Thünker / Pietrowsky | Alpträume | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Therapeutische Praxis

Thünker / Pietrowsky Alpträume

Ein Therapiemanual
2., überarbeitete und ergänzte Auflage 2021
ISBN: 978-3-8409-3106-2
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Ein Therapiemanual

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Therapeutische Praxis

ISBN: 978-3-8409-3106-2
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Das Manual bietet eine strukturierte Anleitung zur Behandlung von Patientinnen und Patienten, die unter häufigen und belastenden Alpträumen leiden. Die Alpträume können alleine auftreten, also ohne weitere komorbide psychische Störungen, oder im Kontext anderer psychischer Störungen, wie z.B. Depressionen, Angststörungen und vor allem der Posttraumatischen Belastungsstörung. Das Verfahren basiert auf der Imagery-Rehearsal-Therapie (IRT), die seit Jahren erfolgreich zur Behandlung von Alpträumen und Posttraumatischen Belastungsstörungen eingesetzt wird. Wesentliche Elemente dieses Therapieansatzes sind die Modifikation des Alptraums in einen nicht bedrohlichen Traum und die Imagination dieses neuen Traumverlaufs.
Das Therapieprogramm umfasst acht einstündige Therapiesitzungen im Einzelsetting mit den Elementen Psychoedukation, Entspannung, Imagination und Alptraummodifikation. Die Alptraumtherapie kann für sich alleine durchgeführt oder auch als Zusatztherapie in eine weitere therapeutische Intervention integriert werden. Das Manual liefert eine praxisorientierte Beschreibung des therapeutischen Vorgehens. Das Programm wurde bereits erfolgreich an verschiedenen Patientengruppen durchgeführt und in seiner Wirksamkeit überprüft. Es führt zu einem deutlichen Rückgang der Alptraumhäufigkeit und der Belastung durch Alpträume. Die Neubearbeitung berücksichtigt neue Forschungserkenntnisse und enthält nun zudem ein Kapitel zur Behandlung von Alpträumen bei Kindern und Jugendlichen. Die im Buch erwähnten Arbeitsblätter und Audio-Dateien können nach erfolgter Registrierung von der Hogrefe Website heruntergeladen werden.

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Zielgruppe


Ärztliche und Psychologische Psychotherapeut_innen, Fachärzt_innen für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Klinische Psycholog_innen, Psychologische Berater_innen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut_innen, Studierende und Lehrende in der psychotherapeutischen Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Weitere Infos & Material


1;Inhaltsverzeichnis;7
2;Kapitel 1: Beschreibung der Störung;13
3;Kapitel 2: Störungstheorien und Ätiologiemodelle;25
4;Kapitel 3: Diagnostik und Indikation;30
5;Kapitel 4: Stand der Therapieforschung;33
6;Kapitel 5: Allgemeine Informationen zum therapeutischen Vorgehen;47
7;Kapitel 6: Einführung in die Alptraumtherapie;51
8;Kapitel 7: Entspannungsverfahren;58
9;Kapitel 8: Imagination;66
10;Kapitel 9: Alptraummodifikation;76
11;Kapitel 10: Abschlusssitzung;91
12;Kapitel 11: Besonderheiten bei der Behandlung traumatisierter Patientinnen und Patienten;92
13;Kapitel 12: Alptraumtherapie bei Kindern und Jugendlichen;99
14;Literatur;110
15;Anhang;115
15.1;Arbeitsblatt 1: Regeln zur Schlafhygiene;117
15.2;Arbeitsblatt 2: Aufzeichnung von Alpträumen;118
15.3;Arbeitsblatt 3: Fragebogen zur Aufzeichnung von Alpträumen;119
15.4;Arbeitsblatt 4: Leitfaden für das Entspannungstraining;122
15.5;Arbeitsblatt 5: Leitfaden zur Durchführung von Imaginationsübungen;124
15.6;Arbeitsblatt 6: Veänderung meines Alptraums;126
15.7;Arbeitsblatt 7: Leitfaden zur Veränderung von Alpträumen;127
15.8;Hinweise zu den Online-Materialien;130


|23|Kapitel 2
Störungstheorien und Ätiologiemodelle
Überblick In diesem Kapitel werden folgende Störungsmodelle bzw. Ursachen für Alpträume beschrieben: Psychoanalytische Theorien, Kognitiv-Behaviorale Theorien, Neurophysiologische Theorien, Persönlichkeitsfaktoren, Aktuelle Stressbelastung, Psychopharmaka, Alptraumfolgen. Seit jeher haben sich die Menschen wohl Gedanken darüber gemacht, wie es zu den angstvollen Träumen kommt und warum Alpträume auftreten und manche Menschen besonders häufig unter Alpträumen leiden. Im griechischen Altertum galten Träume als von den Göttern gesandt, um mit dem Schlafenden darüber in Kontakt zu treten. Alpträume galten als von dem Gott Pan geschickt, der den Schläfer durch seine Bocksgestalt oder die Schläferin durch Beischlafwünsche erschreckte. Damit galten in der griechischen Antike, ebenso wie im europäischen Mittelalter bis in die Neuzeit hinein, Alpträume als Ausdruck von als Incubi und Succubi agierende Dämonen, die unter dem Deckmantel sexueller Verführung den Schlafenden Unheil brachten (Pietrowsky, 2014). Bis Mitte des 20. Jahrhunderts hinein wurden somatische Zustände als Hauptverursacher von Alpträumen genannt: ein Übermaß eines der vier Körpersäfte (Blut, weiße und schwarze Galle, Schleim), Diätfehler, gastroenterologische Störungen, ein überladener Magen, toxische oder periphere Reize aus Trinkgelagen, bestimmte Schlafpositionen und Bettunterlagen (Strunz, 1987). Der Glaube, dass Geister in die Körper der Schlafenden eindringen und Träume verursachen, ist noch heute in vielen Kulturen der Welt lebendig. Erst mit dem Aufkommen der Psychoanalyse und der naturwissenschaftlichen Schlafforschung haben somatische Erklärungen für die Entstehung von Alpträumen deutlich abgenommen bzw. sind ganz verschwunden. 2.1  Psychoanalytische Theorien
Mit dem Aufkommen der Psychoanalyse wurden zum ersten Mal psychologische Ursachen anstelle von somatischen Ursachen oder Dämonen für das Auftreten der Alpträume angenommen. Gemäß Freuds epochalem Werk aus dem Jahre 1900 „Die Traumdeutung“ hat der Traum die Funktion, „der Hüter des Schlafs“ zu sein (Freud, 1989). Demgemäß erfüllt der Traum die Funktion, die Wunschbefriedigung aus dem Unterbewussten so umzugestalten, dass sie aufgrund der im Schlaf gelockerten Grenze zum Bewusstsein dieses nicht in voller Stärke überrollt und die Schlafenden ängstigt. Jedoch tat sich dieser Erklärungsansatz mit den Alpträumen schwer, da diese ja gerade nicht den Schlaf des Schläfers schützen, sondern ihn erwecken. Freud versuchte dieses Dilemma zu lösen, indem er Angst- und Strafträume in späteren Schriften zwar weiterhin der Wunscherfüllung unterordnete, aber nicht der Wunscherfüllung libidinöser Es-Impulse, sondern der Erfüllung übergeordneter strafender Wünsche des Über-Ichs (Freud, 1916/17). |24|Erklärungsansätze von Jung (1928) und Ferenczi (1934) spiegeln eine Weiterentwicklung des psychoanalytischen Erklärungsmodells für Alpträume wider, das Alpträumen eine Funktion zuschreibt, die darin besteht, problemlösend zu wirken. Nach Ferenczi (1934) ist jeder Traum, auch der Alptraum, der Versuch, traumatische Erlebnisse einer besseren psychischen Bewältigung zuzuführen. Eine entscheidende Erweiterung erfuhr das psychoanalytische Traumverständnis durch Jungs Einführung der kompensatorischen Funktion des Traums (Kompensations- oder Komplementärhypothese). Der Traum ist ein Mittel „zur psychologischen Selbststeuerung, indem er automatisch alles Verdrängte und nicht Beachtete oder nicht Gewusste hervorbringt“ (Jung, 1928). Laut dieser Hypothese kommt es im Traum zur Befriedigung von Bedürfnissen, die im Wachleben nicht kompensiert werden können. Demnach besitzt der Traum eine kompensatorische Funktion, indem er in der Realität verdrängte Persönlichkeitsanteile und Belastungen des Wachlebens kompensiert (De Koninck & Koulack, 1975, Strunz, 1987). In Bezug auf Alpträume bedeutet das, dass die Schlafenden sich in den Alpträumen ihrer bedrohlichen Persönlichkeitsanteile bewusst werden. Daher kann man sogar nach Jung von der „Notwendigkeit der Alpträume für die Seele sprechen, die das Individuum zu dem werden lassen, was es ist, anstatt es durch Abspaltungen von sich selbst zu entfremden“ (Strunz, 1987, S. 308). 2.2  Kognitiv-Behaviorale Theorien
Verschiedene kognitiv-behavioral ausgerichtete Theorien versuchen die Existenz und Funktion von Träumen – und damit auch Alpträumen – zu erklären. Erwähnenswert sind hier die Kontinuitätshypothese und die Mastery-Hypothese. Die Kontinuitätshypothese geht davon aus, dass das Traumgeschehen eine kontinuierliche Fortsetzung des Wachlebens und Wacherlebens sei (Domhoff, 1996). Demzufolge besteht eine konsistente Übereinstimmung zwischen Wach- und Traumgeschehen. Allerdings sollte die Kontinuitätshypothese nicht so eng gesehen werden, dass Träume eine 1?:?1-Abbildung des Wachlebens sind; vielmehr finden psychische Zustände, die das Wachbewusstsein bestimmen, auch in Träumen ihre Fortsetzung. Ängste im Traum würden, gemäß dieser Hypothese, tatsächliche Ängste im Wachzustand widerspiegeln. Eine zentrale kognitiv-behaviorale Annahme ist auch, dass die kognitiven Schemata des Wachszustands auch im Traum aktiv sind und damit das Traumgeschehen in gleichem Maße wie im Wachzustand modulieren. Das genaue Gegenteil ist die Kompensationshypothese, die besagt, dass Träume dazu dienen, Erfahrungen, Erlebnisse und Persönlichkeitsaspekte, die im Wachzustand unterrepräsentiert sind, zu kompensieren (De Koninck & Koulack, 1975; Jung, 1928). Dieser Theorie zufolge würde sich also in Träumen das emotionale oder affektive Gegenstück des Wachzustands ausdrücken. Träume sind dann umso angenehmer, je belastender die Erlebnisse des Wachzustands. Diese Theorie tut sich jedoch mit der Erklärung von Alpträumen schwer, außer sie betrachtet die kompensatorische Funktion von Alpträumen im Sinne Jungs als Bewusstwerdung verdrängter oder bedrohlicher Persönlichkeitsanteile. Die Mastery-Hypothese geht davon aus, dass belastende Ereignisse des Wachlebens in den Träumen auftreten, um so besser verarbeitet zu werden (Wright & Koulack, 1987). Der Traum und der Alptraum haben gemäß dieser Annahme die Funktion, ein gedankliches Probehandeln zu ermöglichen, eine gedankliche Auseinandersetzung mit einem belastenden Ereignis oder einem Problem zu gewährleisten. Damit kommt dem Traum eine adaptive Funktion zu, wie sie auch in den Kompensationstheorien angenommen wird. Dieser Ansatz wird explizit aufgegriffen in Erklärungsmodellen, die dem Traum eine therapeutische Funktion zuschreiben (Cartwright, 1991; Hartmann, 1996; Wright & Koulack, 1987), indem die adaptive Funktion der Träume dazu verhilft, Probleme der Realität zu lösen bzw. zu deren Lösung beizutragen und auch starke emotionale Belastungen zu mildern. Gemäß dieser Theorienfamilie dienen Alpträume also beispielsweise dazu, zu lernen, mit bestehenden Ängsten besser umzugehen oder Lösungs- und Verhaltensalternativen für bedrohliche Situationen zu durchleben, durchzudenken und durchzuspielen. 2.3  Neurophysiologische Theorien
Träume und Alpträume finden überwiegend im REM-Schlaf statt. Da der REM-Schlaf durch die Aktivität cholinerger Neurone und die Hemmung noradrenerger und serotonerger Neurone (die im Non-REM Schlaf vorherrschen) induziert wird, kann cholinerge Aktivität als traumauslösend oder traumverstärkend angenommen werden....



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