E-Book, Deutsch, 209 Seiten
Reihe: Wirtschaftspsychologie
Schwarzinger Die Dunkle Triade der Persönlichkeit in der Personalauswahl
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8409-3014-0
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Narzissmus, Machiavellismus und subklinische Psychopathie am Arbeitsplatz
E-Book, Deutsch, 209 Seiten
Reihe: Wirtschaftspsychologie
ISBN: 978-3-8409-3014-0
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
In diesem Band werden theoretische Grundlagen und aktuelle Befunde zu Narzissmus, Machiavellismus und subklinischer Psychopathie am Arbeitsplatz ebenso wie komplexe Fragen zur Struktur der Dunklen Triade und ihren Messmethoden für eine praktische Nutzung verständlich aufbereitet. Im Zentrum stehen dabei Fragen des individuellen beruflichen Erfolgs und der Arbeitsleistung sowie Risiken, wie missbräuchliches, destruktives Führungsverhalten und kontraproduktive Verhaltensweisen, die von Personen mit erhöhten Ausprägungen dieser Eigenschaften am Arbeitsplatz ausgehen. Zudem werden rechtliche und fachliche Vorgaben zur Erfassung dunkler Persönlichkeitseigenschaften mit der Sicht der Bewerber hinsichtlich der Aspekte Akzeptanz und soziale Validität zusammengeführt, die vorliegenden Messansätze evaluiert und Empfehlungen für die Praxis
und weitere Forschung ausgesprochen.
Als Praxisbeispiel beinhaltet das Buch die Vorstellung der Entwicklung, Qualität und Anwendbarkeit eines für den Einsatz in Organisationen konzipierten Testverfahrens zur Erfassung der Dunklen Triade am Arbeitsplatz. Darüber hinaus werden konkrete Handlungsempfehlungen für die Anwendung der Merkmale Narzissmus, Machiavellismus und subklinische Psychopathie in der Personalauswahl gegeben.
Sowohl Wissenschaftler als auch Personalpraktiker, die an einem Einsatz der Dunklen Triade in der Personalarbeit interessiert sind, finden in diesem Buch wertvolle Informationen, wie rechtssichere Prozesse gestaltet werden können und das große Potenzial dieser Merkmale für eignungsdiagnostische Entscheidungen genutzt werden kann.
Zielgruppe
Personalverantwortliche, Coaches, Supervisoren, Mentoren, Psychologen, Personal- und Unternehmensberater, Berufsberater, Führungskräfte, Studierende und Lehrende der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, Wirtschaftspsychologie und der Betriebswirtschaftslehre.
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Wirtschaftswissenschaften Betriebswirtschaft Organisationstheorie, Organisationssoziologie, Organisationspsychologie
- Sozialwissenschaften Psychologie Psychologische Disziplinen Coaching, Training, Supervision
- Wirtschaftswissenschaften Betriebswirtschaft Bereichsspezifisches Management Personalwesen, Human Resource Management
- Sozialwissenschaften Psychologie Allgemeine Psychologie Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie Psychologische Diagnostik, Testpsychologie
- Sozialwissenschaften Psychologie Psychologische Disziplinen Wirtschafts-, Arbeits- und Organisationspsychologie
Weitere Infos & Material
1;Vorwort und Inhaltsverzeichnis;7
2;1Einleitung;11
2.1;1.1Die Dunkle Triade der Persönlichkeit – ein Trendthema der vergangenen Jahre;11
2.2;1.2Zu den Notwendigkeiten der Betrachtung „dunkler“ Persönlichkeitsmerkmale am Arbeitsplatz;13
2.3;1.3Aufbau des Buches;14
3;2(Dunkle) Persönlichkeit, berufliche Leistung und beruflicher Erfolg;17
3.1;2.1 Von der Schädeldeutung zum Fünf-Faktoren-Modell und dem DSM-5;17
3.2;2.2Prognose beruflicher Leistung mit Persönlichkeitsmerkmalen;20
3.3;2.3Dark Side Personality Traits als neuer Ansatz in der Personalpsychologie;26
4;3Die Dunkle Triade der Persönlichkeit;38
4.1;3.1Zur Geschichte von Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie;38
4.2;3.2Ausgewählte Befunde der gemeinsamen Betrachtung der Merkmale;49
4.3;3.3Strukturelle und messmethodische Abgrenzung der Triade-Eigenschaften;61
5;4Eignungsdiagnostisch relevante Befunde zur Dunklen Triade;77
5.1;4.1Prognose kontraproduktiver Verhaltensweisen am Arbeitsplatz;79
5.2;4.2Prognose beruflicher Leistung und beruflichen Erfolgs;83
5.3;4.3Weitere personalpsychologische Anwendungsfelder;92
6;5Anforderungen an ein in der Praxis einsetzbares eignungsdiagnostisches Verfahren zur Messung der Dunklen Triade;101
6.1;5.1Überblick der verschiedenen Messansätze und ihrer Besonderheiten;101
6.2;5.2Rechtliche und fachliche Vorgaben für den operativen Praxiseinsatz;110
6.3;5.3Die Bewerbersicht – sozial valide, akzeptierte und berufsbezogene Messung;119
7;6Berufsbezogene Messung der Dunklen Triade – das Beispiel des Verfahrens TOP;126
7.1;6.1Konstruktion der TOP;126
7.2;6.2Reliabilität, Validität und Normierung;138
7.3;6.3 Evaluation der TOP;164
8;7 Empfehlungen fu?r die Praxis und die weitere Forschung;171
8.1;7.1 Empfehlungen fu?r die Forschung;171
8.2;7.2 Empfehlungen fu?r die Praxis;176
8.3;7.3 Fazit: Die Dunkle Triade in der Personalauswahl?;180
9;Literatur;182
|15|2 (Dunkle) Persönlichkeit, berufliche Leistung und beruflicher Erfolg
Bevor ab Kapitel 3 die Dunkle Triade der Persönlichkeit behandelt wird, soll zunächst ein Überblick über die verschiedenen Strömungen in der Frage, was die menschliche Persönlichkeit konkret ausmacht, über die „dunkle Seite“ der Persönlichkeit allgemein sowie die berufsbezogene Anwendung von „hellen“ und „dunklen“ Eigenschaften gegeben werden. Aufgrund der Breite und Tiefe dieser Forschungslinien kann kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Eine Übersicht, welche die zentralen allgemeinen Persönlichkeitsmerkmale sind und wie sie berufsbezogen wirken sowie über die Konzepte und Klassifikationen, die in der Klinischen Psychologie für die am häufigsten auftretenden Persönlichkeitsstörungen gewählt wurden, ist als Grundlage für das Verständnis der Struktur der Dunklen Triade, ihrer Verwandtschaftsbeziehungen und der für sie erbrachten berufsbezogenen Befunde gleichwohl bedeutsam. Zudem werden verschiedene Konzeptualisierungen von beruflicher Leistung und beruflichem Erfolg vorgestellt, um den Kriterienraum zu definieren, an dem die eignungsdiagnostische Brauchbarkeit von Persönlichkeitseigenschaften allgemein und der Dunklen Triade im Speziellen beurteilt werden kann. 2.1 Von der Schädeldeutung zum Fünf-Faktoren-Modell und dem DSM-5
Die Beschäftigung mit der menschlichen Persönlichkeit kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken und hat dabei keine einzelne und eindeutige, einer naturwissenschaftlichen Theorie vergleichbare Systematik hervorgebracht, „ganz zu schweigen von einem Periodensystem der psychischen Elemente“ (Schuler, 2014a, S. 143). So ist es nicht verwunderlich, dass Persönlichkeit je nach Zeitalter und Sprachraum ganz unterschiedlich definiert wurde (Amelang & Bartussek, 1997). Von frühen Versuchen, sich den Unterschieden in Charaktereigenschaften von „außen“ – also vom Aussehen oder dem Verhalten her – zu nähern, beispielsweise Lerschs phänomenologische Persönlichkeitstheorie oder, bereits mit eignungsdiagnostischen Erwartungen verknüpft, Lavaters physiognomische Charakterdeutung (Schuler, 2014a), bis hin zu Untersuchungen von „innen“ durch moderne neurowissenschaftliche oder molekulargenetische Methoden (vgl. Asendorpf, 2009). 2.1.1 „Normale“ Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörungen Es existiert heute immer noch eine Vielzahl von Persönlichkeitstheorien nebeneinander, Asendorpf (2009) unterscheidet verschiedene Paradigmen, um diese zumindest in Gruppen zu gliedern. Innerhalb des Eigenschaftsparadigmas ging man in jüngerer Zeit dazu über, Persönlichkeit durch eine (empirische) Reduktion auf wenige, statistisch möglichst unabhängige Dimensionen bzw. Eigenschaften auszudifferenzieren und zu klassifizieren. So |16|herrscht derzeit weitgehende Einigkeit darüber, dass sich die menschliche Persönlichkeit im Normalbereich vollständig mit unterschiedlich starken Ausprägungen auf diesen – je nach Autor zwischen drei und sieben – breiten Dimensionen beschreiben lässt, die sowohl durch weniger Faktoren höherer Ordnung erklärt, als auch in jeweils zwei zentrale Aspekte und weiter aufgeschlüsselte Subfacetten gegliedert werden können (Guenole, 2014). In einem solchen hierarchischen Modell wurden auch zwei Faktoren höherer Ordnung, mit alpha und beta (Digman, 1997) oder Stabilität und Plastizität (DeYoung, Peterson & Higgins, 2002) bezeichnet, sowie ein Generalfaktor der Persönlichkeit vorgeschlagen (z.?B. Erdle & Rushton, 2010; Musek, 2007) und gleichzeitig die Nützlichkeit feiner aufgegliederter Faktoren gezeigt (z.?B. DeYoung, Quilty & Peterson, 2007) – gerade für anwendungsbezogene Fragestellungen. Dieser Ansatz wird auch für die Beschäftigung mit der Dunklen Triade der Persönlichkeit weiter unten aufgegriffen. Mit bildgebenden oder molekulargenetischen Methoden können Annahmen des eigenschaftstheoretischen Ansatzes zunehmend bestätigt bzw. spezifische Unterschiede für Persönlichkeitsfaktoren in der Hirnanatomie gezeigt werden (z.?B. DeYoung et al., 2010). Die geschilderten Erkenntnisse beziehen sich auf den sogenannten „normalen“ Bereich der Persönlichkeit. Obwohl zwischen diesem und psychischen Störungen durchaus Zusammenhänge bestehen und letztere teilweise schlicht als extreme Ausprägungen menschlicher Charakterzüge gesehen werden (vgl. Moscoso & Salgado, 2004), sind in der Klinischen Psychologie davon quasi unabhängige Klassifikationsschemata entstanden. Dazu zählen das ursprünglich nur für die USA entwickelte, „nationale“ Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen, kurz DSM (aktuellste deutsche Fassung DSM-5; APA/Falkai et al., 2018), und die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebene Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, kurz ICD (aktuellste deutsche Fassung ICD-10-GM; DIMDI, 2019). Die ICD ist wesentlich breiter auf Krankheiten allgemein angelegt, das DSM ausschließlich auf Krankheiten des Geistes, weshalb es auch mehr Störungsbilder und feiner aufgeschlüsselte diagnostische Kriterien abbilden kann. In der Arbeitsversion für die neue ICD-11 (WHO, 2019) werden in der Kategorie Persönlichkeitsstörungen (Code 6D10) lediglich allgemeine Merkmale der Gruppe genannt und einzelne DSM-Störungen sogar davon getrennt geführt (aber weder Narzissmus noch Psychopathie). In Abschnitt 3.1.1 des vorliegenden Bandes finden sich als Beispiel für ein Klassifikationsschema die diagnostischen Kriterien für die Narzisstische Persönlichkeitsstörung nach DSM-5. Eine Diagnose kann beispielsweise mithilfe des Strukturierten Klinischen Interviews für DSM-5-Störungen vorgenommen werden (SCID-5-PD; Beesdo-Baum, Zaudig & Wittchen, 2019). Nur Personen mit entsprechender Approbation wie Psychologische Psychotherapeuten oder psychotherapeutische Fachärzte (vgl. Psychotherapeutengesetz – PsychThG, hierzu insbesondere dessen aktuell im Gesetzgebungsprozess befindliche Neufassung für 2020) sind befugt, Persönlichkeitsstörungen offiziell zu diagnostizieren und zu behandeln. DSM und ICD eint, im Gegensatz zur skizzierten dimensionalen Sicht des eigenschaftsorientierten Ansatzes, die Fokussierung auf durch bestimmte Symptome manifestierte typische Krankheitsbilder, d.?h. ein kategoriales Modell psychischer Störungen. Klinischer und normaler Persönlichkeitsbereich sind aber nicht vollständig unabhängig voneinander, was sich in konzeptionellen Arbeiten z.?B. zu den Big Five und DSM-Störungen (Widiger, Trull, Clarkin, Sanderson & Costa, 2002) und auch metaanalytisch bestätigten Korrelationsmustern für diese Bereiche (Samuel & Widiger, 2008a) sowie geteilten latenten Dimensionen beider Seiten und Vorschlägen zur gemeinsamen Fassung unter einem hierarchischen |17|Modell zeigt (Markon, Krueger & Watson, 2005). Die „phänomenologische Sicht“ bzw. kategoriale Sichtweise wird daher im klinischen Bereich zunehmend aufgebrochen bzw. ergänzt um eine dimensionale (z.?B. Eaton, Krueger, South, Simms & Clark, 2011), weshalb in Teil III der neuesten, fünften Auflage des DSM auch ein Ansatz für eine dimensionale Konzeptualisierung von Persönlichkeitsstörungen aufgenommen wurde (die bisherigen Kategorien bleiben weiter im Hauptteil des DSM-5 bestehen). Auf das DSM-5 und den dort neu enthaltenen dimensionalen Ansatz wird in Abschnitt 2.3.1 zu „dunklen“ Persönlichkeitseigenschaften näher eingegangen. Zunächst sollen in knapper Form der Stand der Forschung zur „normalen“ Persönlichkeit und in Abschnitt 2.2 deren Anwendungsmöglichkeiten in der Personalpsychologie vorgestellt werden. 2.1.2 Die Big Five und das Fehlen „dunkler“ Faktoren Heutzutage als Referenzrahmen allgemein anerkannt ist das sogenannte Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit (FFM) von Costa und McCrae (1985) mit den fünf breiten, bipolaren Dimensionen Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Für dieses Modell bzw. seine Bestandteile wird auch das Synonym Big Five verwendet (Goldberg, 1993). Die Entwicklung des Fünf-Faktoren-Modells wird im Folgenden etwas ausführlicher referiert, da in ihr ein möglicher Hauptgrund für die lange Nichtbeachtung „dunkler“ Eigenschaften zu finden ist. Denn es drängt sich natürlich die Frage auf, warum...