Globale Verflechtungen neu denken
Buch, Deutsch, 341 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 214 mm, Gewicht: 427 g
ISBN: 978-3-593-50757-6
Verlag: Campus
Vielfältige Krisen bestimmen derzeit die Wahrnehmung Europas. Dieses Buch lädt dazu ein, die brüchige Gegenwart des europäischen Projekts aus dem Blickwinkel seiner wenig beachteten globalen Verflechtungen und Abhängigkeiten neu zu denken. Es verbindet erstmalig eine sozial- und kulturwissenschaftliche Europäisierungsforschung mit postkolonialen Perspektiven.
Mit Beiträgen u.a. von Ulrich Beck, Nilüfer Göle, Keith Hart, Michael Herzfeld, Michi Knecht und Shalini Randeria
Autoren/Hrsg.
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Weitere Infos & Material
Europa dezentrieren: Programm und Perspektiven einer Anthropologie reflexiver Europäisierung 7
Jens Adam, Manuela Bojadžijev, Michi Knecht, Pawel Lewicki, Nurhak Polat, Regina Römhild und Rika Spiekermann
Das Verborgene entdecken: Zur Geschichte und Methodologie des Verflechtungsansatzes 35
Shalini Randeria im Gespräch mit Jens Adam und Regina Römhild
Die doppelte Lücke: Postkoloniale ethnologische Perspektiven auf die Gegenwart Europas 67
Regina Römhild und Michi Knecht
Den Islam rezentrieren, Europa dezentrieren 81
Nilüfer Göle
Postkolonialismus: Leben mit dem Gespenst Europas 101
Vassos Argyrou
Unterwegs zu dekolonialen Zukünften: Vom westlichen Universalismus zu dekolonialen Pluriversalismen 119
Ramón Grosfoguel
Mediterrane Hafenstädte: Kosmopolitismus neu denken 143
Henk Driessen
Die Debatte um die Weißen Türken: Ein Klassen- und Kulturkampf 165
Tanil Bora
Die Heuchelei des europäischen Moralismus: Griechenland und die Politik kultureller Aggression 195
Michael Herzfeld
Die Krise Europas im Kontext der Kosmopolitisierung 223
Ulrich Beck
Die Eurokrise: Eine Episode in der Weltgeschichte des Geldes 239
Keith Hart
Decentering Climate Change: Aushandlungen um Klimawandel und Migration in Europa und Ozeanien 275
Silja Klepp und Johannes Herbeck
Auf dem Weg zu einem globalen sozialen Imaginären? Der Klimawandel und das Ende einer Ära in den Sozialwissenschaften 315
Kirsten Hastrup
Autorinnen und Autoren 339
Nachweise 341
European thought is at once both indispensable and inadequate in helping us to think through the experiences of political modernity in non-Western nations, and provincializing Europe becomes the task of exploring how this thought – which is now everybodys heritage and which affects us all – may be renewed from and for the margins. Dipesh Chakrabarty, Provincializing Europe, 2000
An Dipesh Chakrabartys Aufforderung, Europa zu provinzialisieren und aus der Perspektive seiner Ränder zu erneuern, schließen wir mit diesem Buch an. Wie aber lässt sich dieser Anspruch über das historische Erbe eines ›europäischen Denkens‹ hinaus auch auf die politische Gegenwart Europas ausdehnen? Wir schlagen vor, postkoloniale und reflexive anthropologische Perspektiven für eine kritische Analyse des gegenwärtigen Europas produktiv zu machen. ›Europa‹ verstehen wir dabei ganz im Sinne von Chakrabartys Appell als ein heterogenes, multiples und unabgeschlossenes Projekt, als Produkt und Produktionsstätte einer global geteilten Verflechtungsgeschichte machtvoller post-kolonialer Beziehungen (vgl. Randeria in diesem Band; Randeria & Römhild 2013). Diesem Europa begegnen wir nicht nur in der vielfältig präsenten Gestalt der Europäischen Union, sondern auch in den weniger sichtbaren translokalen Verbindungen und Genealogien seiner Diskurse und Politiken, wie schließlich in den gegenhegemonialen Initiativen, Imaginationen und Entwürfen 'Anderer Europas' (Römhild 2018). Mit diesem Sammelband möchten wir eine Blickrichtung ausloten, die dieses vielgestaltige und multiple Europa in den Vordergrund einer zugleich dezentrierenden Betrachtung rückt: nämlich aus der Perspektive seiner Ränder, seiner globalen Verflechtungen und internen Auslassungen.
In jedem Fall vergrößert ein solcher Fokus den zeitlichen und räumlichen Rahmen der Untersuchung weit über das aktuelle politische Projekt der ›Europäischen Integration‹ hinaus: in Richtung einer langfristigen, relationalen Einbettung des Kontinents in die Produktion von ›Welt‹ als einem Gesamtzusammenhang ungleicher und veränderlicher transregionaler Beziehungen. Provinzialisierung und Dezentrierung verstehen wir vor diesem Hintergrund auch als Beitrag zu einem reflexiven 'Worlding' Europas (Spivak 1985; Wilson & Connery 2007, Adam & Römhild 2016). Dabei geht es uns darum, globale Interdependenzen und Verflechtungen einerseits in ihren Auswirkungen auf den ›Globalen Süden‹ oder die ›nicht-westliche Welt‹ in den Blick zu nehmen, andererseits aber auch explizit in ihren Rückwirkungen auf den Raum ›Europa‹. Denn die gegenwärtigen Verschiebungen des eurozentrischen Machtgefüges in Richtung einer multipolaren Welt erfordern sowohl eine Neuvermessung der Position Europas im globalen Maßstab als auch eine Beschäftigung mit einer binneneuropäischen Ungleichheitstopographie, deren Dynamiken sich quer über den Kontinent in den unterschiedlichsten regionalen und lokalen Kontexten beobachten lassen. Wesentlich für eine solche Neuvermessung ist nicht nur die Auseinandersetzung mit den Entwicklungen und Bewegungen, die der politischen und ökonomischen Macht Europas entgegenwirken, sondern auch die Analyse der sie begleitenden diskursiven, kulturellen Formate einer Reflexion und Kritik des ›Westens‹ und seiner Konzepte von Moderne.
Wir meinen, dass für ein solches Projekt einer Provinzialisierung und Dezentrierung Europas ein postkolonialer Blick notwendig ist, der allerdings entschiedener als bisher auf die global verflochtene Gegenwart des Kontinents zu werfen und daran neu auszurichten wäre. Darüber hinaus ist hierzu eine anthropologische Perspektive mit ihren global verteilten regionalen Expertisen erforderlich. Diese müssten jedoch über ihre jeweiligen Grenzen und empirischen Felder hinaus zusammengeführt werden, um den Blick zu öffnen für die Bewegungen und Beziehungen zwischen den Forschungsregionen, die somit als Elemente 'prozessualer Geographien' (Appadurai 2001) jenseits einer statischen Landkarte ethnologischer Area Studies sichtbar würden. Aus diesem Blickwinkel erschiene Europa nicht durch fixe Grenzen, sondern vielmehr durch seine Beziehungs- und Bewegungsräume der transnationalen Relationen, Mobilitäten und Migrationen in der Welt positioniert. Erkennbar würden zugleich bislang verborgene, aber gleichwohl alltäglich praktizierte ›andere Europas‹, für deren Erfassung ein praxeologisch ausgerichteter, transregionale Beziehungen aufspürender ethnografischer Blick eine notwendige Bedingung darstellt.
Es ist das Anliegen dieses Buches, eine solche Verknüpfung postkolonialer und anthropologischer Herangehensweisen für die Erforschung laufender Prozesse der Europäisierung und der Herstellung Europas im Kontext globaler Verhältnisse anzuregen und voranzutreiben. Dieser Vorschlag geht über eine angewandte, interdisziplinäre Forschung, die sich affirmativ und pragmatisch an den Problemen und Hürden einer teleologisch konzipierten europäischen Integration orientiert, hinaus. Vielmehr stellen wir die Frage einer Erneuerung von den Rändern her, wie sie Chakrabarty fordert, aus der Perspektive einer reflexiven Europäisierungsforschung (Römhild 2009; Welz 2005, 2015): Welche anderen Relationen, Dynamiken, Vergangenheiten und Zukunftsvorstellungen werden mit einer postkolonialen, global ausgerichteten anthropologischen Perspektive auf Europa sicht- und vorstellbar?
Krise und Macht des postkolonialen Europas
Eine solche dezentrierende Reflexion muss bei einem aktuellen Paradox beginnen: der Krise (EU-)Europas, welche die weitere politische Integration ebenso grundlegend in Frage zu stellen wie zugleich voranzutreiben scheint. Das ›europäische Projekt‹ – in seinen langfristig verflochtenen Dimensionen einer institutionell-hierarchischen Installation von oben und demokratischer Bewegungen von unten – wird seit 2008 von einer anhaltenden Kombination aus Staatsschulden-, Banken- und Wirtschaftskrise erschüttert und herausgefordert. Als ein Effekt dieser Krise und ihres Managements treten insbesondere an den mediterranen und atlantischen Rändern Europas einzelne Instanzen der EU – der Europäische Rat, die Europäische Zentralbank, die Europäische Kommission, auch in Verbindung mit dem Internationalen Währungsfonds – als ›Retter‹ auf den Plan und treiben eine weitgehend autoritär bestimmte Form der Europäisierung nationalstaatlicher Entscheidungsräume voran. In dieser Dynamik lassen sich Tendenzen zur Verwandlung der politischen und ökonomischen Schwächen der Nationalstaaten in eine Stärkung der Machtpotenziale der Europäischen Union beobachten (Beck & Grande 2004). Aber dieser Machtgewinn wird begleitet von neuen und tiefen Brüchen zwischen den europäischen Gesellschaften und innerhalb der Europäischen Union, dem wohl bevorstehenden erstmaligen Austritt eines Mitgliedslandes, der Zerstörung sozialer Infrastrukturen, der Verarmung weiter Bevölkerungsschichten und massiver Jugendarbeitslosigkeit, denen die nationalen Regierungen in den ›Krisenländern‹ unter Verweis auf das EU-Regime wenig entgegenzusetzen vermögen. Eine Delegitimierung des europäischen Projektes, die sich direkt aus diesen neuen Macht- und Ungleichheitskonstellation ergibt, ruft Effekte bis ins Innerste und bis ganz oben in der politischen Hierarchie der EU, im Europäischen Parlament, hervor, in dem zunehmend nationalistische und rassistische Argumentationen (ultra)rechter Parteien und Bewegungen Einzug halten und das auf diese Weise selbst als Plattform für anti-europäische Positionen genutzt wird. Eine andere Konsequenz stellt die wachsende Kritik an der neoliberalen Austeritätspolitik der EU durch die Bewegungen einer neuen europäischen Linken auf nationalstaatlicher Ebene dar, die etwa durch den Wahlsieg der Syriza 2015 in Griechenland und die Zugewinne linker Parteien in Portugal oder Spanien bei Parlamentswahlen sichtbar in den Vordergrund gerückt ist.
Eine ähnliche Dynamik von Krise und Machtgewinn lässt sich in der Sphäre der internationalen Beziehungen beobachten, wenn etwa Tendenzen zu einer Europäisierung von Nachbarstaaten zu heftigen innenpolitischen Kämpfen und äußeren Interventionen führen. In der Ukraine war es etwa die Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens durch Präsident Janukowytsch (2013) und die sich damit andeutende stärkere Hinwendung zur Eurasischen Wirtschaftsunion, die mit dem ›Euromaidan‹ und den folgenden politischen Umbrüchen eine Entwicklung auslöste, auf die Russland mit vielfältigen destabilisierenden Maßnahmen, ökonomischem Druck, der Besetzung und Annexion der Krim sowie der Unterstützung von militanten ›Separatisten‹ im Osten des Landes reagierte. Was Europa ist und wo es endet, wird nicht zuletzt geopolitisch neu verhandelt. An diesen Verhandlungen sind auch die Migrationsbewegungen beteiligt (vgl. Transit Migration Forschungsgruppe 2007), deren massive Präsenz im Jahr 2015 den 'langen Sommer der Migration' hervorrief (Hess u.a. 2016; Römhild u.a. 2018): eine Dynamik, die vor allem als Krise des EU-europäischen Grenzregimes und seiner territorialen Einhegungen verstanden werden muss und die zwischenzeitlich selbst das Schengener Abkommen grundlegend in Frage gestellt hat (Bojadžijev & Mezzadra 2015; Hess & Kasparek 2017). Diese Krise verdeutlicht, dass die Politik Europas gegenwärtig nicht nur geopolitisch einzuordnen ist, sondern ebenso als eine 'postcolonial racial formation' (De Genova 2014: 294), als ein Verhandlungsraum, der den Reichtum, die Privilegien und das Prestige Europas vor äußeren Anderen zu schützen sucht. Aber trotz – oder wegen – solcher Konflikte und Krisen scheint Europa in vielen Feldern auf dem Vormarsch zu sein: in Gestalt spezifischer Wissens- und Werteregime von Demokratie und Menschenrechten, wie auch einer kapitalistisch orientierten Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die ihrem Ursprung nach als zutiefst (west)europäisch gelten und mit Hilfe daran orientierter, internationaler Organisationen wie Weltbank und Internationalem Währungsfond (IWF), der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) und den Vereinten Nationen (UNO) global propagiert und durchgesetzt werden. Dass Europa global als Verfechterin von Menschenrechten gegenüber Drittstaaten auftritt, hindert jedoch die EU nicht daran, selbst eklatant gegen die Menschenrechte zu verstoßen: in einem Umgang mit den Migrationsbewegungen aus dem Globalen Süden und Osten, der den bloßen Akt der Grenzüberschreitung jenseits aller ›Willkommenskultur‹ weiterhin illegalisiert und kriminalisiert, das Asylrecht drastisch einschränkt und die inhumanen Konsequenzen dieser Praxis, einschließlich eines massenhaften Sterbens an den Grenzen, als ›Kollateralschäden‹ einkalkuliert. Und auch der europäische Anspruch einer globalen Anwaltschaft für Demokratie wird durch eine EU-Innenpolitik konterkariert, welche die sozialen Einschnitte der von ihr anberaumten Anti-Krisenmaßnahmen notfalls auch höchst undemokratisch – gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerungen und gegen massive Proteste in den betroffenen Mitgliedsstaaten – durchsetzt.
Diese geo- und machtpolitischen Neuausrichtungen setzen eine Rekonfiguration der von (Post-)Kolonialismus und Kaltem Krieg geprägten Kräfteverhältnisse in Gang, deren Ausgang bisher unentschieden ist. So ist Europa ökonomisch und geopolitisch dabei, Platz zu machen für die neuen Mächte einer multipolaren Weltordnung. Im 'Atlas der Globalisierung' wurde bereits 2012 (112f.) die zukünftige Mitte der Welt in China und den anderen so genannten BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und Südafrika – verortet. Der Rekurs auf ›den Westen‹ und seine (schwindende) Dominanz scheint aus dieser Perspektive endgültig überholt. In einer spezifischen postkolonialen Zuspitzung steht Europa für eine Vergangenheit der kolonialen Herrschaft weißer Männer, die Zukunft liegt dagegen in einem jungen, aufstrebenden Afropolitanismus (Mbembe 2007; Mbembe 2016) des globalen Südens. Manche sehen am Horizont sogar eine Prä-Kolonisierung Europas durch seine ehemaligen Kolonien heraufziehen (vgl. den Beitrag von Ulrich Beck in diesem Band).
Aus der Perspektive seiner Ränder und globalen Verflechtungen zeigt sich das politische Projekt Europa als spannungsreich und ambivalent, so dass sich die Rede von seiner Einheitlichkeit mehr und mehr als ein Trugbild erweist. Wie sich die politischen Proteste und Revolten, die ausgehend von Nordafrika an vielen Orten im Norden und Osten Europas sowie um das Mittelmeer herum auftauchen und wieder verebben, um an anderen Orten erneut aufzukommen, auf das politische Projekt Europa auswirken, ob sich aus der Kritik an der Unhaltbarkeit und Reformstrenge des Krisenmanagements ein anderes Europa formiert und etabliert, bleibt ungewiss. Mindestens der Machtgewinn des globalen Kapitalismus scheint jedoch derzeit unaufhaltsam: Von 'frontiers of capital' sprechen die Anthropologinnen Melissa Fisher und Greg Downey (2006) und verweisen damit auf die unaufhörliche Kraft des Kapitals, seine Einfluss- und Akkumulationssphären auszudehnen, zeitliche und räumliche Verschiebungen zu provozieren, heterogene Räume und Regimes einzurichten und schließlich auch politische, kulturelle, ökonomische sowie soziale Beziehungen zu transformieren. Alte räumliche Hierarchien brechen auf, und auch innerhalb Europas bildet sich eine neue ökonomisierte und machtpolitische Geographie heraus (Mezzadra & Neilson 2013). Gleichzeitig entstehen Gegenbewegungen, und es eröffnen sich neue Möglichkeiten und Räume der Kritik. Dabei bleibt die Frage
offen, ob ein zunehmend entfesselter Kapitalismus in der Konsequenz die Prozesse einer Auflösung der postkolonialen und Post-Kalter-Krieg-Weltordnung beschleunigt oder aber als Teil eines Siegeszuges ursprünglich eurozentrischer und ›verwestlichender‹ Diskurse und Politiken letztlich die Behauptung Europas und ›des Westens‹ als Gravitationszentren politischer, kultureller und epistemologischer Macht über die Welt unterstützt.
Von der Provinzialisierung zur Dezentrierung Europas:
Wege aus dem methodologischen und konzeptionellen Eurozentrismus
Dipesh Chakrabarty (2000) zeigt, dass die Geschichte der kolonialen Moderne durchgängig von solchen Widersprüchen begleitet wird. So verstoßen die koloniale ›Zivilisationsmission‹ und ihre Modernisierungsprojekte – wie sie etwa von den kolonialen Bürokratien oder später im Zuge internationaler Entwicklungszusammenarbeit verfolgt worden sind – gegen grundlegende Ideale wie ›Gleichheit‹ und ›Freiheit‹, für deren Durchsetzung sie vorgeblich eintreten, ohne dass dies zu einer Revision der politischen Ursachen dieser widersprüchlichen Praxis geführt hätte. Stattdessen dominiert bis in die Gegenwart eine Verleugnung westlich-europäischer Verantwortung für das politische Scheitern an den Idealen der Moderne und eine Verschiebung des Verursacherprinzips in Richtung der ehemals Kolonialisierten, der ›Unterentwickelten‹ und zu Modernisierenden, in Gestalt sowohl eines globalen als auch eines europäischen Südens der mediterran-atlantischen Ränder, der neuen EU-Mitgliedsstaaten und der Anrainer. Die dort jeweils als primär selbstverschuldete Defizite deklarierten Probleme rechtfertigen bis heute die Fortsetzung von Politiken, in denen ›der Westen‹ trotz aller Widersprüche in der Praxis als idealer Stellvertreter und Fürsprecher der Moderne auftritt.