Zathammer | Das Lob der Torheit | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 183 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

Zathammer Das Lob der Torheit

Reclams Universal-Bibliothek
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-15-961979-8
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Reclams Universal-Bibliothek

E-Book, Deutsch, 183 Seiten

Reihe: Reclams Universal-Bibliothek

ISBN: 978-3-15-961979-8
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie beherrsche die Welt, sagt sie, man brauche sich nur umzusehen! Und sie sei überall - an den Universitäten, bei den Geistlichen, den Gebildeten, den Herrschenden wie bei den Untertanen: die Torheit. Die Lobrede auf die Torheit, gehalten von der personifizierten Torheit selbst, landete damals, mitten in der turbulenten Reformationszeit des 16. Jh.s, auf dem Index der verbotenen Bücher. Zu scharf war die Kritik an allen Ständen, die Erasmus von Rotterdam in diesem Text untergebracht hatte. Zugleich aber ist diese Kritik zeitlos: Die bitterböse und gleichwohl amüsante Rede wirkt beunruhigend aktuell. Durchgesehene Übersetzung mit ausführlicherem Anmerkungsteil, neuer Bibliographie und neuem Nachwort. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Desiderius Erasmus von Rotterdam (ursprünglich Geert Geerts) (28.10.1466 Rotterdam - 12.07.1536 Basel) - niederländischer Philologe, Philosoph, Theologie - gilt als einer der bedeutendsten humanistischen Denker der Renaissance und als Wegbereiter der Reformation. Erasmus strebte danach, mittels Bildung die Menschheit in einen religiös toleranten, christlichen Humanismus zu überführen. In seiner Satire »Lob der Torheit«, entstanden während eines Aufenthaltes bei seinem Freund Thomas Morus, verurteilt Erasmus mit scharfer Feder Missstände in Kirche und Gesellschaft. Erasmus wertete in seiner Schrift »Lob der Ehe« die Ehe höher als das Zölibat - und sorgte damit seinerzeit für ordentlich Wirbel. Seine Sprichwortsammlung »Adagia« gibt durch seine ausführliche Kommentare und Anekdoten tiefe Einblicke in seine Gedankenwelt und zählte über Jahrhunderte hinweg zum Bildungskanon.Nach ihm ist das Erasmus-Förderprogramm der Europäischen Union benannt.

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[171]Nachwort
Erasmus – Leben und Werk
Geboren wurde Erasmus am 28. Oktober vermutlich in Rotterdam als nicht ehelicher Sohn des Priesters Rotger Gerard aus Gouda, damals ein bedeutendes Handelszentrum in Südholland, und einer verwitweten Arzttochter; das Jahr allerdings ist nicht gesichert: Erasmus’ eigene Angaben schwanken zwischen 1466 und 1469. Über die Kindheit ist wenig bekannt. Seine Schulbildung empfing Erasmus zuerst in Gouda, dann in Deventer. Dort besuchte er für einige Jahre die Lateinschule des Kapitels von St. Lebuinus. Es war wohl in dieser Einrichtung, in der Erasmus nicht nur den Einfluss der immer noch stark präsenten Devotio moderna erfahren hat, sondern zum ersten Mal auch mit Ansätzen eines humanistischen Bildungsprogramms in Berührung kam. Der Fraterherr und Humanist Alexander Hegius war für kurze Zeit sein Lehrer, und dort begegnete er auch Rudolf Agricola. Nach dem Tod seiner Eltern kam Erasmus auf Veranlassung der für ihn bestellten Vormünder in das Augustiner-Chorherren-Kloster Steyn bei Gouda, wo er um 1488 auch seine Profess ablegte; ein Schritt, der allerdings, wie er später selbst gesteht, nicht ganz und gar aus freiem Entschluss erfolgt sei. Er fand dort aber für seine literarischen Neigungen ein fruchtbares Klima vor und nicht wenige Mitbrüder, die sich ganz den bonae litterae, den »guten Wissenschaften«, verschrieben hatten. In dieser Zeit widmete sich Erasmus eifrig dem Studium der antiken Klassiker und der Kirchenväter, [172]besonders der Schriften von Hieronymus und Augustinus. Daneben waren ihm aber auch die Werke italienischer Humanisten, wie die eines Lorenzo Valla, zugänglich. 1492 empfing Erasmus als Augustiner-Chorherr die Priesterweihe. Nur ein Jahr nach seiner Weihe kam er 1493 als Sekretär in die Dienste des Bischofs von Cambrai – für ihn eine wohl nicht unwillkommene Gelegenheit, den verleideten Klostermauern zu entkommen –, der ihm ab 1495 ein Theologiestudium an der Universität von Paris ermöglichte. Dieses zeitigte allerdings wenig Früchte. Zu mehrmaligen krankheitsbedingten Unterbrechungen kam Erasmus’ starke Abneigung gegen die traditionelle scholastische Methode, die die theologischen Studien beherrschte, hinzu. Umso intensiver beschäftigte er sich aber in diesen Jahren mit den antiken Klassikern, und umso prägender konnte der Einfluss des Humanismus, an dessen Spitze in Paris der Trinitarier Robert Gaguin stand, auf den Geist des jungen Gelehrten wirken. Das Studium des Griechischen betrieb Erasmus in dieser Zeit zwar ohne eigentliche Anleitung und Lehrer, aber dafür mit Eifer und Erfolg. Seinen Lebensunterhalt bestritt er durch Privatunterricht in vornehmen bürgerlichen und patrizischen Häusern. 1499 begleitete Erasmus einen seiner Schüler nach England, wo er u. a. Bekanntschaft mit John Colet, John Fisher, dem künftigen König Heinrich VIII. und nicht zuletzt Thomas Morus knüpfte. Gerade mit Letzterem fühlte er sich von da an in inniger und herzlicher Freundschaft verbunden. Von England aus brach er 1506 zu einer mehrjährigen Reise nach Italien auf. Beinahe auf der Durchreise promovierte er in Turin zum Doktor der Theologie. Während seines Aufenthaltes in Venedig fand er Eingang in den Kreis [173]rund um den berühmten Drucker Aldus Manutius, in dessen Offizin er für einige Zeit mitarbeitete und wo er auch sein im Jahr 1500 erschienenes Erstlingswerk Adagia – eine umfangreiche, mit Erläuterungen und Erklärungen versehene Sammlung antiker Sprichwörter und Redensarten – in einer stark erweiterten Neufassung herausgeben konnte. 1509 kehrte Erasmus von Italien nach England zurück. Unmittelbar nach seiner Rückkehr entstanden mit dem Moriae encomium (Lob der Torheit) und dem Dialog Iulius exclusus e coelis (Julius vor der verschlossenen Himmelstüre) zwei seiner schärfsten und bissigsten Schriften. Wenig verhohlen übte er darin Kritik an den zahlreichen Missständen, die in Kirche und Gesellschaft gleichermaßen grassierten. Sein Auskommen fand Erasmus, der in den frühen Jahren seines Schaffens stets unter Geldnot litt und sich über diesen Mangel nicht selten in den Briefen an seine Freunde und Gönner beklagte, in dieser Zeit als Griechischdozent in Cambridge, eine Anstellung, aus der er zwar kein großes Gehalt bezog, die ihm aber reichlich freie Stunden für seine eigenen Studien ließ. Im Zentrum seiner Beschäftigung stand das Studium der Kirchenväter und die Arbeit an einer Ausgabe des griechischen Neuen Testaments, mit eigener lateinischer Übersetzung und Anmerkungen. Dieses konnte schließlich 1516 in Basel beim bekannten Drucker und Verleger Johann Froben, dessen Bücher für ihre Qualität und kunstvolle Ausführung bekannt waren, erscheinen. Erasmus’ Neues Testament (Novum instrumentum omne) wurde nicht überall mit Begeisterung aufgenommen, blieb aber nicht ohne nachhaltigen Einfluss, markierte es doch letztlich nicht weniger als den Beginn einer eigentlichen wissenschaftlichen Bibelkritik. Der griechische Text wurde [174]im Wesentlichen zum protestantischen textus receptus: Nach der zweiten, korrigierten Auflage des Novum instrumentum (1519) übersetzte nicht nur Martin Luther, sie bildete auch noch hundert Jahre später die Grundlage für die englische Übersetzung in der King-James-Bibel. 1514 auf den Kontinent zurückgekehrt, wurde Erasmus 1515 in den Rat des künftigen Kaisers Karl V. aufgenommen. Vom Treiben am Hof hielt er sich allerdings erfolgreich fern, einer Einladung Karls, ihn nach Spanien zu begleiten, vermochte er geschickt auszuweichen. Diese Ernennung gab ihm aber den Anstoß für die Abfassung seines, dem jungen Herrscher gewidmeten Fürstenspiegels Institutio principis Christiani (Die Erziehung des christlichen Fürsten). In den nächsten Jahren lebte Erasmus vornehmlich in Flandern und Brabant, zuerst in Brüssel, dann in Löwen, wo er sich insbesondere den Aufbau des Collegium Trilingue – einer von der Universität unabhängigen Einrichtung, deren Zweck die Förderung des Studiums der drei alten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein war – angelegen sein ließ. Ab 1521 weilte Erasmus in Basel, wo er in enger Verbindung mit dem schon genannten Drucker und Verleger Johann Froben arbeitete. Er war inzwischen zu einem der bedeutendsten Humanisten seiner Zeit avanciert und war nun auch durch päpstliches Privileg von den Klostergelübden, die er immer als Einengung empfand, befreit. Erasmus’ Bücher fanden in ganz Europa reißenden Absatz, mit den Großen der literarischen, gelehrten kirchlichen und politischen Welt stand er in regem Briefkontakt. Rund 3200 Briefe aus seiner Korrespondenz sind erhalten. Davon hat Erasmus in verschiedenen Sammlungen einen großen Teil selbst herausgegeben. Als in Basel in den späten 1520er Jahren die [175]Reformationspartei endgültig die Oberhand gewann, sah sich Erasmus nach langem Zögern gezwungen, in das katholisch gebliebene Freiburg im Breisgau zu ziehen. Dort blieb er von 1529 bis 1534, ehe er gegen Ende seines Lebens noch einmal nach Basel zurückkehrte. Dort verstarb er schließlich am 12. Juli 1536. Beredtes Zeugnis von Erasmus’ Bekanntheit und Ruhm, der ihm an seinem Lebensende zuteilgeworden ist, geben die zahlreichen Epitaphien, Epigramme, Nachrufe und Gedenkreden, mit denen seine Zeitgenossen ihrer Trauer über das Ableben dieses großen Gelehrten Ausdruck verliehen. Er war einer der großen Meister der lateinischen Sprache seiner Zeit. Als solcher und als das Vorbild einer Bildung und Lebensphilosophie, die antik-humanistisches und christliches Gedankengut in einem kohärenten System zu vereinen suchte, übte er nachhaltigen Einfluss auf das Geistesleben seiner Zeit und die Literatur der folgenden Jahrhunderte aus. Die große Hochschätzung, die Erasmus vielerorts entgegengebracht wurde, fand aber nicht überall und nicht in allen Kreisen Zustimmung. Mit seiner Grundhaltung, die von einer Verbindung von eruditio (»Bildung«) und pietas (»Frömmigkeit«) getragen wurde und der es auf eine wirkliche Erneuerung von Kirche und christlicher Gesellschaft durch Rückgang auf die Quellen ankam, ohne einen vollkommenen und gänzlichen Bruch mit der Tradition, wurde Erasmus zum Stein des Anstoßes für gewisse Kräfte auf katholischer wie auf reformatorischer Seite. Erstere erblickten in ihm einen der Wegbereiter Luthers. Es waren insbesondere die Vertreter der traditionellen Theologie an den Universitäten von Paris und Löwen und die etablierten Orden, deren Gegnerschaft er sich durch seine [176]Ausgabe des Neuen Testaments und seiner seit der Veröffentlichung des Moriae encomium nicht verstummen wollenden Kritik an den üblen Missständen in allen Schichten der kirchlichen Hierarchie vom einfachen Priester bis zum Papst zugezogen hat. 1559 wurden auf dem Konzil von Trient alle seine Schriften von Papst Paul IV. auf den Index gesetzt; 1564 wurde die Entscheidung einer Revision unterzogen, aber nur für einen Teil und mit Einschränkungen. Aus reformatorischer Sicht wiederum ließ Erasmus es an konsequenter Haltung und einem klaren Bekenntnis zur Reformation fehlen. Bis zuletzt entzog er sich standhaft jeder einseitigen Vereinnahmung und Parteinahme. Letztlich war sein Verhältnis zu den verschiedenen Reformatoren sehr unterschiedlich. Mit Martin Luther, dem er zu Beginn nicht ohne ein gewisses Wohlwollen gegenüberstand, dessen aggressives Auftreten ihm aber widerstrebte, kam es im Streit um die menschliche...



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