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E-Book

E-Book, Deutsch, 258 Seiten

Schulte Therapiemotivation

Widerstände analysieren – Therapieziele klären – Motivation fördern
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8409-2641-9
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Widerstände analysieren – Therapieziele klären – Motivation fördern

E-Book, Deutsch, 258 Seiten

ISBN: 978-3-8409-2641-9
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Wirksame psychotherapeutische Methoden alleine sind nicht ausreichend für eine erfolgreiche Therapie. Der Patient muss auch zur Therapie bereit sein, bereit sein sich zu ändern, mitzuarbeiten und durchzuhalten. Die schwierigste Situation in einer Therapie ist, wenn der Patient 'nicht will', wenn er nicht das tut, was nötig und möglich wäre, um ihm zu helfen oder ihn zu unterstützen, wenn er 'Widerstand' zeigt. Es gibt vielfältige Gründe für einen solchen Widerstand. Der Therapeut sollte sie kennen, sie diagnostizieren und mit geeigneten therapeutischen Maßnahmen reagieren können.
In diesem Buch wird – ausgehend von der Grundlagenforschung zu Motivation und Volition und langjährigen Forschungsarbeiten zu unterschiedlichen Aspekten der Therapiemotivation – ein umfassendes Modell der Therapiemotivation vorgestellt. Dieses gibt Therapeuten klare Regeln an die Hand, wie Widerstände analysiert, Therapieziele geklärt und die Therapiemotivation von Patienten gefördert werden kann.
Da die Gründe für eingeschränkte Mitarbeit sehr vielfältig sind und in verschiedenen Phasen der Therapie sehr unterschiedlich sein können, gibt es auch nicht 'die' Methode zur Motivierung von Patienten. Therapeuten müssen die verschiedenen Erscheinungsformen von Widerstand genau diagnostizieren und den Einsatz von therapeutischen Strategien und Techniken der Motivationsförderung strukturiert und gezielt darauf abstimmen. Wie dabei in der Therapie vorgegangen werden kann, zeigt der vorliegende Leitfaden praxisorientiert auf.

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1;Therapiemotivation;1
1.1;Vorwort;7
1.2;Inhalt;9
2;1Widerstand;13
2.1;1.1Definition von Widerstand: der frustrierte Therapeut;13
2.2;1.2Erscheinungsformen von Widerstand: der schwierige Patient;15
2.3;1.3Umgehen mit Widerstand: Basisverhalten fördern;20
2.4;1.4Klassifikation von Widerstandstypen;21
3;2Motivationstheoretische Grundlagen;24
3.1;2.1Absichten;25
3.2;2.2Entstehung und Umsetzung von Absichten;28
3.3;2.3Widerstand: Diskrepanz zwischen eigenen Absichten und fremden Ansprüche;32
3.4;2.4Ziele;36
4;3Therapieziele und Therapienachteile;45
4.1;3.1Therapieziel „Problemreduktion“;47
4.2;3.2Verlust von Störungsgewinn;56
4.3;3.3Positive Therapieziele;60
4.4;3.4Unerwünschte Nebenwirkungen;62
4.5;3.5Kurzfristige Therapievorteile;66
5;4Psychotherapie – ein Weg zum Ziel?;70
5.1;4.1Entwicklung von Handlungsplänen;70
5.2;4.2Zweifel an der Therapie;71
5.3;4.3Zweifel am Therapeuten;78
6;5Ausführung von Absichten – Realisierung des Verhaltens;84
6.1;5.1Entscheiden;84
6.2;5.2Planen;88
6.3;5.3Durchhalten: Probleme der Absichts­stabilisierung;93
7;6Wie wirkt Therapiemotivation?;101
7.1;6.1Erster Teilprozess: Therapiemotivation beeinflusst Widerstand;102
7.2;6.2Zweiter Teilprozess: Therapiemotivation und Widerstand beeinflussen den Therapieerfolg;103
8;7Diagnostisch-therapeutisches Basisverhalten der Motivationsförderung;110
8.1;7.1Motivationsförderndes Basisverhalten des Therapeuten;110
8.2;7.2Diagnostisches Basisverhalten: Screening der Therapiemotivation;123
9;8Das Motivationsförderungsprogramm (MFP);127
9.1;8.1Therapieprogramme zum Aufbau von Therapiemotivation;127
9.2;8.2Das Motivationsförderungsprogramm: Überblick;132
10;9Zielentwicklung I: Förderung des Problem­bewusstseins;142
10.1;9.1Strategie A1: Ist Leiden zu intensivieren?;142
10.2;9.2Strategie A2: Ist Änderungsbereitschaft zu fördern?;147
10.3;9.3Strategie A3: Ist Störungsgewinn zu relativieren?;152
10.4;9.4Strategie A4: Sind selbstwertdienliche Fehlattributionen zu relativieren?;155
11;10Zielentwicklung II: Förderung positiver Therapieziele;159
11.1;10.1Strategie B1: Sind positive Therapieziele zu entwickeln?;160
11.2;10.2Strategie B2: Ist die Realisierbarkeit von Absichten zu verbessern?;170
11.3;10.3Strategie B3: Ist die Zielvalenz durch Harmonisierung von Ziel und Motiv zu stärken?;173
11.4;10.4Strategie B4: Ist die Zielvalenz durch Harmoni­sierung von Wunsch und Norm zu stärken?;177
11.5;10.5Strategie B5: Sind unerwünschte Nebenwirkungen zu relativieren?;184
11.6;10.6Strategie B6: Sind Kurzfristige (unmittelbare) Vorteile zu berücksichtigen?;188
12;11Methodenentwicklung: Förderung der Therapieakzeptanz;191
12.1;11.1Strategie C1: Sind Zweifel an der Therapie zu zerstreuen?;191
12.2;11.2Strategie C2: Sind Zweifel am Therapeuten zu berücksichtigen?;198
13;12Realisationsförderung I: Initiierung des Basisverhaltens;202
13.1;12.1Strategie D1: Ist die Entscheidung des Patienten zu fördern?;202
13.2;12.2Strategie D2: Ist der Patient bei der Planung der Durchführung zu unterstützen?;208
14;13Realisationsförderung II: Stabilisierung des Basisverhaltens;211
14.1;13.1Strategie E1: Sind die Ausgangsbedingungen an Veränderungen anzupassen?;212
14.2;13.2Strategie E2: Ist die Absicht im Therapieverlauf zu stärken?;213
15;14Therapeutische Techniken;219
15.1;14.1Technik 1: Änderung rationaler Überzeugungen;219
15.2;14.2Technik 2: Intensivierung subjektiver Bedeutung/Wichtigkeit;220
15.3;14.3Technik 3: Relativierung subjektiver Bedeutung/Wichtigkeit;221
15.4;14.4Technik 4: Zusammenhänge erklären (Psychoedukation);222
15.5;14.5Technik 5: Änderung von Attributions-Überzeugungen;223
15.6;14.6Technik 6: Bilanzierung von Handlungsfolgen;226
15.7;14.7Technik 7: Selbstverpflichtung;227
15.8;14.8Technik 8: Entwicklung von Planungsstrategien;228
15.9;14.9Technik 9: Exploration von Folgen;229
16;Ein Wort zum Schluss;233
17;Literatur;234
18;Anhang;245
18.1;Basisverhalten des Patienten (BAV 96);247
18.2;Auswertung: Basisverhalten des Patienten (BAV 96);250
18.3;Sachregister;251
19;Karte: Widerstands-Checkliste;256


2 Motivationstheoretische Grundlagen (S. 22-23)

Widerstand – so haben wir gesehen – bedeutet, dass ein Patient erwünschtes oder für erforderlich gehaltenes Verhalten nicht zeigt: Er kommt nicht zur Therapie, arbeitet nicht mit, engagiert sich nicht – er zeigt nicht das erwünschte Basisverhalten. Die Grundannahme ist, dass er das deswegen nicht tut, weil dafür die Bedingungen nicht gegeben sind. Wir müssen also fragen, was sind die Bedingungen für die Ausführung des Basisverhaltens und welche davon fehlen gegebenenfalls momentan bei meinem Patienten? Wir können die Frage verallgemeinern: Was sind die Bedingungen dafür, dass eine Person ein bestimmtes Verhalten zeigt beziehungsweise nicht zeigt?

Eine Vielzahl von Theorien sind aufgestellt worden, eine Vielzahl von theoretischen Konstrukten wurden formuliert, um diese Frage zu beantworten: Ziele, Erwartungen, Kontrolle, Attribution und vieles mehr. All diese theoretischen Ansätze oder Konstrukte sind auch benutzt worden, um das Verhalten von Patienten in Psychotherapien zu erklären. Oft stehen diese Konstrukte relativ isoliert nebeneinander oder in einzelnen Arbeiten wird jeweils lediglich eines dieser Konstrukte für die Erklärung des Patientenverhaltens herangezogen.

Kognitive Handlungskontrolltheorien und motivationspsychologische Ansätze haben komplexere Modelle der Handlungsregulation entwickelt, bei denen die verschiedenen Konstrukte in ihrer jeweils spezifischen Funktion berücksichtigt werden. Motivation ist ein facettenreiches Gebilde, ein multifaktorielles Konstrukt. Wir werden dies durch Rückgriff auf einige grundlegende Modelle, vor allem das sogenannte Rubikon-Modell der Handlungsphasen (Gollwitzer, 1996, 1991) darstellen. Auch andere Handlungskontroll- oder Handlungsregulationstheorien (z. B. Dörner, 1988) und kognitiv-soziale Motivationstheorien (z. B. Ajzen, 1991) werden im Folgenden berücksichtigt, auch die Theorie der Hoffnung von Snyder (Snyder et al., 2000). Trotz Unterschieden im Detail stimmen die meisten der Theorien hinsichtlich der zentralen Annahmen überein. Diese Theorien sind nicht speziell für die Erklärung der Motivation von Psychotherapiepatienten entwickelt worden. Ihr Geltungsanspruch ist allgemeiner. Sie versuchen, allgemein zielgerichtetes Handeln von Menschen zu erklären. Durch Rückgriff auf solche grundlagenwissenschaftlichen Theorien und Ergebnisse lassen sich jedoch auch die Inhalte und Prozesse der Motivierung eines Patienten, eine Psychotherapie aufzusuchen und in ihr mitzuarbeiten, erklären. Vor allem liefern sie Hinweise zur Beantwortung der Frage, wie es dazu kommen kann, dass Menschen nicht motiviert sind Handlungen durchzuführen, die – objektiv gesehen oder zumindest nach Meinung anderer – für sie hilfreich und förderlich wären: die Frage nach Ursachen oder Bedingungen von Widerstand.

2.1 Absichten Eine Grundannahme dieser Theorien ist, dass Kognitionen wesentlich an der Wahl und Ausführung eines Verhaltens beteiligt sind. Kognitionen repräsentieren jeweils aktuell das Wissen der Person, das aktuelle Wissen über die gegenwärtige Situation und Lage und das im Gedächtnis gespeicherte Wissen. Die verschiedenen Wissenselemente stammen aus verschiedenen miteinander in Beziehung stehenden Gedächtnisbereichen – einem Netzwerk aus sensorischem, motivationalem und motorischem Wissen (Dörner, 1988).

Für die Initiierung und Ausführung von Handlungen sind all die Wissenselemente relevant, die Informationen über eine mögliche Handlung enthalten: Informationen über das auszuführende Verhalten selber, über die Bedingungen, die gegeben sein müssen, um dieses Verhalten ausführen zu können, und nicht zuletzt Informationen über das angestrebte Handlungsziel und seine Folgen, die dieses Handlungsziel gegebenenfalls erst attraktiv machen. All diese Informationen, die für eine Handlung relevant sind, bilden eine Wissenseinheit, die als „Absicht“, auch als (Ziel-)Intention, bezeichnet wird (siehe Kasten).



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