Thomas | Die drei von der Risikogruppe leben noch | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Thomas Die drei von der Risikogruppe leben noch


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7557-2503-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-7557-2503-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die befriedigende Gestaltung des Alltags ist für Leo, Billy und Brigitte im zweiten Pandemiejahr nicht leichter geworden. Weiterhin werden sie an der Verwirklichung ihrer ursprünglichen Pläne gehindert. Während die impulsive Leo allmählich die Contenance verliert, befreit sich die zurückhaltende Brigitte von ihren Ängsten und erweitert mutig ihren Erfahrungshorizont. Auch Billy überwindet ihre Bedenken und stürzt sich in ein amouröses Abenteuer. Wie der erste Band des Romans um die Freundinnen (Die drei von der Risikogruppe, 2021), hält die Fortsetzung überraschende Wendungen bereit. Um sie als Chancen für ein vergnüglicheres Leben nutzen zu können, müssen die drei Frauen über einige Schatten springen. Dabei hilft ihnen ihre Lebenserfahrung genauso, die wie zunehmende Gelassenheit, in dem Wissen, dass sie nur noch etwas zu gewinnen haben.

Ulrike Thomas, 1956 geboren, wuchs in Frankenthal in der Pfalz auf. Die promovierte Diplom-Psychologin lebt und arbeitet in Mannheim. Als Psychotherapeutin und Autorin gilt ihr Interesse dem menschlichen Verhalten und den dahinter stehenden Beweggründen. Mit Menschenkenntnis und Verständnis für deren Eigenheiten, entwickelt sie ihre vielschichtigen Romanfiguren. Dabei liegt ihr Augenmerk auf den kleinen Dingen, die das Leben lebenswert machen. Der vorliegende Roman ist ihr vierter.

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Februar – Mutanten
Ein Ende war nicht abzusehen. Obwohl die Infektionszahlen sanken, blieb die Anzahl der Menschen, die im Zusammenhang mit Covid-19 starb, auf hohem Niveau. Und die Pflegeheime hielten sich als Hotspots. 50 Prozent aller Coronatoten hatten vor dem Tod im Pflegeheim gelebt. Einerseits war es nachvollziehbar, dass Pflegebedürftige gesundheitlich stark geschwächt und dem Ableben näher waren. Dennoch blieb die Frage unbeantwortet, wieso sich ausgerechnet dort, wo sie Schutz und Hilfe erwarteten, so viele infizierten. Auch wenn die Impfung, da zu wenig Impfstoff vorhanden war, schleppend verlief, würden die meisten Hochbetagten in den Heimen bald immunisiert sein und es war zu hoffen, dass sich dann die Todeszahlen normalisieren würden. Sorge bereitete den politisch Verantwortlichen wie den Wissenschaftler*innen vor allem die sich rasant ausbreitenden, außerordentlich ansteckenden Mutationen des Virus. Konnten die Impfstofflieferengpässe nicht bald beseitigt werden, würden die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Bevölkerung andauern. Das Leben plätscherte dahin wie der Regen vorm Fenster. Leo war in ihre Wohnung zurück gekehrt. So sehr sie die Tage bei Billy genossen hatte, spätestens nach einer Woche der Zweisamkeit verlangte es sie nach der Intimität ihrer eigenen Gemächer. Seit über 14 Jahren lebte sie nun alleine und genoss die Freiheit, die damit verbunden, auch wenn das Leben durch die Pandemie sehr eintönig geworden war. Die Gutscheine der Bundesregierung für zwei Mal sechs FFP-II-Masken lagen auf ihrem Schreibtisch. Für was sollte sie die einlösen, hatte sie doch bereits im Dezember drei dieser unangenehmen Schnauzendeckel, die über 60-Jährige kostenlos bekamen, in der Apotheke abgeholt? Seit diese Dinger für den Aufenthalt in allen Läden vorgeschrieben waren, kaufte sie noch seltener ein. Neuerdings hatte sie ihre frühere Gewohnheit wieder belebt, einmal pro Woche – falls das Wetter nicht allzu garstig war – auf den Markt zu gehen. Die bunten Verkaufsstände und das durcheinander Gewusel der Kundschaft waren Balsam für ihre an Kontaktmangel leidende Seele. Bisweilen traf sie dort auch Bekannte, mit denen sie ein paar Worte wechseln konnte. Ihren Vorrat an geistiger Nahrung bezog sie von einem Winzer aus der Pfalz. Was sie an Wasser benötigte, nahm sie aus der Leitung und sprudelte es mit Kohlensäure auf. Damit das Leben nicht allzu karg wurde, kaufte sie Käse, Wurst, Brot und ein paar spezielle Leckerlis in einem Feinkostgeschäft. Das Telefon klingelte. Es war Herbert, der Leo über die neuesten Vereinsaktivitäten informieren wollte. »Bei der letzten Online-Vorstandssitzung, hat unser junger, neuer Vorsitzender einen Vorschlag gemacht, den die Mehrheit begrüßte und die Minderheit grässlich fand. Ich gehöre zu Letzteren. So wurde beschlossen, dass alle über 60-jährigen Vereinsmitglieder fünf FFP-II-Masken geschenkt bekommen sollen. Was hältst du davon?« Leo wunderte sich zunächst über das Vorhaben, da ihres Wissens diese Teile nicht billig waren und der Verein bei jeder sich bietenden Gelegenheit über knappe finanzielle Mittel klagte. »Das kostet doch sicher viele hundert Euro. Ein nicht unerheblicher Teil der Mitglieder dürfte in der besagten Altersgruppe sein. Was hat Leander sich denn bei dieser Aktion gedacht?« »So sehe ich das auch. Seine Argumentation war, dass er seit seinem Amtsantritt, der exakt vor Beginn des Lockdowns im Frühjahr war, so gut wie nichts bewirken konnte und er seine Wertschätzung speziell für die Älteren ausdrücken wolle, die als Risikogruppe doppelt und dreifach betroffen seien, zum einen durch die Pandemie, zum anderen durch Altersarmut und Einsamkeit.« »Das mag ja grundsätzlich honorig sein. Aber unser Verein ist nicht gerade bekannt dafür, die bedürftigste Mitgliedschaft zu haben. Ganz im Gegenteil kommen die meisten doch eher aus dem Speckgürtel der Bevölkerung. Einsamkeit ist sicher für einige Betagte ein Problem, aber was sollen die Masken dagegen ausrichten?«, fragte Leo. »So ähnlich habe ich auch argumentiert. Vor allem stört mich, dass für die Jungen im Verein alle über 60-Jährigen irgendwie tüttelig und hilfsbedürftig zu sein scheinen, was der Realität diametral widerspricht.« »Haben diese Leute nicht mitbekommen, dass der gerade gewählte amerikanische Präsident 78 ist, unsere Bundeskanzlerin 67 und viele der Leute, die die Pandemie stemmen, auch in deutlich vorgerücktem Alter sind?« »Das meine ich. Ich bin ja selbst Ende 60 und mache die Kasse und die EDV. Bisher hat sich keiner der Jungen um meinen Posten gerissen und Klagen über meine Arbeit habe ich auch nicht gehört. Aber es gibt halt auch Leute, die es klasse finden, wenn sie was geschenkt bekommen.« »Von mir aus, aber doch bitte keine Mund-und-Nasen-Schutz-Masken. Als nächstes kommt noch jemand auf die Idee, uns mit einem Paket Windeln zu beglücken. Wenn der Verein zu viel Geld hat, hätte er entweder allen, die echten Bedarf dafür haben, unabhängig vom Alter, das Angebot machen können, oder das Geld einer gemeinnützigen Einrichtung spenden ...«, »... oder uns etwas Herzwärmendes schenken, wenn schon. Apropos, ich fahre demnächst zum Einkaufen. Hast du Lust, mitzufahren, ich würde dich abholen?« »Viel brauche ich nicht, aber das Angebot nehme ich nur zu gerne an.« Billy war vor Langeweile an diesem Montag auf dem Sofa eingenickt. Als das Telefon klingelte, schreckte sie hoch. Es war selten geworden, dass jemand sie anrief. »Hallo hier ist Veronika.« »Das ist aber schön, dass du anrufst. Wie geht’s?« »Na, so lala. Und dir?« »So lala trifft es gut, mal besser, mal schlechter.« »Ich versuche, mich zu motivieren, etwas zu tun, aber es fällt mir immer schwerer. Wenn ich könnte, würde ich mich in Winterschlaf versetzen und erst wieder aufwecken lassen, wenn das alles rum ist«, erläuterte Veronika ihr Befinden. »Du bist nicht die Erste, die das sagt. Und ich würde mich sofort anschließen«, bestätigte Billy. »Ich hoffe wirklich, dass am Mittwoch nicht weitere Verschärfungen beschlossen werden.« »Nachdem was man hört, bleibt alles, wie es ist. Die Inzidenzzahlen sinken zwar, aber die Virusmutationen erhöhen die Ansteckungsgefahr ... « »... wird behauptet«, warf Billy dazwischen. »Ja, du hast Recht. Nix genaues weiß man nicht. Mir wäre es mittlerweile am liebsten, wenn ich das Zeug bekommen würde, dann wäre der Spuk zu Ende.« »Aber nur für dich. Und wie lange du immun wärst, weiß auch niemand«, war Billys Ansicht. »Der Unmut über die andauernden Einschränkungen ist auch bei mir größer als die Angst vor dem Virus. Am Freitag haben sogar Brigitte und Leo unser vierzehntägiges Treffen abgesagt. Das gab's in all den Jahren noch nicht. Im ersten Lockdown hat sich zwar Brigitte zeitweise ausgeklinkt, aber Leo war immer dabei, wenn sie nicht wirklich den Kopf unter dem Arm trug.« »Vielleicht ist sie krank?« »Das hätte sie doch sagen können.« »Da fällt mir ein, was macht eigentlich dein ehrgeiziges Gesundheitsprogramm?«, fragte Veronika. »Oh, da fragst du was. Ich glaube nach unserem Treffen bei dir habe ich es glatt vergessen.« »Ach weißt du was, in solchen Zeiten ist Entbehrung nicht angesagt.« »Da hast du Recht. Manchmal fühle ich mich wie ein gut geöltes und vollgetanktes Auto, das in der Garage steht und nicht losfahren darf. Dem geht es auch nicht besser, wenn immer mehr Benzin und Öl in es reingeschüttet wird.« »Wie gut, dass wir keine Autos sind«, lachte Veronika. So unterhielten sich die beiden Frauen noch eine Weile und gaben sich ein wenig der menschlichen Zuwendung, die sie so dringend brauchten. Die Nachrichten aus dem Radio machten Leo das erste Mal seit langem froh. Ein Gericht hatte die nächtliche Ausgangssperre in Baden-Württemberg kassiert. Eine Frau aus Tübingen, die dagegen klagte, hatte aufgrund der sinkenden Infektionszahlen, nach mehreren vergeblichen Anläufen, nun Recht bekommen. Die Maßnahme sei nicht mehr verhältnismäßig. Sogleich versuchte Leo, Billy die freudige Neuigkeit mitzuteilen. Das Telefon war besetzt. Aber Brigitte erreichte sie zu Hause. »Ich bin da hin- und hergerissen. Wenn die Ausgangssperre aufgehoben ist, kann die Polizei nicht so gut gegen die Partyszene vorgehen.« »Aber wir können uns endlich wieder abends treffen ohne ständig auf die Uhr zu schauen«, entgegnete Leo, die es nicht fassen konnte, dass jemand Ausgangssperren gut hieß. »Na ja, die Zwei-Haushalte-Regel gilt noch immer.« Leo gab es auf, mit Brigitte zu diskutieren, zu unterschiedlich waren ihre Naturells in diesem Zusammenhang. Mit ihr konnte sie ihre...



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