Zimber / Rigotti | Multitasking | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 164 Seiten

Reihe: Managementpsychologie

Zimber / Rigotti Multitasking

Komplexe Anforderungen im Arbeitsalltag verstehen, bewerten und bewältigen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8444-2551-2
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Komplexe Anforderungen im Arbeitsalltag verstehen, bewerten und bewältigen

E-Book, Deutsch, 164 Seiten

Reihe: Managementpsychologie

ISBN: 978-3-8444-2551-2
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Multitasking lässt sich als Verhaltensstrategie beschreiben, bei der versucht wird, in einem bestimmten Zeitraum mehrere Aufgaben parallel zu bewältigen. Angesichts der sich in den letzten beiden Jahrzehnten stark veränderten Arbeitsbedingungen kommt der Bewältigung von komplexen Arbeitsanforderungen eine große Bedeutung zu. Ziel des vorliegenden Bandes ist es, Multitasking und ähnliche Anforderungen wie Komplexität und Unterbrechungen besser verstehen zu können, ihr Auftreten und damit verbundene Konsequenzen bewerten zu können sowie Möglichkeiten zu einem effektiven Umgang damit kennenzulernen.

Zunächst gibt der Band einen Überblick über die Verbreitung, Ursachen und Folgen von Multitasking. Dabei wird insbesondere auf Auswirkungen auf die Leistung und Beanspruchungsreaktionen eingegangen. Anschließend werden praxisbezogene Empfehlungen zur Bewältigung von komplexen Arbeitsanforderungen gegeben. Zum einen werden Instrumente vorgestellt, anhand derer sich Multitasking-Komponenten im Arbeitskontext feststellen und analysieren lassen. Zum anderen zeigen die Autoren auf, wie z.B. technische Hilfsmittel und Arbeitstechniken effektiver genutzt werden, das Arbeitsgedächtnis entlastet, Tätigkeiten sinnvoll abgewechselt, Erholungsaktivitäten geplant und Pausen effektiv gestaltet werden können. Die im Anhang enthaltenen Fragebögen zur Selbstbeurteilung zum Thema Multitasking runden den Band ab.

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Weitere Infos & Material


|21|2 Ansätze zur Erklärung von Multitasking
2.1 Multitasking bei der Arbeit: Verbreitung und Abgrenzung von verwandten Phänomenen
Wie in den vorangegangenen Abschnitten herausgearbeitet wurde, steht im Mittelpunkt dieses Buches die Intensivierung und Verdichtung der Arbeit als eine Folge der oben beschriebenen Veränderungen in der Arbeitswelt. Für die Beschäftigten treten diese u.?a. darin zutage, dass sie verschiedene Aufgaben gleichzeitig zu betreuen haben. Nach Einschätzung der Erwerbstätigen stellt dieses landläufig als „Multitasking“ bezeichnete Phänomen die am stärksten verbreitete Anforderung der modernen Arbeitswelt dar (vgl. Stressreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin; Lohmann-Haislah, 2012). Im folgenden Unterkapitel wird Multitasking bei der Arbeit phänomenologisch eingegrenzt. Auf der Grundlage aktueller Repräsentativ- und Feldstudien wird zunächst beschrieben, wie häufig und bei welchen Tätigkeiten Arbeitnehmer Multitasking-Anforderungen ausgesetzt sind (2.1.1). In Abschnitt 2.1.2 grenzen wir Multitasking von verwandten Konstrukten ab. Das Unterkapitel schließt mit der Beschreibung unterschiedlicher Komponenten und einer Arbeitsdefinition von Multitasking (2.1.3), die als Grundlage für die folgenden Kapitel herangezogen werden kann. 2.1.1 Verbreitung von Multitasking bei der Arbeit Multitasking kann vorläufig als Verhalten definiert werden, mit dem versucht wird, mehrere Aufgaben in einem begrenzten Zeitraum parallel zu bewältigen. Wann und wie häufig kommt es im Arbeitsalltag vor, dass mehrere Aufgaben parallel bearbeitet werden? Angaben zur Verbreitung von Multitasking bei der Arbeit stammen aus unterschiedlichen Quellen: Repräsentativbefragungen, Mitarbeiterbefragungen und Tätigkeitsbeobachtungen in Unternehmen. 2.1.1.1 Ergebnisse aus Repräsentativbefragungen Eine Repräsentativbefragung Erwerbstätiger, die regelmäßig Auskunft über die Verbreitung bestimmter Arbeitsanforderungen und -belastungen sowie deren Veränderung über die Zeit gibt, ist die zuletzt in ihrer sechsten Welle als „Stressreport“ (Lohmann-Haislah, 2012) veröffentliche Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Im Fokus der Befragung stehen Tätigkeitsschwerpunkte, Arbeitsanforderungen, Arbeitsbedingungen, Arbeitsbelastungen, Beanspruchungen und gesundheitliche Beschwerden. 2011/2012 nahmen über 20?000 Erwerbstätige ab 15 Jahren mit einer bezahlten Tätigkeit von mindestens 10 Stunden pro Woche teil. Auf einer vierstufigen Skala von „nie“ bis „häufig“ war die Häufigkeit von insgesamt 14 Anforderun|22|gen aus dem Arbeitsinhalt und der Arbeitsorganisation anzugeben. Zusätzlich wurde das „Belastetsein“ durch die jeweilige Anforderung (Frage: „Belastet Sie das?“; Antwortmöglichkeiten: „ja“ oder „nein“) erfasst. „Verschiedene Arbeiten gleichzeitig betreuen“ stellte in beiden Befragungen die am häufigsten genannte Anforderung dar: 59?% gaben 2005/2006 und 58?% gaben 2011/2012 an, diese Anforderung trete in ihrem Arbeitsalltag „häufig“ auf (vgl. Abb. 5). Im Branchenvergleich waren Beschäftigte in Erziehung und Unterricht (71?%), Gesundheits- und Sozialwesen (68?%) und freiberuflichen, technischen und wissenschaftlichen Dienstleistungen (66?%) besonders häufig davon betroffen. Allerdings erlebten 2005/2006 27?% und 2011/2012 nur noch 18?% der Befragten diese Anforderung als psychisch belastend, deutlich weniger als jene Belastungen, die durch starken Termin- und Leistungsdruck (34?%) oder durch Arbeitsunterbrechungen (26?%) entstanden. Abbildung 5: Verbreitung von und erlebte Belastung durch Multitasking bei der Arbeit im Vergleich zu Arbeitsunterbrechungen (BiBB & BAuA, 2006; Lohmann-Haislah, 2012, N?=?17.562?–?17.767) 2.1.1.2 Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen Belastbarere Aussagen zur Verbreitung von Multitasking liegen ebenfalls aus Befragungen vor, die nicht auf einzelnen Fragen, sondern auf ganzen Skalen beruhen. König, Oberacher und Kleinmann (2010) entwickelten eine aus vier Fragen bestehende Skala mit sieben Antwortstufen, die Multitasking-Verhalten bei der Arbeit erfassen soll (vgl. folgender Kasten). In der Studie wurden 192 Marketing- und Vertriebsmitarbeiter eines Schweizer Pharmaunternehmens u.?a. mit dieser Skala befragt. Es zeigten sich positive Korrelationen mittlerer Höhe zwischen der Skala zur Erfassung des Multitaskings-Verhaltens und fiktiven vorgegeben Multitasking-Situationen (vgl. König et?al., 2010), was als Validierungsbeleg gewertet werden kann. |23| * Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors. Abbildung 6: Durchschnittliche Verbreitung von Multitasking-Verhalten bei Berufstätigen und Studierenden (König et?al., 2010; Zimber & Chaudhuri, 2013) Die Marketing- und Vertriebsmitarbeiter in der Studie von König und Kollegen (2010) stimmten diesen Aussagen, mehrere Dinge bei der Arbeit gleichzeitig zu verrichten, „etwas eher zu“ als „nicht zu“ (M?=?4.74; SD?=?1.03). In einer eigenen Untersuchung setzten wir die gleiche Skala bei 326 berufstätigen Studierenden einer Fernhochschule, bei 93 Serviererinnen in Gastronomie und Hotels sowie bei 292 Studierenden an der eigenen Hochschule ein (Zimber & Chaudhuri, 2013). Insgesamt traf bei den Berufstätigen Multitasking-Verhalten „eher zu“ als an einer |24|Aufgabe allein zu arbeiten (vgl. Abb. 6). Am häufigsten war dies bei den Serviererinnen der Fall. Studierende betrachteten dieses Verhalten eher als „neutral“, d.?h. serielles Bearbeiten erfolgte nach ihrer Meinung mindestens ebenso häufig wie paralleles. Die Unterschiede zwischen Serviererinnen, berufstätigen Studierenden und Vollzeitstudierenden fielen statistisch hochsignifikant (?p?



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