E-Book, Deutsch, 431 Seiten
Stock / Schneider Die ersten Institute für Psychologie im deutschsprachigen Raum
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8409-3018-8
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Ihre Geschichte von der Entstehung bis zur Gegenwart
E-Book, Deutsch, 431 Seiten
ISBN: 978-3-8409-3018-8
Verlag: Hogrefe Publishing
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Die wissenschaftliche Psychologie feiert 2019 einen runden Geburtstag: Vor 140 Jahren wurde das erste Institut für Psychologie von Wilhelm Wundt gegründet. Dieses Buch fasst die Entwicklung der ersten Institute für Psychologie des deutschsprachigen Raums zusammen. Es enthält Beiträge zu den Instituten in Berlin, Bonn, Freiburg, Göttingen, Graz, Innsbruck, Kiel, Leipzig, München, Würzburg und Zürich. Diese 11 Institute gehören nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit zu den ältesten Heimstätten psychologischer Forschung der neueren Zeit. Die Entstehung, Entwicklung und Gegenwart dieser im ausgehenden 19. Jahrhundert entstandenen Institute wird anhand aktueller Archivrecherchen detailliert dargestellt.
Dies ist der erste Band, der seit der Veröffentlichung von Ulfried Geuters „Daten zur Geschichte der deutschen Psychologie“ in den 80er Jahren Informationen über verschiedene Institute für Psychologie in einem Werk vereint, sodass Vergleiche zwischen den Anfangsphasen der Institute möglich werden und Unterschiede wie auch Ähnlichkeiten in den Entwicklungstrends nachvollziehbar sind. Dabei wird auch die Phase nach dem Zweiten Weltkrieg genauer beleuchtet und auf die neuesten Institutsentwicklungen eingegangen.
Die Beiträge in diesem Band bieten nicht nur interessante Informationen für diejenigen, die an den beschriebenen Orten studiert haben oder wissenschaftlich tätig waren. Aus ihnen ergibt sich auch für alle an der Geschichte der wissenschaftlichen Psychologie interessierten Personen ein lebendiges Bild von den meist schwierigen Anfängen einer im ausgehenden 19. Jahrhundert zunehmend populärer werdenden Disziplin und ihrer institutionellen Verankerung im universitären Bereich.
Zielgruppe
Forscher mit Schwerpunkt Geschichte der Psychologie, Studierende und Lehrende der Psychologie
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
1;Inhaltsverzeichnis und Vorwort der Herausgeber;7
2;1 Berlin – Das Psychologische Institut der Friedrich-Wilhelms-Universität sowie frühere, gleichzeitige und spätere psychologische Einrichtungen;13
2.1;1.1Das Seminar für experimentelle Psychologie und das Psychologische Universitätsinstitut bis 1921;14
2.2;1.2Die Stellung des Psychologischen Instituts in der Philosophischen Fakultät und die Rolle der Experimentellen Psychologie;25
2.3;1.3 Arbeiten und Leben im Psychologischen Institut: Mitarbeiter, Forschung und Lehre bis 1921;30
2.4;1.4Psychologie an der Berliner Universität vor und neben Stumpfs Psychologischem Institut;35
2.5;1.5 Psychologie an Berliner Akademien und in Einrichtungen des Bildungsbürgertums;42
2.6;1.6 Das Psychologische Institut und die Psychologie an der Berliner Universität von 1922 bis 1935 (mit Exkurs zur Technischen Hochschule Charlottenburg);44
2.7;1.7Psychologie an der Berliner Universität von 1935 bis 1945;51
2.8;1.8 Der Umbruch des Jahres 1945 und die Fortentwicklung der Psychologie in Berlin;56
2.9;1.9Literatur;60
3;2Bonn – Geschichte der Psychologie an der Universität Bonn;68
3.1;2.1Psychologie an der Universität Bonn von 1818 bis 1898;68
3.2;2.2Die Gründung des Psychologischen Seminars im Jahr 1898;70
3.3;2.3Die ersten Jahre nach der Gründung bis 1927;72
3.4;2.4Das Institut in der Zeit von 1928 bis 1945;74
3.5;2.5Wiederaufbau des Instituts: „Interimsphase“ 1945 bis 1960;79
3.6;2.6Konsolidierungs- und Differenzierungsprozess der Psychologie seit 1960 bis zum Beginn der 1980er Jahre;81
3.7;2.7Die Entwicklung von 1983 bis 2018;86
3.8;2.8Literatur;92
4;3Freiburg – Zur Gründungsgeschichte der Freiburger Psychologie;94
4.1;3.1Zusammenfassung;94
4.2;3.2Zur älteren Vorgeschichte;95
4.3;3.3Die neuere Vorgeschichte: Wilhelm Windelband und Alois Riehl;97
4.4;3.4Gründung einer akademischen Disziplin, eines Instituts oder einer Organisationseinheit für Lehre und Forschung;99
4.5;3.5Die Geschichte des Freiburger Instituts;103
4.6;3.6Zwei psychologiegeschichtliche Perspektiven;130
4.7;3.7Literatur;135
4.8;3.8Tabellen;141
5;4Göttingen – Ein traditionsreicher Ort für Psychologie;148
5.1;4.1Georg Elias Müller;150
5.2;4.2Gründung des Psychologischen Instituts im Jahre 1887;152
5.3;4.3Nachfolge von Georg Elias Müller;155
5.4;4.4 Nationalsozialistische Einflüsse auf die Göttinger Berufungspolitik;156
5.5;4.5 Ausbombung und Wiederaufbau des Göttinger Instituts;158
5.6;4.6 Ausbau und Erweiterung der Göttinger Psychologie;162
5.7;4.7 Fachbezogene Erweiterungen und Entwicklungen;164
5.8;4.8Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie;165
5.9;4.9Literatur;170
6;5 Graz – Zur Geschichte des Grazer Instituts für Psychologie;172
6.1;5.1 Die Gründung eines Psychologischen Laboratoriums in Graz;172
6.2;5.2 Die führenden Persönlichkeiten des Grazer Psychologischen Laboratoriums: Stephan Witasek und Vittorio Benussi;174
6.3;5.3 Der Erste Weltkrieg und das Ende der Grazer Schule der Psychologie;177
6.4;5.4 Die Zwischenkriegszeit und der Zweite Weltkrieg;178
6.5;5.5Die Nachkriegszeit bis zum Neubeginn 1968;180
6.6;5.6Die Teilung der Philosophischen Fakultät und die Errichtung von Abteilungen;184
6.7;5.7Die Entwicklung der räumlichen Situation des Instituts;187
6.8;5.8Entwicklung des Lehrangebots;190
6.9;5.9Die Entstehung neuer Arbeitsbereiche und deren Forschungsschwerpunkte im Überblick;192
6.10;5.10Ein Blick in die Zukunft;198
6.11;5.11Literatur;199
7;6 Innsbruck – Kurz gefasste Geschichte des Instituts für Psychologie an der Universität Innsbruck (1896–1993/2000);203
7.1;6.1 Franz Hillebrands Innsbrucker Institutsgründung (1897);203
7.2;6.2Franz Hillebrand (1896–1926);207
7.3;6.3Theodor Erismann (1927–1954);213
7.4;6.4Ivo Kohler (1956?–?1981);218
7.5;6.5Dieter Klebelsberg (1975–1993);221
7.6;6.6Manfred Ritter (1985–2000);224
7.7;6.7Postskriptum und Ausblick;226
7.8;6.8Literatur;228
7.9;6.9Archivquellen;233
8;7 Zur Geschichte des Instituts für Psychologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel;235
8.1;7.1Einleitung;235
8.2;7.2Anfänge an der CAU im 18. und 19. Jahrhundert;236
8.3;7.3Psychologisches Seminar (1898–1924);243
8.4;7.4Psychologisches Institut (1924–1948);257
8.5;7.5Fazit;270
8.6;7.6Literatur;272
9;8Leipzig – Die Geschichte des Instituts für Psychologie der Universität Leipzig;276
9.1;8.1 Bis ins 18. Jahrhundert – Entwicklung des Empirischen Ansatzes durch Thomasius, Wolff, Platner, Carus;276
9.2;8.2 Im 19. Jahrhundert – Begründung der Psychophysik durch Weber und Fechner;278
9.3;8.3 Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – Fundierung der Experimentellen Psychologie und der Völkerpsychologie durch Wundt;280
9.4;8.4 Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – Die Gründung des weltweit ersten Instituts für Experimentelle Psychologie durch Wundt;285
9.5;8.5 Anfang des 20. Jahrhunderts – Die erste Leipziger Schule;289
9.6;8.6 Anfang des 20. Jahrhunderts – Die zweite Leipziger Schule unter Felix Krueger;290
9.7;8.7 Das Institut bis 1968 – Wechselspiel von Wissenschaftspolitik und Tradition;294
9.8;8.8 Das Institut von 1968 bis 1993 – Die Herausbildung der aktuellen Institutsstruktur;295
9.9;8.9Das Institut nach 1993;299
9.10;8.10Literatur;303
10;9 München – Zur Geschichte des Psychologischen Instituts an der Ludwig-Maximilians-Universität München seit dem späten 19. Jahrhundert;306
10.1;9.1Gründungszeit;307
10.2;9.2Institutsgründung;310
10.3;9.3Zeit der Etablierung;311
10.4;9.4Psychologie in München unter NS-Herrschaft;316
10.5;9.5Etablierung der Psychologie als eigenständige Disziplin;318
10.6;9.6Zeit der fachlichen Ausdifferenzierung;321
10.7;9.7Zeit der Umstrukturierung;335
10.8;9.8Entwicklungslinien seit Mitte der 60er Jahre;348
10.9;9.9Literatur;353
11;10Würzburg – Die Entwicklung des Instituts für Psychologie der Universität Würzburg seit dem späten 19. Jahrhundert;357
11.1;10.1Probleme mit der Terminologie;357
11.2;10.2 Enge Verflechtungen von Philosophie und Psychologie;361
11.3;10.3 Die Vorphase der Institutsgründung in Würzburg;365
11.4;10.4 Entwicklung des Würzburger Instituts für Psychologie – Aufbauphase in der Wilhelminischen und Weimarer Zeit;370
11.5;10.5 Das Würzburger Institut nach dem zweiten Weltkrieg;377
11.6;10.6Die bis heute anhaltende Ausbauphase;381
11.7;10.7Das Würzburger Institut für Psychologie in der Neuzeit;384
11.8;10.8Literatur;389
12;11 Zürich – Die Erstetablierung des Psychologischen Instituts der Universität Zürich;392
12.1;11.1Das Psychologische Laboratorium in Zürich;396
12.2;11.2 Zur Etablierung der Bezeichnung „Psychologisches Institut“;400
12.3;11.3Wiederaufbau der Psychologie nach 1947;405
12.4;11.4Literatur;407
13;Anhang;411
13.1;Die Autorinnen und Autoren des Bandes;413
13.2;Personenregister;415
13.3;Sachregister;425
|66|2 Bonn – Geschichte der Psychologie an der Universität Bonn1
Georg Rudinger, Ralph Stöwer und Bernd Schlöder 2.1 Psychologie an der Universität Bonn von 1818 bis 1898
Die Institutionalisierung der Psychologie an der Bonner Universität erfolgte durch die Gründung des Psychologischen Seminars am 1. April 1898. Dies geschah auf der Basis einer 80-jährigen Vorgeschichte, da schon seit der Universitätsgründung in Bonn – wie an anderen Universitäten – regelmäßig Psychologie gelesen wurde. Die Psychologie war an deutschen Universitäten traditionell eine Subdisziplin der systematischen Philosophie neben Erkenntnistheorie, Logik, Ästhetik, Ethik oder Metaphysik.2 Dementsprechend gehörte die Psychologie seit der Bonner Universitätsgründung 1818 zum Philosophiestudium. So wurden genuin psychologische Lehrveranstaltungen regelmäßig u.?a. von den Philosophen Karl Joseph Hieronymus Windischmann, Christian August Brandis, Friedrich van Calker – nur um einige zu nennen – gehalten und schafften es in manchen Semestern in die Gruppe der bestbesuchten Vorlesungen; solche Statistiken gab es schon vor 200 Jahren! Dass Psychologie von Dozenten der Philosophie gelehrt wurde, änderte sich auch |67|nach der Gründung des Psychologischen Seminars im Jahre 1898 eine geraume Zeit lang nicht. Es ist also durchaus dem Eindruck entgegenzutreten, die Geschichte der wissenschaftlichen Psychologie beginne erst mit der Einführung des kontrollierten Experiments und der daraus resultierenden technischen Zweckmäßigkeit von Institutsgründungen. Psychologie ist geistesgeschichtlich so alt wie die Philosophie, die sukzessive Spaltung in zwei autonome Wissenschaftsbereiche ist dagegen eine Entwicklung der wissenschaftlichen Moderne, die nicht nur wissenschaftssystematische Gründe hat, sondern auch auf soziale, bürokratisch-institutionelle und biografische Aspekte zurückzuführen ist. Dies gilt auch für die Bonner Psychologie. Die für die vorexperimentelle Psychologie in Bonn stehenden Philosophen des 19. Jahrhunderts können hier nur exemplarisch aufgezählt werden: Karl Joseph Hieronymus Windischmann (1775–1839), Joseph Ennemoser (1787–1854), Ferdinand Delbrück (1772–1848), Christian August Brandis (1790–1867), Friedrich van Calker (1790–1870), Franz Peter Knoodt (1811–1889), Friedrich Albert Lange (1828–1875), Friedrich Überweg (1826–1871), Josef Neuhäuser (1823–1900), Karl Schaarschmidt (1822–1910). Hervorzuheben ist Jürgen Bona Meyer (1829–1897), Vorgänger Benno Erdmanns (1851–1921) auf dem evangelischen Philosophielehrstuhl in Bonn (vgl. Köhnke, 1993), dessen Versuch, die entstehende Experimentalpsychologie durch eine psychologische Deutung der kantischen Erkenntniskategorien philosophisch zu legitimieren (Meyer, 1877), große Beachtung fand. Ein kurzer Blick zurück auf Publikationen und Karrierebiografien zeigt, wie die Psychologie in Bonn zunehmend Gestalt annahm. So studierte z.?B. Hermann Ebbinghaus (1850–1909) in Bonn vor allem bei Jürgen Bona Meyer (vgl. dazu Mühle, 1959). Meyers Ansatz beeinflusste die wissenschaftliche Orientierung seiner Schüler Theodor Lipps (1841–1914) und Götz Martius (1853–1927). Sie wiederum waren die ersten, die in Bonn – damals noch auf privater Basis – psychologische Experimente durchführten. Während es Theodor Lipps jedoch bereits 1890 nach Breslau zog, blieb es Götz Martius vorbehalten, 1889 seine Privatsammlung psychophysischer Apparate in Räumen der Bonner Universität unterzubringen und moderne experimentalpsychologische Übungskurse anzubieten, an denen in der Regel 5 bis 10 Studenten teilnahmen. Martius hatte die erforderlichen Kompetenzen in einem Studiensemester in Leipzig bei Wilhelm Wundt (1832–1920), dem Gründer des weltweit ersten Psychologischen Instituts (1879), erworben. Er folgte in der technischen Ausstattung des Laboratoriums und der Anlage seiner Experimente ganz dessen Vorbild, schuf also ein „Leipzig am Rhein“, wie es Gundlach (1999) ausdrückte, in dessen Beitrag sich weitere Fakten zum ersten psychologischen Laboratorium in Bonn finden. |68|Dass Martius sich als Privatdozent bzw. Extraordinarius ein apparatives Rüstzeug im Wert von etwa 7.500 Mark leisten konnte, dürfte eine glückliche Folge seiner Ehe mit der Tochter des wohlhabenden Berliner Industriellen Borsig und daher wohl eher einem privaten Umstand zu verdanken gewesen sein. Dass damit alle Möglichkeiten eben auch eines konkurrenzfähigen „Leipzig am Rhein“ vorhanden waren, haben weder der damalige preußische Hochschulreferent Althoff noch die Bonner Philosophische Fakultät bemerken wollen, weil sie befürchteten, dass der außerordentliche Professor Anspruch auf ein philosophisches Ordinariat an der damals zweitgrößten preußischen Universität erheben würde. Martius wurde daher nicht gestattet, sein Laboratorium zu einem Universitätsinstitut auszubauen, was unabdingbare Voraussetzung für dauerhaften Erfolg gewesen wäre (vgl. dazu im Einzelnen Stöwer, Rietz & Rudinger, 1998, S. 7–11). 2.2 Die Gründung des Psychologischen Seminars im Jahr 1898
Ein Psychologisches Seminar wurde schließlich am 1. April 1898 gegründet. Die Bonner Gründung war damit nach der von Wilhelm Wundt im Jahr 1879 die fünfte dieser Art, also die insgesamt sechste im Deutschen Kaiserreich. Der Bonner Gründung gingen die in Göttingen 1886, Berlin 1894, Breslau 1895 und Würzburg 1896 voraus. In Bonn bereitete die Unterbringung des Seminars wegen des notorischen Raummangels in der Bonner Universität zunächst erhebliche Schwierigkeiten. Schließlich wurde das Seminar auf Anweisung des damaligen Universitätskurators Rottenburg (1845–1907) in zwei Räumen im Erdgeschoss des damaligen Kuratorialflügels des Hauptgebäudes untergebracht. Gründungsdirektor war der schon erwähnte Benno Erdmann (1851–1921) (vgl. Abb. 2.1), der auf Betreiben des mächtigen preußischen Hochschulreferenten Friedrich Althoff (1839–1908)3 zum Sommersemester 1898 als Nachfolger des verstorbenen Jürgen Bona Meyer auf den dritten philosophischen Lehrstuhl in Bonn berufen worden war. Friedrich Althoff traute Benno Erdmann am ehesten zu, das darniederliegende philosophische Interesse in Bonn wiederzubeleben und anzufachen. Die Schaffung eines Lehrangebotes in Experimentalpsychologie war dabei ein wichtiger Teil der Strategie Erdmanns, dem philosophischen Lehrbetrieb Impulse zu verleihen, da psychologische Experimentalforschung zu dieser Zeit vielen Kennern als moderner und innovativer Weg der Philosophie galt. Die Erfolge Wilhelm Wundts, |69|Carl Stumpfs (1848–1936), Hermann Ebbinghaus’ und Oswald Külpes (1862–1915) in Leipzig, Berlin, Göttingen und Würzburg hatten dies gezeigt. Dass schließlich Benno Erdmann sich gegen die ursprünglichen Fakultätskandidaten Friedrich Jodl (1849–1914), Alois Riehl (1844–1924) und Götz Martius durchsetzte, war nicht zuletzt den Winkelzügen der Berufungspolitik Althoffs zu verdanken. In der Berufungsvereinbarung mit Erdmann wurde als seine Aufgabe festgelegt, die Philosophie nach der historischen und der systematischen Seite zu vertreten (vgl. Stöwer, Rietz & Rudinger, 1998, S.?13–15). Die für die Geschichte der Bonner Psychologie entscheidende Passage lautete: Dem Professor Erdmann wird gestattet, den psychophysischen Apparat, den er für seine Vorlesungen dringend braucht, und welchen er bereits von Breslau nach Halle mitgenommen hat, auch nach Bonn zu überführen. Dieser Apparat wird den Stamm für ein psychologisches Seminar bilden, für welches eine jährliche Dotation von 300 Mark zugesichert wird.4 Die Experimentalausstattung war also nicht an den Ort, sondern an die Person gebunden. Ihre inoffizielle Existenz in Breslau, wo er sie bereits 1884 mit Unterstützung der preußischen Unterrichtsverwaltung angelegt (jedoch ohne Institutionalisierung) und dann mit nach Halle genommen...