E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Terhorst / Wenz Kinder in der Trauer
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-451-84999-2
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Verstehen, trösten und ermutigen. Ein Begleitbuch für Eltern
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-451-84999-2
Verlag: Verlag Herder
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Abschied, Sterben und Trauer sind Themen, die in der Erziehung oftmals ausgeklammert werden. Dieser Trauerratgeber hilft dabei, mit Kindern ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam die Sprachlosigkeit zu überwinden und Trost zu finden. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Geschichte zum Vorlesen, mit deren Hilfe der Einstieg in ein Gespräch leichter fällt. Anschließend folgt jeweils ein Ratgeberteil mit Informationen, Hinweisen und praktischen Hilfen, damit Erwachsene individuell und kindgerecht auf die Trauer des Kindes eingehen und Fragen altersgerecht beantworten können. Dieses Buch ist für Eltern ebenso geeignet wie für Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer.
Verstehen, trösten und ermutigen Eva Terhorst und Tanja Wenz haben langjährige Erfahrungen durch ihre jeweiligen Berufe als Trauerbegleiterin und Krankenschwester. Sie geben grundlegende Informationen zu den einzelnen Aspekten der Kindertrauer und auch der Trauer bei Erwachsenen. Traumreisen, Übungen, Affirmationen und weitere Anregungen unterstützen dabei, Kinder darin zu begleiten, die Erfahrungen von Tod und Trauer zu bewältigen. Sie thematisieren die unterschiedlichen Arten von möglichen Verlusten wie den Tod
- eines Haustiers
- einer Schulfreundin
- nächster Angehöriger
- Angehöriger von Freunden
- eines Geschwisters oder
- von Vater oder Mutter
Dieser praktische Ratgeber rüstet Erwachsene mit klarer Orientierung und fundiertem Wissen sowie liebevollen Texten für die konkrete Trauerarbeit aus, damit sich keine bleibenden Schatten auf die Kinderseele legen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.Wenn ein Haustier stirbt „Minka, Wuffel oder Pieps ist tot, und nun?“ Louisas geliebte Katze Maxi Louisa kommt gut gelaunt von der Schule nach Hause und freut sich auf einen schönen Nachmittag. Hund Balou steht schon schwanzwedelnd an der Haustür und erwartet sie. Louisa kuschelt den kleinen wuscheligen Hund und schaut sich dann nach ihrer Katze Maxi um. Doch die ist nicht zu sehen. Sonst sitzt sie immer neben Balou und begrüßt Louisa laut schnurrend. Louisa wundert sich und fragt: „Wo ist denn Maxi heute?“ Mama weiß es: „Sie liegt in deinem Zimmer in ihrem Körbchen und schläft.“ Louisa geht schnell nachschauen. Als sie sich zu Maxi herunterbeugt und sie im Nacken krault, fängt die Katze leise an zu schnurren. „Warum bist du denn nicht an die Haustür gekommen?“, fragt Louisa verwundert. Sie schaut Maxi genauer an und stellt erschrocken fest, dass die Katze dünn und zerbrechlich aussieht. Auch ihr schwarzer Pelz schimmert nicht mehr wie Samt. Das ist ihr bisher noch überhaupt nicht aufgefallen. Louisa geht in die Küche und fragt: „Was ist denn mit Maxi los? Sie ist so dünn und ihr Fell sieht gar nicht mehr schön aus.“ Mama dreht sich zu Louisa um und nimmt sie in den Arm. „Louisa, Maxi ist schon sehr alt. Sicher liegt es daran.“ Louisa schluckt heftig und fragt: „Vielleicht kann der Tierarzt helfen?“ „Nein Louisa, der Tierarzt kann Maxi leider nicht helfen. Früher oder später wird sie sterben. Wir können es ihr nur so kuschelig wie möglich machen.“ Louisa schaut Mama erschrocken an. „Maxi soll aber nicht sterben, sie ist doch meine Katze!“ Mama nimmt sie auf den Schoß und erklärt: „Älter werden und sterben ist normal. Wir alle werden älter und sterben irgendwann. Nur dass Katzen nicht so alt wie Menschen werden. Maxi ist schon vierzehn Jahre alt. Das ist eine lange Zeit für eine Katze.“ Louisa geht traurig wieder in ihr Zimmer. Maxi liegt immer noch in ihrem Körbchen, und als sie Louisa sieht, fängt sie wieder an, leise zu schnurren. Mama kommt auch hinterher. Sie kniet sich vor das Körbchen und fragt leise: „Na, meine Süße? Willst du heute gar nicht aufstehen und etwas fressen?“ Louisa und ihre Mama holen den Fressnapf aus der Küche und stellen ihn neben Maxi. Den Wassernapf stellen sie dazu. Auch die Katzentoilette füllen sie mit frischer Katzenstreu und lassen sie ganz in der Nähe. Bis Louisas Papa von der Arbeit kommt, hat Maxi nur ein ganz kleines bisschen von dem Futter gefressen. Louisa erzählt ihm sofort, dass es Maxi nicht gut geht, und zieht ihn in ihr Zimmer. Papa streichelt der Katze langsam über das Fell. „Meine süße Maxi“, murmelt er. Balou kommt auch dazu und legt sich neben Maxis Körbchen auf den Boden. Immer wieder stupst er die Katze zart mit der Schnauze an. Am nächsten Tag frisst Maxi überhaupt nichts mehr, obwohl Louisa ihr die volle Futterschüssel immer wieder vor die Nase hält. Am Abend stellen sie das Körbchen mit Maxi neben das Elternbett. Maxi soll nicht mehr alleine sein. Mama streichelt Maxi nachts immer wieder über den Kopf und die Katze schnurrt dann leise. Am Morgen schnurrt Maxi nicht mehr. Mama und Papa schauen ins Körbchen und stupsen die Katze sanft an. Sie liegt eingerollt auf der Decke und bewegt sich nicht mehr. Louisa schaut durch die geöffnete Tür ängstlich zu ihrer Maxi, die so still und leise dort im Körbchen liegt. Mama und Papa nehmen Louisa in den Arm und erklären traurig: „Maxi ist gestorben.“ Louisa rollt eine Träne über die Wange und sie fragt leise: „Kann ich sie streicheln?“ „Ja, sicher“, nicken ihre Eltern. Louisa kniet sich vor das Körbchen und schaut ihre Katze lange an. Was hatten sie nicht alles zusammen erlebt. Wenn Louisa mal traurig war und weinen musste, dann hat Maxi ihr immer die Tränen abgeschleckt. Das kann sie nun nicht mehr machen. Louisa schluchzt leise und streichelt ihrer Katze sanft über das schwarze Fell. Papa legt Louisa tröstend einen Arm um die Schulter und Mama nimmt ihre Hand. Später sitzen alle drei zusammen und Mama fragt: „Wollen wir gemeinsam den Abschied von Maxi vorbereiten?“ Louisa findet das eine gute Idee und sagt: „Wir können jetzt schon eine Kerze neben Maxi stellen.“ Papa fragt: „Eine Kerze? Ist das nicht etwas übertrieben?“ Aber Louisa ist sich sicher: „Kerzen sind auch für Tiere gut.“ Also holt Mama eine Kerze und stellt sie neben Maxi. Das sieht schön aus. Das findet auch Papa. Am späten Nachmittag gräbt er im Garten ein tiefes Loch und Louisa pflückt Blumen. Mama wickelt Maxi in die Kuscheldecke ein. Dann nimmt Papa die Katze und alle zusammen gehen nach draußen. Papa legt Maxi vorsichtig in das Loch und Mama setzt noch die Spielzeugmaus auf die Decke. Damit hatte Maxi immer am liebsten gespielt. Louisa legt eine große rote Blüte dazu. Dann schaufelt Papa das Grab mit der Erde wieder zu. Darauf legt er einen schweren Stein, damit kein Fuchs die Katze wieder ausgräbt. Louisa legt den Blumenstrauß auf das Grab. Mama sagt: „Das sieht hübsch aus, bestimmt würde es Maxi gefallen.“ Papa nickt. Louisa kann nichts sagen. Tränen kullern über ihr Gesicht. Mama nimmt sie in den Arm und hält sie ganz fest. Lange stehen die drei und auch Balou vor dem Grab der Katze. Dann sagt Papa: „Kommt, wir machen einen Spaziergang in den Wald.“ In der nächsten Zeit reden Mama und Papa öfter mit Louisa über Maxi. Was für eine tolle Katze sie war und was sie alles mit ihr erlebt haben. Das ist schön für Louisa. Bei manchen Geschichten muss sie auch lachen. Als Maxi einmal eine Maus mit in das Bett von Mama und Papa gebracht hat, ist Mama vor Schreck fast aus dem Bett gefallen... Mama sagt, die vielen Erinnerungen kann Louisa keiner nehmen, auch nicht der Tod. Louisa weiß jetzt, dass Maxi immer einen Platz in ihrem Herzen behalten wird. Wenn sie doch mal zu traurig ist, geht sie mit Balou in den Wiesen und Feldern spazieren und erlebt dort so manches Abenteuer mit ihm. Das Sterben ist Teil des Lebens –? die Erinnerung bleibt Wenn die geliebte Katze, das Kaninchen, Meerschweinchen oder der Hund stirbt, ist das für die ganze Familie schmerzhaft. Natürlich insbesondere für Kinder, die erstmals Sterben, Tod und Trauer begegnen. Vieles ist dem Geschehen und den Gefühlen, die aufkommen, wenn ein Mensch stirbt, durchaus ähnlich. Sie können Ihre Kinder behutsam darin begleiten, zu begreifen, dass der Tod zum Leben gehört. Ein Platz in der Familie ist nun leer Haustiere sind für Kinder nahe Wegbegleiter und Freunde. Die Familienkatze Maxi ist sehr alt und gehörte schon zur Familie, bevor Louisa überhaupt geboren wurde. Sie ist ein wichtiges Familienmitglied und hat einen festen Platz, den nur sie füllen kann. Erwachsene unterscheiden meistens in der Schwere des Verlusts, ob ein Mensch oder ein Tier gestorben ist. Eine Unterscheidung, die generell ihre Berechtigung haben mag, aber im Einzelfall tatsächlich nicht wichtig ist. Dann ist es gut, wenn wir uns nur auf den Platz konzentrieren, den dieses Wesen in unserem Leben eingenommen hat und nun leer hinterlässt. Maxi hatte als zuverlässige Trösterin für Louisa große Bedeutung und sie brachte durch ihre Verspieltheit Spaß in die Familie. Louisa lernte durch sie, Verantwortung zu übernehmen, da es ihr nicht nur um das Vergnügen ging, sondern sie war gerne mit zuständig dafür, dass Maxi gut mit Futter versorgt und das Katzenklo immer akzeptabel sauber war. So trug und trägt Maxi in vielfältiger Weise zu Louisas Entwicklung bei. Auch die traurige Erfahrung, dass die geliebte Katze sterben musste, gehört dazu. Erinnerungen gemeinsam pflegen Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Begleitung des Sterbens der Katze, die Betroffenheit jedes einzelnen Familienmitgliedes und die Bemühungen um die Katze. Nachdem Louisa und ihre Eltern Maxi beerdigt haben, sprechen alle über Maxi und ihre Abenteuer. Gut, wenn wir das auch beim Tod eines Menschen können. Denn auch wenn durch die Erinnerung traurige Gefühle aufkommen, hilft es, sich zu erinnern –? ganz besonders wenn man es gemeinsam tun kann. Die Gespräche unterstützen Trauernde dabei, den Verlust zu begreifen und in ihr Leben zu integrieren. Das gelingt nicht immer, aber durch den Tod eines Haustieres und den Umgang damit kann diese Erfahrung des Erinnerns dazu beitragen, dass wir –? unabhängig davon, wie jung oder alt wir sind –? zukünftig offener mit dem Verlust eines geliebten Tieres oder auch Menschen umgehen. Die Verbindung bleibt bestehen Wir sehen unsere Kinder oft als kommunikative, offene und unbeschwerte Wesen, die erst im Laufe der Zeit durch gute und schlechte Erfahrungen geprägt werden und bestimmte Verhaltensweisen entwickeln. Ebenso gibt es auch von Natur aus verschlossene Kinder, die erst durch Begleitung und Unterstützung im Laufe der Jahre lernen, sich zu öffnen und sich dennoch zu schützen. Oft sind ihre Haustiere außer den eigenen Eltern die einzigen oder die ersten, bei denen Kinder Geborgenheit und Trost finden. Wenn ein Haustier stirbt, ist es durchaus natürlich, wenn ein Kind sich nicht so leicht ablenken und trösten lässt, indem es mit seinen Freunden wieder sein gewohntes Spiel aufnimmt. Das Tier war in der Regel selbstverständlicher Teil des Alltags; so ist die Lücke, die der Tod des geliebten Gefährten hinterlässt, ständig gegenwärtig und manchmal schmerzhafter, als wir vermuten. Da kann es hilfreich sein, wenn wir uns auf eine Traumreise begeben, in der wir uns davon überzeugen können, dass es dem Tier dort, wo es nun ist, gut geht, die Verbindung zwar...