Wendisch | Verhaltenstherapie emotionaler Schlüsselerfahrungen | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 405 Seiten

Wendisch Verhaltenstherapie emotionaler Schlüsselerfahrungen

Vom kognitiven Training zur emotionalen Transformation, Wissenschaftliche Grundlagen und praktische Anleitung
1., Auflage 2015
ISBN: 978-3-456-95521-6
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Vom kognitiven Training zur emotionalen Transformation, Wissenschaftliche Grundlagen und praktische Anleitung

E-Book, Deutsch, 405 Seiten

ISBN: 978-3-456-95521-6
Verlag: Hogrefe AG
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Die sogenannte „evidenzbasierte“ Psychotherapie ist begleitet von Fehlentwicklungen: Kognitivismus, Symptomfixierung, Technikfixierung! Die Dritte Welle in der VT vermag die Vielfalt der Befunde nicht zu integrieren und löst diese Probleme nicht wirklich. Diese können nur im Rückgriff auf schulenübergreifende Empirie und auf die Praxis täglicher Arbeit mit Patienten korrigiert werden. Hier werden zahlreiche Forschungsbereiche kritisch integriert und eine störungs- und verfahrensübergreifende Psychotherapie entwickelt (Ätiologie, Fallkonzept, Behandlung). Symptombezogene, persönlichkeitsbezogene und emotionsverarbeitende Therapiestrategien werden gezielt kombiniert. Im Mittelpunkt stehen selbstwertverletzende Erfahrungen und ein Kaskadenmodell emotionaler Stressbelastungen. Die entwicklungspsychologische Orientierung ist auch mit einer Annäherung der Behandlung von Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen verbunden; denn der Umgang von Erwachsenen mit Kindern ist die Vorlage für den späteren Umgang des Erwachsenen mit sich selbst, Anderen und seinen realen Kindern. Das Buch enthält viele Patientenbeispiele, Infoboxen präziser Interventionen, exemplarische Therapieprozesse; eine Übersicht traumatherapeutischer Behandlungsverfahren und der Verfahren der Dritten Welle, aktuelle Gesprächstherapie (EFT) und aktuelle Psychoanalyse (Mentalisierung) und eine praxisnahe Diagnostik. Der umfangreiche Anhang enthält u.a. Arbeitsblätter, eine Fallkonzeptstruktur und Anregungen für Gesprächsführung in der Primärversorgung (sprechende Medizin).

Wendisch Verhaltenstherapie emotionaler Schlüsselerfahrungen jetzt bestellen!

Zielgruppe


ärztliche und psychologische Psychotherapeuten; Ausbildungskandidaten für Psychotherapie (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Therapie, Psychoanalyse); Ärzte in der psychosomatischen Grundversorgung (primär Psychiater, Hausärzte); Psychotherapieforscher; psychotherapeutisch tätige Wissenschaftler


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1;Verhaltenstherapie emotionaler Schlu¨sselerfahrungen;1
1.1;Inhaltsverzeichnis;6
1.2;Vorbemerkung zum Gebrauch des Buches;10
1.3;Einleitung: Die Psychotherapie im Wu¨rgegriff der Technokraten;12
1.4;Danksagung;16
2;1. Psychotherapieforschung;18
2.1;1.1 Psychiatrie: Forschung und Versorgung;18
2.2;1.2 Effektforschung und evidenzbasierte Psychotherapie;19
2.3;1.3 Ist die störungsspezifische Effektforschung eine Sackgasse?;23
2.4;1.4 Prozessforschung und Allgemeine Psychotherapie;24
2.5;1.5 Ist die Überbetonung Allgemeiner Psychotherapie eine Sackgasse?;26
2.6;1.6 Konsequenz: die Relation von Beziehung und Behandlungstechnik;27
2.7;1.7 Das gegenwärtige Wissenschaftsverständnis: Eine kritische Analyse;29
2.8;1.8 Theorie und Praxis: Die therapeutische Grundhaltung;36
2.9;1.9 Forschung in der Praxis: Versorgungsforschung;39
2.10;1.10 Ziele von Patienten;41
2.11;1.11 Bedu¨rfnisse von Patienten;42
3;2. Grundlagenforschung;44
3.1;2.1 Psychobiologie;44
3.2;2.2 Gedächtnispsychologie;49
3.3;2.3 Emotionspsychologie und Kommunikationspsychologie;51
3.4;2.4 Kognitionspsychologie;57
3.5;2.5 Selbst, Identität, Selbstbild (Modell der vier Selbststrukturen);60
3.6;2.6 Entwicklungspsychologie, Selbstentwicklung und Selbstwert;63
3.7;2.7 Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung;66
3.7.1;2.7.1 Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsstilenund -störungen;68
3.7.2;2.7.2 Welche Aspekte sind fu¨r die Psychotherapie zentral?;70
3.7.3;2.7.2 Welche Aspekte sind fu¨r die Psychotherapie zentral?;70
4;3. Störungsspezifische Therapieforschung;74
4.1;3.1 Kognitive versus emotionale Depressionstherapie;74
4.2;3.2 Traumaforschung;77
4.2.1;3.2.1 Traumagedächtnis: duale Repräsentation, Dissoziation;77
4.2.2;3.2.2 Traumadefinition und Traumasymptomatik;79
4.2.3;3.2.3 «Störung» oder «Verletzung»?;81
4.2.4;3.2.4 Modelle zur Traumaentstehung;82
4.2.5;3.2.5 Emotionales Wachstum und Spiritualität;84
4.2.6;3.2.6 Traumafolgestörungen und die fundamentale Bedeutung der ACE-Studie;85
4.2.7;3.2.7 Überblick u¨ber die wichtigsten traumafokussierten Verfahren und eine Kontroverse: Stabilisierung versus Konfrontation;87
4.2.8;3.2.8 Gibt es eine «Traumaschwemme»?;95
4.2.9;3.2.9 Konsequenz: Beru¨cksichtigung emotionaler Schlu¨sselerfahrungen;99
4.3;3.3 Schmerztherapie: Biofeedback und Schmerztransformation;100
4.4;3.4 Trauerbewältigung;102
4.5;3.5 Anpassungsstörungen und Belastungsreaktionen;104
5;4. Interventionsforschung: Imagination/Hypnose/Entspannung;106
6;5. Psychotherapiemodelle in der Verhaltenstherapie;112
6.1;5.1 Erste Welle: Verhaltenstherapie als lerntheoretisch fundiertes Verhaltenstraining (Wolpe, Mowrer, Skinner);113
6.2;5.2 Zweite Welle: Verhaltenstherapie als sozialer und kognitiver Problemlöse- und Lernprozess (Bandura, Beck, Kanfer);117
6.2.1;Exkurs: Exemplarisches störungsspezifisches Konzept: Das Panikmodell von Margraf und Schneider aus heutiger Sicht;122
6.3;5.3. Dritte Welle: Vom Training zur Transformation;127
6.3.1;5.3.1 Überblick u¨ber die Verfahren der dritten Welle;127
6.3.2;5.3.2 Diskussion der Verfahren der dritten Welle;133
6.4;5.4 Die gegenwärtige Mainstream-Verhaltenstherapie an vier Beispielen;138
6.5;5.5. Gibt es gegenwärtig ein hinreichendes theoretisches Fundament der Verhaltenstherapie?;143
7;6. Andere Psychotherapiemodelle;146
7.1;6.1 Psychotherapiemodell einer aktuellen Gesprächstherapie;146
7.2;6.2 Psychotherapiemodell einer aktuellen Psychoanalyse;148
7.2.1;6.2.1. Eine «radikale Neubewertung» in 12 Aussagen;148
7.2.2;6.2.2 Die Folge: Das Mentalisierungsmodell;152
7.2.3;6.2.3 Definition «Mentalisieren»;155
7.2.4;6.2.4 Narrative Mikroepisoden;158
7.2.5;Exkurs 1: Pathologie der Alltagskommunikation;159
7.2.6;Exkurs 2: Befunde zur Kommunikation in Arztpraxen;160
7.2.7;6.2.5 Das Strukturmodell der Persönlichkeitsentwicklung;161
7.3;6.3 Gibt es einen schulenu¨bergreifenden theoretischen Bezugsrahmen?;165
8;7. Stationäres und ambulantes Setting und die Hauptaufgabe der sprechenden Medizin;168
9;8. Ausbildung;172
9.1;8.1 Ausbildungsforschung;172
9.2;8.2 Ziele der Selbsterfahrung;177
9.3;8.3 Praktische Aspekte der Supervision;178
9.4;8.4 Psychotherapie und Selbsterfahrung: Brauchen wir verschiedene Modelle?;181
10;9. Mögliche Fehlentwicklungen;184
10.1;9.1 Wieder ein neuer (emotionaler) Reduktionismus?;184
10.2;9.2 Wieder eine neue (emotionale)Technokratie?;185
11;10. Konzeptueller Rahmen und Definitionen;188
11.1;10.1 Die Belastungskaskade – ein transdiagnostisches Rahmenmodell (Überblick);189
11.2;10.2 Definition zentraler Begriffe;194
12;11. Beschreibung der transdiagnostischen Behandlungsstrategie;200
12.1;11.1 Das transdiagnostischeStörungsmodell;200
12.2;11.2 Das transdiagnostische Fallkonzept;207
12.3;11.3 Das transdiagnostische Interventionsverständnis;213
13;12. Beschreibung der Interventionen;226
13.1;12.1 Gesprächsfu¨hrung: Die vergessene Intervention;226
13.1.1;Exkurs: Die Verwendung von somatischen Metaphern;239
13.2;12.2 Beziehungsgestaltung als interaktionelle Intervention;241
13.2.1;12.2.1 Der sensibel-selbstunsichere Stil;245
13.2.2;12.2.2 Der helfend-aufopfernde Stil;246
13.2.3;12.2.3 Der aggressiv-anklagende Stil;248
13.2.4;12.2.4 Der kontrollierend-gewissenhafte Stil;249
13.2.5;12.2.5 Der ehrgeizig-idealisierende Stil;250
13.2.6;12.2.6 Der selbstlos-anhängliche Stil;252
13.2.7;12.2.7 Der rational-distanzierte Stil;253
13.2.8;12.2.8 Der emotionale Stil;254
13.2.9;12.2.9 Der destruktive Stil (strukturelle bzw. schwere Störungen);255
13.3;12.3 Persönlichkeitsarbeit;257
13.3.1;12.3.1 Persönlichkeitsarbeit 1: Arbeit mit Persönlichkeitsstilen;258
13.3.2;12.3.2 Persönlichkeitsarbeit 2: Arbeit mit Persönlichkeitsinstanzen;261
13.3.3;Exkurs: Was ist der gesunde Kern einer Persönlichkeit?;264
13.4;12.4. Bearbeitung emotionaler Schlu¨sselerfahrungen;266
13.4.1;12.4.1 Die Struktur der Transformationsarbeit und die Arbeitsmodi;266
13.4.2;12.4.2 Die Identifikation primärer Schlu¨sselerfahrungen;268
13.4.3;12.4.3 Entspannung – Die Einbeziehung des Körpers;274
13.4.4;12.4.4 Imagination 1: Ressourcenorientierter Lebensru¨ckblick;279
13.4.5;12.4.5 Imagination 2/3: Aktivierung und Vertiefung der Schlu¨sselerfahrung;284
13.4.6;12.4.6. Imagination 4: Transformation der Schlu¨sselerfahrung;290
13.4.7;12.4.7 Imagination 5: Transfer in Gegenwart und Zukunft;304
13.4.8;Exkurs: Biofeedback (Hautwiderstand und emotionaler Stress);306
14;13. Rahmenbedingungen;308
14.1;13.1 Indikation und Kontraindikation;308
14.2;13.2 Rahmenbedingungen und Zeitstruktur in der Psychotherapie;311
14.3;13.3 Rahmenbedingungen und Zeitstruktur in der Selbsterfahrung;312
15;14. Exemplarische Therapieprozesse;314
15.1;14.1 Schwere depressive Episodemit chronischer Hepatitis und somatoformem Schmerzsyndrom;314
15.2;14.2. Panikstörung – tiefe Unsicherheit trotz äußerer Sicherheit;320
15.3;14.3 Emotional-instabile Persönlichkeitsstörung mit Suchtverhalten;327
15.4;14.4 Chronisch vermehrtes Essen, depressive Episode und leichte Persönlichkeitsstörung;334
15.5;14.5. Soziale Phobie, fru¨hkindlicher Mutismus, Nikotinabusus;338
15.6;14.6. Reizdarmsyndrom (chronische Verstopfung), Z..n. Bulimie;341
15.7;14.7 Chronisches Mu¨digkeitssyndrom mit Dysthymie;349
15.8;14.8 Eine Selbsterfahrung oder «Was ist eigentlich Erfolg?»;353
15.9;14.9 Misserfolge;356
16;15. Fazit und Ausblick: Eine Bilanz und was zu wu¨nschen bleibt;360
17;Anhang;366
17.1;Anhang 1: Tabellenverzeichnis;366
17.2;Anhang 2: Übersicht Infoboxen;367
17.3;Anhang 3: Der Therapiebericht mit Fallkonzept;368
17.4;Anhang 4: Arbeitsblatt «Beziehungs- und motivationale Schemaanalyse»;370
17.5;Anhang 5: Interventionsu¨berblick in der Makroperspektive;371
17.6;Anhang 7a: Konzentrative Tiefenentspannung (Langform 20 Minuten);380
17.7;Anhang 7b: Konzentrative Tiefenentspannung (Kurzform 5 bis 10 Minuten);382
17.8;Anhang 8: Das 5-Minuten- und das 25-Minuten-Gespräch;383
17.9;Anhang 9: Taxonomie emotionaler Stressbelastungen;384
17.10;Anhang 10: Arbeitsblatt «Ressourcenorientierter Lebensru¨ckblick»;387
17.11;Anhang 11: Literaturverzeichnis;388
17.12;Anhang 12: Sachwortregister;399
17.13;Anhang 13: Personenregister;403


1. Psychotherapieforschung (S. 17-18)

1.1 Psychiatrie: Forschung und Versorgung

Für die Psychiatrie und die schwersten psychischen Störungen (Psychosen, schwerste Depressionen, schwere Persönlichkeitsstörungen) ist der Fortschritt für die letzten 30 Jahre (der Generation von 1982 bis heute) nach Aussage von Prof. Priebe eher «ernüchternd». Mit «Fortschritt » meint Priebe «nicht neues Wissen – wie etwa Erkenntnisse über soziale und genetische Bedingungsfaktoren, biologische Korrelate von Störungen oder Wirkmechanismen von Therapien –, sondern allein die Entwicklung von effektiven Behandlungen für die Patienten, also das, was den Patienten in der täglichen Praxis wirklich zugutekommt und ihr Leiden lindert». Priebe resümiert, dass sich zwar die Versorgung der Patienten in den letzten 30 Jahren deutlich gebessert habe («…vor allem massive Investitionen in bessere Einrichtungen und zusätzliches Personal»), sich aber hinsichtlich der Wirksamkeit von Neuroleptika keine Verbesserungen und hinsichtlich Antidepressiva nur kurzfristige Effekte –und diese auch nur bei schweren Störungen – gezeigt hätten: «Es gibt kein einziges neues Medikament, das deutlich wirksamer wäre als die früher zur Verfügung stehenden (in der Generation davor, 1952–1982). Eventuelle Vorteile in Nebenwirkungsprofilen sind sicher wichtig, erhöhen aber nicht die Wirksamkeit.» Es sei über die Zeit «immer schwieriger» geworden, eine «spezifisch behandelte Behandlungsgruppe von einer unspezifisch behandelten Kontrollgruppe zu unterscheiden». Dies habe zunächst zu einer Diskussion des Placeboeffektes geführt, 17der sich aber nicht habe nachweisen lassen. Fazit aus dieser Diskussion sei, dass die Wirksamkeit der Standardbehandlungen zugenommen habe! Eine wesentliche Bedeutung komme daher den sog. unspezifischen Therapieeffekten zu: «Dazu gehören die Effekte einer guten therapeutischen Beziehung, einer allgemeinen sozialen Unterstützung, unterschiedlicher psychologischer Hilfen auch außerhalb formaler Psychotherapie und eines hilfreichen therapeutischen Milieus.» Er schließt daraus: «Die gezielte Untersuchung von bisher als unspezifisch betrachteten Behandlungsfaktoren könnte dabei ein lohnendes Feld sein.»

Eine alarmierende Entwicklung wird in den Vereinigten Staaten wahrgenommen (Sonderausgabe der Clinical Psychology Review 2013). Dort dürfen Psychopharmaka genauso beworben werden wie Erfrischungsgetränke. Zusammen mit der schlechten Bezahlung für Psychotherapie führt dies dazu, dass immer mehr Psychopharmaka verschrieben werden – auch an nicht beeinträchtigte Personen – und forschungsseitig immer mehr Geld in die Erforschung «biologischer Ursachen» psychischer Erkrankungen investiert wird anstatt in Psychotherapieforschung (Deacon 2013 S. 851). Doch trotz dieser massiven Unterstützung des biomedizinischen Modells hat sich nach 30 Jahren und milliardenschweren Investitionen immer noch kein biologischer Marker mit ausreichender Sensitivität finden lassen, der für irgendeine psychische Störung relevant ist (Gaudiano & Miller 2013 S. 820). Eine Richtungsänderung der Forschung ist jedoch nach wie vor nicht erkennbar. Eine solche Entwicklung lässt sich nur noch im Rückgriff auf ökonomische Interessen verstehen, in deren Kontext der scheinbar informierte Patient nur noch als Konsument ernst genommen wird.

Fazit: Selbst in der stark von Pharmakotherapie bestimmten Psychiatrie hat sich der Placebobegriff und die einfache Übertragung des Paradigmas spezifischer kausaler Medikamentenwirkungen auf psychosoziale Interventionen aufgelöst zugunsten einer differenzierteren Betrachtung störungsunspezifischer bzw. allgemeiner Behandlungseinflüsse auf den Patienten. Die Zukunft liegt hier in der Erforschung dieser allgemeinen Behandlungseinflüsse. Und es wird deutlich, dass für den Patienten spürbare Fortschritte sich manchmal mehr in der Versorgung und in der Gesundheitspolitik abspielen als in der Wissenschaft. Für die USA kann man in der Summe wohl eher von Rückschritten sprechen.

Konsequenzen für die Praxis
Die sog. «unspezifischen Behandlungsein-flüsse» sollten in der Psychotherapie min-destens so viel Beachtung finden wie die «störungsspezifischen». Der Glaube daran, dass klinische Forschung immer auf den Nutzen für den Patienten ausgerichtet ist, sollte bei aller Wertschätzung einer diffe-renzierteren Betrachtung weichen.

1.2 Effektforschung und evidenzbasierte Psychotherapie

In der Psychotherapieforschung haben sich in den letzten 30 Jahren zwei unterschiedliche Ansätze entwickelt, die von Strauss & Wittmann (2005) als «zwei Welten» beschrieben werden: die Effektforschung und die Prozessforschung. Diese zwei Forschungsparadigmen führen zu sehr unterschiedlichen Sichtweisen auf die Psychotherapie und zu unterschiedlichen Evidenzen.

Paradigmenspezifisch resultieren erhebliche Unterschiede in der Einschätzung dessen, ob der Erfolg einer Psychotherapie durch (störungs-)spezifische Techniken erreicht wird oder überwiegend durch störungsunspezifische Faktoren, was manchmal analog der Pharmaforschung als «Placeboeffekt» bezeichnet wird. Dass Psychotherapie wirkt, ist inzwischen nicht mehr umstritten. An u¨ber 80 000 Patienten konnte nachgewiesen werden, dass jede finanzielle Ausgabe fu¨r Psychotherapie hinsichtlich der Ausgaben fu¨r Medikamente, Krankenhausaufenthalte, Arztbesuche und der Folgekosten bei Arbeitsunfähigkeit zwei- bis sechsmal wieder eingespart wird (Grawe & Baltensperger 2001; Margraf 2009). Der durchschnittliche Nettonutzen liegt nach Wittmann et al. (2011) unter Verwendung konservativer Schätzverfahren bei 1 zu 2,5, also wird jeder Euro mindestens zweieinhalbmal wieder eingespart! Psychotherapie ist inzwischen ein hervorragend evaluiertes Interventionsfeld! Umstritten ist lediglich, wie sie wirkt (Wirkungsweise), als Hauptgegenstand der Prozessforschung. Nichts illustriert den Nutzen und die Aussagen der Effektforschung mehr als eine vergleichende Übersicht unterschiedlicher Behandlungsverfahren. Es dürfte das Selbstbewusstsein von Psychotherapeuten stärken, wenn sie sehen, dass Psychotherapie im Durchschnitt höhere Effektstärken erzielt als die meisten medizinischen Maßnahmen (Effektivität). Nach Cohen (1992) gilt eine Effektstärke von 0,2 als «klein», von 0,5 als «mittel» und von 0,8 als «groß». Da die Kosten von Psychotherapie vergleichsweise gering sind, liegt hier der break even (also der Grad der Effektivität, an dem Kosten und Nutzen sich neutralisieren) bei 0,1! Im Vergleich dazu zeigt sich in der folgenden Tabelle 1, dass Psychotherapie ein hochgradig wirksames Behandlungsfeld ist und die Arbeit an weiteren Verbesserungen auf einem sehr hohen Niveau stattfinden.

Schaut man sich die Werte zur Verhaltenstherapie an, dann kann man in der Tat Fortschritte erkennen von der ersten bis zur dritten Welle: Während sich die mittleren Effektstärken der kognitiven Verhaltenstherapie zur klassischen Verhaltenstherapie nur geringfügig unterscheiden, gibt es einen deutlichen Sprung von der kognitiven Verhaltenstherapie zur Schematherapie, allerdings nicht zur Acceptance and Commitment Therapy (ACT).



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.