E-Book, Deutsch, 227 Seiten
Wohlfarth / Pütz Die Macherinnen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-593-45021-6
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
So geht Unternehmen!
E-Book, Deutsch, 227 Seiten
ISBN: 978-3-593-45021-6
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Miriam Wohlfarth hat geschafft, was in der Fintech-Branche nur ganz Wenigen gelingt: Sie ist eine der ersten Fintech-Gründerinnen in Deutschland, und eine sehr erfolgreiche noch dazu. Gemeinsam mit Ratepay CEO Nina Pütz hat sie ein sehr persönliches Buch geschrieben, wie Unternehmensführung und -gründung heute funktioniert, welche Unternehmer-Skills dafür benötigt werden und was das für das Recruiting und den Teamaufbau bedeutet. Dabei gewähren beide Einblicke in ihre eigenen Erfahrungen - mit all ihren Höhen und Tiefen - und ergänzen ihre Learnings durch zahlreiche Anekdoten.
Nina Pütz ist CEO von Ratepay. Zuvor war sie als CEO und Managing Director bei dem Online-Shopping-Club brands4friends tätig, außerdem in verschiedenen leitenden Funktionen bei dem Online-Marktplatz Ebay.
Autoren/Hrsg.
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#?vorbilder
Ninas Geschichte
Erfolg hat viele Mütter und Väter. Aber: Karriere macht man mit dem eigenen Kopf
Für Erfolg braucht es Vorbilder und Förderer.
Und: Man muss ihn wollen, den Erfolg. »Kind, wenn du etwas Ordentliches machen und Geld verdienen möchtest, dann vergiss die Allgemeinmedizin«, gab mir mein Vater noch vor dem Abitur mit auf den Weg. Dabei wäre er so schön einfach gewesen, dieser vorgezeichnete Weg – schließlich komme ich aus einer Arztfamilie mit vielen Medizinern. In dieselben Fußstapfen zu treten, war mir zu einfach und zu absehbar. Auch die Berufung für die Medizin ging mir ab. Kurz: Ich war unentschlossen, was ich machen sollte. Schon in den letzten beiden Schuljahren hatte ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wohin meine Reise gehen sollte. Und ich hatte viel Zeit, darüber nachzudenken. Waren doch meine letzten beiden Schuljahre vor allem durch bildungstechnische Langeweile geprägt. Ich war verwöhnt: von einem englischen Schulsystem, das sich, ähnlich wie bei Miriam in den USA, vor allem dadurch auszeichnete, dass es die individuellen Stärken förderte. Dass es ein vielfältiges Angebot aus unterschiedlichsten Disziplinen gab, von denen man hierzulande bis heute träumt. Und: dass man Dinge lernte, die das Gymnasium nicht vorgesehen hat. Ich kam – angelsächsisch angehaucht nach einem sehr prägenden Auslandsjahr in London – nach Deutschland zurück. Ein echter Kulturschock! Das Erschreckende für mich: Hier hatte sich, gefühlt, in der Zwischenzeit nichts geändert. Von den Entwicklungssprüngen, die ich gemacht hatte, war bei meinen Mitschüler:innen wenig zu spüren. Auch der Lehrplan hielt für mich nichts wirklich Spannendes bereit. Kurz: Ich war gelangweilt. Ging in die zwölfte Klasse und machte Abitur. Ein gutes. Und dann? Unabhängigkeit in Spanien
Zum Lernen der Sprache ging es nach Spanien in das Ferienhaus meines Großvaters in die Nähe von Barcelona. Neben Spanisch lernte ich hier vor allem eins: Unabhängigkeit und dass ich mich allein durchschlagen konnte. Eine essenzielle Erfahrung, die mich bis heute prägt. Klar war das eine privilegierte Situation, in einem Familiendomizil unterzukommen. Allerdings: ohne Familie und Freunde dabei. Bislang gab es diese Anker ja in meinem unmittelbaren Umfeld, jetzt waren alle weit weg. Zurück in Deutschland verlor ich mein familiäres Auffangnetz: Meine Eltern trennten sich. Plötzlich war die finanzielle Sicherheit, die ich kannte, nicht mehr gegeben, der Versorger der Familie war weg. Und für mich war klar: Ich wollte nie wie meine Mutter trotz Berufstätigkeit finanziell abhängig von einem Mann sein. Mir war wichtig, dass ich möglichst schnell auf eigenen Füßen stehe und Geld verdiene. So übernahm ich diverse Nebenjobs, die mich damals gefühlt reich machten. Ich war finanziell unabhängig, konnte mich selbst finanzieren. Einer dieser Jobs führte mich in die Welt der Messehostessen, Kellnern inklusive. Aufregend, aber wenig erfüllend. Denn: Neben meinem ausgeprägten Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit sollte mein Weg auch ein glücklicher werden. Das jedenfalls hatte der Vater meines damaligen Freundes mir mit auf den Weg gegeben: Tue das, was du tust, mit Freude und Leidenschaft; bist du nicht glücklich mit deinem Weg, dann ändere ihn. So banal das auch klingen mag, genau das war Richtschnur meines Handelns bei allen beruflichen Entscheidungen, an die ich mich bis heute halte. Erste Erfahrungen mit dieser Konsequenz machte ich noch vor meinem Studium. Eines meiner ersten Praktika führte mich in die Lokalredaktion eines Boulevardblatts; schnell machte man mich mit den redaktionellen Gepflogenheiten des Blattes vertraut. Gepflogenheiten, die Geschichten mit sehr kreativen Details zu »Geschichten« machten, die es ins Blatt schafften. Etwas, was ich nicht akzeptieren konnte, und etwas, was mich ganz sicher nicht glücklich machte. Auch die nächste Station in einer Werbeagentur zeigte mir, dass das nicht mein Weg sein würde. Während des Studiums ging ich in verschiedene Unternehmensberatungen – spannende Stationen allemal. Aber: Auch das war auf Dauer nichts für mich. Es fehlte die Freude und die Leidenschaft – genau das also, was der Vater meines Freundes mir als Richtschnur mit auf den Weg gegeben hatte und das ich bei meinem Tun spüren wollte. Zitat Miriam?sagt: So konkret wie Nina bin ich bekanntlich nicht gestartet. Aber: Was uns einte zu diesem Zeitpunkt unseres Lebens, war das Streben nach Unabhängigkeit und nach einem Weg, der uns glücklich macht. Und: Wir beide hatten Menschen in unserem Umfeld, die uns inspirierten, die ganz andere Lebensmodelle als die, die wir kannten, zeigten. Eine von ihnen war meine Patentante: eine unabhängige, selbstbewusste Frau, die ständig auf Reisen war, eine tolle Wohnung hatte, modisch die Nase immer vorn. Sie lebte ein so anderes Leben, verkörperte ein Frauenbild, das ich aus meiner ländlichen Umgebung, in der ich groß geworden bin, nicht kannte. Die Frauen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft lebten das klassische Modell, waren in erster Linie Mütter, die zu Hause blieben, den Haushalt schmissen, ihren Männern den Rücken frei hielten. Schon meine Mutter war hier einigermaßen exotisch, weil sie arbeiten ging und eben nicht zu Hause blieb. Meine Patentante aber bedeutete für mich die große Welt, eröffnete mir Horizonte. Wahrscheinlich hat mich dieses weibliche Vorbild schon sehr früh geprägt und den Weg, den ich schließlich ging, wenn nicht vorgezeichnet, so doch weitestgehend mit beeinflusst. Das nächste entscheidende Rolemodel, das mir begegnete, war eine meiner ersten Chefinnen. Sie begeisterte mich und riss mich mit, weil sie all das verkörperte und ausstrahlte, was mir bis heute auch bei meinen Leuten wichtig ist: Wertschätzung, Authentizität, Inspiration, Vertrauen, Selbstbewusstsein, Kompetenz, Empathie, Entschlossenheit und Eloquenz. Sie war in meinem Berufsleben ein echtes Vorbild, das vormachte und mir den Weg wies. Für diese Frau wollte ich arbeiten, von ihr lernen. Rolemodels sind vorbildlich
Für mich war es dieser Hinweis auf das Glück, der mich leitete und mir zeigte, wie wichtig Vorbilder oder Rolemodels sein können. Zeigen sie doch, wie man es machen kann, was es braucht, um bestimmte Wege zu gehen. Vorbilder motivieren, größer zu denken, Berufe oder Positionen anzustreben, von denen man träumt. Sie liefern Perspektiven und Motivation. Sie sind der beste Beleg dafür, dass Karriere machbar ist. Der Tatsache, dass Vorbilder gerade für junge Menschen, die am Anfang ihres (Berufs-)Lebens stehen, eine wesentliche Rolle spielen sollten, würdigt die Nachwuchsinitiative Startup Teens mit einer jährlichen Auszeichnung: dem Rolemodel Award, der in drei Kategorien vergeben wird. Ausgezeichnet werden Gründer:innen, Familienunternehmer:innen und Manager:innen. Ziel des Preises: Vorbilder sichtbar zu machen und zu zeigen: So gehts. Auch Ratepay ist vorbildlich. Besonders für junge Frauen offenbar. Ich hatte unlängst eine top ausgebildete Bewerberin vor mir sitzen, die aus einem großen Konzern kam, mit komfortablem Gehalt und der Aussicht auf die nächste Karrierestufe. Sie wollte das nicht, hatte sich uns ausgesucht, weil sie wusste, dass wir bei Ratepay auf flache Hierarchien setzen und weil unsere Führungsmannschaft eine sehr weibliche ist. Sie wollte raus aus dem »Boy’s Club«, mit dem sie sich in ihrem alten Arbeitsumfeld konfrontiert sah. Die Spielregeln machen die, sagte sie, und sie könne nur mitspielen, wenn sie akzeptiere. Sie fühlte sich hilflos und sah keine Chance, in einem solchen Umfeld etwas zu bewegen. Bei Ratepay sah sie ein Unternehmen, das auf die klassischen Regeln der Men’s World verzichtet. War ich auch zunächst überrascht von ihren Beweggründen, konnte ich sie dennoch nachvollziehen und stellte sie ein. Bei eBay hatte ich mehrere Chefs und eine Chefin, die mir den Weg wiesen, die zeigten, wie Management, wie Leadership geht: wertschätzend, respektvoll, vertrauensvoll, authentisch, dabei immer fokussiert, zielorientiert und konsequent. Eigenschaften, die auch meinen Führungsstil prägten. Verbunden mit dem Anspruch, dass Führen auf Augenhöhe durchaus möglich ist. Und von Mitarbeitenden äußerst geschätzt und mit viel Loyalität beantwortet wird. ...