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E-Book, Deutsch, Band 1981, 369 Seiten

Reihe: Beck'sche Reihe

Schieffer Christianisierung und Reichsbildungen

Europa 700 - 1200
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-406-65376-6
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Europa 700 - 1200

E-Book, Deutsch, Band 1981, 369 Seiten

Reihe: Beck'sche Reihe

ISBN: 978-3-406-65376-6
Verlag: C.H.Beck
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Rudolf Schieffer, einer der renommiertesten deutschen Mediävisten, schildert die ereignisreichen, dramatischen Jahrhunderte von 700 - 1200 auf nur knapp 300 Seiten in einer klar formulierenden Sprache und mit bestechender Kennerschaft.
Seit dem 7. Jahrhundert dehnt sich die Christianisierung immer weiter über die noch heidnischen Gebiete Europas aus, während es nach dem Tod Karls des Großen 814 und dem Zerfall des Frankenreiches zu den großen Reichsbildungen kommt. In der westlichen Reichshälfte entsteht seither das spätere Frankreich, in der Osthälfte bildet sich das Ostfrankenreich heraus. Wikinger fallen ein, im Süden bedrängt die islamische Expansion die Iberische Halbinsel. Klöster und Orden erleben eine Blütezeit. Die Kreuzzüge, das Rittertum, der Machtkampf zwischen Kaiser und Papst, neue Königreiche wie England, Norwegen, Dänemark, Polen, Ungarn und Böhmen prägen die nachfolgenden Jahrhunderte, an deren Ende die Konturen Europas bereits deutlich Gestalt angenommen haben.

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II) Das karolingische Europa 700 bis 900
/d/ie Geschichte Europas im 8. und 9. Jh. wird wesentlich bestimmt von der Dominanz des Frankenreiches, das sich unter der neuen Dynastie der Karolinger vom antiken Gallien aus Germanien, die rechtsrheinische Mitte des Kontinents, sowie den gesamten Alpenraum und große Teile Italiens aneignete und damit zur eindeutigen Vormacht der lateinisch-christlichen Welt aufstieg. Seine Ausstrahlung erstreckte sich über die ausgedehnten eigenen Grenzen hinweg nicht allein auf die angelsächsischen und irischen Glaubensbrüder jenseits des Meeres und auf den christlich gebliebenen Nordrand der Iberischen Halbinsel, sondern berührte auch die heidnischen Völker Skandinaviens und des Ostens. Ihren allseits sichtbaren Höhepunkt fand diese Entwicklung mit der Erneuerung des westlichen Kaisertums im Jahre 800 durch Karl den Großen und Papst Leo III. in Rom, was zugleich das Verhältnis zur Traditionsmacht der oströmischen Kaiser in Konstantinopel tiefgreifend verändern mußte. Vorangegangen war im 8. Jh. die militärisch erzwungene Abgrenzung zum maurischen Spanien, während umgekehrt schon bald im 9. Jh. als Sarazenen bezeichnete muslimische Kräfte auf den großen Mittelmeerinseln Fuß zu fassen vermochten. 1. Der Aufstieg der Karolinger und die Expansion
des Frankenreiches
Voraussetzungen Daß dem Frankenreich die Führungsrolle im Okzident zufallen würde, war um 700 noch kaum abzusehen. Das von König Chlodwig I. († 511) und seinen Söhnen bis zur Mitte des 6. Jhs. begründete Reich mit Schwerpunkt in der Francia zwischen Loire und Rhein, das seither viele Völker vom Mittelmeer und vom Ärmelkanal bis nach Thüringen und in die Ostalpen hinein umfaßte, schien den Zenit seiner Entwicklung hinter sich zu haben. Durch wiederholte Reichsteilungen, glücklose Könige aus dem Geschlecht der Merowinger und beständige Kämpfe rivalisierender Adelsgruppen in den einzelnen Teilreichen hatte der innere Zusammenhalt schwer gelitten. Während sich an den Rändern im Süden und Osten weitgehend autonome Sonderherrschaften der Herzöge von Aquitanien, Elsaß, Alemannien, Thüringen/Mainfranken und Bayern bildeten, gerieten im fränkischen Kernraum die späten Merowinger des 7. Jhs. zunehmend unter die Kuratel ihrer Hausmeier, die eigentlich die leitenden Verwalter am Hofe waren. Im wechselvollen Ringen der führenden Familien um diese Spitzenposition verschaffte sich durch einen 687 bei Tertry an der Somme errungenen Sieg Pippin der Mittlere († 714), der Urgroßvater Karls des Großen, auf Dauer die Oberhand. Er war als Enkel des Bischofs Arnulf von Metz († um 640) und des Hausmeiers Pippin des Älteren († 640) der Repräsentant des selbstbewußten Adels in Austrien, dem östlichen Teil der Francia, und besaß fortan auch im westlichen Neustrien den bestimmenden Einfluß. Als alleiniger Hausmeier, der die Merowinger als legitimierenden Rückhalt Könige bleiben ließ, vermochte er eine allmähliche Konsolidierung der Machtverhältnisse zwischen Loire und Rhein anzubahnen, wobei er früh schon durch Beteiligung der Söhne Drogo († 708) und Grimoald († 714) das Ziel einer erblichen Familienherrschaft zu erkennen gab. Dennoch muß bezweifelt werden, ob das Frankenreich in seiner damaligen Verfassung einem plötzlichen massiven Angriff von außen standgehalten hätte, wie er 711 das in seiner Führungsschicht ebenfalls zerstrittene Westgotenreich in Spanien mit fatalen Konsequenzen getroffen hat. Die islamische Okkupation des südlichen Nachbarreiches weckte bei den Franken keine spontanen Abwehrkräfte und wurde allenfalls zu einer Herausforderung für den aquitanischen Herzog Eudo († 735), als die Muslime die Pyrenäen zu überwinden begannen und ab 720 auch die westgotischen Vorposten im Süden Galliens (Narbonne, Carcassonne, Nîmes) besetzten. Langfristig gesehen war indes der Umsturz in Spanien dazu angetan, im geschrumpften christlichen Teil des Kontinents das relative Gewicht der Franken erheblich zu steigern. Neben ihnen gab es auf dem europäischen Festland allein noch das Langobardenreich, das jedoch an weiterem Vordringen in Italien durch das Beharrungsvermögen der oströmisch-kaiserlichen Gebiete (von Venedig und Ravenna über Rom und Neapel bis nach Apulien und Kalabrien) gehindert war. Dem regnum Francorum dagegen boten sich nördlich der Alpen allerhand Spielräume zur Entfaltung, sobald seine Energien von einer erstarkten Zentralgewalt gebündelt wurden. Pippin der Mittlere und Karl Martell So wenig wie seine Vorfahren sich durch spezifischen politischen Weitblick die führende Rolle in Austrien verschafft hatten, ist Pippin dem Mittleren nach dem Gewinn der Suprematie auch in Neustrien mehr an Zielen zu unterstellen als für sich und seine Nachkommen die errungene Vorherrschaft in der gesamten Francia, zumal die faktische Verfügung über die Königswürde und den exklusiven Zugang zu ihrem Inhaber, dauerhaft gegen alle Rivalen zu sichern. Dazu war es erforderlich, weiträumig auf Freunde und Verwandte unter den Großen bedacht zu sein, die ihren Vorteil darin sahen, das Regiment des Hausmeiers zu stützen, gleichzeitig aber auch die Konfrontation nicht zu scheuen mit jenen Machthabern von durchweg älterem Adel, die sich jenseits der Francia als «Herzöge» eigenständige Herrschaftsbereiche geschaffen hatten. In diesem Sinne hat bereits Pippin der Mittlere sich nicht mit der Festigung seiner Vormacht zwischen Rhein und Loire begnügt, sondern von 709 bis 712 auch mehrere Feldzüge nach Alemannien unternommen und früher schon seit etwa 690 viel Eifer auf die Unterwerfung der seetüchtigen Friesen verwandt, die bis dahin nicht dem Frankenreich angehört hatten. Die Entwicklung wurde durch Pippins Tod Ende 714 jäh unterbrochen, weil ihm nicht die für eine dynastische Ordnung entscheidende glatte Übergabe der Macht an die nächste Generation gelang: Seine beiden genannten Söhne hatten ihn nicht überlebt und teils unmündige, teils illegitime Enkel hinterlassen, die von der Witwe Plektrud († nach 717) gegen die Erbansprüche von Karl (Martell), einem Sohn Pippins aus einer anderen Ehe, aufgeboten wurden. Der Familienzwist spaltete den austrischen Anhang und rief alsbald von Neustrien her Kräfte auf den Plan, die ihrerseits unter Berufung auf bestimmte Merowinger Pippins Geschlecht ganz von der Macht verdrängen wollten. In einem mehrjährigen blutigen Ringen bezwang Karl bis 719 alle Widersacher und wurde zum neuen Gebieter (princeps) der Franken; von ihm leitet sich die gesamte weitere Dynastie ab, die wir daher als Karolinger bezeichnen. Im Besitz der Macht, wiederum mit dem Titel eines Hausmeiers (bei wechselnden Merowingern), zeigte sich Karl Martell von vornherein gesonnen, seine Autorität über die Francia hinaus bis an die äußeren Reichsgrenzen des 6. Jhs. zur Geltung zu bringen. Damit trug er den Erfahrungen aus den eben abgeschlossenen Kämpfen Rechnung, in die Friesen, Sachsen und Aquitanier gegen ihn und seine Austrier eingegriffen hatten. Offenkundig war zudem geworden, daß die auf Distanz zu den Hausmeiern bedachten rechtsrheinischen Herzöge leicht versucht waren, sich mit innerfränkischen Widersachern der Karolinger zu verbünden oder ihnen zumindest Rückhalt und Zuflucht zu gewähren. So unternahm Karl schon 718 eine Strafexpedition bis zur Weser, die sächsische Überfälle vergelten sollte und bis 738 noch weitere Vorstöße, freilich ohne feste Eroberungsabsicht, nach sich zog. In Friesland nutzte er das Machtvakuum nach dem Tod des Herzogs Radbod (719), um die von seinem Vater begonnene Unterwerfung zu vollenden, zunächst im Bereich der Rheinmündungen, 733/34 auch in den nördlichen Küstengegenden. Während die näheren Umstände ungewiß bleiben, unter denen nach 717 der mainfränkisch-thüringische Dukat um Würzburg und nach 742 das elsässische Herzogtum erloschen sind, liegt klar zutage, daß der Hausmeier bis nach Bayern ausgegriffen hat, wo mit den Agilolfingern bereits seit dem 6. Jh. ein Geschlecht mit weitreichenden dynastischen Verbindungen vorherrschte. Daß Karl dorthin 725 und nochmals 728 Feldzüge anführte, die Sturz und Tod des Herzogs Grimoald bewirkten und ihm selber in Gestalt von dessen Verwandter Swanahild eine zweite Gattin «einbrachten», läßt erkennen, wie sehr es ihm um Gleichrangigkeit mit den altadligen Agilolfingern und um deren Einbindung in das Herrschaftsgefüge des eigenen Hauses zu tun war. Jedenfalls scheint Karl seine Hand im Spiel gehabt zu haben, als 736 die bayerische Herzogswürde an Odilo († 748), einen Agilolfinger mit alemannischen Wurzeln, fiel. In Alemannien selbst ging der Hausmeier noch einen Schritt weiter, indem er nach einem Sieg über Herzog Lantfrid (730) dessen überlebenden Bruder Theudebald nicht als Nachfolger anerkannte und den Dukat als erledigt behandelte. Die Abwehr der «Sarazenen» Auch südlich der Loire hätte Karl Martell nach dem Sieg im innerfränkischen Machtkampf Anlaß zum Einschreiten gehabt, denn Herzog Eudo von...


Rudolf Schieffer war bis zu seiner Emeritierung Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und von 1994 bis 2012 Präsident der Monumenta Germaniae Historica.



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