E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten
Reihe: Das kleine Hotel
Sanders Willkommen im Hotel der Herzen
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-641-26380-5
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Cornwall-Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten
Reihe: Das kleine Hotel
ISBN: 978-3-641-26380-5
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Machen Sie Urlaub im romantischsten Hotel der Welt!
Es ist Sommer in Cornwall, doch von entspannten Stunden am Strand sind Gretchen Wilde und ihre Tochter Nettie weit entfernt! Für sie fängt nun die turbulenteste Zeit des Jahres an, denn es ist Hochsaison im »Wild at Heart«, dem kleinen Hotel auf den Klippen über dem Meer, das die beiden gemeinsam führen. Viele Paare reisen hierher, vor allem, weil sich nahe dem »Wild at Heart« ein berühmter Wallfahrtsort für alle Liebenden befindet - ein herzförmiger Felsen. Doch ausgerechnet Gretchen hat sie noch nicht wiedergefunden, die Liebe. Nettie spielt die Kupplerin - doch damit stiftet sie erst mal ein ordentliches Chaos ...Dieser Roman ist unter dem Titel »Wild at Heart - Willkommen im Hotel der Herzen« als Paperback erschienen.
Anne Sanders lebt in München und arbeitet als Autorin und Journalistin. Zu schreiben begann sie bei der »Süddeutschen Zeitung«. Als Schriftstellerin veröffentlichte sie unter anderem Namen bereits erfolgreich Romane für jugendliche Leser. Die Küste Cornwalls begeisterte Anne Sanders auf einer Reise so sehr, dass sie spontan beschloss, ihren Roman »Sommer in St. Ives« dort spielen zu lassen. Dieser eroberte die Herzen der Leserinnen und wurde zum Bestseller. Auch »Mein Herz ist eine Insel« und »Sommerhaus zum Glück« waren große Erfolge.
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2. Ein Doppelzimmer, sagen Sie? Für welchen Zeitraum bitte? Ah, ich verstehe. Es tut mir leid, aber da sind wir ausgebucht. Lassen Sie mal sehen … nächste Woche wäre es eventuell möglich … Nein? Ab September … Ja, gut. Natürlich, melden Sie sich dann. Auf Wiedersehen im Wild at Heart.« Theo legte den Hörer des altmodischen Telefons zurück auf die Gabel und schob das in Leder gebundene Terminbuch ein Stück von sich weg. Er streckte sich. Inzwischen war es beinahe halb neun, und das Telefon mochte an diesem Morgen nicht stillstehen. Theo fragte sich, ob es wieder einmal einen Artikel über Port Magdalen gegeben hatte, von dem sie nichts wussten. Einen Bericht, in dem die Insel als »schwimmendes Schmuckstück vor der Küste Cornwalls« beschrieben wurde oder ihr Haus als »beliebtes Ziel für Romantikliebhaber«. Als hätte Port Magdalen noch mehr Publicity nötig. Das kleine Eiland, keine hundertfünfzig Meter hoch und nur 0,36 Quadratkilometer groß, wurde von Touristen überschwemmt, sobald es die Gezeiten erlaubten. Mit der Flut schwappten sie über die Hafenmauer, ließen sich den steilen Weg zur Kapelle hinauf- und wieder hinunterspülen, krallten sich unterwegs an Lori’s Tearoom fest oder an Graham’s Pub, griffen wahllos nach ein paar Postkarten, bevor sie zurück aufs Festland geschwemmt wurden. Tagsüber wuselte es auf Port Magdalen wie in einem Ameisenberg, doch die wenigsten blieben über Nacht, was vor allem der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass es nicht genügend Betten gab. Die beiden Bed & Breakfasts im Dorf verfügten über je zwei Zimmer, das Wild at Heart hatte gerade mal vier sowie eine Suite und durfte sich vermutlich nur deshalb Hotel nennen, weil es einfach immer schon so geheißen hatte. Gleichwohl änderte es nichts daran, dass die Wildes ein ganz wundervolles Haus hatten. Etwas größer und breiter und doch im typischen Cottage-Stil, mit weißer Fassade, Kassettenfenstern und grauem Schindeldach. Das Restaurant bot Platz in einem hübschen Wintergarten mit Meerblick, falls es zu zugig war für die Sonnenterrasse (was in typisch britischer Manier bedauernswerterweise öfter der Fall war). Es gab einen Windfang mit einem überdachten Schlafplatz für den Kater und eine zischende Schiebetür, die in die heimelige, von Kaminwärme erfüllte Lobby einlud. Theo ließ den Blick über die dicken roten Teppiche schweifen, die braunen Chesterfield-Sofas, die bunten Kissen darauf. Fast immer knisterte ein Feuer in den beiden Kaminen, und wenn es Abend wurde, flackerten Kerzen auf Wandregalen und Tischen. Die vielen Bücher, die den Rest des Platzes füllten, waren seinem Sohn und seiner Enkelin zu verdanken. Christopher war ein begeisterter Leser gewesen, und Nettie hatte er ebenfalls infiziert. Apropos Nettie. Eigentlich müsste sie bald hier auftauchen, um ihren alten Großvater am Rezeptionstresen abzulösen. Wie der seine Enkelin kannte, hatte sie bei ihrem Rundgang zu den Tieren die Zeit vergessen, sich mit Paolo, dem Esel, verquatscht oder jedes Huhn einzeln begrüßt. Das Telefon klingelte erneut. Und Theo dachte, dass es sicher nicht an der Nachfrage lag, wenn es finanziell manchmal eng wurde bei ihnen, es hing vielmehr damit zusammen, dass sie nicht über die räumlichen Kapazitäten verfügten, um ihr gerecht zu werden. Er räusperte sich. »Willkommen im Wild-at-Heart-Hotel. Was kann die Liebe für Sie tun?« »Musst du das wirklich immer dazusagen, Theo? Die Gäste, die unser Haus noch nicht kennen, werden denken, hier hausen Verrückte.« »Man kann nicht früh genug damit anfangen, die Menschen mit der Wahrheit zu konfrontieren«, gab Theo leichthin zurück. Es war nicht das erste Mal, dass die beiden diese Diskussion führten. Gretchen nahm es mit dem Romantik-Marketing nicht halb so ernst wie ihr Schwiegervater. »Wo steckst du, Kind? Es klingt, als würdest du dich von einem Hubschrauber abseilen.« »Ich musste das Quad nehmen, irgendwas stimmt mit dem Jeep nicht.« Über den Motorenlärm hinweg hörte Theo Gretchen seufzen. Er konnte freilich nicht ahnen, dass dieses Seufzen weit mehr umfasste als nur die Sache mit dem Auto. »Kannst du bitte die Werkstatt anrufen?«, fragte sie. »Ich brauche den Wagen, oder soll ich die neuen Gäste mit diesem Ding am Hafen aufsammeln?« »Betrachte es als erledigt. Und grüß den alten Fortunato von mir.« »Das werde ich ganz sicher nicht tun.« Theo grinste. Er legte den Hörer auf und zog sein abgenutztes Adressbuch aus der Schublade. Viele Dinge hatten sich geändert, seit er das Hotel vor mehr als fünfzehn Jahren seinem Sohn übergeben hatte, allerdings nicht die Art und Weise, wie Theo die Dinge regelte. Er weigerte sich, den Computer zu benutzen oder auch nur ein schnurloses Telefon, er notierte Reservierungen in einem dicken Terminkalender und Telefonnummern in ebendiesem Adressbuch. Mit Christopher hatte es deswegen oft Streit gegeben, doch seit er nicht mehr bei ihnen war, spielten andere Dinge eine Rolle als die Kleinigkeiten, wer wie welche Geschäfte führte. Gretchen und Theo hatten auf einmal allein dagestanden, sich um das Hotel und um das kümmern müssen, was Christopher angefangen und nie beendet hatte. Und natürlich um Nettie, die noch keine zwölf gewesen war, als sie ihren Vater verloren hatte. Die Familie war gestrauchelt und wieder auf die Füße gekommen, und jetzt tat eben jeder, was und so gut er es konnte. Theo rief den Mechaniker an, der leider einige Meilen von Port Magdalen entfernt wohnte. Entsprechend wollte er von einem Notfall nichts wissen, gab aber nach, als ihm klar wurde, dass ansonsten Gretchen in der Klemme stecken würde. Theos wunderschöne, viel zu früh zur Witwe gewordene Schwiegertochter war ein hochgeschätztes und heiß geliebtes Mitglied der kleinen Inselgemeinde, und das, obwohl sie nicht einmal Engländerin war. So manches Mal fragte Theo sich, ob Gretchen je daran gedacht hatte, wieder nach Norwegen zu gehen; diese Insel, die im Grunde die Heimat ihres Mannes war, hinter sich zu lassen und zurückzukehren in ihre eigene. Sie hatte nie davon gesprochen, und er hoffte es nicht. Gretchen und Nettie waren die einzige Familie, die ihm geblieben war, in einem Haus, das zu ihm gehörte wie die Gischt zu den Klippen, an denen sie sich kräuselte. Apropos. Familie, Haus und so weiter und so fort. Theo zog seine Taschenuhr hervor und warf einen Blick darauf. 8:27 Uhr. Die meisten der Gäste saßen bereits beim Frühstück, das Mädchen würde bald mit den Zimmern beginnen, Gretchen von ihrer Runde zurückkehren und Nettie ihren wilden Haarschopf ins Foyer tragen. Über den Empfangstresen beugte sich Theo nach vorn, um durch die verglaste Schwingtür einen Blick ins Restaurant zu werfen. Tatsächlich waren die meisten der kleinen, mit weißen Tüchern bedeckten Tische besetzt, und wenn er sich anstrengte, konnte er über die Musik im Foyer hinweg Stimmengewirr wahrnehmen und das Klappern von Besteck. Dies war einer der liebsten Klänge des alten Mannes, weil es besagte, dass das Hotel mit Leben gefüllt war – und nichts war schwerer zu ertragen als ein leeres Haus, das Platz für viele bot. Und dies war einer seiner liebsten Anblicke, dachte er, die Augen auf Dottie gerichtet, die mit gewohnt energischen Schritten auf die Schwingtür zumarschierte, um sich noch energetischer dagegenzustemmen. »Wann wird eine neue Hilfskraft fürs Restaurant eingestellt?«, blaffte sie. »Wir haben in der Küche wahrhaftig genug zu tun, um zwischen Eiern, Speck und Tee und weiß der Kuckuck was noch die Gäste zu bedienen.« »Dir auch einen wunderbaren guten Morgen, Dottie. Hast du gut geschlafen?« Die Küchenchefin schnaubte. Die Kochschürze spannte über ihrem straffen, voluminösen Körper, und die braunen Locken wippten voller Elan. Dorothy Penhallow war niemand, der gern Zeit verschwendete. Und erst recht war sie niemand, der sich von einem alten Charmeur wie Theodor Wilde um den Finger wickeln ließ. »Wann, Theo?«, knurrte sie. »Wann was, Dottie? Wann wirst du endlich ein bisschen freundlicher zu den Angestellten sein, damit sie nicht schon nach ein paar Tagen davonlaufen und wir jemand neuen einstellen müssen? Oder wann wirst du endlich meinen Heiratsantrag annehmen, damit ich eine ehrbare, gut gelaunte, entspannte Frau aus dir machen kann?« Die Köchin verdrehte die Augen. Sie murmelte etwas, das verdächtig nach alter Esel klang, bellte ihm ein letztes »Dieses Mädchen muss ersetzt werden« entgegen und machte sich entschieden auf den Weg zurück in die Küche. Theo sah ihr nach. Dorothy Penhallow, dachte er, war eine Klasse für sich. Fabelhafte Frau. Jünger als er, um fünfzehn Jahre mindestens, und resolut wie ein Feldwebel. Ebenso unnachgiebig. Furchteinflößend. Sie war schon ewig im Hotel, und beinahe genauso lange bombardierte er sie mit seinen Anträgen. Was wohl geschehen würde, wenn sie jemals einen annahm? Die Hölle würde zufrieren, das würde vermutlich geschehen. »Na, hat die gute Dottie heute etwa Ja gesagt?« Nettie tauchte neben ihrem Großvater auf. Sie roch nach Stroh und frischer, kornischer Sommerluft. »Der Tag wird kommen, keine Sorge«, erwiderte Theo. Nettie kicherte. Sie schob sich an ihrem Großvater vorbei, um den Computer hochzufahren, den er selbst wie üblich mit stoischer Ignoranz bedacht hatte. »Schon irgendwelche Buchungen heute Morgen?«, fragte sie. »Mitnichten.« Die Hände hinter dem Rücken verschränkt, stand Theo da, auf den Fußballen wippend. Sie beide wussten, dass Nettie die Aufzeichnungen trotzdem vergleichen würde. Die Entscheidung, das wunderschöne, aber unpraktische Gästebuch zu behalten, ging zwangsläufig...