E-Book, Deutsch, 610 Seiten, E-Book
Reihe: Haufe Fachbuch
Veith / Conrads / Hackelberg ESG in der Immobilienwirtschaft
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-648-15084-9
Verlag: Haufe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Praxishandbuch für den gesamten Immobilien- und Investitionszyklus
E-Book, Deutsch, 610 Seiten, E-Book
Reihe: Haufe Fachbuch
ISBN: 978-3-648-15084-9
Verlag: Haufe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Erstes, umfassendes Praxishandbuch zum Thema "Environmental Social Governance" und deren Auswirkungen auf die Immobilienwirtschaft. Der Megatrend Nachhaltigkeit befindet sich im Immobilienbereich noch im Anfangsstadium und es fehlen neben Standards und Praxisbeispielen auch die Datengrundlagen. Die Entwicklung ist sehr dynamisch und teilweise unübersichtlich und ständig kommen neue, komplexe Anforderungen und Regularien hinzu.
Das Expertenteam aus Ökonom:innen, Rechtsanwält:innen, Investor:innen, Asset Manager:innen und Ingenieur:innen gibt einen Überblick über nationale und europäische regulatorische Anforderungen sowie aktuelle Marktentwicklungen.
Das Autorenteam zeigt, welche Rolle ESG in den Bereichen Neubau und Sanierung, Immobilienmanagement, aber auch bei Investment-Prozessen und Immobilienbewertungen spielt. Dieses Buch kann als Handbuch für Wissenschaft und Praxis dienen, um die ESG-Transformation in der Immobilienwirtschaft transparent zu erläutern und dabei auf die Auswirkungen für einzelne Teilbereiche der Immobilienwirtschaft einzugehen.
Inhalte:
- ESG und Immobilienmarkt
- ESG und regulatorisches Umfeld
- ESG und Immobilienmanagement
- ESG in der Projektentwicklung (Neubau und Sanierung)
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Vorwort der Herausgeber
ESG als Lösungskonzept der Kernprobleme des globalen Wandels und die Implikationen für die Immobilienwirtschaft Der globale Wandel hat gerade seit den 1980er Jahren einen Erkenntnis- und Transformationsprozess von enormer Geschwindigkeit ausgelöst. Die Zunahme der Kernprobleme – etwa des Klimawandels, der Umweltverschmutzung und des sozialen Ungleichgewichts insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern1 – hat dazu geführt, dass sich die Idee der Nachhaltigkeit als globales Entwicklungsleitbild etabliert hat2. Die wohl bekannteste Definition der Bezeichnung »Nachhaltige Entwicklung« stammt bereits aus dem Jahr 1987 von der sog. Brundtland-Kommission, einer Sonderkommission der UN unter der Leitung des norwegischen Ministerpräsidenten Gro Harlem Brundtland. Sie besagt, dass eine »Entwicklung, die die Bedürfnisse der heutigen Generationen befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können«, als nachhaltig anzusehen ist.3 Diesen Grundgedanken aufgreifend wurden 1992 auf der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro wichtige Weichen für die Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung gestellt. Seitdem ist anerkannt, dass die möglichst gleichberechtigte Förderung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (»ESG«) die Voraussetzung für eine stabile Gesellschaft ist. Auch wenn regelmäßig eine weite Auslegung von umweltbezogenen und sozialen Zielen zugrunde gelegt wird, wurden in der Folge Klimaschutzmaßnahmen aufgrund der zunehmenden spürbaren Folgen des Klimawandels (Extremwetterereignisse, Überschwemmungen etc.) priorisiert. Das Pariser Klimaschutzabkommen ist die erste völkerrechtlich verbindliche Klimaschutzvereinbarung, die im Dezember 2015 auf der Pariser Klimakonferenz (COP21) beschlossen wurde und am 4. November 2016 in Kraft getreten ist. Die fast 190 Vertragsparteien einigten sich darauf, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur langfristig auf deutlich unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen (Ziel: 1,5 °C).4 Bereits im Jahr 2020 war die globale Mitteltemperatur in Bodennähe bereits um mehr als 1,2 °C im Vergleich zum Jahr 1880 angestiegen.5 Ohne schnelle ambitionierte Maßnahmen droht eine deutliche Verfehlung der nationalen Aktionspläne zur Umsetzung der Pariser Klimaziele, was die befürchtete Instabilität infolge der Auswirkungen des Klimawandels von großen Ausmaßen wahrscheinlicher macht. Marc Carney, Gouverneur der Bank of England, begann seine bahnbrechende Rede mit dem Titel »Breaking the tragedy of the horizon – climate change and financial stability« vor Vertretern der Versicherungsindustrie in London im September 2015 mit den Worten: »I am gonna give you a speech without a joke, I am afraid …« In seiner Rede merkte er an, dass »wenn der Klimawandel erst einmal zu einem bestimmenden Thema für die Finanzstabilität wird, es bereits zu spät sein könnte«. Mit Blick auf die bevorstehende Pariser Klimakonferenz wies er auf drei Risiken hin, durch die die finanzielle Stabilität beeinträchtigt werden kann: physische Risiken, wie z. B. Schäden durch Überschwemmungen und Stürme; Haftungsrisiken, die entstehen könnten, wenn diejenigen, die unter den Folgen des Klimawandels leiden, von denjenigen, die sie für verantwortlich halten, Schadensersatz verlangen; und transitorische Risiken, die durch die Neubewertung von Vermögenswerten aufgrund der Umstellung auf eine CO2-neutrale Wirtschaft entstehen.6 Die COVID-19-Pandemie hat weitere Herausforderungen für die Erreichung von Klimaschutzzielen und eine nachhaltige Entwicklung im weiteren Sinne mit sich gebracht: Armut, Hunger und soziales Ungleichgewicht haben weltweit zugenommen und den wirtschaftlichen Ausblick regional deutlich verschlechtert.7 UN-Generalsekretär António Guterres merkte im Juli 2020 an, dass, wenn die Umsetzung der im September 2015 auf dem UNO-Gipfel in New York veröffentlichten 17 Hauptziele einer nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Goals – »SDGs«) weiter vorangeschritten gewesen wäre, die Welt widerstandsfähiger und besser auf die COVID-19-Pandemie vorbereitet gewesen sei.8 Wiederaufbaubemühungen müssen das zusätzliche Ziel »of building back better« verfolgen und die Bedeutung der SDGs für den Aufbau nachhaltiger und widerstandsfähiger Gesellschaften widerspiegeln.9 Hierbei spielt die Immobilienwirtschaft eine wichtige Rolle. Je nach Schätzung sind bis zu 40 % des weltweiten CO2-Ausstoßes auf die Errichtung und Bewirtschaftung von Immobilien zurückzuführen.10 Des Weiteren entfällt die Hälfte des gesamten Energie- und Rohstoffverbrauchs sowie ein Drittel des gesamten Wasserverbrauchs und Abfallaufkommens auf die Bau- und Immobilienwirtschaft.11 Neben der Betrachtung von Verursachungsbeiträgen ist zu berücksichtigen, dass die Immobilienwirtschaft gerade auch von den Kernproblemen des globalen Wandels erheblich betroffen ist und somit einen deutlichen Beitrag als Gestalter einer positiven Transformation leisten kann. Als kapital- und flächenintensive Branche hat sie großen Einfluss auf langfristige CO2-mindernde Maßnahmen und Investitionen, die angesichts der drohenden Verfehlung der Klimaschutzziele zunehmend an Bedeutung gewinnen. Des Weiteren spielt sie eine wichtige Rolle bei der Förderung sozialer Aspekte. Erwachsene in Mitteleuropa verbringen durchschnittlich etwa 80-90 % ihrer Zeit in Gebäuden,12 sodass gesunden, umweltfreundlichen und bezahlbaren Lebens- und Arbeitsräumen ein hoher Stellenwert zukommt. Bedingt etwa durch die zunehmenden Anforderungen von Regulatorik (etwa infolge des EU-Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums13) und Stakeholdern legt die Immobilienwirtschaft seit einigen Jahren einen immer größeren Fokus auf die Entwicklung und Umsetzung von ESG-Strategien. Dabei sind mehr oder weniger alle Teilbereiche der Immobilienwirtschaft betroffen, voran Finanzierung, Bau und Betrieb, aber auch Vermögensanlage und Bilanzierung. Bereits die weitgefassten interdisziplinären Auswirkungen zeigen den komplexen und interdependenten Zusammenhang, der sich für die Immobilienwirtschaft in Verbindung mit ESG abzeichnet. Während in einigen Bereichen schon aufgrund regulatorischer Vorgaben das Thema ESG exponentiell an Bedeutung gewonnen hat und bereits heute konkrete Auswirkungen auf die Praxis gegeben sind, werden in anderen Bereichen die weitreichenden Auswirkungen etwa mangels allgemein anerkannter Bewertungsmaßstäbe noch verkannt. Dies wird nicht zuletzt durch die vermeintlich allumfassende, gleichsam aber auch unklare definitorische Begriffsabgrenzung verstärkt, die im Ergebnis noch für einzelne Akteure mit undurchsichtigen Auswirkungen auf Teilbereiche der Immobilienwirtschaft einhergeht. Ziel des vorliegenden Buches ist es, die Entwicklungen und Auswirkungen von ESG auf die Immobilienwirtschaft – und insbesondere für die unterschiedlichen Teilaspekte der Branche – wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig praxisnah zu erläutern und strukturiert aufzuzeigen. Die einzelnen Buchbeiträge beleuchten das Thema ESG interdisziplinär mit dem jeweiligen Fokus auf die unterschiedlichen rechtlichen, wirtschaftlichen beziehungsweise technischen Dimensionen sowie aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Managementperspektiven. Dieses Buch soll gleichermaßen als Handbuch für Wissenschaft und Praxis dienen, um die ESG-Transformation in der Immobilienwirtschaft transparent zu erläutern und dabei auf die Auswirkungen für einzelne Teilbereiche der Immobilienwirtschaft einzugehen. Im ersten Teil des Buches werden nach einer grundsätzlichen Einführung der politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen die Auswirkungen auf die Immobilienmärkte analysiert. Neben allgemeinen Markttrends und Werttreibern sowie einem internationalen Ausblick wird der Umgang mit Klimarisiken und Benchmarkingmöglichkeiten behandelt und der Beitrag der Digitalisierung dargestellt. Der zweite Teil befasst sich mit spezifischen regulatorischen Teilaspekten in der Immobilienwirtschaft. Neben Zertifizierungs- und Ratingsystemen stehen steuerliche Aspekte, energierechtliche und -wirtschaftliche Besonderheiten sowie Auswirkungen von ESG auf Immobilienfonds und Versicherungen im Fokus der Betrachtung. Der dritte Teil beschäftigt sich mit dem Einfluss von ESG auf die immobilienwirtschaftlichen Management-Aspekte. Dies sind neben strategischen...