukturen;59
4.6.2;3.6.2Positive und negative Strategien;60
4.6.3;3.6.3Standardspiele;62
4.7;3.7 Eine Konsequenz auf der Motivebene: Andauernde Unzufriedenheit;68
4.8;3.8Das Verhältnis von authentischem Handeln zum Spielhandeln;69
4.9;3.9Langfristig negative Konsequenzen;69
4.10;3.10Das System ist nicht lernfähig;70
4.11;3.11Tests;72
5;4 Diagnostische Charakteristika von Persönlichkeitsstörungen;75
5.1;4.1Einleitung;75
5.2;4.2Beziehungsmotive;75
5.3;4.3Dysfunktionale Schemata;76
5.4;4.4Kompensatorische Schemata;76
5.5;4.5Interaktionsspiele;77
5.6;4.6Allgemeines Modell und spezifische Störungen;78
6;5Therapeutische Strategien für Klienten mit Persönlichkeitsstörungen;79
6.1;5.1Einleitung;79
6.2;5.2Klärungsorientierte Psychotherapie;79
6.3;5.3 Klärungsorientierte Psychotherapie von Persönlichkeitsstörungen: Therapiephasen;82
6.4;5.4Therapeutische Strategien für Phase 1;83
6.4.1;5.4.1Modellbildung;83
6.4.2;5.4.2Komplementäre Beziehungsgestaltung;84
6.4.3;5.4.3Explizierung der Beziehungsmotive;93
6.4.4;5.4.4Steuern und Internalisieren;94
6.4.5;5.4.5Verstehen und Klären;96
6.4.6;5.4.6Bearbeiten von Vermeidung;97
6.4.7;5.4.7Bestehen von Tests;97
6.4.8;5.4.8Ressourcen-Aktivierung;98
6.5;5.5Therapeutische Strategien in Phase 2;98
6.5.1;5.5.1Entwicklung eines Arbeitsauftrages;98
6.5.2;5.5.2Beziehungskonto wieder füllen;104
6.5.3;5.5.3Klären;105
6.5.4;5.5.4Biographische Arbeit;105
6.5.5;5.5.5Umgang mit Vermeidung;106
6.6;5.6Therapeutische Strategien in Phase 3;107
6.6.1;5.6.1Klärung von Schemata;107
6.6.2;5.6.2Bearbeitung von Alienation;107
6.7;5.7 Therapeutische Strategien in Phase 4: Bearbeitung von Schemata;110
6.8;5.8Therapeutische Strategien in Phase 5: Transfer;113
7;6Arten von Persönlichkeitsstörungen;115
7.1;6.1Einleitung;115
7.2;6.2 „Reine“ und „hybride“ Persönlichkeitsstörungen;115
7.3;6.3Nähe- und Distanzstörungen;117
7.4;6.4Unterschiede zwischen Nähe- und Distanz-Störungen;118
7.4.1;6.4.1Vertrauen und Beziehungsausnahme;118
7.4.2;6.4.2Affekte und Verarbeitungsprozesse;119
7.4.3;6.4.3Therapeutische Konsequenzen;119
7.4.4;6.4.4Forschungsstand;119
7.5;6.5Weitere spezifische Therapieansätze;120
7.6;6.6Überblick über die Störungen;121
8;7Die narzisstische Persönlichkeitsstörung;126
8.1;7.1Beschreibung und Typen der Störung;126
8.1.1;7.1.1Die bisherige Definition: Erfolgreiche Narzissten;127
8.1.2;7.1.2 Diagnostik: DSM-Kriterien: Eine Definition erfolgreicher Narzissten;127
8.1.3;7.1.3Überblick über empirisch validierte Charakteristika von Narzissmus;128
8.1.4;7.1.4Therapeutische Erfahrungen;133
8.2;7.2Die Definition der Störung „Narzissmus“;137
8.2.1;7.2.1Definitionskriterien von Narzissmus;137
8.2.2;7.2.2Erfolgreiche Narzissten;141
8.2.3;7.2.3Charakteristika gescheiterter Narzissten;150
8.2.4;7.2.4Erfolglose Narzissten;153
8.3;7.3Therapeutische Vorgehensweisen;159
8.3.1;7.3.1Einleitung;159
8.3.2;7.3.2 Allgemeine therapeutische Strategien für „Narzissmus“;159
8.3.3;7.3.3Therapeutische Strategien für erfolgreiche Narzissten;174
8.3.4;7.3.4Therapeutische Strategien für gescheiterte Narzissten;175
8.3.5;7.3.5Therapeutische Strategien für erfolglose Narzissten;176
9;8Die histrionische Persönlichkeitsstörung;179
9.1;8.1Beschreibung der Störung und Störungstypen;179
9.1.1;8.1.1Allgemeine Charakteristika;179
9.1.2;8.1.2Empirische Befunde;179
9.1.3;8.1.3Prävalenz und Geschlechterunterschiede;180
9.1.4;8.1.4Verlauf;181
9.1.5;8.1.5Komorbidität;182
9.2;8.2Beschreibung;183
9.2.1;8.2.1Erfolgreiche und erfolglose Histrioniker;185
9.3;8.3Definition der histrionischen Störung;186
9.3.1;8.3.1Zentrale Beziehungsmotive;186
9.3.2;8.3.2Dysfunktionale Schemata;187
9.3.3;8.3.3Kompensatorische Schemata;188
9.3.4;8.3.4Manipulation;190
9.3.5;8.3.5Tests;192
9.3.6;8.3.6Besonderheiten;193
9.3.7;8.3.7Erfolgreiche und erfolglose Histrioniker;196
9.4;8.4Therapeutische Strategien;199
9.4.1;8.4.1Therapeutische Strategien in Phase 1;199
9.4.2;8.4.2Therapeutische Strategien in Phase 2;205
9.5;8.5Therapeutische Strategien in Phase 3;210
9.5.1;8.5.1Klärungsprozess;210
9.5.2;8.5.2Explizierung durch den Therapeuten;210
9.5.3;8.5.3Trojanische Pferde;211
9.5.4;8.5.4Biographische Arbeit;211
9.6;8.6Therapeutische Strategien in Phase 4;212
9.7;8.7Phase 5: Transfer;212
9.8;8.8Bearbeitung von Alienation;213
9.9;8.9 Therapeutische Strategien bei erfolglosen Histrionikern;213
10;9Die dependente Persönlichkeitsstörung;217
10.1;9.1Therapeutische Probleme;217
10.2;9.2Beschreibung der Störung;218
10.3;9.3Empirische Befunde;218
10.4;9.4Relevante Charakteristika;221
10.5;9.5 Definition der dependenten Persönlichkeitsstörung;222
10.5.1;9.5.1Beziehungsmotive;222
10.5.2;9.5.2Dysfunktionale Schemata;223
10.5.3;9.5.3Kompensatorische Schemata;224
10.5.4;9.5.4Manipulative Strategien;224
10.5.5;9.5.5Tests;226
10.5.6;9.5.6Besonderheiten;226
10.6;9.6Therapeutische Strategien;231
10.6.1;9.6.1Therapeutische Strategien in Phase 1;231
10.6.2;9.6.2Therapeutische Strategien in Phase 2;234
10.6.3;9.6.3Therapeutische Strategien in Phase 3: Klären;237
10.6.4;9.6.4Therapeutische Strategien in Phase 4;238
10.7;9.7Transfer;239
11;10 Die selbstunsichere Persönlichkeitsstörung;240
11.1;10.1 Abgrenzung der selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung von sozialer Phobie;240
11.2;10.2Beschreibung der Störung;241
11.3;10.3 Charakteristika der selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung;241
11.4;10.4Definition der Störung;244
11.4.1;10.4.1Zentrale Beziehungsmotive;244
11.4.2;10.4.2Dysfunktionale Schemata;244
11.4.3;10.4.3Kompensatorische Schemata;246
11.4.4;10.4.4Spiele und Tests;246
11.4.5;10.4.5Besonderheiten;247
11.5;10.5Therapeutische Strategien;249
11.5.1;10.5.1Therapeutische Strategien in Phase 1;249
11.5.2;10.5.2Therapeutische Strategien in Phase 2;251
11.5.3;10.5.3Therapeutische Strategien in Phase 3;251
11.5.4;10.5.4Therapeutische Strategien in Phase 4;252
11.6;10.6Transfer;255
12;11 Die Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung;256
12.1;11.1Beschreibung und Charakteristika der Störung;256
12.1.1;11.1.1Beschreibung;256
12.1.2;11.1.2Charakteristika: Empirische Ergebnisse;258
12.1.3;11.1.3Prävalenz und Komorbidität;259
12.2;11.2Definition der Störung;259
12.2.1;11.2.1Zentrale Beziehungsmotive;259
12.2.2;11.2.2Dysfunktionale Schemata;260
12.2.3;11.2.3Kompensatorische Schemata;263
12.2.4;11.2.4Manipulation;264
12.2.5;11.2.5Tests;266
12.2.6;11.2.6Besonderheiten;266
12.3;11.3Therapeutisches Vorgehen;269
12.3.1;11.3.1Therapeutische Strategien in Phase 1;269
12.3.2;11.3.2Therapeutische Strategien in Phase 2;272
12.3.3;11.3.3 Therapeutische Strategien in Phase 3: Klären von Schemata;273
12.3.4;11.3.4 Therapeutische Strategien in Phase 4: Bearbeitung von Schemata;274
12.3.5;11.3.5Spezifische Interventionen;274
12.4;11.4Transfer;275
13;12Die schizoide Persönlichkeitsstörung;276
13.1;12.1Beschreibung und Charakteristika der Störung;276
13.1.1;12.1.1Beschreibung;276
13.1.2;12.1.2Prävalenz und Komorbiditäten;278
13.1.3;12.1.3Weitere Charakteristika;278
13.2;12.2Konzepte der KOP;278
13.2.1;12.2.1Zentrale Beziehungsmotive;279
13.2.2;12.2.2Dysfunktionale Schemata;280
13.2.3;12.2.3Kompensatorische Schemata;281
13.2.4;12.2.4Manipulation;282
13.2.5;12.2.5Tests;282
13.2.6;12.2.6Besonderheiten;283
13.3;12.3Therapeutische Vorgehensweisen;285
13.3.1;12.3.1Therapeutische Strategien in Phase 1;285
13.3.2;12.3.2 Therapeutische Strategien in Phase 2: Umgang mit Spielebene und Tests;287
13.3.3;12.3.3 Therapeutische Strategien in Phase 3: Klärung der Schemata;287
13.3.4;12.3.4 Therapeutische Strategien in Phase 4: Bearbeitung der Schemata;288
13.3.5;12.3.5Spezifische Interventionen;288
13.4;12.4Transfer;289
14;13Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung;290
14.1;13.1Beschreibung und Charakteristika der Störung;290
14.1.1;13.1.1Beschreibung;290
14.1.2;13.1.2Prävalenz und Komorbidität;292
14.1.3;13.1.3Biographische Erfahrungen;292
14.2;13.2Definition der Störung;297
14.2.1;13.2.1Zentrale Beziehungsmotive;297
14.2.2;13.2.2Dysfunktionale Schemata;298
14.2.3;13.2.3Kompensatorische Schemata;299
14.2.4;13.2.4Manipulation;301
14.2.5;13.2.5Tests;301
14.2.6;13.2.6Besonderheiten;302
14.3;13.3Therapeutische Strategien;304
14.3.1;13.3.1Therapeutische Strategien in Phase 1;304
14.3.2;13.3.2Therapeutische Strategien in Phase 2;308
14.3.3;13.3.3Therapeutische Strategien in Phase 3;310
14.3.4;13.3.4 Therapeutische Strategien in Phase 4: Bearbeitung von Schemata;311
14.4;13.4Transfer;311
15;14Die paranoide Persönlichkeitsstörung;312
15.1;14.1Beschreibung und Charakteristika der Störung;312
15.1.1;14.1.1Beschreibung;312
15.1.2;14.1.2Prävalenz und Komorbidität;315
15.2;14.2Definition der Störung;315
15.2.1;14.2.1Zentrale Beziehungsmotive;315
15.2.2;14.2.2Dysfunktionale Schemata;316
15.2.3;14.2.3Kompensatorische Schemata;318
15.2.4;14.2.4Manipulation, Images und Appelle;319
15.2.5;14.2.5Tests;320
15.2.6;14.2.6Besonderheiten;320
15.2.7;14.2.7Nähe, Distanz und Bindung;321
15.2.8;14.2.8Ich-Syntonie, Perspektive und Vermeidung;321
15.2.9;14.2.9Kosten;322
15.3;14.3Therapeutische Strategien;322
15.3.1;14.3.1Therapeutische Strategien in Phase 1;322
15.3.2;14.3.2Therapeutische Strategien in Phase 2;326
15.3.3;14.3.3 Therapeutische Strategien in Phase 3: Klären von Schemata;327
15.3.4;14.3.4 Therapeutische Strategien in Phase 4: Spezifische Interventionen;328
15.4;14.4Transfer;329
16;Literatur;330
17;Endnoten;374


|1|1 Wesentliche Grundkonzepte von Persönlichkeitsstörungen
1.1 Einleitung
Das Konzept „Persönlichkeitsstörungen“ (es wird hier dafür die Abkürzung „PD“ für „personality disorders“ gewählt) hat eine lange Geschichte, und das hat zur Folge, dass sich sehr unterschiedliche Vorstellungen dazu entwickelt haben; Vorstellungen, die z.?T. weit voneinander abweichen und die kaum noch kompatibel sind* .1 Neuere Entwicklungen des Konzeptes gehen davon aus, dass man Persönlichkeitsstörungen nach zwei Aspekten erfassen sollte: Man sollte konzeptualisieren, was PD im Allgemeinen psychologisch sind, und zweitens genau definieren, was, auf der Grundlage dieses allgemeinen Konzeptes, einzelne PD ausmacht.2 Solche Überlegungen wurden auch im DSM-5 aufgegriffen (APA, 2013). Das hier vorgestellte Konzept von Persönlichkeitsstörungen verfolgt ein äquivalentes Vorgehen: Es wird ein allgemeines Modell über das „psychologische Funktionieren von Persönlichkeitsstörungen“ vorgestellt und, auf der Grundlage dieses Modells, werden die einzelnen Störungen definiert. Außerdem werden aus dem allgemeinen wie aus den spezifischen Modellen therapeutische Implikationen abgeleitet (vgl. Döring & Sachse, 2008a, 2008b, 2008c, 2017a, 2017b, 2017c). Die Aufgabe dieses Buches soll jedoch nicht darin bestehen, die Konzeptentwicklungen nachzuzeichnen oder zu diskutieren: Die Aufgabe des Buches soll vielmehr darin bestehen, ein bestimmtes Konzept von Persönlichkeitsstörungen, nämlich das der Klärungsorientierten Psychotherapie (KOP), darzustellen. Zu diesem Zweck werden zunächst grundlegende Vorstellungen des Ansatzes über Persönlichkeitsstörungen deutlich gemacht, um aufzuzeigen, von welchen Vorstellungen hier ausgegangen werden soll. |2|1.2 Der Begriff „Persönlichkeitsstörung“
Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass es Störungen gibt, die sehr umfassend, sehr tiefgreifend und sehr behandlungsresistent sind, und diese Störungen wurden deshalb als „Störungen der Gesamtpersönlichkeit“ (bzw. des „Charakters“) aufgefasst (vgl. Kernberg, 1978; Kretschmer, 1921; Schneider, 1923). Nach heutigen psychologischen Analysen muss man immer noch davon ausgehen, dass diese Störungen komplex sind und dass die spezifischen psychologischen Konstellationen der Störungen diese immer noch relativ schwer behandelbar machen (vgl. Millon, 1996, 2011; O’Donohue et?al., 2007): Man entfernt sich aber weitgehend von den Auffassungen, die Störungen als „Störungen der Persönlichkeit“ anzusehen. Vielmehr wird deutlich, dass die Merkmale, die eine PD charakterisieren, häufig auch schon in leichteren Ausprägungen vorkommen und dann als weitgehend „normal“ gelten: Und damit erscheinen dann „schwerere“ Ausprägungen nur noch als „Extremisierungen normal-psychologischen Geschehens“ (Fiedler, 2007; Fiedler & Herpertz, 2016) und damit als eine „Variation des Normalen“ und nicht mehr als „pathologisch“. Damit hat eine weitgehende Tendenz zur „Entpathologisierung“ und „Normalisierung“ von „Persönlichkeitsstörungen“ eingesetzt: Weiterhin ist aber klar, dass die Störungen den Personen große Kosten erzeugen und dass es daher sinnvoll ist, sie therapeutisch zu behandeln; es ist aber auch wichtig, die Betroffenen nicht zu stigmatisieren. Wir (Sachse, Sachse & Fasbender, 2010, 2011; Sachse, Fasbender, Breil & Sachse, 2012) würden, anders als Emmelkamp und Kamphuis (2007), Persönlichkeitsstörungen damit auch nicht als eine „chronic psychiatric disorder [...] characterized by pathological personality traits“ auffassen. Ich halte es für unangemessen, von „pathologischen traits“ zu sprechen, und ich weiß auch nicht, was genau eine „psychiatric disorder“ sein soll: Da Persönlichkeitsstörungen sich gut psychologisch erklären und psychotherapeutisch behandeln lassen, sind sie aus meiner Sicht eine Domäne der Psychologie. Es ist wesentlich, Persönlichkeitsstörungen als extreme Ausprägungen „normaler“ psychologischer Prozesse aufzufassen, die den betreffenden Personen so hohe Kosten erzeugen, dass eine Psychotherapie sinnvoll ist. Und damit werden Klienten mit PD hier auch nicht als „infantil“, „unreif“, „pathologisch“, „schwer gestört“ oder als „charakterlich defizitär“ eingestuft oder bezeichnet: Es ist wichtig, von solchen Abwertungen wegzukommen. (Dies ist schon wichtig, um mit den Klienten eine gute therapeutische Beziehung zu gestalten!) Im Grunde wäre es sinnvoll, auf den Begriff „Persönlichkeitsstörungen“ zu verzichten oder ihn durch den Begriff „Interaktionsstörung“ zu ersetzen. Da der Be|3|griff sich aber weitgehend eingebürgert hat, kann man ihn weiter verwenden, wenn man weiß, was man damit meinen will und was nicht. 1.3 Stil und Störung
Damit in Zusammenhang steht die Auffassung, dass eine psychologisch definierbare Einheit wie z.?B. eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ein Kontinuum bildet, das von einem „leichten Stil“ bis zu einer „schweren Störung“ reicht (Kuhl, 2001; Kuhl & Kazén, 1997). Personen mit einem leichten Stil weisen Charakteristika einer psychologischen Einheit in leichter Ausprägung auf und Personen mit einer schweren Störung weisen diese Charakteristika in einer massiven Ausprägung auf. Eine wichtige Implikation dieser Sichtweise ist, dass es keine eindeutigen Kriterien dafür gibt, wann aus einem Stil eine Störung wird (deutlich ist, dass auch DSM- oder ICD-Kriterien vollkommen willkürlich und keineswegs empirisch validiert sind!): Im Grunde gibt es keine empirisch validen Kriterien, die angeben könnten, wann genau aus einem Stil eine Störung wird.3 Daher ist es im Psychotherapieprozess sinnvoll, jeweils mit einem Klienten auszuhandeln, ob der Klient seine Störung letztlich für so „störend“ hält, dass er eine Therapie für indiziert erachtet. Auf keinen Fall kann ein Therapeut einem Klienten eine Psychotherapie verweigern, weil er „nicht genügend Kriterien“ erfüllt; eine solche Vorgehensweise ist weder empirisch noch ethisch zu rechtfertigen. 1.4 Das Stellen von Diagnosen
Ein wichtiger Aspekt der „Entpathologisierung“ ist, dass man Diagnosen von PD nicht stellt, um Personen „abzustempeln“: Stellt man „offizielle“ Diagnosen (also solche, die an offizielle Stellen weitergeleitet werden), dann sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass diese durchaus gegen Klienten verwendet werden können und damit sollte man vorsichtig sein. Intern, d.?h. in der Supervision, dienen Diagnosen aber ausschließlich dazu zu verstehen, was genau die Störung des Klienten ist, um dann konstruktiv mit dem Klienten umgehen zu können. Der Sinn von Diagnosen ist ausschließlich, daraus sinnvolle therapeutische Maßnahmen ableiten zu können (Sachse, 2017a). |4|Daher ist es prinzipiell sinnvoll, dass ein Therapeut eine Diagnose vergibt, sich bewusst ist, dass diese immer eine mehr oder weniger gut belegte Hypothese ist, also eine „Arbeitshypothese für die Psychotherapie“, eine Diagnose möglichst früh im Prozess (und als „erste Hypothese“) erstellt, eine PD bei einem Klienten nie übersieht. Und dann kann es durchaus sinnvoll sein, z.?B. von „Narzissmus“ zu sprechen, obwohl der Klient lediglich einen „Stil“ aufweist: Denn es kann auch dann schon hilfreich sein, weil man auf Spiele, Motivationsprobleme etc. vorbereitet ist. Allgemein ist es sinnvoll, einen Persönlichkeitsstil bzw. eine Störung im Therapieprozess zu berücksichtigen, d.?h. also zu diagnostizieren und im therapeutischen Vorgehen zu berücksichtigen, wenn Aspekte des Stils oder der Störung dem Klienten Kosten bereiten, die er nicht will, und/oder Aspekte des Stils oder der Störung in der...



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