E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Schäfer Superdroge Arbeit
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7546-3564-3
Verlag: tolino media
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
Warum ganz Deutschland süchtig ist - und wie Du clean wirst
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-7546-3564-3
Verlag: tolino media
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
SUPERDROGE ARBEIT ist das Work Life Balance Buch für Führungskräfte und Gutverdiener wie Anwälte, ITler, Ärzte, Lehrer, Banker und Richter. Wir arbeiten 40 Stunden. Wir ackern, leisten und verdienen viel Geld - und haben trotzdem nichts vom Leben. Jan Schäfer zeigt in diesem provokanten Work Life Balance Buch, warum Vollzeitarbeit eine Droge ist, die unser Leben auf Standby stellt. Dabei legt er schmerzhaft offen, warum wir uns jeden Tag mit Leistungsdruck und Stundenwahnsinn betäuben - und so Freunde, Familie, Liebe und Interessen links liegen lassen. Superdroge Arbeit ist ein emotionaler Wachmacher. Ein Teilzeit Arbeit Ratgeber in ein freieres Leben. Jan Schäfer zeigt in drei Phasen, wie wir einen Arbeitsentzug erfolgreich meistern und so ein Burnout vermeiden. Dabei erklärt er anhand von geschichtlichen Entwicklungen, Anekdoten, Studien, Gesetzen, Rechtsprechung und Praxisaufgaben, welche Faktoren uns im Hamsterrad gefangen halten, wie wir uns daraus befreien und ein erfüllteres Leben führen.
JAN SCHÄFER, Jahrgang 1982, arbeitet freiberuflich als PR- und Werbetexter für namhafte deutsche Unternehmen. Dabei hat er bereits mehr als 100 Kunden betreut - und so tiefe Einblicke in die Arbeits- und Denkweise von Arbeitgebern und Arbeitnehmern erhalten. Aufgewachsen im friedlichen Ostwestfalen und auf den staubigen Straßen Indiens, ist in Jan schnell der Gedanke gereift, dass sein Dasein mehr ist als Nine to Five. Daher arbeitet er heute selbstständig rund 10 bis 15 Stunden die Woche.
Autoren/Hrsg.
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Schuften und Träumen – oder: Wie wir früher gelebt haben
Du sitzt in der Drogen-Scheiße. Richtig tief drin. Damit Du weißt, wie Du da überhaupt hineingeraten bist, lohnt ein Blick in Deine Vergangenheit. Als Du noch nicht zu dieser Welt gehörtest, an der Nabelschnur hingst oder breiartige Häufchen in plüschweiche Windeln gemacht hast. Eine kleine Geschichtsstunde wird Dir zeigen, warum Du heute täglich acht Stunden arbeitest. Und nicht sechs oder vier. Oder zwei. Warum Du eigentlich nur zum Suchti werden konntest. Dein Benefit: Nach diesem kurzen Rausch durch die (Arbeits-)Zeit weißt Du endlich, warum Du überhaupt den lieben langen Tag das tust, was Du tust – und Du siehst, was Du eigentlich tun könntest. Schwing den Hammer, ich will Brot!
Früher glaubte eigentlich jeder daran, dass alles gut wird. Weniger Arbeit, mehr freie Zeit. Selbst – und jetzt halt Dich fest – Politiker und Ökonomen strebten ein Leben abseits der Schufterei für alle an. Kein Wort von Fleiß, Produktivität, Vollgas und Konkurrenzkampf. So ging der US-amerikanische Gründungsvater Benjamin Franklin im 18. Jahrhundert davon aus, dass vier Stunden Arbeit pro Tag bald ausreichen würden.1 Der Rest der Zeit sollte ein reines Lotterleben rund um Theater, Triebe und Branntwein sein. Nach dem Motto: Work smart, chill hard. Die Realität war von diesem verlockenden Motto jedoch weit entfernt. Statt sich Gedanken darüber zu machen, in welcher Position auf der Couch der Alkohol wohl am besten schmeckt, schwangen die Menschen unentwegt ihren Hammer, um Brot auf den Tisch zu bringen. Der Gedanke an freie Zeit oder den Kauf von Luxusartikeln wie feinen Gewürzen waren selbst in der hinterletzten Ecke des Denkapparats der Arbeiter nicht zu finden. Nein, hier ging es ums nackte Überleben. „Friss oder stirb“, nur irgendwie anders. Benjamin Franklins Motto „Work smart, chill hard“ wirkte damit so abgehoben, dass selbst der größte Optimist darüber nur die Nase rümpfen konnte. Die industrielle Revolution holte dann selbst den Träumer Franklin zurück auf den Boden der Tatsachen – noch bevor sich die Arbeiter überhaupt mit seiner Idee anfreunden konnten. Ab jetzt standen mancherorts – auweia – 70-Stunden-Wochen auf der Arbeitsagenda. Ohne Urlaub und ohne Wochenende. Auch für Kinder. Was eine Wendung! Bester Stoff für eine Dystopie aus Hollywood – ohne Happyend. Hallo acht Stunden!
Mitten in diesen Stundenwahnsinn brachte der britische Philosoph John Stuart Mill Mitte des 19. Jahrhunderts optimistischen Wind in die Oberstübchen der Arbeiter. Seine Prognose: Die Moneten würden sich bald unter unseren Kopfkissen stapeln. Und mit einer kleinen goldenen Nase wäre es für uns das Beste, wenn wir möglichst viel frei machen würden. Mehr Geld für mehr frei. Klingt plausibel, oder? Sein Plan schien durchdacht: Lasst uns Technologien erfinden, die unsere Arbeitswoche so weit herunterschrauben, dass Dienstag oder Mittwoch der neue Freitag wird. Ganz so weit war die Arbeitswelt dann wohl doch noch nicht. 1856 kam aber Australien zu ein bisschen Besinnung: Wofür 50.000 Kilometer Küste, Sand und Strand vor der Tür, wenn man jeden Tag nur den Hammer schwingt und im Dunkeln todmüde ins Bettchen fällt? Das neue Credo: Acht Stunden Arbeit sollten reichen. Das gefiel wohl dem einen oder anderen Staatslenker, so dass einige Länder fortan im Schnitt unter die 60-Stunden-Marke kamen. Wow! Das hatte Wirkung. Die Leute wurden optimistisch. Der irische Dramatiker und Nobelpreisgewinner George Bernard Shaw ließ sich im Rausche dieser Entwicklung in 1900 zu der Prognose hinreißen, dass wir im Jahr 2000 nur noch zwei Stunden pro Tag arbeiten würden. Good one, George! Dieser Gedanke stieß den Strippenziehern der Wirtschaft aber sauer auf. Sie hatten während der industriellen Revolution an dicken, fetten Geldsäcken geschnuppert – und sie wollten diese weiter in ihrem Geldspeicher stapeln. Noch weniger Arbeit würde jedoch bedeuten, weniger McMoneysack und mehr dumme Gedanken und Schabernack auf den Straßen.2 Immerhin Deutschland zeigte sich etwas nachsichtig und verkürzte im selben Jahr seine Arbeitszeit auf zehn Stunden pro Tag – bei sechs Arbeitstagen die Woche. Als dann in den USA Henry Ford die Kapitalismusbühne betrat, sollte die Arbeitszeit noch ein klitzekleines Stückchen in Richtung der utopischen Vorstellung von George Bernard Shaw rücken. Der gute Henry meißelte 1926 die Fünf-Tage-Woche in Stein. Seine Strategie: Mehr schaffen in kürzerer Zeit. Henry, unser Held und Samariter? Weit gefehlt! Herr Ford wollte lediglich, dass sich seine Arbeiter am Wochenende erholen, damit sie am Montag wieder voller Elan am Fließband stehen konnten. Und: Sie sollten nicht nur in das Licht seiner Fabrikröhren starren, sondern auch seine Autos kaufen. Und ein Arbeiter, der keine freie Minute hat, kommt einfach nicht auf die Idee, sich einen heißen Schlitten zuzulegen. Der Plan war genial: Henry Ford wollte eine untrennbare Korrelation aus Arbeit und Konsum kreieren, die die Arbeiter dort hielt, wo er sie am liebsten sah: am Fließband. Am laufenden Band. Das Hamsterrad war geboren. Man wird doch wohl noch träumen dürfen!
Trotz Vergangenheit bleibt der Mensch auch in der Zukunft dumm. Das gilt heute genauso wie früher. Daher ging es munter weiter mit wilden Prognosen zur Arbeitszeit. Der britische Ökonom John Maynard Keynes sagte 1930 in seinem Aufsatz „Economic Possibilities for our Grandchildren“ voraus, dass wir 2030 nur noch 15 Stunden die Woche knechten werden.3 Er glaubte wie John Stuart Mill an einen rapiden technologischen Fortschritt. Und: dass wir bis dahin genug von schicken Autos und fancy Designerstühlen haben werden. Konsumsatt. Das Erstaunliche: Seine Prognose stammt aus einer Zeit, in der sich Menschen eher mit einem leeren Teller herumplagten. In einer politischen Zeit, die ungefähr so stabil war wie der Südsudan heute. Damit reiht sich Keynes brav in die Wunschträume von George Bernard Shaw ein. Denn: Zwar ist 2030 noch ein paar Jährchen hin. Ich sehe derzeit jedoch niemanden, der das rotierende Hamsterrad stoppen könnte. Auch Pearl Harbour und Hitlers Hurensöhne konnten diesen festen Glauben an mehr freie Zeit nicht verdrängen. So gab Ami-Vize Richard Nixon 1956 an, dass es in baldiger Zukunft eine Vier-Tage-Woche geben würde.4 Da rauschte sicherlich ein euphorisches „Hooray!“ von L.A. bis New York. Und weiter gings: In den 60ern prognostizierte ein Bericht des US-amerikanischen Senatsausschusses, dass im Jahr 2000 (also vor über 20 Jahren!) die Arbeitswoche nicht mehr länger als 14 Stunden sein würde. Inklusive sieben Wochen Urlaub. Da hatte wohl jemand eine Pille LSD zu viel. In welchem Fahrwasser sich diese Vorhersagen bewegten, zeigt auch eine Prognose des Science-Fiction-Autors Isaac Asimov. Dieser ging davon aus, dass wir im Jahr 2014 fliegende Autos und Städte unter Wasser haben würden. Das ist bisher jedoch – so zumindest meine Wahrnehmung – eher Videospielen, den neuesten Hollywood-Schinken oder vielleicht seinen eigenen Romanen vorbehalten. Diese dürfte der gute Isaac aber sicher nicht gemeint haben. Du glaubst, mehr falsch kann man gar nicht liegen? Dann pass jetzt gut auf! Der Autor sagte auch voraus, dass die Seelenheilkunde 2014 besonders gefragt sein würde, weil die Menschen nicht mit der ganzen, ihnen aufgezwungenen Freizeit umgehen könnten. Und jetzt kommt der Clou: Psychische Probleme machen unserer heutigen Gesellschaft tatsächlich immer mehr zu schaffen. So fand beispielsweise die Techniker Krankenkasse in ihrem Gesundheitsreport 2020 heraus, dass die meisten Krankheitsfehltage im Jahr 2019 auf Erkrankungen mit Diagnosen von psychischen Störungen zurückzuführen sind. Satte 18,8 Prozent aller Fehltage im Job ließen sich dabei Problemen mit der Psyche zuschreiben.5 Die Ursache dafür ist jedoch alles andere als ein Überfluss an Freizeit. Im Gegenteil: Workload, Zeitdruck und Überstunden zehren an unseren Nerven und bescheren unserer Psyche eine Schwindelattacke. Glückwunsch, Orakel Asimov! Komplett danebengelegen. Die Aussicht auf einen an der Klatsche durch zu viel Freizeit hielt die Gesellschaft jedoch nicht davon ab, weiter darauf zu hoffen, bald endlich ohne vom Chef auferlegte Pflichten durch einen Montag gehen zu können. Und siehe da: Deutschland war wohl von der Strategie des Fließband-Henrys angetan und fing 1965 nach und nach an, am 40-stündigen Hamsterrad zu drehen. Anfang der 90er nahm unser Land dann Kurs auf das über Jahrhunderte prognostizierte Arbeitsschlaraffenland, als die IG Metall in Westdeutschland tatsächlich teilweise die 35-Stunden-Woche durchsetzen konnte. Wohoo! 180 Grad: Der Ofen ist aus!
Mitte der 90er war dann jedoch plötzlich Schluss mit lustig. Weniger Arbeiten war out. Alle glorreichen Prognosen, hart erkämpften Arbeitszeitverkürzungen und jegliches Bemühen geschundener Arbeitskräfte für die Katz. Einfach so. Deutschland knallte 1994 ein Arbeitszeitgesetz auf den Schreibtisch, das Dir bis heute acht Stunden Schuften pro Tag „ermöglicht“.6 Das kannst Du in § 3 des Arbeitszeitgesetzes nachlesen. Ein Gesetz, das sogar zehn Stunden Knechten pro Tag erlaubt, wenn Du innerhalb von sechs Monaten einen Durchschnitt von acht Stunden täglich nicht überschreitest. Damit sitzt Du heute in einem Hamsterrad, das Dich ungefähr so schwindelig dreht wie in den 60ern. Denn bereits damals hieß es ja schon: Acht Stunden pro Tag sind genug. Zwar leistete in den 60ern der eine oder andere Arbeiter mehr Überstunden als Du heute. Dennoch kannst Du ruhig mal die Augen aufreißen, wenn die Arbeitszeitgeschichte seit den 60er Jahren mehr oder weniger stillsteht. Nach all den Jahrhunderten und der Kraft, mit der Menschen für weniger...